Vorbilder, Figuren und Rollen | … das geht nicht nur uns Frauen etwas an.

Gestern habe ich in der Süddeutschen einen sehr spannenden Artikel über Geschlechterrollen in Kinderbüchern entdeckt. Die Autorin, Meredith Haaf, fragt sich, was Pippi Langstrumpf und Annika mit der Abwertung von Weiblichkeit zu tun haben.

Zuerst stutzte ich bei diesem Satz, sind doch Pippi, Ronja und Co. für mich immer genau jene Figuren gewesen, zu denen ich aufgeschaut habe, die für mich Vorbilder gewesen sind. Oder nehmen wir die ’Fünf Freunde’: » Als Kind war mir zwar nie vollständig klar, was das Problem an Kleidern und Puppen sein sollte. Aber dass ich lieber George statt Anne sein sollte, um nicht als lahme Ente zu gelten, durchaus. Die Botschaft, dass eine gewisse Verachtung für das Häusliche und das sich Kümmern zu den Merkmalen eines unabhängigen Mädchens gehörte, kam an. Man kann sagen: Je wilder, ’jungenhafter’ eine Kinderbuchheldin, desto alberner und harmloser müssen die sie umgebenden, weniger wilden Protagonistinnen wirken«, schreibt Haaf und spricht mir aus der Seele.

Zugegeben, ich war auch immer ein bisschen stolz darauf, dass ich eher ein Buebemäitli war, das auf Bäume kletterte, im Wald spielte, vom Vater in der Werkstatt bohren und Fahrradschläuche flicken lernte und überhaupt eher Dinge tat, die man damals mehr Buben als Mädchen zuschrieb. Dieser Stolz aufs eher männliche Eigenschaften – ich mochte zum Beispiel Mathe – macht mich heute stutzig. Ganz klar waren in meinem Weltbild also Buben besser und wertvoller als Mädchen.

Als ich neulich meinen Artikel Frauenleselust als Beitrag zu einer Blogparade geschrieben hatte, realisierte ich, dass ich heute manche Serien deshalb mag, weil ich ihre weiblichen Figuren mag. Frauen, die ich gerne im echten Leben als Freundinnen hätte vielleicht, oder die mich an Freundinnen erinnern oder daran, wie ich gerne wäre.

Und nein, es sind nicht die Frauen, denen alles ein bisschen leichter fällt, die Job und Kinder und Partner*in einfach so locker und geradezu übermenschlich unter einen Hut bringen, nein, es sind eher jene Frauen, die eben auch nicht einfach alles so auf Anhieb gebacken bekommen. Die dennoch menschlich sind, oft aber auch verzweifelt, an Grenzen kommend, hilfs- und anlehnungsbedürftig (und damit meine ich jetzt weniger den allwissenden Mann als die beste Freundin) sind, nun ja generell halt bedürftig, aber auch kämpferisch, paradox, verrückt, schwach, stark, mutig, sich selbst zu sein. Frauen eben, die ganze Mensch und ganz Frau sind.

Was Weiblich- und was Frausein überhaupt ist, lässt sich nicht abschließend und letztlich auch nicht allgemein beantworten. Beim Nachdenken über Antworten stelle ich fest, wie stark Rollenmuster und -konditionierungen sind, und wie schwer sie sich einfach abstreifen lassen. Auch haben sie, wie Meredith Haaf in ihrem Artikel aufzeigt, früh zu wirken und zu prägen angefangen.

»Die Mischung aus Abhängigkeit und Abneigung, die so viele Menschen gegenüber den Frauen in ihrem Leben empfinden, das, was die Philosophin Kate Manne als ’die Logik der Misogynie’ bezeichnet hat – man fragt sich doch manchmal, warum all das sich so hartnäckig hält. Die Antwort könnte auch in einer frühen kulturellen Prägung liegen, die in den besten Absichten geschieht. Kinderbuchklassiker zu verschmähen ist darauf natürlich nicht die angemessene Reaktion. Die eigenen Lieblinge genauer anzusehen, möglicherweise schon.« Mit diesen Zeilen schließt die Autorin ihren Exkurs in die Welt der Kinderliteratur.

