Über die Grenze und – schwupp – hach, wie schön!

Als wir uns ins Auto setzen, ist weder klar wohin wir wollen noch wo wir landen werden. So ist es immer mal wieder bei uns. Einzig das Was ist klar: Vom Was haben wir eine ungefähre Vorstellung: Schöne Umgebung, Natur, Wald.

Das nahe Frankreich lockt. Lothringen und Nordvogesen liegen gleich um die Ecke. Irgendlink steuert unser Gefährt. Bei jeder Abzweigung beschließt er erst unmittelbar vor dem Abbiegen, ob es jetzt rechts oder links rum gehen wird. Was ich zuweilen mit ’ich habs gewusst!’ oder mit ’Oh, das hab ich jetzt nicht erwartet!’ kommentiere.

Auf einmal sind wir auf der Straße nach Bitche, jenem Weg, den ich seit elf Jahren monatlich einmal fahre. Auf dem Rückweg nach meinen langen Wochenenden beim Liebsten. Ich liebe diese Strecke, die Weite dieser Gegend, sanftes hügeliges Kulturland, Obststreuwiesen, Wälder … ab und zu ein Gehöft.

Und auf einmal sind wir beim großen Kreisel am Ende der D35A. Normalerweise fahre ich da geradeaus durch, doch diesmal fahren wir die dritte Ausfahrt raus und – zack! – stehen da drei kunstvolle, menschliche Metallskulpturen auf der Wiese, die ich bisher, obwohl man sie vom Kreisel aus sehen kann, noch nie beachtet habe. Merkwürdig eigentlich, wie mein Blick durch die immer gleichen Wege, die ich gehe, getrübt und beengt wird.

Wir steigen aus und gehen näher ran. Fotografieren. Der Himmel macht mit und bietet einen spektakulären flauschwolkigen Hintergrund. Centre d’Arts steht auf einer Metalltafel am Weg. Aha.

Das wollte ich mir schon immer mal angucken!, sagt Irgendlink. Wir folgen der Straße ins Dorf Schorbach und parken direkt beim Centre d’Arts, dem lokalen Kunstzentrum. Hölzerne Rundbauten auf Pfählen – moderne Pfahlbauten – beherbergen Kunstobjekte. Aha.

Die Dame am Eingang informiert uns. Freier Eintritt. Kollekte, erklärt sie auf Französisch, da ich mich nach dem Eintrittspreis erkundige. Wir würden gern zuerst spazieren gehen, sagen wir und erfragen die Öffnungszeiten. Passt. Aha.

Und so machen wir uns auf den Weg. Eine Art Rundwanderung direkt vom Centre aus. Schön ist es, unterwegs, und erinnert uns – einmal mehr – an Schweden. Das Licht, die Wolken, die Stimmung, die Farbe der Erde. Man muss manchmal gar nicht soo weit gehen, um dieses gute Gefühl von Fern-weit-und-Fremd zu erlangen, wonach wir uns oft sehnen, wenn uns die Decke auf den Kopf zu fallen droht. Die Idee, dass es viele Kilometer zwischen unserm Zuhause und unserm Reiseziel braucht, hockt nichtsdestotrotz hartnäckig in unseren wohlstandsverwöhnten Köpfen.

Als wir wieder zurück beim Centre sind, setzen wir uns erst mal kurz in den Schatten, essen etwas Mitgebrachtes und trinken Ludwigswinkeler Brunnenwasser vom Vortag. Tut das gut.

Nun aber die Masken aufgesetzt und dann rein in die Ausstellung. Den christlichen Kontext der Werke blende ich aus und lasse mich von den Skulpturen, Fotos, Objekten und Gemälden in den runden Gebäuden ansprechen.

Nach einer weiteren Pause im Garten, wo noch mehr Skulpturen, diesmal aus Stein gehauen, stehen, machen wir uns auf den Heimweg. Nicht ohne vorher einen staunenden Blick auf die große Tafel am Wegrand geworfen zu haben, auf welcher unzählige Rundwanderungen erwähnt werden. Ha. Wir kommen wieder!

Mehr Infos zum Centre d’Arts gibt es hier:
Die Webseite des Zentrums (Link)
Ein kleiner Film auf Youtube (Link)