Wieder daheim | #kursnord – im Rückblick

Würden wir überhaupt wegfahren, wenn wir über das Land, das wir bereisen wollen, im Voraus schon alles wüssten? Ich meine: so richtig wissen. Wissen, wie die Menschen in diesem Land, wie die Politikerinnen und Politiker ticken. Wie sie über Flüchtlinge denken zum Beispiel, oder wie sie mit ihren Ärmsten umgehen, mit Randgruppen, mit Kranken. Wie sie sich wirtschaftlich – gegenüber anderen Staaten und in eigenen Land – verhalten. Wie sie Umweltschutz konkret umsetzen. Wie sie mit ihren Minderheiten umgehen. Wie sie forschen und wie sie lehren. Was für ein Schulsystem sie haben. Wie sie über Fremde denken.

Hätte ich Schweden bereist, wenn ich alles über dieses Land wüsste. Oder auch nur schon mehr wüsste als ich tatsächlich weiß? Anders gefragt: welche Fakten und welches Wissen würden mich hindern?

Das perfekte Land gibt es nicht. Vieles an Schweden mag ich, vieles betrachte ich heute – nach meiner fünften längeren Reise durch Schweden – deutlich weniger weichgezeichnet als noch vor Jahren. Und manches hat sich eben schlicht auch verändert in den letzten Jahren. (Ich schrieb darüber, ansatzweise zumindest.)

Dennoch erlaube ich mir auf Ferienreisen auch mal einfach nur das Offensichtliche zu sehen. Die Natur zum Beispiel. All die schönen Plätze. Die fast überall sehr freundlichen Menschen. Ich verhalten mich unkritischer, als ich es sonst bin und erwarte für einmal nicht hinter jedem Glücksmoment einen Hammer. Uafassend wahrnehmend, ja, das schon, aber für einmal nicht alles hinterfragend. Natürlich könnte ich nicht auf Dauer so leben – so unkritisch, so oberflächlich – aber für die Dauer von drei Wochen habe ich es mir erlaubt.

Ich habe es mir erlaubt, zu genießen. Das fast ständig gute Wetter. Die Schönheit der Natur. Die Weite. Die gute Meerluft. Das Barfußlaufen über Sand- und Felsstrände. All die Sonnenuntergänge. Die Kiefernwälder. Die Gerüche von all den vielen Blumen und Blüten. Der Wind auf meiner Haut. Das entspannte Fahren auf ruhigen Straßen. Die Sprache mit ihren fremden Lauten und Buchstaben. Spaziergänge durch Wälder und Städte. Unsere Wanderungen.

Im Sieb der Erinnerung bleiben letztlich diese kraftspendenden Erlebnisse. Obwohl es all die anderen natürlich auch gab. Die kalten Nächte an der Hohen Küste zum Beispiel oder die müden Beine nach unserer Zwanzigkilometer-Wanderung, doch schon jetzt stelle ich fest, dass die mühsamen Momente schon fast nicht mehr abrufbar sind.

Well done, Sofasophia!

Meine Batterien fühlen sich seit langem das erste Mal wieder so richtig aufgefüllt an und ich hoffe, dass ich diese Energie halten kann.

Ferien machen ist nicht schwer,
Alltagsleben umso mehr?

Wir werden sehen.


[Die Bilder sind nun auf unseren Rechnern und vielleicht werde ich in den nächsten Tagen noch eine Galerie einstellen. Mal schauen.]

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