Besagter Zeitungsartikel hallt in mir nach und ich überlege, welche Figuren auf Filmen und Büchern ich für gelungene weibliche Vorbilder halte. Bei Kinderbüchern und -filmen bin ich aktuell nicht auf dem Laufenden, darum bezieht sich meine folgende Liste auf Erwachsenenliteratur und -filme, denn auch als Erwachsene werden wir geprägt.

Meine Negativliste:

  • Herzschmerzfilme oder -bücher, in denen die Frau den Mann als Retter und Erlöser braucht.

Meine Positivliste (bitte in den Kommentaren ergänzen):

  • Siri Bergmann, die Protagonistin der Autorinnenschwestern Camilla Grebe und Åsa Träff, die eine Psychothriller-Serie um diese Therapeutin herum geschrieben haben, ist klug und wüsste darum eigentlich, was ihr gut tut. Meistens schafft sie es aber selbst nicht, das, was sie mit ihren Klientinnen übt, bei sich anzuwenden. Sie wird selbst Opfer von Übergriffen und verhält sich mal stark, dann wieder scheitert sie. Sehr glaubwürdige Figur.
  • Chastity Riley ist eine eigenwillige, hochsensible Staatsanwältin, die in Hamburg ermittelt. Diese Figur der Autorin Simone Buchholz nimmt sehr viel wahr und versucht zeitweise mit ihrer coolen, fast schon schnoddrigen Fassade ihre Sensibilität und ihr übergroßes Gerechtigkeitsempfinden zu überdecken, doch die Menschen, die sie wirklich kennen, schätzen sie genau dafür, dass sie ist, wie sie ist.
  • Pia Korittki, eine alleinerziehende Mutter und Kommissarin, erschaffen von der Autorin Eva Almstädt, steht immer im Spannungsfeld zwischen Kind und Beruf und versucht, diesen Spagat irgendwie hinzubekommen, was ihr meistens kaum, mal eher schlecht als recht und manchmal dann doch gelingt. Ihrer Ermittlungsarbeit kommt ihre Sensibilität zu Gute.
  • Liz Richard, die noch bis Ende 2019 amtierende Schweizer Tatortkommissarin, ist tough, klug, humorvoll, schlagfertig und dennoch nicht übermenschlich-perfekt, sondern tolerant und weiblich. Außerdem lebt sie ihre Liebe zu Frauen, was in der europäischen Krimilandschaft noch viel zu selten ein Thema ist.
  • Marie Brand ist die Kommissarin der gleichnamigen Krimiserie im zdf. Marie Brand hat einen klaren Blick, eckt aber zuweilen an, weil die meisten Menschen ihren Gedankengängen nicht folgen können. Sie setzt sich dennoch immer wieder durch indem sie einfach ihren Weg geht und ihr Ding macht. Ohne großes Tamtam (zugegeben, sie ist fast ein bisschen zu perfekt, aber weil sie so sympathisch ist, darf sie trotzdem auf die Liste).

Ich öffne für diesen Artikel den Kommentarmodus. Bitte erwähnt doch kurz eure weiblichen Rollenvorbilder aus Literatur und Film.

