Da draußen

Wie schrieb gleich Herr Buddenbohm vor ein paar Tagen über das viele Nichts da draußen in dieser auf Pause gestellten Welt?

»Ich habe in mehreren Blogs eine Zeile oder einen Satz gelesen, der in etwa besagte, dass gerade nichts passiere, dass man nichts mehr schreiben könne. Dann folgte dennoch überall ein längerer Text, natürlich war das so, wie das bei uns schreibenden Menschen nun einmal ist – wenn nichts ist, dann befinden wir das immer noch und gründlich, dass nichts ist, und wir erklären das Nichts allen ganz genau. Es ist allerdings tatsächlich nichts oder doch verdammt wenig.«

Nun, ich schaute es mir auch an, dieses Nichts. Zumal sich das Wetter offenbar entschieden hatte, mit dem endlich doch noch beschlossenen (Beinahe-)Lockdown am gleichen Strang zu ziehen. Flockdown*. Also schneite es diese Woche wie noch nie in meinem Leben als Flachländerin. (Ja, ja, lacht nur, deutsche Freund:innen! Auch in der Schweiz gibt’s Flachland. Selbst wenn es natürlich drumrum fast überall hügelig ist, gilt dennoch alles unter – sagen wir mal – fünfhundert Höhenmetern als Flachland. Das Quasi-Gegenteil von Oberland.)

Schnee also. Viel Schnee. Sehr viel Schnee. Nun ja, Schnee ist allerdings nicht wirklich nichts.

Während es schneit ist Schnee zu schippen wenig sinnvoll. Und so schneite und schneite es mit ein paar wenigen Unterbrüchen fast einen Tag lang. Und die Schneeschichten wurden höher und höher.

Die meisten Schneeschipper:innen warten, bis der Schneesegen Pause macht. (Auch jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, schneit es wieder. Nicht mehr so dicht wie neulich, und weil es nicht mehr unter Null Grad ist, ist es eher ein nasser Schnee. Dieser Tage habe ich sie alle gesehen, alle Schneearten: die Schneekörner, die Flocken, die Nassflocken, die Schneeschnüre, ach … alle eben.)

Vorgestern, die Sonne hatte sich aus dem Urlaub zurückgemeldet, zog es mich in den Wald. Weit kam ich leider nicht, denn da lagen einige Bäume quer. Manche richtig dick, so dass ich fürs Drüberklettern zu kurz Beine gehabt hätte. Und auch die Lust fehlte mir. Also zurück durch den knietiefen Schnee. Watend. Schöner fluffiger Pulverschnee, der zum Schlitteln und Skifahren perfekt ist. Dachten sich auch viele Kinder, wie ich später sehe, als ich auf Quartierwegen durchs Dorf spaziere und mir wie in einem Skiort vorkomme. Am Dorfhügel unter der Linde sausten sie auf ihren Bobs und Davoser Holzschlitten hinunter, um gleich von neuem heraufzukraxeln. Ein Jauchzen ist in der Luft und mein Herz wird Kind und freut sich.

Viele Leute sind unterwegs. Seit dem ersten Lockdown im März/April 2020 habe ich nicht mehr gleichzeitig so viele Spazierende angetroffen. Alle in sicherem Abstand. Vor den Häusern wird Schnee geschaufelt. Jede und jeder schippt sich den Weg zur Straße frei. Da kommt der Schneepflug und räumt die Straße frei, schwarz, während die kleineren Wege weiß geräumt werden, was bedeutet, dass der Schnee liegenbleibt, aber immerhin platt gedrückt wird. Viele Trottoirs sind nicht begehbar, so dass die meisten Leute auf den Straßen gehen und so die Autos zum Langsamfahren zwingen. Ich sehe viele lächelnde Münder und Augen. Freundliche Worte tanzen da und dort.

Der Schneepflug also. Er macht die Straßen und Wege frei, doch den Pfad zu den Straßen und Wegen freizumachen, liegt an uns einzelnen. Wie im richtigen Leben sozusagen. Denn schippe ich den Weg frei, aber der Schneepflug fährt nicht, habe ich ein Problem. Der Schneepflug fährt, aber ich schippe den Weg zur Straße nicht frei? Auch dann habe ich ein Problem.

So irgendwie denke ich herum, doch jetzt werde ich am besten den Besucherparkplatz freischippen gehen, damit der Liebste später einen Platz für sein Autochen hat.


*Wortschöpfung von Patti Basler