Mein Bedürfnis nach Weite

Ich erwachte heute mit Gedanken zu Enge und Weite. Was welche Gefühle in mir erzeugt und warum.

Enge mag ich nicht, Weite dagegen sehr. Außerdem haben Begriffe wie Weite und Enge für mich neben der persönlichen immer auch eine politische und ökologische Dimension.

Was ist es denn, das in mir Gefühle von Enge erzeugt und mir das Atmen schwer macht?

  • Menschen und Aussagen, die darauf hinzielen, einzelne Menschen oder auch ganze Menschengruppen auszuschließen, auf ganz unterschiedliche Weise. Und aus ganz unterschiedlichen, für mich oft nicht nachvollziehbaren Gründen.
  • Dumme Menschen, die keine Zusammenhänge verstehen.
  • Menschen, die Fragen stellen, die mir im gegebenen Setting zu persönlich und/oder übergriffig sind.
  • Behörden, die Macht haben und diese missbräuchlich einsetzen.
  • Menschen, die die Grenzen anderer einmalig oder regelmäßig überschreiten.
  • Zynismus und Ironie ab einer persönlichen inneren Schwelle.
  • Menschen, die etwas von mir oder andern wollen, es aber nicht direkt sagen und damit potentiell missverständlich kommunizieren.
  • Jegliche Form von Manipulation, insbesondere subtile, sich im Subtext befindliche.
  • Menschenmaßen auf Plätzen und Bahnhöfen.
  • Lärm.
  • Stark parfümierte Menschen.
  • Starke Gerüche und Gestank.
  • Extreme wie Hitze oder Kälte.
  • Hektik.
  • Kassenschlangen.

Was mich dagegen Weite empfinden und mich gut atmen lässt?

  • Ein Spaziergang oder eine Wanderung in der Natur.
  • Der Wald.
  • Radfahren.
  • Weitblick und Aussicht.
  • Gewässer von außen oder schwimmend erlebt.
  • Menschen, die echt sind und echt über sich reden.
  • Menschen, bei denen ich nicht immer überlegen muss, wie sie meinen, was sie sagen und ob sie mit einer Aussage etwas bezwecken wollen.
  • Wohlwollende Menschen, die zuhören können, ohne gleich zu meinen, sie müssten Lösungen aus der Tasche ziehen.
  • Herzliche Toleranz und gegenseitiges Verstehen.
  • Herzumarmungen und achtsame Berührungen.
  • Gegenseitige Rücksichtnahme aus Empathie.

Ja, ich werte, ich bewerte, und nein, ohne Werte und Werten kann und will ich nicht und ja, ich weiß, dass beim Üben von Achtsamkeit nicht gemeint, dass ich alles dulde, hinnehme, mit mir machen lasse, was mir geschieht.

Gemeint ist dagegen ein klares und nicht-wertendes Gewahrsein dessen, was in jedem Augenblick geschieht. Jetzt. Und jetzt. Ein Beobachten: Ist, was ich jetzt erlebe, für mich angenehm, unangenehm oder neutral? So kann ich üben, beengende Situationen – denn alles Beengende lässt sich ja nicht umgehen –, in einem ersten Schritt wertfrei zu erfahren und so zu akzeptieren, wie sie sind. Erst danach kommt dann das mit dem Verändern. Denn manches geht, manches nicht.
Manches heilt, manches nicht.
Was heilen kann, heilt.
Was unheilbar ist, heilt nicht.
Das ist die Natur der Dinge.
Manche abgebrochenen Äste wachsen nach, manche nicht.
(Von nachwachsenden Beinen habe ich allerdings noch nie gehört.)

(Und nein, das ist nicht zynisch gemeint.)

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