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20 Kommentare zu „Vorbilder, Figuren und Rollen | … das geht nicht nur uns Frauen etwas an.“

  1. Ich mochte Pippi und Georgina, hatte aber auch schon als Kind ein merkwürdiges Gefühl bei den gegensätzlichen Paaren Pippi-Annika und George-Anne. Ein anderes Buch, das ich lange sehr geliebt habe, war „Kleine standhafte Katri“ von Auni Nuolivaara. Es beginnt, als Katri mit neun Jahren Kuhhirtin wird und endet, als sie Bäuerin und Mutter von Töchtern ist, die nicht schon als Kinder „in Stellung gehen“ müssen. Katri ist selbstbewusst und durchsetzungsfähig im Rahmen der ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. In ihrer Kindheit und frühen Jugend scheinen Jungen keine Rolle zu spielen. Auni Nuolivaara kritisiert im weiteren Verlauf jedoch recht deutlich die Zwänge, denen Frauen in Finnland (und anderswo) Anfang des 20. Jahrhunderts unterworfen waren. Als schon etwas ältere Jugendliche las ich „Atomstation“, für das Halldór Laxness den Literaturnobelpreis bekam. Hauptperson Ugla, ebenfalls ein Mädchen vom Land, will Organistin werden. Um diesen Traum zu finanzieren, nimmt sie eine Stelle als Kindermädchen bei einer wohlhabenden Familie in der Großstadt an. Nach und nach tritt das Orgelspiel in den Hintergrund, und Ugla wird in bescheidenem Rahmen politisch aktiv. (https://de.wikipedia.org/wiki/Atomstation)
    Heute kann ich auf Anhieb kein Vorbild in der Literatur mehr nennen. Liegt das am Älterwerden, dass man keine Vorbilder mehr sucht?

  2. Vielleicht ist „Vorbilder“, ein Wort, das ich mir aus dem Kinderbücherartikel geborgt habe, bei Erwachsenenbüchern nicht ganz das richtige. „Identifikationsfigur“ wäre vielleicht treffender. Oder schlicht Frauen, die ein uns ein lebensbejahendes Frausein zeigen.

    Ich danke dir herzlich für deine Ergänzungen. Deine Figuren kenne ich nicht, ich werde sie auf meine Liste setzen, zumal mich skandinavische Texte anziehen.

  3. Hallo, cooler Artikel! Bei Marie Brand (die einzige der Aufzählung, die ich kenne), stimme ich absolut zu und finde auch den Charakter des Kollegen Simmel sehr bemerkenswert, der ja gerade versucht, das Männerbild zu erfüllen, doch immer wieder (zumindest in meinem Verständnis) mit seiner Persönlichkeit an dessen Grenzen stößt.
    Hier noch ein Beitrag von mir zum ähnlichen Thema: https://kempeweidenbaum.wordpress.com/2018/08/16/maedchen-mutig-machen/?preview=true
    Liebe Grüße,
    Kai!

  4. Herzlichen Dank für dein Kompliment, deine Ergänzungen und den Link. Guck ich mir nachher gleich mal an.

    Und ja. Simmel! Wie du sagst. Neulich hab icb mir mal auf Youtube die allerersten zwei Folgen angeschaut … ich mag dieses Entwickeln der Figuren.

  5. Salü Sofasophia
    Folgende Bücher und Filme sind mir in Erinnerung geblieben, bei denen eine Frau die Hauptrolle spielt:

    Bücher:
    Robyn Davidson: Spuren: Wahre Geschichte; Frau durchquert Australien
    Deborah Feldmann: Unorthodox
    Helen Liebendörfer: Die Frau im Hintergrund, Historischer Roman
    Lea Gafner: Die Nonne tanzt: Es ist eine Beschreibung das Leben einer Nonne 1523

    Zur Zeit lese ich:
    Tamara Bunke: Spionin der DDR, die mit Che Guevara etwas zu tun hatte. . …

    Filme:
    Land of plenty (Regie: Wim Wenders)
    Shell (Regie: Scott Graham), Tankstelle, Schottland
    Victoria (Schauspielerin: Laia Costa) besteht aus einer einzigen 140 min. Kameraeinstellung
    Susan verzweifelt gesucht/Desperately Seeking Susan (Regie: Susan Seidelman)
    Alice in den Städten (Regie: Wim Wenders)
    Auf brennender Erde, (Schauspielerin: Jennifer Lawrence): Tochter entdeckt Mutter mit ihrem Freund in einem Camper.
    Die Millennium-Trilogie von Stieg Larsson (Wobei ich fast keine Triller schaue. . ..)

