Das ’Kunst ist für alle’-Ding

»Als ich Ende Dezember 2018 den Entschluss gefasst habe, endlich einen Kunstwerke-Shop online zu stellen, hatte ich nicht geahnt, welche Odyssee mir bevorsteht«, schreibt Irgendlink im ersten Blogartikel seines nigelnagelneuen Online-Shops. »Ob ich es schaffen würde, so viele verschiedene Kunstwerke zu kreieren, dass dabei jeden Tag ein Bild herausspringt? Die Kunst ist das Eine. Sie zu verkaufen das Andere. Und die geeignete Plattform für den Verkauf zu finden ist wieder eine andere Geschichte.« Als alter ‚Kunstkonzepter‘ trage er ein schweres Kreuz und könne nicht einfach künstlermorgenblütenträumend darauf los geschäftstätigen, schreibt er im letzten Newsletter der alten und zugleich ersten Newsletter der neuen Ära, den er gestern versendet hat. »Vielleicht erkennt Ihr die feinen Details, die sich im Laufe des Jahres im Kunstshop noch zeigen?«

Schaut selbst.

Nein, das hier ist nicht einfach ein weiterer Online-Shop und auch nicht einfach ein weiteres Blog. Und auch nicht einfach nur Kunstvermarktung. Das Ganze ist ja bekanntlich immer mehr als die Summe seiner Teile. Wusste ja schon Aristoteles. Soweit zurück reicht die Idee zu diesem Shop aber nicht, obwohl sie auch nicht wirklich neu ist. Schon seit einer Weile konnte man ja bei Irgendlink Bilder und Poster über sein Alltags- und Livereisen-Blog kaufen. Dort allerdings umständlich, via Mail, und ohne direkte Zahlungsmöglichkeit. Das ist nun vorbei, denn ab sofort kann man direkt einkaufen.

»Ich möchte mich 2019 auf die Serie 365-Daily konzentrieren. Jeden Tag ein 12 x 12 cm großes Bild zum Sammeln. Für einen bezahlbaren Preis, so dass jedeR mitmachen kann.«

Tolle Sache! Von den Dailies – auf Holz aufgezogene, quadratische Kunstwerke – kann ich schon ein kleines Liedlein singen, denn ich habe bereits meine Sammlung gestartet.

Die täglich neuen Bilder kann man nämlich ganz einfach zu einer eigenen, sehr persönlichen Wandcollage zusammensetzen – absolut einmalig und immer wieder anders. Nach Lust und Laune. Links die ersten drei Bilder von Freundin M. (2) und rechts meine eigenen ersten drei Dailies.

Und nein, ich bekomme keine Provisionen dafür, dass ich hier meinen neuen Lieblingsshop anpreise. Wobei, … vielleicht macht mir der Liebste ja gelegentlich ein neues Daily 😉


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Von Katzen und anderen Lebewesen

Heute Morgen ist mir ein vermeintlich harmloses kleines Tierfilmchen ins Netz gegangen und ich habe es dummerweise sogar angeklickt. Und ja, manche dieser Filmchen mag ich manchmal richtig gerne. Manche tun mir sogar richtig gut und stellen ein Gegengewicht zu all dem Hässlichen dar, was man in den sozialen Medien so zu sehen, zu hören und zu lesen bekommt.

Das besagte Filmchen von heute Vormittag zeigte zwei junge Tiere, zum mutmasslichen baldigen Verkauf eingesperrt in zwei nebeneinander stehenden Glasboxen. Ich tippe auf Tierladen. Links im Bild die Box einer kleinen weißen Katze, rechts im Bild die Box eines jungen weißen Hundes. Im Hintergrund nervig-laute Popmusik, von der ich aber nicht sagen kann, ob die nachträglich unter den Film gelegt wurde oder vor Ort gespielt worden ist. Das Miauen der Katze jedenfalls war deutlich zu hören.

Immerhin waren die Glasboxen in ihrer ganzen krassen Sterilität, die für mich an Tierquälerei grenzt, oben offen – ansonsten hielt man die kleinen Tiere in diesen viel zu kleinen Boxen ziemlich isoliert. So sehr, dass die schlaue Katze beschlossen hatte – vermutlich war es nicht das erste Mal –, ihren Hundekumpel nebenan zu besuchen.

Warum sie es nicht auf direktem Weg getan hat, weiß ich nicht. Vermutlich war direkt zwischen den Boxen die Glaswand höher als nach vorne. Die junge Katze nimmt also den beschwerlichen Weg außenrum auf sich, zieht sich an den oberen Rand ihrer glatten, sterilen Glasbox  hoch und hangelt sich – dort angelangt – über ihre Boxkante und an dieser entlang zur Kante der Nachbarbox. Unter Zuspruch, leisem Bellen, Vorfreude und Ermutigung ihres Hundekumpels lässt sie sich schließlich in dessen Box fallen. Beiderseits große Freude!

Und ja, natürlich ist das süß, cute, nett, lieblich, klug. Tolle Katze! Jippie und alles wunderbar. (Vorbildlich und toll daran finde ich vor allem, dass sich die Katze holt, was sie braucht. Dem Hund, weniger kletterbegabt, blieb diese Möglichkeit versperrt.)

Aber wenn ich solche Filme sehe, blutet trotzdem mein Herz: WTF ist das für eine Tierhaltung? Aquarien für Nicht-Fische? Okay, man kann die halt gut sauber machen, aber ehrlich? Die spinnen doch, die Menschen, Tieren ein solches Umfeld aufzubrummen!

