Örebro | #kursnord

Örebro also. Grad recherchiert Irgendlink, dass jenes flächendeckende Kunstevent – Open Art –, das uns vor drei Jahren den Stadtspaziergang durch Örebro so vergoldet hat und im doppelten Sinn zu einem Artwalk hat werden lassen, nur alle zwei Jahre stattfindet. Aha. Das erklärt einiges.

Wir parken in einer Nebenstraße und finden – oh Wunder! – einen Automaten, der Münzen frisst. Wir kaufen uns zwei Stunden Parkzeit. Für vier Kronen. Nicht viel, aber es fühlt sich gut an, so als würden wir damit unsere bisherigen Parkschulden aus Malmö und Uppsala gleich mitbezahlen. Das Ticket sagt, dass wir hier bis Montagmorgen halb neun stehenbleiben dürfen. Oh, Wochenende ist gratis? Steht das irgendwo? Oder weiß man das hier einfach? Egal. 40 Cent tun nicht weh.

Schwedischer Parkautomat

Die Suche nach allgegenwärtiger Kunst – Open Art – wie letztes Mal, vor drei Jahren, fällt also, wie gesagt, flach. Egal. Die Stadt ist auch so faszinierend. Ein kunterbuntes Getümmel. Von oben, auf dem großen Pilz – einem Aussichtsturm in Nordosten der Stadt, wo wir uns einen ersten Überblick verschafft hatten – war alles so weit weg gewesen. Nun stecken wir auf einmal mittendrin. Samstagsnachmittagfreizeitmenschsein ‘in da City‘. Handy und Kamera im Anschlag nähern wir uns dem Schloss.

Junggesellinnen und Junggesellen geben sich heute allüberall den Abschied aus dem alten Leben. Und – zack! – beim Schloss reichen sich nun auch die Bräute den Stab weiter. Vorne rein, hinten raus. Örebros Schloss scheint das Las Vegas Schwedens zu sein. So viele Hochzeitspaare habe ich echt noch nie aufs Mal gesehen. Und da drüben – wir haben uns auf eine schattige Bank gesetzt – wird ein Junggeselle mit einer Fußballelf auf dem Rücken sogar in den Bach gestürzt. Seine ernüchternde Taufe ins neue Leben? Sollten wir eines Tages je heiraten, machen wir bei sowas nicht mit!, schwören wir uns.

Auf dem Weg zurück zum Auto verirren wir uns. So viele Straßen, Sträßchen, Gassen und Gässchen aber auch! Und so viele Fotosujets. Fast bin ich überfordert von all diesem vielen Sehen. Dazu die Hitze.

Auf dem Zeltplatz zurück stellen wir fest, dass unser Zelt, das wir – wie vor drei Jahren – auf einem Hügel im Schatten von Kiefern aufgebaut hatten, nun doch Sonne abbekommen hat. Heiß ist es selbst hier und müssten wir nicht noch einkaufen, hätte ich mich einfach ein bisschen ins Zelt gelegt und ein Nickerchen gemacht.

Irgendlink erinnert sich ans Coop, ganz nah beim Campingplatz. Da hinten. Hinter den neuen Häusern, zeigt er vage Richtung Süden. Wir schlüpfen durch den Hinterausgang und spazieren durch die neue Siedlung. Nett sieht sie aus, schön gebaut. Modern. Steril noch irgendwie und mit wenig Grün. Einige Wohnungen sind bereits bewohnt. Wie es sich wohl lebt in so einem Neubaugebiet? Niemand nativ. Alle wurzellos, sinniere ich vor mich hin. Ohne Quartiertraditionen. Alles möglich, alles neu. Chancen zum einen, große Herausforderung zum andern. Sich neu erfinden zu können klingt möglich, ist aber durch die gesellschaftlichen Vorgaben wohl doch eher eine Illusion.

An Baustellen vorbei, auf Holperpfaden, finden wir den Eingang des Megaeinkaufszentrums. Diesmal zahlen wir mit Bargeld, weil wir ja morgen schon Schweden verlassen werden. Mit schweren Taschen – ein paar leckere Geschenke mit im Gepäck – ächzen wir zurück.

Kleine Siesta. Es ist sieben. Spaßbad ja oder nein? Vor drei Jahren war der Eintritt noch im Campingplatzpreis inbegriffen. Diesmal ist es nur noch der Eintritt ins Außen- und Innenschwimmbad. Die Lost City-Rutschen, auf die sich Irgendlink so gefreut hat, kosten jetzt zusätzlich. Hm.

Dennoch spazieren wir hinüber und schwimmen ein paar Runden im Inbegriffen-Bereich. Sich ins Spaßbad reinmogeln ist nicht möglich, weil wir elektronische Armbänder tragen, die manche Türen öffnen, manche nicht. Weil aber die Verbindungstür zwischen Schwimmbecken und Spaßbad zufällig offen steht, gönnt sich Irgendlink dann doch einmal Rutschen. Doch schon werden wir auf die Schließzeiten aufmerksam gemacht.

Nach dem leckeren Abendessen – es ist kühl geworden – ziehen wir uns in die eigenen fünf Zeltwände zurück, wo ich bei meinen Recherchen entdecke, dass wir uns   morgen auch ab Göteborg rüber nach Dänemark verschiffen lassen könne statt ab Varberg. Was einige Pluspunkte hat: Ich mag Göteborg, es ist ab hier weniger weit zu fahren und der dänische Zielhafen – Frederikshavn – liegt zudem auch näher bei Dänemarks nördlichstem Punkt – Skagen –, den mir Irgendlink zeigen und sich auch selbst nochmals anschauen möchte. Hier radelte er vor sieben Jahren, als er die Nordsee umfuhr, vorbei. Lange her.

Die Nacht ist weniger laut als wir befürchteten. Die samstagfeierabendlichen Stimmen im nahen Wohnquartier verklingen und auch die nahe Straße brummt erträglich laut.

Jetzt sitzen wir an der noch sanften Morgensonne vor dem Zelt und hacken vor uns hin. Ich mag das.

Diverse Szenen aus Örebro (Fassaden, Objekte etc.) zu einer Collage zusammengestellt