Die Wahrheit über die Wahrheit liegt überall herum

Zwar bin ich dieses Jahr weder gereist noch verreist, doch zum Glück gibt es Bücher und Filme. Dieser Tage nun bin ich lesend – Tagebücher-und Blogs-sei-Dank – auf der eigenen Zeitachse zu früheren Reiseorten, die wir zwischen den Jahren erforscht haben, gereist.

Eben hatte ich im Uraltblog nach Erinnerungen an meine allerersten gemeinsam mit dem Liebsten erlebten Ferien gesucht. Gemeinsam waren wir nach Südfrankreich gereist, in die pyrenäischen Berge. Im winzigen Dorf Boule-d’Amont hatten wir eine winzige Gîte gemietet. Ende 2009/Anfang 2010 war das gewesen, unser erster gemeinsamer Jahreswechsel.

Bilder in Herz und Kopf habe ich zuhauf, doch wollte ich mir nun auch die Bilder aus Pixeln angucken. Damals hatte ich noch mit einer winzigen digitalen Kamera geknipst und mit einem Handy ohne Smart dafür mit Tasten telefoniert und Koordinaten für Geocaches wurden in ein portables Ding namens GPS-Gerät eingegeben. Tatsächlich gibt es auf meinem Rechner keine Bilddatenspuren dieser Ferienzeit. Und keinen einzigen Eintrag dazu in meinem alten Blog. Erst wieder einen kleinen Danach-Artikel kann ich finden. Selbst der Liebste hat nur einen Spaziergang verbloggt. (Und ein paar Tage später hat er über das Jahr 2020 nachgedacht.)

Im Vordergrund der Schatten zweier Menschen auf gelbgrüner Winterwiese. Im Hintergrund Bäume und wolkiger Himmel mit Sonne. Der Schatten besteht aus drei Beinen, zwei Armen, zwei Köpfen und einer breiten Mitte.
Wir zwei

Immerhin bin ich bei meiner Suche über diese Geschichte hier gestolpert, die auch heute noch passt.

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Wie die Wahrheit auf die Welt kam

Sie saßen da und schüttelten immer wieder den Kopf. Unglaublich, was sie da sahen. Was sie da sehen mussten! Ab und zu rempelten sie sich an oder runzelten die Stirnen. Sie wollten es einfach nicht verstehen. Obwohl … Natürlich konnten sie es verstehen. Gut sogar. Sie waren schließlich auch mal so gewesen. Dennoch war es krass, wie seltsam sich die Menschen da unten verhielten. Behaupteten doch tatsächlich, sie wüssten es besser. Besser als andere. Sie wüssten die Wahrheit. Sie wüssten, was wirklich zählt und was wirklich wirklich ist.

Wir müssen endlich etwas unternehmen!, sagte einer der alten weisen Engel schließlich, während er sich einmal mehr die wenigen ihm noch verbliebenen Haare raufte. Aus Angst, diese auch noch zu verlieren, musste eine Lösung gefunden werden. Wir müssen einschreiten!, sagte er ein weiteres Mal.

Was willst du tun?, fragte ein jüngerer Engel, den das Getümmel auf der Erde bisweilen amüsierte. Diese Sucht der Menschen, sich ins beste Licht zu rücken! Dieses Getue, wer besser, klüger, größer, interessanter sei. Wer was besser wisse und besser könne. Darüber konnte doch eigentlich nur gelacht werden.

Ich habe eine Idee!, sagte eine jener weisen Engelinnen, die immer schon den Wunsch gehabt hatte, den Menschen zu ein bisschen mehr Durchblick zu verhelfen. Wir offenbaren ihnen die ganze Wahrheit!

Die anderen Engel und Engelinnen waren näher gerückt und nickten zustimmend. Dass sie den Menschen irgendwie helfen wollten, war bald allen klar, doch galt es, die beste Form zu finden. Die Wahrheit konnte ja alle möglichen Gestalten annehmen. Sie konnte dem einen gasförmig, der anderen als Flüssigkeit erscheinen, mal sichtbar, mal transparent, mal nur mit geschlossenen Augen fühlbar, mal auf der Haut, mal auf der Zunge und oft genug nur im Herz drin wahrnehmbar.

