Lebenswege

Zwölf Tage her, bereits, dass Irgendlink und ich uns endlich wieder einmal mit Frau Lakritze zusammen auf den Weg gemacht haben. Die Pfalz erkunden war unser Ziel. Einen kleinen Ausschnitt derselben jedenfalls.

Und zwar wollten wir dort anfangen, wo die Alsenz entspringt: in Alsenborn. Dass es diesmal keine Winterwanderung werden würde, ahnten wir bereits im Voraus. Eher noch würde es regnen denn schneien. Das als trocken angekündigte Zeitfenster war nicht allzu groß und so machten wir uns schon bald auf den Weg, nachdem wir Frau Lakritze am Enkenbach-Alsenborner Bahnhof eingeladen hatten.

Den Alsenborner Lebenspfad hatten wir zu gehen beschlossen, da selbiger sich auf einer Wanderwebseite in Irgendlinks Blickfeld geschoben hatte; eine nur paar Kilometer lange Wanderung, die meiner aktuellen Befindlichkeit – Fersensporn und Knieschmerzen – sehr entgegen kam.

Unterwegs gab es ein paar Stationen wie beispielsweise ’Unfalltod’ nahe der Autobahn oder ’Familienbaum’, die zum Innehalten und Nachdenken einluden. Natürlich waren wir eh gemütlich unterwegs, denn es gab so viel zu sehen und zu fotografieren, so viel zu erzählen und zu erfahren. Mittendrin, am langen Tisch der Gemeinsamkeit, teilten wir Speis und Trank.

Höhepunkt der Wanderung war für mich definitiv das wunderschöne Labyrinth – gelegt aus Rindenmulch mit roten Sandsteinkanten – das wir still von außen nach innen gehend abschritten. Einen Kilometer Weg lege man zurück, wenn man ihn gehe, las ich eben auf der verlinkten Webseite. Hoppla, soo weit? Dieses Im-Kreis-Gehen hat echt was und beruhigt sehr.

Zurück im Ort besuchten wir das kleinste mir bekannte Museum. Es ist den früher hier ansäßigen Zirkusfamilien gewidmet und erzählt unter anderem die Geschichte vom Ackerelefanten, den wir auf einem Kreisel im Ort bereits gesehen haben. Lakritze berichtet.

Nach einer kleinen Stärkung mit Torte und Heißgetränken fanden wir beim Spazieren eine Kathedrale, die mich – obwohl ich sonst so gar nicht mit Kirchen und sakralen Dingen kann – sehr anrührte. Diese Stille tat einfach gut.

Wie Lakritze so schön schreibt: Ja, so was dürfte ruhig öfter mal stattfinden, so ein pfälzisches Wandertreffen! Und das nicht erst wieder im nächsten Winter.

(Mit Bildbeschreibungen)

Auch Frau Lakritze hat hier und hier über unsern Wandertag berichtet und gebildert.

Lesenswert, unbedingt!

Spielen #2 | Die vergessene Pointe

Betriebsblindheit nennt sich das wohl, wenn wir das Wichtigste zu erwähnen vergessen. Weil es so selbstverständlich für uns ist, das wir es schlicht und einfach als gegeben voraussetzen.

Erst vorhin, als ich mit einem Von-außen-Blick nochmals meinen gestrigen Blogartikel mit den Spielregeln unseres Würfelspiels Erben durchlas, erkannte ich mein Versäumnis. Asche auf mein Haupt. Bitte verzeiht.

Erben heißt nämlich Erben, weil du dabei die Punktzahl deiner Vorwürflerin, deines Vorwürflers erben kannst.

Und das geht so:
Erwürfelt die Person vor dir nämlich eine bestimmtes Punkteguthaben und beschließt mit Würfeln aufzuhören und ihr Guthaben aufzuschreiben, kannst du als nächste Person ihre leeren Würfel erben und, wenn du Glück hast, mit dem richtigen Wurf ihr Guthaben erben.

Zum Beispiel liegen von ihrem  letzten Wurf einige 1en und 5en auf dem Tisch, die anderen übrigen Würfel sind leer, das heißt sie zählen nicht.