    Buch und Film:
    Daniel Woodrell: Winters Knochen: Tochter einer armen Familie muss den Vater suchen, weil er das Haus als Kaution gegeben hat und nicht zum Gerichtstermin erschienen ist
    Cornelia Travnicek: Chucks: Verwarlostes Mädchen verliebt sich in AIDS-Kranken Mann und kümmert sich um ihn

    Kennst Du etwas davon?

    Tschüss

  6. Danke dir für deine Liste!

    Präzisieren möchte ich noch, dass es mur nicht nur um Hauptrollen geht, sondern darum, ob diese Rolle dem umfassenden Wesen von Frauen entspricht oder ob sie eher nur platte Rollenklischees bedient.

    Die meisten Titel deiner Liste kenne ich (noch) nicht, sie klingen aber sehr spannend!

    Lisbeth Salander aus der Millennium-Serie muss auf meine Liste mitdrauf. Für ihren nonkonformistischen Lebensstil, für ihr So-Sein.

    Danke!

  7. Hab ich mit Interesse gelesen und nachgedacht. Mir ist keine Kinderbuch-Figur eingefallen, mit der ich mich identifiziert hätte. Black out. Später gefielen mir „Anti-Helden“ wie Till Eulenspiegel, der brave Soldat Schweyk, Mutter Courage, auch ihre verrückte Tochter Katrin, von den Künstlern gleichermaßen Käthe Kollwitz und Ernst Barlach (zB). Später, als ich selbst einen Sohn hatte, musste ich immer wieder Momo vorlesen, aber auch der „Prinz von Irland“ gefiel – eigentlich war es egal, ob der Held männlich oder weiblich war. In der Literatur? Bei Ecos „Name der Rose“ konzentrierte sich meine Sympathie auf das Mädchen, die einzige weibliche Figur des Romans (die Rose), die am lebendigsten und gefährdetsten ist (im Film wird sie gerettet, im Buch nicht, was authentischer ist). Eigentlich müsste ich jeden Roman oder Film einzeln betrachten, denn von den Protagonisten sind mir manche Männer, manche Frauen, manche Kinder interessant und liebenswert, andere nicht so. Ich schaue anscheinend immer schon mehr auf die menschlichen als auf die gender- oder alters- oder rollenspezifischen Eigenschaften.

    Danke für den Impuls, ich werde noch weiter drüber nachdenken.

  8. Das wäre mein Menschenideal: Nicht das Geschlecht, sondern das, was den Menschen ausmacht in meinen Mitmenschen sehen. Schön, dass du das schon praktizierst!

    Wie konnte ich Momo vergessen? Danke für den Tipp. Und jetzt muss ich ein bisschen über Heidi von Johanna Spyri nachdenken.

    Danke für deine Anregungen!

  9. Ich möchte bei Pippi Langstrumpf überhaupt keinen Gegensatz oder Kontrast von Männlich vs Weiblich sehen, sondern in der Anlage der Figuren Annika-Thomas vs Pippi einen Kontrast von Brav-Angepaßt-Langweilig-Ängstlich vs Wild-Eigensinnig-Lustig-Mutig. Es scheint mir, es tut weder Pippi Langstrumpf noch sonst einem Werk der Literatur gut, wenn man erstmal mit der Schablone Männlich-Weiblich an den Text herangeht. Überhaupt ist mir die Gleichsetzung wild = männlich höchst suspekt. Ist nicht in letzter Zeit ständig vom Einzementieren von Rollenklischees die Rede …?

