Wen die Brücke ruft | #kursnord

Meer, Steg, Sonnenuntergang

Bloggen oder nicht bloggen, das ist hier die Frage. Ist es beim Reisen Mehrwert oder vergeudete Reise- und Lebenszeit? Oder die Pause, die es beim Yoga braucht, um den Effekt einer Übung zu vertiefen?

Nun denn, täglich blogge ich wohl nicht, aber die Lust ist tatsächlich wieder mehr da, Erlebtes via Blog zu verarbeiten und zu teilen. Mal schauen, was wird.

Nachdem wir gestern Vormittag den Birkensee-Camping Richtung Laatzen verlassen hatten, um einzukaufen und zu tanken, riet das kurz aufgerufene Navi auf dem Handy, Hamburg wegen Baustellenstaus weiträumig zu umfahren und schlug uns auch gleich eine Alternativstrecke über Celle vor. Gesagt getan.

Bundesstraßen. Genau mein Tempo!, sagte Irgendlink, der uns gestern durch den Tag gefahren hat. Tatsächlich kamen wir ziemlich gut voran. In Celle, das uns mit seinen Fachwerkhäusern zu einer Pause einlud, spazierten wir ein wenig herum. Fotografierten uns voran. Fast sommerlich warm war es um die Mittagszeit herum. Lüneburger Heide mag ich.

Staus gabs aber dann doch noch, als das Navi uns zurück auf die Autobahn fahren hieß. Nicht immer, nicht überall, aber die ursprüngliche Ankunftszeit in Puttgarden, dem Fährhafen nach Rødby in Dänemark, verschob sich immer weiter nach hinten.

Wir können ja in Dänemark zelten, überlegen wir. Auch nicht weiter schlimm. Wenn da bloß nicht dieser Zug DER Brücke wäre!, orakeln wir. Und schließlich sind wir auf einmal auf der Fähre MS Schleswig-Holstein rüber nach Dänemark. Schnappatmung. Stürmische Böen auf Steuerbord, die mir fast die Hörgeräte aus den Ohren reißen. Zum Glück sind die Batterien alle, so dass ich sie kurzerhand ausziehe.

Hach, dieser Wind! Dieses Meer! Wie kleine Kinder fotografieren wir und durch das Oberdeck und aaahen und ooohen und staunen und genießen. In Rødby müssen wir zwar keine Ausweise zeigen, doch die Grenze wird kontrolliert.

Dänemarks Straßen sind traumhaft leer. Die ganze Strecke von Rødby nach Kopenhagen bis zu DER Brücke fallen uns vielleicht vier oder fünf Raser negativ auf. Was heißt hier Raser? Vielleicht zehn Stundenkilometer überm Limit. Autofahren ist hier ein Genuß.

Wieder rechnen wir die Stecke durch. Wir könnten zwischen halb acht und acht auf dem Camping bei Malmö sein, den Irgendlink auf seiner AnsKap-Tour mit Ray genutzt hatte. Anfang Juli 2015.

Weiterfahren oder in Dänemark bleiben? Weil es so gut läuft auf der Straße und das dänische Wetter nicht so toll, beschließen wir, obwohl ich ziemlich müde bin, da ich sehr früh aufgewacht bin, weiterzufahren. Über DIE Brücke. Wieder Schnappatmung. Glücksgefühle. Wohliges Heimkehrgefühl.

Zuerst gehts aber unter die Erde mit uns. In den Öresundtunnel. Und auf einmal, mitten im Meer, tauchen wir auf. Spektakulär.

DIE Brücke macht etwas mit uns. Es ist dieses Staunen über menschliche Architekturkunst einerseits, aber andererseits ist es auch eine Art Demut. Sich selbst, das Auto, das ganze Unterwegssein – was sage ich: das ganze Leben! -, alles erscheint in einem anderen Licht. Ich fotografiere im Sekundentakt.

In Malmö verpassen wir zweimal die Abzweigung zum Camping, doch das macht nichts. So sieht man mehr vom Ort. Gerade das mag ich so sehr bei diesen Touren mit Irgendlink. Dieses halb zielgerichtete, halb planlose Drauflos, dieses Malschauenwaswird, dieses Langsamwerden auch, trotz der relativen Geschwindigkeit. Der Sog in die Gegenwart, weg von Waswar und Waswird. Hier. Jetzt. Sein.

Kaum ist das Zelt aufgebaut und eingerichtet, spazieren wir an den nahen Strand. Hach. Schweden kann einfach die schönsten Sonnenuntergänge.

Nachts wird es kühl. So kann ich mein kürzlich neu erstandenes Seideninlay einweihen. Mein Leichentuch, wie ich es scherzhaft nenne. Oder wahlweise meinen Kokon. Hauchdünn ist es, doch kaum bin ich drin, wird mir warm.

Heute? Mal schauen. Irgendlink ist grad zum Zahlen gegangen, weil der Rezeptionist gestern ein bisschen Stress gehabt und uns darum erst die Duschhauskarten ausgestellt hatte.

Äh, apropos Duschhauskarten. Die hatte ich gestern spät im Auto vergessen.

Macht ja nichts, sagte Irgenlink unterwegs zum Duschaus, ich lass dich mit meiner rein. Dass man auch für die Dusche selbst diese Karte braucht, merkte ich erst, als aus meiner nur kaltes Wasser kam. Wie ich dann doch noch zu einer heißen Dusche kam, ist eine andere Geschichte. Und nein, manche Geschichten müssen nicht erzählt werden.

Collage aus Bildern von der Fahrt über die Brücke

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