Friss Kilometer, aber langsam | #kursnord

Was soll ich sagen? Da dachte ich, das wars jetzt mit schön und so. Schließlich sind wir auf dem Heimweg. Autobahnen. Kilometerfresserei. Südwärts. Und dann das.

Noch in Løkken entscheiden wir uns, statt auf die Nord-Süd-Autobahn zu fahren, die Küstenhauptstraße Richtung Süden zu nehmen. Etwa die gleich lange Strecke, wenn auch bei weniger hoher Geschwindigkeit. Passt, denn wir wollen ja eine letzte Nacht in Dänemark campen. Bei Ribe vermutlich, da wir für den Campingplatz dort, der zur Kette des letzten Platzes gehört, eine Gutschrift mit auf den Weg bekommen. Unterwegs halten wir mal da mal dort – pinkeln, picknicken –, essen auf einem kleinen Campingplatz mit den letzten dänischen Kronen ein Leckeis und beschließen dort, weiter nach Rømø zu fahren. Weil ein Instagram- und Twitterfreund am Vortag von dort ein Bild gepostet hat. Und weil das Bild so schön war. Und weil Irgendlink sich an einen Ausflug dorthin vage zu erinnern meint. Oder so.Mir ist ein bisschen schlecht. Schwindlig. Müde Augen vom Gegen-die-Sonne-fahren. Also setzt sich Irgendlink ans Steuer und ich schlafe fast sofort ein. Erst als er eine Stunde später verlangsamt, um vor einem Laden anzuhalten, wache ich auf.

Gleich Rømø!, sagt er. Ich bin extra supersanft gefahren (als ob er das nicht auch sonst täte, der Gute!), damit du nicht aufwachst.

Danke!

Während ich langsam aufwache, holt er schnell noch zwei Flaschen Bier (nein, kein schwedische Leichtbier mehr, sondern malziges, leckeres, richtig feines), Milch und so weiter.

Ich gestehe übrigens freimütig, dass ich bis vorgestern noch nicht einmal wusste, dass es Rømø gibt, geschweige denn, was es ist. Eine Insel nämlich, eine, die nur über einen Straßendamm zu erreichen ist. Rechts und links Meer. Wir aaahen und ooohen und freuen uns wie kleine Kinder und ich bin so froh darüber, mich so freuen zu können.

Einmal geradeaus zum Meer bitteschön. Was für ein Strand! Sooo breit, sooo lang. Mit Autos befahrbar. Was wir auch tun. Aber nicht zu weit, sonst kommen wir womöglich da nie mehr wieder weg. Was auch nicht sooo schlimm wäre, eigentlich.

Nach einem kurzen Temperaturcheck des Wasser sind wir zu allem bereit, ziehen uns die Badeklamotten an und … ach, es tut sooo gut und ist nach der Tageshitze sooo erfrischend. Der Wellengang ist moderat, ein kühles Lüftchen macht die Hitze erträglich und das Wasser ist, weil der Strand ziemlich flach ist, perfekt: nicht zu kalt, aber auch nicht lauwarm.

(Wann immer ich etwas so herzhaft genießen kann, denke ich an Freundinnen und Freunde die aus ganz unterschiedlichen Gründen solche Reisen nicht machen können und genieße herzhaft für sie mit. Und hoffe dabei, dass sie nicht neidisch sind, sondern mein Mitgenießen spüren können.)

Später fahren wir zum Campingplatz am Südzipfel der Insel. Nicht so mondän wie jener beim großen Strand, dafür genau wie für uns gemacht. Viel Platz. Ein relativ einfaches Badehaus. Der nahe Strand, den wir nach Zeltaufbau und Abendessen aufsuchen. Direkt am Meer ein Islandpferde-Gestüt. Magisch ist es, wie da im abendlichen Dämmerlicht die Pferde über die Wiese wogen. Am kurzen Gras zupfen. Fliegen mit den Schwänzen abwehren. Eine Stute mit Füllen nimmt dankbar ein bisschen abgerupftes Gras aus meiner Hand an.

Da ist sie wieder, immer wieder, diese Dankbarkeit darüber, dass ich genau im richtigen Moment von einer Versicherung Geld zurückerstattet bekommen habe. Es ist gut investiert: In Erlebnisse, in diese Reise!

Ja, reden wir Klartext: unser Reisebudget ist klein und ja, unser Lebensstil ist einfach. Und ja, Zelten mögen nicht alle. Aber: Hätten wir diese ganzen Strecke im Voraus so geplant – womöglich in vollklimatisierten Hotelzimmern, alle Orte, alle Plätze, alle diese wunderbaren Strände, Sonnenuntergänge, Berge, Hügel, Seen … es hätte mich gestresst. Es wäre für mich eine einzige Hetze von Ort zu Ort geworden, ein einziges Abhaken von Programmpunkten. So aber, in diesem Schauen-wir-mal-Modus ist jeder Tag eine Wundertüte. Und – wie so oft – liegen die besten Dinge zuunterst. (Das Beste am Schluss stimmt aber auch nicht wirklich, denn ich möchte keinen Tag missen.)

Fällt mir ein, dass ich ganz unten in meiner schwedischen Goodiestüte noch eine Toffeestange und eine Lakritzeschnecke liegen habe! Die soll uns die Rückkehr versüßen.

Meerbilder und eine Ansicht von Tisch, Auto und Zelt als Collage

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