Stummes Gespräch

Wie bereits vor einem Jahr und vor vier Jahren habe ich die Kommentarfunktion dieses Blogs, die ich vor einigen Wochen reaktiviert hatte, vor Kurzem wieder geschlossen.

Manche schlucken leer, wenn man auf einem Blog, auf einer Webseite, in einem sozialen Medium NICHT kommentieren kann. Es sei wie Einbahnstraße, man fühle sich ausgeschloßen, hörte ich schon sagen. Denn schließlich sei das doch der Sinn sozialer Medien: Dass man miteinander ins Gespräch komme.

Ja. Aber. Mich macht dieser Kommentierdruck erneut so müde. »Nicht alles was gedacht werden kann, muss auch gesagt und geschrieben werden«, schreibt Tinacor im gestern hier im Blog zitierten Artikel.

Natürlich soll/darf/kann ich mir zu etwas Gedanken machen, das jemand geschrieben hat. Dafür wurde es ja veröffentlicht. Doch was ich darüber denke, muss ich ja nicht um jeden Preis in eine Kommentarspalte schreiben. Kann ich, muss ich aber nicht. (Auch nicht aus Gründen wie Mitleid, weil bisher noch niemand etwas dazu geschrieben hat.)

Ich habe für mich beschlossen, weniger zu kommentieren. Oder vielleicht gar nicht mehr. Welche Kriterien ich anwenden werde, weiß ich noch nicht so genau. Vielleicht werde ich nur noch kommentieren, wenn mein Kommentar ein fortlaufender Dialog zur Person, der ich einen Kommentar schreibe, darstellt.

Oder aber ich kommentiere nur noch, wenn ich etwas Lustiges auf den Lippen habe oder etwas Wesentliches erkannt habe. Wobei hier bereits meine Augenbrauen hochrutschen, denn genau das meinen wir ja alle, wenn wir kommentieren: Dass die Welt auf unsere glorreiche Erkenntnis gewartet hat.

Als ich neu bei Twitter war, war ich noch richtig im Kommentareschreibemodus drin, wie er ja hier in der Blogosphäre üblich ist. Dass Twitter eher Monolog und somit eine eigene Kunstform des Wortspiels ist und des rhetorischen Fragens, habe ich erst allmählich gemerkt.

Und ja, natürlich gibt es auch jene Tweets, die bewusst für den Dialog geschrieben werden. Und jene, die sich um Befindlichkeit oder Politik drehen. Das hängt von der jeweiligen Filterblase ab.

Immer öfter jedoch lese ich Twitter wie eine Art Buch (von der Like- und Retweet-Funktion einmal abgesehen).

Es ist wirklich nicht so, dass mich eure Gedanken zu meinen Texten grundsätzlich nicht interessieren. Eher ist es so, dass ich meine Blogtexte so ähnlich wie die Seiten eines Buches verstehe. Ihr lest sie, wenn und wann immer ihr sie lesen mögt. Und ihr dürft euch auch gerne dazu Gedanken machen. Da, wo Gedanken wohnen. In eurem Inneren. Ich glaube nicht, dass wir alle etwas verlieren, wenn wir weniger kommentieren, aber wir gewinnen wieder mehr Ruhe.

Danke. Fürs Lesen.

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