Keine Regel ohne Ausnahme – Liebster-Award again

LIebsterBlog-AwardLang ist es her, dass ich hier herumgetönt habe, man möge mir doch bitte keine Stöckchen und Awards mehr zuwerfen. Nicht aus Arroganz schrieb ich das, denn ich fühlte mich immer sehr geehrt bei Nominierungen und Stöckchenwürfen in meinen Garten; eher bat ich wohl darum, weil ich nicht so gut darin bin, Regeln anderer einzuhalten. So irgendwie.

Dass ich jetzt, nach anderthalb Jahren, doch eine Ausnahme mache, hat zum einen mit den spannenden Fragen zu tun, die mir Zora Debrunner gestellt hat, die unter Demenz für Anfänger über das Leben als Enkelin einer demenzkranken Frau erzählt. Merci beaucoup, liebe Zora. Zum anderen, sagt selbst, was wäre eine Regel ohne Ausnahme? Eben!

Zoras 11 Fragen an mich:

1. Warum hast du angefangen, dieses Blog zu schreiben?
Dies hier ist bereits mein drittes Webtagebuch. Angefangen habe ich 2004, ein knappes Jahr nach dem Tod meines Sohnes, um den Verlust zu verarbeiten und meinen FreundInnen Einblick in meinen Prozess zu geben. Das Schreiben wurde immer mehr zu einer heilsamen Lebensnotwendigkeit und irgendwann wurde aus dem eher biografischen Schreiben auch ein Geschichtenschreiben. Ich habe inzwischen in einigen Büchern Geschichten veröffentlicht und schreibe regelmäßig journalistisch für eine Zeitschrift. Nach den handgestrickten Webseiten der frühen Jahre im Weweweh wechselte ich 2009 zu WordPress. An der Motivation – Alltagsbewältigung/Verarbeitung/Verdauung – hat sich nicht viel geändert, auch wenn noch andere Motive dazugekommen sind. Zum Beispiel so etwas wie ein Training für die Schreibmuskeln, zum Warmbleiben, besonders in weniger kreativen Phasen, ist das Bloggen auf jeden Fall für mich.

2. Wie kommst du zu deinen Texten? Was inspiriert dich?
Das Leben selbst füttert mich mit Schreibstoff, das Leben mit all den Ecken und Kanten, die es mir in den Weg stellt. Mein Leben ebenso wie das meiner Mitmenschen. Die stetige Veränderung meiner Umwelt bietet unendlich viel Denkfutter. Hinschauen, Denken und Schreiben sind für mich fast Synonyme Ich sehe mich als Beobachterin und als eine, die versucht, zu verstehen.

3. Würdest du gerne vom Schreiben leben? Oder, wenn dies bereits der Fall ist: was musstest du unternehmen, damit du vom Schreiben leben kannst?
Oh ja, gerne. Sehr gerne. (Hey, Fee, hast du das gehört!?)

4. Wie sähe dein perfekter Tag aus?
Oh. Äh. Perfekt? Die Perfektionistin-in-mir runzelt die Stirn, weil sie weiß, dass perfekt nicht wirklich geht. Und weil dem allzu Perfekten immer ein bisschen etwas Steriles anhaftet. Nennen wir es: beglückend, friedvoll, mich beschenkt fühlend, okay? Ein solcher Tag also ist es, wenn ich nicht (allzu sehr) ins Depressive abdrifte und am Abend zufrieden mit dem Leben und dem, was war und ist, ins Bett gehe. Dem Liebsten zuflüsternd: Danke, das war ein echt toller Tag an deiner Seite. Dieser Tag hatte genug Momente tiefster Konzentration, genug Pausen, genug Nahrung, genug Luft und Licht. Genug Lachen und Stille. Dieser Tag war wie ein Musikstück, das ich höre und mich dabei wohlfühle.
Ob Ferien-, Frei oder Arbeitstag: Ein guter Tag ist einer ohne Wecker. Ich erwache von selbst, habe gut, tief und genug geschlafen und erfreue mich am Liebsten neben mir. Nach einem gemütlichen Früh- oder Spätstück gehen wir an freien Tagen raus in die Natur (zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Auto …) und genießen Bewegung und Ruhe. Ist es ein Arbeitstag, dann irgendwie so: am PC arbeiten, sprich am neuen Buchprojekt weiterschreiben oder ein bestehendes überarbeite, Bilder bearbeiten etc.. Mails schreiben. Kontakte pflegen. Soziale Medien besuchen. Den Gedanken Raum geben.
Am Feierabend mit einem gemütliche Abendessen – zusammen gekocht – den Tag abschließen und je nach Lust und Laune ab und zu mal ins Kino oder an ein Konzert gehen oder aber daheim gemütlich chillen, sprich lesen (!!!), einen Film schauen, Bilder appen, erzählen und zuhören, Besuch haben/machen etc. Und gerne dürfen an solchen Tagen auch andere Menschen mit dabei sein.

