Im Klangbad

Ich bade in Musik.
Ich tauche ein in die Klänge, die von da unten auf der Bühne zu uns hinauffließen. Zu uns, die wir im zweiten Stock einen gemütlichen Platz gefunden haben.

Für einmal sind wir ganz oben, denn unten ist es schon ziemlich voll. Wir sind ein bisschen spät in der Mühle Hunziken angekommen, um dem italienischen Cantautore Mimmo Locasciulli* und dem Berner Rockmusiker Büne Huber zu lauschen. Ein bisschen spät sind wir schon in Bern losgefahren, wo wir uns mit den lieben Leuten der früheren Schreibgruppe getroffen haben.

Spät, aber nicht zu spät. Und dieser Blick von ganz oben hat echt was. Der Klang ist womöglich noch einen Tick ausgewogener als da unten. Übersichtlicher. Außerdem kann man sich hier oben freier bewegen als im Getümmel da unten. Altersweisheit. Und wir können uns hinsetzen und aufstehen ganz wie es uns beliebt. Selten habe ich ein Konzert so entspannt genießen können.

Ich schließe schon bald die Augen und lasse die Musik ein.

Sie setzt sich über die Haut, über meine Schranken aus Fleisch und Blut, hinweg, ergießt sich in meine Innenräume und tränkt mein Herz.
Sie überflutet den Tinnitus und durchdringt sogar die Denkschranken.

Ich bin
ich bin Musik
ich löse mich auf
in Farben
in Klänge
in Schwingungen
jeder Akkord entsteht genau jetzt
löst sich auf und
verbindet sich jetzt
und jetzt
verbinden sich Töne
verbünden sich Klänge
verschiedene Tonhöhen
Klänge aus verschieden Instrumenten
verschiedenen Farbschichten gleich
legen sich übereinander
mal Harmonie
mal Disharmonie
immer Gleichgewicht
fragil zwar
aber da
freundschaftliches Lachen zwischen den Menschen an den
Tasten
Saiten
Fellen
ich bin ein Teil dieses Resonanzkörpers
ich bin da
ich bin ganz
ich bin ganz da

Mimmo Locasciulli am Flügel, die Band in Action.


Advertisements