Einmal reparieren bitte! | #notjustsad | #Depression

Wäre es doch so einfach wie bei einem Fahrrad! A. seufzt. Reparieren. Und gut ist …
Wir haben über unsere Krankengeschichten gesprochen, letzte Woche, auf dem Weg vom Parkplatz zum Arbeitsplatz. Beide sind wir IV*-Maßnahme-Teilnehmerinnen. Ziel solcher Maßnahmen ist es, festzustellen, ob womöglich eine Berentung angebracht ist oder um – primär – wieder fit fürs Hamsterrad für den Arbeitsmarkt zu werden. Dass ich dem ganzen Prozess inzwischen skeptischer als zu Anfang gegenüberstehe, hat mit den Erfahrungen der letzten Monate zu tun.

Eine GIF-Animation, bei welcher bunte Flächen erscheinen und wieder verschwinden.
Dinge kommen, Dinge gehen. | Die Kunst besteht darin, damit klarzukommen. | Scheitern erlaubt.

Ich stellte und stelle nämlich fest, dass es mir nicht gut tut, ständig unter Beobachtung zu stehen, ’ein Fall’ zu sein. Für mich ist das kein ideales Klima, um gesund oder zumindest wieder belastbarer zu werden. Obwohl ich zum Glück sehr engagierte Bezugspersonen habe, die mich eben nicht als Fall sondern als Menschen behandeln. Das ambivalente Gefühl bleibt dennoch.

Chronisch krank zu sein ist nicht schön.Anders, als wenn man einen Unfall hatte oder eine temporäre Krankheit und dabei immer weiß, dass die Knochen wieder zusammenwachsen werden und der Körper sich wieder erholen wird. Selbstheilkräfte greifen zwar auch bei chronischen Krankheiten, aber wie Herr Bock es in einem aktuellen Blogartikel so genial beschreibt: »Er zündet nicht richtig, zumindest nimmt er das Gas nicht richtig und holpert zwischendurch.« Kann sein, dass das am Druck liegt, unter dem wir in solchen Lebensphasen stehen. Rein biochemisch gesehen, verhindern Druck und Stress nämlich, dass wir all das, was uns  an Nährstoffen zugeführt wird, weniger gut aufgenehmen können. Und ja, das darf ruhig auch metaphorisch verstanden werden. (Ich sage nur Das Gesetz des Minimums.)

Wenn unsere chronischen Erkrankungen eher seelischer, mentaler, psychischer Natur sind und somit für die Umgebung praktisch unsichtbar, ist der Umgang damit – für die Betroffenen und für die Angehörigen – oft noch schwieriger als bei einer körperlich sichtbaren Einschränkung.

Lässt sich denn wirklich alles reparieren? Auch diese Frage müssen wir uns stellen und auch darüber denkt Herr Bock im erwähnten Text nach. Ebenso über die unterschiedlichen Aspekte und Stadien des Kaputtseins, Kaputtgegangenseins, Kaputtgemachtwordenseins. Ursachen. Wirkungen.

Wer ist die Mechanikerin in meinem Leben? Ich? Meine Therapeutin? Wir zusammen als Team? Ich weiß längst, dass ich nicht alles Kaputte an und in mir selbst reparieren kann. Wie beim Auto. Mir fehlen Wissen und Können. Dennoch bin ich die Einzige, die schlussendlich sagen kann, ob eine Reparatur funktioniert hat. Und ich bin die, der bei all den unreparierbaren Stellen die Aufgabe überlassen bleibt, herauszufinden, wie sich am besten damit leben lässt.

»Alles was ich selbst brauche? Ist Zeit. Zeit, damit ich einen Weg für mich finde, die Fehler identifizieren und reparieren kann. Nach und nach. Immer mal wieder testen, probieren, schrauben, weiterlaufen. So läuft das wohl. Dieses Leben«, fasst Herr Bock sein Essay, die Metapher mit der Autowerkstatt, zusammen.

Zeit? Ja. Und Geduld. Und die Unterstützung lieber Menschen. Und Liebe, Selbstliebe. Die vor allem.


Zitate aus »Ab in die Werkstatt« von Markus Bock

*sprich: IiVau = Invalidenversicherung. Schweizer Sozialversicherung für Behinderungen aller Art.

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