Du kannst nun diese leeren Würfel nehmen und dein Glück versuchen: Gelingt es dir eine oder mehrere 1 oder 5 zu würfeln, erbst du das Guthaben und kannst genau dort weiterzumachen, wo die Person vor dir aufgehört hat. Fliegender Wechsel sozusagen. Oder eben: Erben.

Und auch hier gilt die 6er-Regel. Die 6 gilt als Auffüll- oder Pufferwürfel.

Auf diese Weise könnt ihr euch reihum weiter im Kreis beerben – daher auch der Name des Spiels:

Wichtig: Jede*r kann jederzeit aufhören und entscheiden mit allen Würfeln wieder bei Null anzufangen. Oft entscheidet das Schicksal und jemand würfelt einen leeren Wurf und alles fängt wieder von vorne an.

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Ich mag das ja: Manchmal kann man mit allen fünf Würfeln einen leeren Wurf würfeln, und manchmal kann man mit einem einzigen Würfel eine 1, eine 5 oder eine 6 würfeln und das erwürfelte Guthaben der*s Vorspieler*in eben erben.

Manchmal hast du eben einfach Glück und manchmal ich.


Spielregeln als PDF

Spielen #1

Zwischen den Jahren haben der Liebste und ich ab und zu gewürfelt. Ein Würfelspiel, das ich vor vielen Jahren gelernt, aber längst vergessen geglaubt hatte. Doch es war noch da, irgendwo in meinen Herzkammern, und ich habe es wieder zum Leben erweckt.

Erben heißt es. So jedenfalls habe ich das Ganze damals – vor nahezu dreißig Jahren – überliefert bekommen. Zwar ist Erben ein Glücksspiel, aber es müssen doch immer wieder Entscheidungen getroffen werden: Will ich mit einem oder zwei mir gebliebenen Würfeln die hohe Punktzahl, die Irgendlink erwürfelt hat, versuchen zu erben, oder fange ich mit allen fünf Würfeln wieder bei Null an?

Zugegeben, ich spiele nicht mehr so viel wie früher. Schade eigentlich, denn Spielen ist wichtig. In einer Welt, in der unsere Lebenszeit genau verplant ist, wo kaum mehr Freiraum für eigenes ist, wo alles verdichtet und reglementiert ist, in einer Welt des Konsumierens warum nicht einfach wieder einmal spielen? Nur um des Spielens willen.

Für unser Würfelspiel Erben braucht es zwei oder mehr Spielfreudige und gerade mal fünf Würfel, einen Block und einen Stift.

Würfelspiel mit Block und Stift, Bild posterisiert
Würfelspiel mit Block und Stift

Hier sind die Spielregeln:

(Diese Regeln bekam ich mündlich überliefert. „Erben“ ist eine Variation des Würfelspiels „Zehntausend“)

Erben ist ein Spiel für 2 und mehr Spieler*innen. Es braucht für dieses Spiel fünf Würfel, einen Stift und einen Block. Wer zuerst 15’000 Punkte erreicht, hat gewonnen.

  • Es wird reihum gewürfelt. Lediglich die Zahlen 1 und 5 erzielen Punkte, wenn sie einzeln gewürfelt vorkommen. Alle anderen Zahlen zählen nur ab Dreierpasch. (Siehe unten)

  • Die 1 ergibt 100 Punkte, die 5 ergibt 50 Punkte. (Päsche ab Dreierpasch siehe unten)

  • Nach jedem Wurf addierst du alle zählenden Würfel, lässt diese auf dem Tisch liegen und würfelst mit den übrigen Würfeln weiter.

  • Die Zahl 6 ist ein Pufferwürfel. Würfelst du zum Beispiel 1, 1, 5, 5 und 6 berechtigt dich die 6, dass du alle Würfel wieder aufnehmen kannst. Desgleichen bei 2x 6, wenn die anderen gewürfelten Zahlen ’etwas zählen’. (z. B. 2, 2, 2 und 6, 6). Kurz: Die 6 berechtigt dich dazu, wieder mit allen Würfeln weiterzuwürfeln, wenn alle andern Würfel gezählt werden können.

