Noch mehr aufräumen

Als ich vor zwei Tagen auf meinem neuen Tablet eine Root-App installiert hatte, tat ich dies in der Hoffnung, damit alle Malware und alle Adware, inklusive all der dämlichen Werbeeinblendungen, für alle Zeiten loszusein. Offenbar hatte ich mich zu früh gefreut, denn nun erschienen die Werbebanner nicht mehr als aufpoppende Fensterchen, sondern tabletwurden mir als Mitteilungen bei der Rückkehr aus dem Standby-Zustand in den aktiven Zustand angezeigt. Nicht ganz soo nervig, aber auch immer noch unsympathisch. Auch wurde die Root-App vom einen der inzwischen drei installierten Antivirusprogramm als Malware angezeigt, was leises lautes Herzklopfen bei mir auslöste. Auch die eine Malware, die mir im zweiten Antivirusprogramm angezeigt worden war, konnte ich weder mit dem Antivirusprogramm noch mit der Root-App entfernen.

Entsprächen aber, wie ich im letzten Artikel schon schrieb, entsprächen also diese Ad- und Malwares unsere eigenen destruktiven, lebensfeindlichen Gedanken, entspräche dann der Antivirus-Scanner meiner inneren Heilerin? Oder ist gar die Root-App die heilende Instanz? Was aber, wenn diese selbst schon verseucht war? (War sie das und war sie somit ein Scharlatan?)

Ich entschied mich nach einigem Lesen in Foren, schließlich dazu, eine weitere Root-App, eine, die überall nur beste Rückmeldungen bekam, zu installieren. Leider hat das nicht wirklich funktioniert, aber immerhin konnte ich nun endlich die andere, angeblich verseuchte Root-App deaktivieren. Was immerhin soviel bedeutet wie blockieren, stummschalten, ihr die Hände zu binden.

Nun ja, was die beiden Ad- und Malwares schon alles ausspioniert und vielleicht sogar angeknabbert haben, weiß ich nicht. (’Digitaler Krebs’, gibts den Begriff schon?) Fakt ist aber, dass ich jetzt mit zwei nicht mehr wirklich deinstallierbaren, aber immerhin auch auch nicht aktiven Root-Apps und drei Antivirus-Programmen Ruhe vor der Werbung habe.

Auch nicht schlecht und schon wieder eine Art Gleichnis. Nun ja, ein wenig plump ist es vielleicht schon und ein bisschen schwarz-weiß, aber irgendwie stelle ich mir grad vor, dass dieses Tablet wie ein Menschenleben ist. Alles da. Schwarz, weiß und vor allem die ganze Palette an Grautönen, an Bunttönen. Das »Böse« ist bereits drin, mit einem trojanischen Pferd eingedrungen, aber ich kann es vielleicht aushungern. Und ich kann dem, was heil ist, mehr Raum geben, immer noch mehr Raum, statt das zu fokussieren, was kaputt ist. Stattdessen kann ich das Kaputte mit Salbe und mit Übungen unterstützen, ihm mit Ermutigungen zum Heilerwerden verhelfen. Wenn ich es jedoch immer nur betrachte und stattdessen bedauere, was ich alles versäumt habe und darüber nachdenke, wie das denn überhaupt geschehen konnte und was ich womöglich alles falsch gemacht habe (oh ja, das tue ich; in solchen Gedanken bin ich sozusagen Weltmeisterin!), verliere ich ständig – und vor allem verdammt viel – Energie. Es ist mein verdammtes Leck, das ich endlich versiegeln will.

Mein Kaputtes will ich, wie gestern in der Physiotherapie angefangen, wieder beweglich und geschmeidig machen, es wieder so heil wie möglich werden lassen. Aktiv.

Und das, was heil ist, will ich bestaunen. Will dafür dankbar sein. Will es loben, will es sorgsam berühren, will mich freuen darüber. Ja!

Denn ich kann schließlich – im Gegensatz zu einem PC, einem Handy, einem Tablet – meine körpereigene, seelendurchdrungene Lebensfestplatte nicht einfach auf Werkseinstellung zurückschalten, ich kann sie nicht einfach neu aufsetzen.
(Schön wärs. Oder auch nicht.)

Advertisements