  10. Wie Gerda schon kommentierte: Letztlich sollten wir als Gesellschaft dahin wachsen, wo es um den Menschen an sich und nicht um das Geschlecht geht … und eben schon gar nicht um die Klischees. Aber leider sind wir von dort noch weit entfernt und leider ist es so, dass die Eigenschaften wie wild = männlich, um nur ein Beispiel zu nennen, noch immer in der Erlebnisrealität greifen. Vielleicht sogar wieder mehr als auch schon, wenn man sich die Werbung für Kinder anschaut und wie „genderangepasst“ diese oft daher kommt. Leider sind die Kontraste eben in den Köpfen noch sehr geschlechtsabhängig. Der Weg, den wir als Gesellschaft zu gehen haben, ist für mich klar ein Abschiednehmen von den alten Rollen.
    Herzlichen Dank für die Ergänzungen.

  11. Ich habe da ein Weilchen drüber nachgedacht. Mir fallen keine „Identifikationsfiguren“ ein, also solche, die ich hätte sein wollen. Ob die Protagonisten nun männlich oder weiblich waren, war mir, wenn ich mich recht entsinne, egal. Ich mochte spannende Geschichten, Konflikte, Kinderbanden, Tiere, Zeitreisen, waghalsige Rettungen, Fähigkeiten ausloten, etwas schaffen … Lindgren rauf und runter, Preußler, Nöstlinger und eine Menge Sachen, deren Titel und Autoren ich nicht mehr weiß.
    Brav und angepaßt ist nicht spannend. Natürlich agieren Kinderbuchprotagonisten gegen Normen, Gebräuche und alles andere – sonst wär’s ja kaum eine Geschichte, oder?
    (Im übrigen würde ich ein Buch, dessen Hauptfigur seitenlang darüber nachdenkt, warum eine andere Figur sie böse angeschaut hat, weglegen. Nicht weil es weiblich wäre, sondern weil mich so was nicht interessiert.)

  12. Ha, gut gesagt. Wie ich schon bei Gerda schrieb: Das wäre mein Ideal. Und vielleicht habe ich auch so gelesen, einerseits. Aber andererseits eben auch wieder nicht, denn ich war und bin leicht zu begeistern und zu beeinflussen. Schön, dass du das für dich so geschlechtsneutral handhaben konntest. Und danke für deine Gedanken hierzu.

  13. Ein tolles Thema, liebe Sophia!

    Aktuell bin ich mit der Kinderliteratur leider auch nicht auf dem Laufenden. Allerdings versuche ich, meinem Enkelsohn (7) immer wieder Bücher zu schenken, in denen Mädchen UND Jungen gleichermaßen wichtig sind, um ihm eben genau das auf den Weg zu geben. Da meine Tochter in den Genuß meiner feministischen Erziehung kam, macht sie das natürlich genauso. Und was ich so sehe, ist er auf einem guten Weg.
    Ich selbst habe als Kind (aufgewachsen in den 60ern, als jüngste von 5 Schwestern) natürlich alles von Astrid Lindgren verschlungen. Pippi fand ich großartig, weil wir damals wie Annika sein mussten. Karlsson vom Dach hat mich nur genervt, weil er so unverschämt, gemein und hinterhältig war, aber trotzdem damit durch kam. War das typisch Junge? Ich verstehe bis heute nicht, was Astrid Lindgren mit dem Buch sagen wollte.
    Meine Favoritinnen waren Harriet, die Detektivin mit den ganz eigenen Gedanken, Jennifer, die Hexenfreundin von Elizabeth („Jennifer, Hekate und ich von E.L.Konigsburg) und die vielen Pferdemädchen, die sich gegen allerlei Widerstände durchsetzen mussten und tolle Abenteuer erlebten. In diesen Büchern kamen, so wie in meinem eigenen Leben, kaum Jungs vor und wenn, dann nur am Rand. Da ich mir die meisten meiner Bücher selbst ausgesucht hab, kann ich noch nichtmal jemanden dafür verantwortlich machen… 😉