Endlich einigte sich die Engelschar darauf, dass sie der Wahrheit, die sich inzwischen in ihre Runde gesetzt hatte, ein möglichst prunkvolles Aussehen verleihen wollte. Eine große leuchtende Kugel würde ihrem Inhalt am besten gerecht werden, fand die Wahrheit selber. Eine Kugel, die jenen bunten Kugeln an den Decken mancher Musik- und Tanzlokale ähnelte. Grösser noch als jene dort und grösser auch als alles, was die Menschen je gesehen hatten, würde sie – an einem zuvor bestimmten Ort und für alle zugänglich – ihre Attribute der Erkenntnis an alle nach ihr Hungernden austeilen. Sie würde glitzern und glänzen, mehr als alles, was Menschenaugen je gesehen hatten. Wer die Wahrheit sähe, würde endlich alles und für alle Zeit klar sehen.

Doch ein Problem haben wir noch!, sagte schließlich der alte Engel, der die ganze Wahrheitslawine losgetreten hatte. Wie wollen wir die Wahrheit auf die Erde bringen? Daran sind vor uns ja schon viele andere gescheitert!

Alle nickten angeregt, zustimmend oder schauten nachdenklich vor sich hin.

Ichichich!, sagte der kleinste aller Engel, von allen Springimhimmelrum genannt, und hüpfte mit hochgehaltenem Finger auf und ab. Ich werde den Menschen die Wahrheit bringen!

Die einen nickten freundlich, während andere ihre englischen Stirnen runzelten. Schließlich wurden Vor- und Nachteile diskutiert und irgendwann waren sie sich einig: Springimhimmelrum durfte die Wahrheit auf die Erde bringen, wenn er es denn schaffen sollte, die große Kugel vor der gesamten Engelschar hochzuheben. Dass diese nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist, kann sich ja jeder denken.

Mutig trat Springimhimmelrum vor und lud sich unter Aufbietung seiner ganzen mentalen Kräfte die Kugel auf seine kurzen Flügel. Sein Gesicht leuchtete, als er es geschafft hatte. Großer Applaus belohnte seine Mühen.

Doch als er sich mit seinen kurzen Beinchen auf der Wolke, die ihn trug, vor den anderen verneigen wollte, geschah es: Die große Kugel rollte davon. Zu Anfang noch ganz langsam dann immer schneller hopste sie von Wolke zu Wolke. Als sie die Atmosphäre der Erde erreicht hatte, blieb ihr nichts übrig, als sich den Gesetzen der Schwerkraft und deren Wahrheit zu beugen, die sie ja immerhin auch in sich trug, da sie ja die GANZE Wahrheit war. Immer schneller fiel sie Richtung Erde und zerschellte schließlich mit einem lauten Knall auf einem Felsen. Sie war so groß, dass sich ihre einzelnen, winzigen Teilchen über die ganze Erde verteilten.

Wer immer nun auf der Erde eines dieser klitzekleinen Teilchen findet, sieht, fühlt, erkennt, durchschaut oder isst, ahnt ein klein bisschen davon, was Wahrheit sein könnte.

© by Sofasophia (2009)
Quelle: sofasophien.wordpress.com

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Ich wünsche allen Leser:innen alles Gute bei der Wahrheitfindung, im neuen Jahr und überhaupt. Herzlich bedanke ich mich bei allen für die Lesetreue.

Süß versus grau

Als ich heute Morgen zwei Scheiben meines Superbrotes aß, die ich mit Kokosmuß und Ahornsirup genoß, fiel mir eine Diskussion ein, die ich neulich mit anderen Histamin-Nichtvertragenden in einer FB-Gruppe geführt hatte.

