Eine kleine Reisegeschichte | #kursnord

Irgendlink auf Stuhl auf Wiese vor See und Birken

Fast ein kleines Wunder, dass wir jetzt hier sind. Am Birkensee. Dass wir auf diesem kleinen Steg sitzen. Den Wolken und der Spiegelung der Bäume beim Dunklerwerden zuschauend. Sogar Bier haben wir. 

Den Campingplatz, den wir nach knapp sieben Reisestunden gefunden haben, hat mir das Handy angezeigt. Nach einem Nickerchen hatte ich eigentlich nur kurz nachschauen wollen, wie weit uns Irgendlink während meiner kleinen Auszeit gefahren hat. Boah, schon fast Hannover! Dank Brückentag war der Verkehr auf Deutschlands fetter Südnordachse moderat gewesen. Sogar Frankfurt war staufrei, und jetzt, es war kurz vor sieben Uhr abends, fuhr es sich ziemlich locker.

Ich könnte glatt bis Trelleborg durchfahren!, meinte der Liebste. 

Doch diese Seen, die das Handy südlich von Hannover anzeigte …, hm, da muss es doch Zeltplätze geben? Gibt es. Birkensee zum Beispiel. Für eine Nacht. Eher groß für unsern Geschmack und ziemlich nahe bei der Autobahn, was man erst nachts, wenn die Vögel schweigen, merkt. 
Das Zelt ist schnell aufgebaut und eingerichtet, routinierte Handgriffe. Noch sind manche Dinge nicht am richtigen Ort im Auto. Das muss sich noch finden. Wird es. Packordnungen finden sich immer. Sie wachsen aus Bedürfnissen heraus, aus Gewohnheiten und aus Vorlieben. Sollte eigentlich für alle Regeln gelten. Und für Gesetze auch gleich. Sie sollten uns dienen nicht knechten. Eins der Themen, über die wir gestern sprachen.

Mit niemandem kann ich aber auch so gut schweigen wie mit Irgendlink. Ein harmonisches Schweigen stiller Übereinkunft. Und Musik. Autoreisen ist Musik. Gestern mit den Shout Out Louds, mal wieder die lauten Schweden. Zur Einstimmung. Ich summe mit. 

Bei Aua, in der Nähe von Machtlos, picknicken wir. In einem kleinen Dorf kaufen wir Brennsprit für die nächsten drei Wochen. Weil man den in Schweden nicht überall so leicht bekommt. 

Schweden? Sagte ich schon, dass wir unsere Route geändert haben? Noch am Donnerstag, als ich beim Liebsten anlagte, sahen unsere Reisepläne vor, uns über Belgien-Holland-Deutschland-Dänemark, der Nordseeküste entlang, nach Schweden zu schaffen. Doch am Donnerstagabend geisterte auf einmal die schwedische Ostsee durch unsere Köpfe. Sundsvall, sagt Irgendlink, nördlich von Stockholm. Aber selbst jetzt ist noch alles offen.

Das Auto machen wir noch am Donnerstag reisefertig. Sitze runter. Aussaugen. 

Ich mach vorne die Sommerreifen drauf. Ich habe zwei Passende gefunden, sagt Irgendlink, und werkelt an den Radmuttern, während ich den Kommpressor für die Druckluft bereitstelle, anschließe.

Bald ist das eine Sommerrad drauf, doch es braucht Luft, viel Luft. Die Pumpe für den Kompressor ist ausgerechnet jetzt kaputt. Oder verstopft. Geht nicht. Mit der Fußpumpe will es auch nicht klappen. Falsches Ventil. Also zurück auf Start. Sommerreifen wieder ab, Winterreifen wieder drauf. Ist halt so. 

Am Abend bekommt mein Handy endlich einen neuen Akku – danke, Liebster! -, was Menschen mit schwächeren Nerven nicht wirklich zum Selbermachen zu empfehlen ist. 

Fast ein Wunder, dass wir jetzt hier sind? Schon fünf Minuten, nachdem wir losgefahren sind, klappert das Auto. Oh nein, was kann das sein? Je weiter wir fahren, desto lauter klappert es. Da, eine Haltebucht!

Äh. Es waren zum Glück nur vier lockere Radmuttern, die wir im Eifer des Gefechtes – kaputte Pumpen und wieder zurückgewechselte Winterreifen – wieder anzuziehen vergessen hatten. Notabene natürlich beim ungewechselten linken Vorderrad.

Sagte ich schon, dass es ein kleines Wunder ist, hier zu sein? 

Heute dann weiter nach Malmö. Die Brücke ruft!

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