  • Solange du mindestens eine 1 oder eine 5 würfelst, kannst du immer weitermachen und deine Punkte laufend addieren. Du kannst deine Runde aber auch jederzeit beenden und die erwürfelten Punkte aufschreiben.

  • Sobald du aber einen Wurf ohne 1 oder 5 machst, sind alle in dieser Runde erzielten Punkte verloren und der oder die Nächste ist dran.

  • Wer zuerst 15’000 oder mehr Punkte hat, hat gewonnen.

Straßen

Würfelt jemand eine 1, 2, 3, 4 und 5 ODER eine 2, 3, 4, 5 und 6 hat er 700 Punkte erwürfelt und darf mit allen Würfeln weiterwürfeln, wahlweise aber natürlich auch aufschreiben und seine fünf Würfel weitervererben.

Feldwege (ganz neu in unsere bestehenden Regeln eingefügt)

Würfelt jemand eine 2, 3 und 4 kann er sie wahlweise als Feldweg zählen ODER aber die Würfelpunktzahlen anders verwerten. Ein Feldweg zählt 200 Punkte

Punktetabelle von Päschen

  • 2, 2, 2: 200 Punkte
  • 3, 3, 3: 300 Punkte
  • 4, 4, 4: 400 Punkte
  • 5, 5, 5: 500 Punkte
  • 6, 6, 6: 600 Punkte
  • 1, 1, 1: 1000 Punkte
  • 2, 2, 2, 2: 2000 Punkte
  • 3, 3, 3, 3: 3000 Punkte
  • 4, 4, 4, 4: 4000 Punkte
  • 5, 5, 5, 5: 5000 Punkte
  • 6, 6, 6, 6: 6000 Punkte
  • Pasch aus allen fünf Würfeln: Automatischer Sieg

Zur noch fehlenden Pointe und warum das Spiel Erben heißt, geht es ⇒ hier lang!

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Wann hast du das letzte Mal gespielt?


Spielregeln als PDF

Dankeschön

Liebe Menschen

Blogbuchcover mit Blogtitel und Jahreszahl. Im Hintergrund blaue Kennzeichnungen auf dem rauh gesägten Holz eines gefälltem Baumstammes
Blogbuchcover mit Blogtitel und Jahreszahl. Im Hintergrund blaue Kennzeichnungen auf dem rauh gesägten Holz eines gefälltem Baumstammes

Auch wenn ich nicht blogge, schreibe ich, denn Schreiben ist für mich wie Atmen: überlebenswichtig.

Obwohl ich die Kommentarfunktion fast immer ausgeschaltet habe, nehme ich euch wahr. Ich danke euch dafür, dass ihr in eurem Leben eine kleine Nische für mich freigeräumt, in welcher ich meine Gedanken ausbreiten kann.

Mal kürzer, mal länger, die runden ebenso wie die kantigen. Die halbgaren Ideen ebenso wie manche Geschichten, die mir durch den Kopf und von da aus in die Tasten gehen. Aus meinen Blogtexten des vergangenen Jahres ist erneut ein Buch geworden, ein Blogbuch.

Ich bin dankbar für jede und jeden einzelne*n von euch. Auch für all jene Leserinnen und Lesern, die ich weder persönlich noch virtuell kenne. Danke für all die vielen stillen Mitlesenden. Danke, dass ihr an meinem Leben teilnehmt. Danke, dass ihr da seid.

Herzliche Grüße aus meiner Wörterwebstube
Sofasophia

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Diese Bücher dienen mir zur Erinnerung für das, was ich gedacht, gefühlt, erlebt und in Worte gefasst habe. Wider das Vergessen. Wenn ich sie euch hier zur Verfügung stelle, dann in der Hoffnung, dass ihr das Copyright respektiert und sie nur zum Eigengebrauch nutzt. Die Tippfehler gibts gratis obendrauf.