#wirsindmehr und das soll so bleiben!

Bei Ulli drüben habe ich gestern dieses #wirsindmehr.png abgeholt und es in meinen Blog-Header eingebaut; und ja, auch meinen FB-Avatar habe ich damit geschmückt. Über das Warum müssen wir hier hoffentlich keine Worte verlieren. Was derzeit in Europa passiert, macht mir Angst. Was gegenwärtig immer offensichtlicher in Deutschland, Frankreich und anderswo passiert, – und ja, auch die Schweiz mit ihren Kriegswaffenexporten in Bürgerkriegsländer und der aktuell nicht wirklich humanitären Flüchtlingshaltung hat Dreck am Stecken! – darf nicht Normalität werden.

Angst ist das dominanteste Wort dieser Tage – aus allen Richtungen. Manche Ängste sind nachvollziehbar, sind faktisch mit Zahlen begründ- und statistisch belegbar. Zum Beispiel ist die Zahl der politisch motivierten Gewaltdelikte aus der rechten Ecke, die längt nicht mehr nur eine Ecke ist, in den letzten Jahren massiv gestiegen. (Link: S. 19) Das macht mir Angst.

Doch manche Ängste wachsen – persönlich und gesellschaftlich –, weil man glauben will, was man zu hören bekommt. Die Wir-Einheimischen-sind-die-armen-Opfer-Nummer ist ein rhetorisches Werkzeug, das immer wieder funktioniert. Vor achzig Jahren. Immer schon, immer wieder. Da ist ganz besonders diese Angst vor dem Verlust von Vorteilen, die wir als Gesellschaft unverdient bei der Geburt erhalten haben, weil wir zufällig in diesem Land geboren worden sind. Und da ist die Angst vor allem Unbekannten. Und möglichen Veränderungen. Möglichem Verzicht. Ja, klar, kann man verstehen. Aber. Was ich nicht verstehe und was ich nicht sehe ist eine Angst vor dem Manipuliertwerden.

Diese Angst, wieder – wie vor achzig Jahren – auf Brandstifter und Rattenfängerinnen hereinzufallen. Kollektiv. Ich sehe sie nicht – und ja, das macht mir Angst. Müssten denn nicht viel mehr Menschen durchschauen, wie sie aktuell manipuliert werden und wie leicht sie zu manipulieren sind? Nun ja, die Kunst guter Rhetorik besteht ja genau darin, Fakten und vor allem Fake News so zu inszenieren, dass sie wahr wirken, glaubwürdig. Überzeugend.

#wirsindmehr ist zuerst einfach mal ein Hashtag, einer mehr. Doch ihn so großflächig wie möglich zu verwenden, verbindet uns Menschen miteinander, die daran glauben, dass wir mehr an der Zahl sind als die Nazis. Er verbindet uns und macht uns sichtbar. Denn wir sind mehr, ja, wir sind zum Glück noch immer mehr Menschen, die an Werte wie Würde für alle Menschen glauben – ungeachtet von Hautfarbe, Religion, Geschlechtsidentität, Herkunft und physischer & psychischer Verfassung. Und zwar immer und überall.

Dafür, dass Fremdenhass nicht normal wird, können wir alle sorgen. Alle so, wie wir es am besten können. In Gesprächen, mit Texten, mit praktischem Handanlegen und Nachbarschaftshilfe, mit Aktionen, an Demonstrationen, mit Spendensammlungen, mit dem Teilen von wichtigen Inhalten,
mit T-Shirts oder Buttons, wie sie zum Beispiel auf Anna Schmidts Blog vorgestellt werden,
mit Spendenaktionen wie dieser hier, wo du pro 5€-Spende Teil einer „Strichmenschenkette gegen Nazis“ werden kannst,
oder dieser hier, wo du dazubeitragen kannst, dass Pilotinnen und Piloten über dem Mittelmeer Flüchtlingsboote finden und den Helferinnen und Helfern melden können,
oder du hilfst Meg dabei, möglichst fette 100% Erlös ihrer Versteigerung eines schönESdings– nämlich ein Schlüsselboard von Axel (hier zu ersteigern) – an Heimatstern zu überweisen.

Zum Glück gibt es diese und noch vieleviele andere Aktionen. Solche Zeichen der Solidarität, der Verbundenheit, machen von innen nach außen unsere Haltung sichtbar. Denn darum geht es, unter anderem: Dass wir eine Haltung einnehmen. Eine sichtbare Haltung.

Wir sind mehr und das soll sichtbar sein.

Buchcover Schonzeit vorbei von Juna Grossmann, mit Untertitel: Über das Leben mit dem täglichen Antisemitismus. Grundfarbe weiß, in der Mitte, über dem Titel, zwei breite gelbe Balken quer ums Buch herum.
Buchcover Schonzeit vorbei von Juna Grossmann

Ich lese zurzeit das Buch ’Schonzeit vorbei’ von Juna Grossmann. Wenn ich es fertig gelesen habe, werde ich es hier rezensieren. Die ersten Seiten sind mir bereits jetzt mächtig unter die Haut gegangen.

Die Autorin schreibt seit zehn Jahren in ihrem Blog ’irgendwie jüdisch’ über ihr tägliches Leben mit Antisemitismus. In ihrem Artikel Auf Papier, erzählt sie, wie es zu diesem Buch gekommen ist.

Uns allen wünsche ich immer wieder Zivilcourage, um gegen Fremdenhass und rechte Hetze aufstehen zu können. Alle auf die eigene bunte Weise. Miteinander.

Werbeanzeigen