    Auch später waren mir die Bücher am liebsten, die von Frauen geschrieben wurden und von Frauen handeln. Es entspricht einfach meiner Lebensrealität. Damit meine ich aber keinesfalls die sog. „Frauenromane“, die in den 80ern so modern waren (Hera Lind & Co.): die waren damals sicher wichtig als Zeichen des Widerstands, liefen aber irgendwann doch wieder nur auf das Schema „Frau bricht aus der Ehe aus und findet auf witzigen oder traurigen Wegen zur neuen Liebe“ und damit auf das alte Klischee heraus.
    Was in meinem Regal steht: Marilyn French, Margret Atwood, Doris Lessing, Anja Meulenbelt…
    Super gerne hab ich die Krimis aus der Ariadne-Reihe gelesen. Wie viele andere Kriminalromae auch sind sie oft mehr Milieu- und Alltagsstudien als einfach nur „Who done it“ Rätsel. Von da war es nicht weit zu vielen anderen Krimi-Autorinnen wie Patricia Cornwell, Val McDermid, Sue Grafton, Anne Holt u.v.m.

    Bei Filmen / Serien geht es mir genauso: am meisten mag ich die, in denen Frauen in allen Facetten vorkommen. Ich kann mit Action und Gewaltzeug nichts anfangen. Bruce Willis mag ja komisch sein in seinen Sprüchen, aber 3/4 der Filme bestehen einfach nur aus toxischer Männlichkeit, die zerstört. Danke, das brauch ich nicht.
    Was ich mir wünsche, sind Bücher und Filme ohne Rollenklischees, typische oder umgedrehte. Davon gibt es schon einiges, das darf aber gerne mehr werden, normal werden.

    (Ups, ein Roman sollte daraus nicht werden. Aber jetzt isses so, jetzt schick ichs einfach ab ;-))

  14. Danke für alle deine Ergänzungen. Wie schön, dass du du deiner Tochter und deinem Enkel so viel Vorbild-Nahrung mit auf den Weg geben konntest.

    Ich werde mir demnächst mal eine Liste mit all den erhaltenen Tipps erstellen und dafür sorgen, dass mir das eine oder andere Buch in die Hände kommt. 🙂

    Diese „Frauenromane“, die du erwähnst, haben mich nie angesprochen. Ich mag ja eigentlich gerne Bücher mit Frauen, die auch ohne Kerle klarkommen und die ein unabhängiges Liebesleben haben. Vor allem mag ich es, wenn Beziehung nicht als das Maß aller Dinge angesehen wird.

    Einige der Autorinnen, die du im Weiteren aufzählst, kenne ich auch und bin dankbar, sie gelesen zu haben. Wo wären wir heute ohne sie? Und auch ohne die Ariadne-Krimis, von denen ich auch sehr viele gelesen habe.

    Ich mag es übrigens auch, wenn es einem Mann gelingt, über Frauen so zu schreiben, dass sie glaubwürdig, lebendig und echt rüberkommen, ohne Rollenklischees halt und mit allem, was eben dazugehört.

    Danke für deine Ergänzungen!

  15. Ich habe den Artikel jetzt erst gefunden. Sagen wir mal so, als Kind hatte ich vor allem eine Negativliste:

    1) Klara aus Heidi
    2) Anna aus der Weihnachtsserie im Fernsehen

    Das waren nämlich die Mädchen, mit denen ich mich identifizieren sollte, weil es brave behinderte Mädchen waren. Rollenmodelle speziell für uns gab es ja nicht. Positivliste gab es subjektiv für mich damals gar nicht.

    Später? Eher so, dass ich bei männlichen Charakteren angedockt bin oder Identifikationspunkte gefunden habe und gedacht habe „Als Frau, dann passt es!“ Auf Anhieb fällt mir auch niemand ein, müsste ich sehr drauf rumdenken.

