Das Vielleicht-Ding namens Leben

Vielleicht muss man ja die Vergeblichkeit des Lebens akzeptieren um wirklich sinnvoll leben zu können.

Und vielleicht ist Leben eins dieser Puzzles da mit all den vielen kleinen einzelnen Stücken, die überall herumliegen.

In seinem letzten Buch, Treibsand*, schreibt Henning Mankell über sein Leben als an Krebs Erkrankter. Er schreibt über Vergänglichkeit und Vergeblichkeit, über Eitelkeiten beim Gedanken an die Nachwelt und er schreibt auch über all die Spuren, die wir für jene legen, die nach uns kommen. Und darüber, wie schnell wir alle vergessen sein werden. Und dass das vielleicht gar nicht mal so schlecht ist.

Vielleicht ist ja manches, das im Leben ist, wie es ist, ein wenig wie mit Javascript? Vorhin, als ich meinen Rechner gestartet hatte, glaubte ich zuerst an eine WordPress-Panne. Mein Editor, in welchen ich diesen Text hier einfügen wollte, zeigte mir nur noch die Text-Version (= html) an, der Kommentarknopf blieb stumm und als ich auf Twitter um Lösungen fragen wollte, blieb auch dort der Textknopf stumm. Also versuchte ich über den neuen WordPress-Editor, den verhassten, zu bloggen, doch selbst dieser tat keinen Wank. Er könne nicht geöffnet werden, weil javascript nicht installiert sei, sagte die Seite, die auftauchte. Javascript ist kurzgesagt eine Art (Geheim-)Sprache, die interaktive Elemente liest und für uns sicht- und nutzbar macht.

Aber wie soll das gehen? Ich habe doch seit gestern nichts deinstalliert und Java ist auf meinem Browser Standard? Keine Ahnung, wie das geschehen konnte. Nach einigen Recherchen konnte ich über die Browsereinstellungen Java wieder als true statt als false konfigurieren. Ein einziger Klick in einer verborgenen Welt machte aus einem Nicht-möglich ein Möglich. Ich mag ja solche Metaphern aus der technischen Welt.

Seltsame Hintergrundkonfigurationen haben wir alle. Warum ein Knopf gestern noch ON und heute OFF ist, weiß ich nicht. Ich kenne nicht alle Mächte und Kräfte, die auf mein Leben einwirken. Manche kann ich, wenn ich sie doch irgendwie erkennen kann, beeinflussen, manche nicht.

Darüber dachte ich nach, gestern, im Wald. Und wie es kommt, dass ich an manchen Tagen das Leben ganz okay finde, während ich es an anderen knapp schaffe, sie zu überleben.

Was mir hilft, ist, ein bewusstes Leben im Augenblick zu üben. Tage, an denen ich bewusst lebe, fühle, denke, hinschaue, nachspüre, sind anders als Tage, an denen ich versuche wegzufühlen, nicht hinzuschauen, Schmerz von vornherein zu vermeiden. Obwohl bewusste Tage manchmal viel mehr wehtun als unbewusste, hinterlassen sie einen Abdruck, ein Echo. Unbewusste vergehen ungefühlt, stumpfen mich ab, klagen mich zuweilen im Nachhinein sogar an, behaupten, ich hätte sie ignoriert (womit sie recht haben).

Bewusst leben heißt, mir der Vergeblichkeit jeden Strebens bewusst zu sein. Nicht dass ich nicht streben könnte, dürfte, zuweilen wollte, manchmal müsste, aber – und das macht vermutlich den Unterschied – wenn ich weiß, dass letztlich alles vergeblich ist, tut leben weniger weh.

Für Mankell liegt das Einzigartige des Lebens in seiner Endlichkeit, in seiner Einmaligkeit. Ich persönlich teile seine Sicht nicht, dass das Leben mit dem Tod zu Ende geht. Zwar bin ich nicht religiös, das nicht, aber ich glaube dennoch, dass auch der Tod zu den Grundbedingungen des Lebens gehört. Die Rückseite von Hier und von Jetzt. Alles, was ist, ist immer auch sein Gegenteil. So sinnierte ich gestern auf meinem Waldspaziergang.

Erst am Abend entdeckte ich Irgendlinks Artikel über Die schönste Straße der Welt, worin er sich ebenfalls, wie so oft, Gedanken zum Leben macht. Und meinen gar nicht mal so Unähnliche …


Zitate aus Treibsand von Henning Mankell:

1. Zitat auch Treibsand von Henning Mankell2. Zitat auch Treibsand von Henning Mankell3. Zitat auch Treibsand von Henning Mankell

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