Notizen am Rande #2

Wieso soll man eigentlich körperlichen Schmerz auf keinen Fall ignorieren, weil er auf etwas Ernstes hinweisen könnte und sich möglichst schonen und Belastungen vermeiden, aber bei psychischem Schmerz sagen sie: da musst du durch!, denn dieser solle angeblich nämlich stark machen, weil er uns ja nicht umbringe …

»Apropos Vermeidung, schon mal jemand einem Nussallergiker gesagt, dass er durch den Walnusseisbecher einfach durch muss?«

Julia von Blütenstille

Ich werden den Eindruck nicht los, dass da etwas ziemlich falsch läuft in unseren Denkwelten. Schmerz ist doch Schmerz: ob nun die Seele schmerzt oder das Kniegelenk.

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Die Arbeitgeber*innen, die Wirtschaftsmenschen, die Was-auch-immers dieser männerdominierten Welt hätten es ja am liebsten, wenn wir Menschen alle stromlinienförmig wären, ohne Kanten, genormt, rund, flüssig, glatt und am liebsten ohne Fehler und gänzlich wartungsfrei. Der Druck auf uns Menschen ist enorm und fängt immer früher im Leben an. Nun, darüber müssen wir wohl nicht diskutieren. Auch nicht, dass immer mehr Menschen, die diesen Normen nicht entsprechen, aus dem Rennen fliegen, kaputt gehen, krank werden – körperlich ebenso wie psychisch.

Kranke aber sind unberechenbar, körperlich Kranke vielleicht noch ein bisschen weniger als psychisch Kranke. Aber letztlich sind alle Kranken nicht kalkulierbar. Also drangsaliert man sie von oben und von außen mit allen Mitteln und allen möglichen Sanktionen, um ihnen dieses Krankgewordensein-am-Leben schnellstens auszutreiben. Dass das vermeintlich ’kleinere Übel’, eine Rückkehr in die stromlinienförmige Anpassung an die Ansprüche der Arbeitswelt, aber langfristig eben eine Art JoJo ist, berücksichtigen sie dabei nicht.

Ich kenne so viele Beruftstätige, die immer am Limit leben. Doch am Limit lenkt der Zufall.

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»Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.«

Es muss ein sehr kluger Mensch gewesen sein, der diese Erkenntnis erstmalig in so einfache und klare Worte gegossen hat. Ich tippe auf eine Wasserträgerin.