5. Wer hat dich in deinem Leben massgeblich geprägt?
Da muss ich im Plural antworten: Sicher die Eltern und meine Geschwister, dann aber auch nahe FreundInnen und Freunde. Und Ex-Partner. Mein Sohn, sehr. Und natürlich der Liebste. Und ja, auch Menschen wie Luisa mit ihren Büchern, Kursen, Mails und ihrem Internettagebuch.

6. An welches Erlebnis aus deiner Kindheit denkst du gerne zurück?
An meinen ersten Zelturlaub mit meinem zwölf Jahre älteren Lieblingsbruder und seiner heutigen Frau (die beiden sind seit über 40 Jahren glücklich miteinander). Mit dabei waren meine beiden fast gleich alten Geschwister. Wir haben bei Regen im Zelt Monopoly gespielt und unter den Giessbachwasserfällen Eisbecher gelöffelt. Und im Brienzersee gebadet und die Beatushöhlen besucht und … vermutlich habe ich damals den Campingvirus bekommen.

7. Dürrenmatt oder Frisch?
Wieso ‚oder‘? Ich bevorzuge ‚und‘. Würde ich aber ein Buch von Dürrenmatt oder Frisch auswählen müssen, nähme ich wohl eins von Frisch, weil ich von Dürrenmatt fast alle gelesen habe.

8. Welche Gegend magst du am liebsten und warum?
Oh, darf ich nur eine Gegend nennen? Ähm. Ich mag aber doch soo viele! Und eigentlich auch nicht wirklich nur bestimmte Gegenden, eher ganze Landstriche. Ich fange mal mit Südfrankreichs Meerstränden und Bergen an (ich sag nur Pyrenäen). Weiter geht’s in die Alpujarras in Südspanien. Und von da hüpfen wir nach Skandinavien. Sowohl den Süden Schwedens als auch Schwedisch-Lappland mit seiner Kargheit mag ich. Und auch die schwedischen Gegenden mittendrin. Und, ach, die norwegische Westküste, die natürlich auch. Sehr. Überhaupt: Norwegen! Und die Ostsee. Schleswig-Holsteins Küsten. Und die Alpen der Schweiz. Ja, die auch.
Ihr merkt es schon? Ich mag Natur, ich mag Meer, viel Himmel über mir und ich mag Berge, frische Luft, Weite, Aussicht, Weitsicht. Und Wälder, Felder und Wiesen. Und vor allem brauche ich keine Animation, ich brauche Ruhe. Und dann freu ich mich immer sehr auf mein Bett zuhause.

9. Wenn du nicht bloggen würdest (und es kein Internet gäbe), was würdest du dann tun?
Trotzdem schreiben, keine Frage. Habe ich ja auch vorher schon. Nur eben nicht öffentlich.

10. Glaubst du an das Gute im Menschen? Falls ja, warum? Falls nein, warum nicht?
Irgendwie schon. Aber. Das Gute ist ebenso vorhanden wie das Schlechte, Schlimme – so meine These. Vielleicht sind beide sogar aus dem gleichen Garn gehäkelt, denn wir sind alle alles, davon gehe ich aus. Darum sind wir auch in er Lage, Gutes und Schlimmes zu tun, oder – wie ich es lieber nenne – Lebensförderndes und Lebensfeindliches. Alles läuft auf die freie Wahl des Menschen hinaus. Sie unterscheidet uns unter anderem entscheidend vom Tier und darf nienie unterschätzt werden.
Ob wir von Natur aus gut oder schlecht sind, ist eine Frage, über die sich die PhilosophInnen aller Zeiten die Köpfe zerbrochen haben. Ich vermute eben: beides.
Wohl auch weil ich nicht wirklich an Altruismus glaube; ich denke, wir haben eher von Natur aus eine Art Überlebensaltruismus-Programm installiert. Wir Menschen wenden, um überleben zu können, gewisse Strategien an, genannt Sozialverhalten, und lernen, dass wir innerhalb tragender Beziehungen besser leben können, eben nicht nur überleben. So irgendwie ist dann irgendwie dieses Ding namens Liebe entstanden. 😉
Von Natur aus sind wir wohl aber weder gut noch böse, heißt also, wir verhalten uns sowohl lebensfördernd als auch lebensfeindlich, ich denke aber, dass wir von Natur aus, um des Überlebens willen, tendentiell lebensfördernd handeln. Was vermutlich gut ist.

11. Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der bloggen möchte?
Nicht nach rechts und links gucken, während du schreibst. Danach aber, also nach dem Veröffentlichen, immer wieder den Kopf heben und mit denen da draußen, rechts und links, ein paar freundliche Worte wechseln – Kommentare genannt. Dient nicht nur dem Netzwerken, sondern auch der Inspiration.


Da ich nicht gut darin bin, Regeln einzuhalten, siehe oben, werfe ich – wie schon bei den früheren Awards – den Liebsten-Award wie einen Blumenstrauß aus der Hüfte in die Lüfte. Jede und jeder, der in meiner Blogrolle steht, fühle sich bitte angesprochen. Und, ähm ja, bitte auch alle, die ich noch eingefügt habe.

Ich hoffe, mein Strauß findet genau die Richtigen.

Meine Fragen/Themen an euch:

1. Welche Ausdrucksart(en) ist (sind) dir am liebsten und warum?
2. Würdest du auch ohne Internet schreiben und/oder dich selbst ausdrücken?
3. Was inspiriert dich? Was motiviert dich zum Selbstausdruck?
4. Würdest du gerne vom Schreiben/Kunsten leben? Oder, wenn dies bereits der Fall ist: was musstest du unternehmen, damit es so geworden ist?
5. Wie sähe ein Tag in deinem Leben aus, wenn es so wäre, wie du am liebsten leben würdest?
6. Erzähle bitte von jemandem, der in deinem Leben Spuren hinterlassen hat. Welche Spuren sind es und warum sind sie für dich wichtig?
7. Welche Kunstrichtungen sprechen dich als RezipientIn am meisten an (Bücher, Bilder, Theater … etc.) und warum?
8. Dürrenmatt oder Frisch? Hesse oder Brecht? Wenn ja, warum nicht?
9. Wo würdest du wohnen und leben wollen, wenn es weder sprachliche noch finanzielle Grenzen gäbe?
10. Welche Charaktereigenschaften sind dir an dir und/oder an anderen am wichtigsten?
11. Über welche Themen würdest du niemals bloggen und warum nicht?


Und zum Abschluss hier noch die Regeln für diejenigen unter euch, die den Strauß, den ich gleich in die Luft werfen werde. Sie lauten wie folgt:

1. Bedankt euch bei der Person, die euch nominiert hat, und verlinkt sie auf eurer Seite.
2. Kopiert das Award-Logo in diesem Artikel oder holt euch ein zu euch Passendes aus dem Netz und stellt es sichtbar in euren Award-Blogartikel.
3. Beantwortet die 11 Fragen, die euch gestellt wurden und veröffentlicht sie in eurem Award-Blogartikel.
4. Denkt euch 11 neue Fragen für die BloggerInnen aus, die ihr nominieren wollt und stellt die Fragen in euren Award-Blogartikel.
5. Kopiert die Regeln und stellt sie ebenfalls in euren Award-Blogartikel, damit die Nominierten wissen, was sie zu tun haben.
6. Nominiert zwischen 2 und 11 neue BloggerInnen, die ihr gerne weiter empfehlen wollt. Das sollten möglichst solche sein, die noch wenig bekannt sind, aber empfehlenswerte Inhalte bieten.
7. Stellt die neuen Nominierungen auf eurer Seite vor und gebt den jeweiligen BloggerInnen eure Nominierung persönlich bekannt.


Und jetzt! Seid ihr bereit?  Hier ist der Strauß. Ich werfe … 3-2-1-loooos!

Na, gefangen?

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