Was zählt und warum

Mein letzter Blogartikel hat eine spannende Diskussion ausgelöst. Ich danke euch allen, die dazu beigetragen haben.

Zu eurer Beruhigung: Ich habe keineswegs vor, zukünftig hier für meine Artikel Geld zu nehmen, das möchte ich nochmals klarstellen. Meine Frage war rein hypothetischer Natur, da ich mir zurzeit sehr viele Gedanken über verschiedene Bereiche und Formen von Werten und Wertschätzung mache; Selbstwertschätzung, Fremdwertschätzung, Ausdrucksformen von Wertschätzung, Marktwerte von Menschen und Dingen wie Dienstleistungen und Kunstobjekten.

Auf Instagram hat mir heute eine Followerin ein wunderbares, ganz und gar unerwartetes Kompliment gemacht. »…es git uf ganz insta nüt wo mir besser gfallt als dini siite! so guet dini gedanke und fotos…. lg yvonne« [Übersetzung: Es gibt auf ganz Insta(gram) nichts, das mir besser gefällt als deine Seite. So gute Gedanken und Fotos.] Von einer mir unbekannten Followerin, wohl verstanden. Und ich sage das jetzt nicht um anzugeben, sondern weil es mich einfach freut und ich diese Freude gerne teilen will. Und ja, auch weil es mir sehr viel bedeutet, dass jemand meine Kunstwerklein wertschätzt, sich auf sie einlässt, sich von meinen Gedanken berühren lässt. Vielleicht ist es genau das, was ich überhaupt will, mit meinen Blogtexten, meinen Bildern: Berühren. Anrühren. Zum Schmunzeln, zum Nachdenken, zum Hinschauen, zum Lachen bringen. Etwas auslösen.

Ja, ich gestehe es: In aller Bescheidenheit wünsche ich mir vermutlich, ein bisschen mehr als x-beliebig und austauschbar zu sein. Und ein klein bisschen verstanden zu werden ist ebenfalls eine meiner leisen Hoffnungen. Und ja, ernst genommen zu werden auch.

Geld oder nicht Geld ist letztlich die Frage nach dem Überlebenkönnen. Ob reich sein glücklich macht, bezweifle ich. Von allem, was wir brauchen, genug zum Leben zu haben, setzt dennoch Energie frei, die nicht da ist, wenn wir immer zu wenig haben. Das gilt in allen Bereichen, nicht nur in monetären. Genug Freiraum ist mir so wichtig wie genug Geld zu haben. Wobei ja auch aus Mangel ganz viel Kreatives geboren wurde, zu allen Zeiten.

Dennoch halte ich die Veredelung von Not und Mangel für zynisch. Auch glaube ich nicht mehr an einen übergeordneten Sinn von Not und Mangel, Leid und Krankheit. Höchstens den, dass solche Umstände uns alle, Betroffene ebenso wie Außenstehende, zum Handeln und Umdenken motivieren sollten.

Ja, genug von allem für alle. Das ist mein allergrößter Wunsch.

Nun überlasse ich aber gerne dem Liebsten das Wort. Irgendlink hat zu meinem letzten Artikel folgendes kommentiert:

»Der Markt frisst sich voran bis zur vollständigen Monetarisierung. Es gibt kaum noch kostenlosen Parkraum. An Tankstellen zahlt man für Luft. In China, hoffentlich ist es nur ein Fake, kostet Luft in Flaschen viel Geld. Kinder spielen nicht mehr einfach so wie früher draußen auf den Straßen. In Kitas hütet man sie für viel Geld. Man stirbt auch nicht mehr mit Liebe gepflegt im eigenen Bett. Der letzte Weg führt oft durch eine eiskalt dem Markt unterworfene Krankenhausmaschinerie mit so lange sinnlosen Operationen und Maßnahmen, bis die Krankenkasse endlich den Geldhahn zudreht oder das Privatvermögen aufgebraucht ist.
Der Zugang zum Strand kostete vor dreißig Jahren selten etwas. Der Zugang zu Naturschutzgebieten oder Naturwundern auch nicht.
Die große Geldkrake hat in der Zeit, in der ich auf dem Planeten bin, ihre Arme bis in die entlegensten Winkel des Miteinanders gestreckt.
Es tut weh, das miterlebt haben zu müssen.

Und am wehsten tut das Ringen mit sich selbst, endlich kleinbeizugeben und mitzumachen. Sich dem zu widersetzen, unbezahlbar, heroisch und unglaublich dumm.

Ich habe viele gute Ideen, wofür man Geld nehmen könnte und das Schlimme daran ist, dass andere die Ideen auch irgendwann haben und dass einer sie umsetzt, der nächste ihm folgt und weitere folgen werden und so holt sich der Markt alles, bis es irgendwann nichts mehr gibt, was nicht verrechnet wird, bis kein einziges unbezahltes Ding mehr übrig ist und wir nur noch aus Waren und Dienstleistungen bestehen, sogar das Lächeln wird irgendwann Geld kosten.

Es geht auch nicht um Geld und wieviel, sondern um die Richtung, in die wir Menschheit uns bewegen. Manchmal versuche ich mir vorzustellen, wie ein weltweites Armutsgelübde aussähe, was vielleicht genau die entgegengesetzte Richtung zur dämonischen Marktkrake wäre.«

Wie war doch gleich dieser berühmtes Satz?

»Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.«

Quelle: Weissagung der Cree (Ureinwohner Amerikas)

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