absichtslos

Ich erinnere mich an die Zeit, früher, als ich noch ins Hamsterrad gepasst habe. Als ich noch aufgepasst habe und als ich noch mitgerannt bin. Damals verlor ich kaum einen Gedanken daran, dass das Leben auch ganz anders sein könnte. Dass ich eines Tages keine Kraft mehr haben könnte um mitzurennen. Ich dachte sogar manchmal ein klein bisschen, dass jene irgendwie selbst schuld daran sind, die rausgefallen sind. Damals, als ich noch Kraft hatte. Mehr Kraft als heute.

Und immer hielt ich in mir ein Ideal am leben, wie das Leben, wie die Gesellschaft zu sein habe. Mein Leben, das Leben meiner Mitmenschen. Dieses Ideal war und ist eine Art Leben, das ich noch immer schwer in Bilder und Worte fassen kann. Es hat was mit Mittelwegen zu tun, und dann aber auch überhaupt nicht, eher mit Umwegen und Trampelpfaden. Mit Toleranz, aber auch mit konsequenter, radikaler Gewaltfreiheit, die eben nicht alles toleriert. Mit Dingen und ihren Gegenteilen. Mit Fülle, mit Solidarität und mit Gemeinschaft. Aber auch mit Stille und mit Rückzug. Mit Raum für Selbstausdruck, Kunst, Musik, Gegenwärtigkeit ohne kommerzielle Absicht. Absichtslosigkeit.

Vielleicht darum gelingt es mir bis heute nicht, eine Art Lebensziel oder Lebensentwurf zu entwickeln, weil mein Ideal zugleich so viel und zu gleich so wenig ermöglicht. Und vielleicht weiß ich darum bis heute nicht, wie ich eigentlich leben will. Zum einen möchte ich so nahe an der Quelle, in der Natur leben, wie es nur geht, zum anderen habe ich einen gewissen Anspruch an Komfort, nicht viel, aber eben doch ein bisschen mehr als gar keinen Komfort. Urwald und Survival wären also langfristig nicht unbedingt mein Ding.

Einfach einfach leben. Und dazu wäre das Bedingungslose Grundeinkommen ein großer Schritt in die richtige Richtung.