    Aber vielleicht ein „entferntes“ Beispiel: Eine Bekannte ist großer Fan von „Starlight Express“ und bittet mich manchmal englischsprachige Beiträge aus Fan-Foren für sie zu übersetzen. Irgendwann ging es um die E-Lok und dessen Komponenten und ich las über den Rüstungswagen und dass sich irgendwer aufregte, dass der in einer Notfallbesetzung einmal von einer Frau gespielt wurde (der Charakter immer noch männlich, hat wohl bis auf kurze Vorstellung keine Sprechrolle) und ich informierte mich und dachte „DEN als Frau, das wäre es doch. Genauso wie er ist, aber eben weiblich.“ Nun gut,mag daran liegen, dass ich eine Frau kenne, die beim Sicherheitsdienst arbeitet, aber ich dachte, DER in weiblich, das wäre mal eine identifikationswürdige Frauenrolle.

  16. Das klingt sehr spannend … Bei Rollen, die Berufsbilder, die traditionellerweise eher männlich konnotiert sind und dann aber von Frauen interpretiert werden, bin ich immer neugierig darauf, ob die Frauen sich dann den männlichen Standards anpassen (müssen) um zu passen oder ob ihn eine weibliche Rolleninterpretation (was immer das ist) erlaubt wird (erlaubt? Von wem?) … Es ist im Grunde wirklich ziemlich schwierig, herauszufinden, was in unserer Gesellschaft authentisch-original-organisch ist und was gehirngewaschen-anerzogen-konditioniert.

    (Ich komme grad an die Grenze des Mich-Ausdrücken-Könnens irgendwie.)

    Danke für deine Gedankenanstöße!

  17. Bei Rollen, die Berufsbilder, die traditionellerweise eher männlich konnotiert sind und dann aber von Frauen interpretiert werden, bin ich immer neugierig darauf, ob die Frauen sich dann den männlichen Standards anpassen (müssen) um zu passen

    Wenn meine beste Freundin Blogs lesen würde (tut sie leider nicht mehr), würde sie mal vorbeischicken, die könnte dazu etwas sagen. Anscheinend ist man als Fassadenmalerin (Wandbilder und so, sie kommt eigentlich aus dem Requisitenbau, aber eben auch klassisches Häuserstreichen) trotzdem schon etliche Jahre auch MalerINNEN/LackiererINNEN ausgebildet werden noch immer so etwas wie ein Einhorn. Jahrelang nicht eine weibliche Kollegin oder Auszubildende.

    zu gehirngewaschen-anerzogen-konditioniert vielleicht das hier: Wir kümmern uns gerade um das Faschings-/Karnevals-/Fassnachts-/wie auch immer das bei euch im Sprachgebrauch heißt-Kostüm für eine 5-jährigen, also klassischen Alter für Das ist für Mädchen/Das ist für Jungen. Er möchte als Krankenpfleger gehen. Du willst nicht wissen was wir für Kommentare bekommen, weil wir gesagt haben „Alles klar, weiße Hose, weißes Polo-Shirt, Crogs – sitzt“. Vor eingen Monaten war ich ziemlich begeistert in ein einem Drogeriemarkt ein Kinderduschgel zu finden: Packung orange – sonst alles rosa oder blau in dem Regal – und die Figur eine Frau (!) in Feuerwehruniform (!) Text Wenn ich groß bin, gehe ich zur Feuerwehr. Wenn das nicht so teuer gewesen wäre, hätte ich das packungsweise gekauft, weil ich das so toll fand. Endlich mal was wo vermittelt wurde Mädchen können auch gefährliche Jobs, Mädchen können auch stark sein und Knochenarbeit tun, Mädchen können auch supermutig sein.

  18. Ich weiß ja auch nicht … es ist einfach so gruslig. Auch, dass solche orangefarbenen Duschgels dann quasi Hoffnungsträger sein werden.
    Puh.
    Danke dir …

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