Es ging um unsere zeitweilige Lust auf Süßes. Gerade jetzt. Im Winter. In dieser tristen graunebligen Zeit, in der wir alle in eine Art Wartemodus festgetackert sind. Die eine warten auf den Impfstoff, die andern aufs Christkind, nochmals andere auf Besserung der Gesundheit und wieder andere darauf, dass die Menschheit endlich aufhört, sich zu bekriegen. Und manche sogar auf alles miteinander.

So oder so. Auch Histaminas haben süße Lüste, doch die ist für die meisten von uns nicht soo einfach zu befriedigen. Zwar ist Zucker histaminfrei, aber in der Regel essen wir Zucker ja immer in Kontext mit anderen, für uns oft unverträglichen Dingen. Gerade Milch- und Getreideprodukte erzeugen sehr unangenehme Symptome, ich sag nur Weizen, Joghurt und Co.

Nach fast zwei Monaten ohne Zucker hat sich mein Blutzuckerspiegel so positiv verändert, dass ich kaum mehr Heißhungerattacken habe und auch kaum mehr diese oft stressigen Unterzuckerungszustände bei Hunger, bei denen es mir flau wurde und ich sofort etwas essen musste.

Dennoch habe ich ab und zu die eine oder andere süße Lust, gerade weil das Leben zurzeit eher unlustig ist. Darum auch die Apfelmuffins neulich. Mein erster, erfolgreicher Süß-Versuch. Heute nun gönnte ich mir ein weiteres kleines Kochexperiment und zauberte mir einen carameligen Brotaufstrich.

Sehr lecker geworden. Vegetarisch sowieso, und sogar fast vegan, aber da ich noch Butter im Kühlschrank hatte, habe ich diese verwendet.

Fast vegane gesalzene Caramelbutter (Brotaufstrich)

200 g Zucker
3 EL Wasser
100 g Butter oder Pflanzenmargarine: entweder gesalzen oder dann süß plus 1 flachen TL Meersalz
> in Stücke geschnitten

2 dl Haferrahm*

Den Zucker mit dem Wasser in einer Pfanne ohne Rühren aufkochen. Hitze reduzieren, unter gelegentlichem Hin-und-her-Bewegen der Pfanne köcheln, bis ein hellbrauner Caramel entsteht. Butter beigeben, unter Rühren schmelzen.

Den Rahm/die Sahne dazugießen, alles gut mischen und immer mal wieder umrühren. Etwa 5 Min. weiterköcheln, bis die Masse dickflüssig ist. Diese schließlich hei in vorbereitete saubere, vorgewärmte Gläschen gießen und sofort verschließen.

Pfanne mit Caramelbutter, die vor sich hin blubbert, am oberen Bildrand der Schwingbesen.
Caramelbutter im Topf
Zwei Gläschen mit Caramelbutter, auf Holztisch schattenwerfend
Caramelbutter im Glas

* Meinen Haferrahm (2 dl) habe ich aus Hafermilch selbst gemacht.

Das geht zum Beispiel so:

Zuerst im Standmixer oder Mixbecher Hafermilch herstellen:
2-3 EL Haferflocken in etwa 2 dl heißem Wasser einweichen (5-10 Min.)
1 TL Kokosfett
2 Prisen Salz
Nach der Einweichzeit sehr fein pürieren.

Bis es soweit ist in großer Tasse (ca. 3 dl) folgende Zutaten anrühren, bis die Maße dickflüssig, sämig und klumpenfrei ist:

1 TL(gehäuft) Maranta-Tapioka-Stärke (oder andere?)
1 TL Xanthan
1 TL (gehäuft) Kokosfett
wenig Ahornsirup
1 Prise Salz
wenig heißes Wasser (3-6 EL, nach Bedarf)

Wenn die Milch fertig püriert ist, die Tasse auf die Waage stellen und die Hafermilch durch ein Sieb dazu geben bis die Gesamtmenge von 200g erreicht ist.

Fein rühren bis die Konsistenz von Rahm/Sahne erreicht ist und den Haferrahm für Rezepte verwenden wie Rahm/Sahne.

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Ha, und genau jetzt drückt sich die Sonne sich ein klein bisschen durch den dicken Hochnebel. Wie schön ist das denn?