Zeig mir, wie du mit Tieren umgehst und ich sage dir, wer du bist.
Zeig mir, wie du mit Menschen, die hilfsbedürftig, schwach, behindert sind, umgehst und ich sage dir, wer du bist.

Solche Filme und eigentlich noch mehr die Tatsache, dass viele Menschen solche Filme lieben, machen mich traurig, empören mich und ich fühle mich vor allem so verdammt hilflos. Und denke immer wieder: Die spinnen doch, die Menschen. (Nun ja, das denke ich natürlich nicht nur beim Gucken solcher Tierfilmchen, sondern je länger je öfter.)

Ich befürchte, dass wir Menschen, jedenfalls viel zu viele von uns, das Gespür für Natur, für natürlich, für artgerecht und für nah am Lebendigleben verloren haben und dass viele Menschen gar nicht mehr wissen, was Wesen natürlicher- und lebendigerweise fühlen. Und ja, damit meine ich nicht nur Tierwesen, Pflanzenwesen und so weiter, damit meine ich auch uns Menschenwesen.

Wann, wo und warum haben wir dieses Gespür für das Leben, diesen unseren natürlichen gesunden Menschenverstand verloren, so wir ihn denn überhaupt je hatten?

Manchmal denke ich, dass sich die Menschheit, wäre sie ein einzelner Mensch, je länger je mehr in einem ziemlich suizidalen Zustand befindet. In einem selbstlieblosen, selbstzerstörerischen auf alle Fälle. Und ja, solche Filme sind im Grunde gar keine schlechte Parabeln für den Zustand der Welt.

Notizen am Rande #2

Wieso soll man eigentlich körperlichen Schmerz auf keinen Fall ignorieren, weil er auf etwas Ernstes hinweisen könnte und sich möglichst schonen und Belastungen vermeiden, aber bei psychischem Schmerz sagen sie: da musst du durch!, denn dieser solle angeblich nämlich stark machen, weil er uns ja nicht umbringe …

»Apropos Vermeidung, schon mal jemand einem Nussallergiker gesagt, dass er durch den Walnusseisbecher einfach durch muss?«

Julia von Blütenstille

Ich werden den Eindruck nicht los, dass da etwas ziemlich falsch läuft in unseren Denkwelten. Schmerz ist doch Schmerz: ob nun die Seele schmerzt oder das Kniegelenk.

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Die Arbeitgeber*innen, die Wirtschaftsmenschen, die Was-auch-immers dieser männerdominierten Welt hätten es ja am liebsten, wenn wir Menschen alle stromlinienförmig wären, ohne Kanten, genormt, rund, flüssig, glatt und am liebsten ohne Fehler und gänzlich wartungsfrei. Der Druck auf uns Menschen ist enorm und fängt immer früher im Leben an. Nun, darüber müssen wir wohl nicht diskutieren. Auch nicht, dass immer mehr Menschen, die diesen Normen nicht entsprechen, aus dem Rennen fliegen, kaputt gehen, krank werden – körperlich ebenso wie psychisch.

Kranke aber sind unberechenbar, körperlich Kranke vielleicht noch ein bisschen weniger als psychisch Kranke. Aber letztlich sind alle Kranken nicht kalkulierbar. Also drangsaliert man sie von oben und von außen mit allen Mitteln und allen möglichen Sanktionen, um ihnen dieses Krankgewordensein-am-Leben schnellstens auszutreiben. Dass das vermeintlich ’kleinere Übel’, eine Rückkehr in die stromlinienförmige Anpassung an die Ansprüche der Arbeitswelt, aber langfristig eben eine Art JoJo ist, berücksichtigen sie dabei nicht.

Ich kenne so viele Beruftstätige, die immer am Limit leben. Doch am Limit lenkt der Zufall.

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»Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.«

Es muss ein sehr kluger Mensch gewesen sein, der diese Erkenntnis erstmalig in so einfache und klare Worte gegossen hat. Ich tippe auf eine Wasserträgerin.

Mein Bedürfnis nach Weite

Ich erwachte heute mit Gedanken zu Enge und Weite. Was welche Gefühle in mir erzeugt und warum.

Enge mag ich nicht, Weite dagegen sehr. Außerdem haben Begriffe wie Weite und Enge für mich neben der persönlichen immer auch eine politische und ökologische Dimension.

Was ist es denn, das in mir Gefühle von Enge erzeugt und mir das Atmen schwer macht?

  • Menschen und Aussagen, die darauf hinzielen, einzelne Menschen oder auch ganze Menschengruppen auszuschließen, auf ganz unterschiedliche Weise. Und aus ganz unterschiedlichen, für mich oft nicht nachvollziehbaren Gründen.
  • Dumme Menschen, die keine Zusammenhänge verstehen.
  • Menschen, die Fragen stellen, die mir im gegebenen Setting zu persönlich und/oder übergriffig sind.
  • Behörden, die Macht haben und diese missbräuchlich einsetzen.
  • Menschen, die die Grenzen anderer einmalig oder regelmäßig überschreiten.
  • Zynismus und Ironie ab einer persönlichen inneren Schwelle.
  • Menschen, die etwas von mir oder andern wollen, es aber nicht direkt sagen und damit potentiell missverständlich kommunizieren.
  • Jegliche Form von Manipulation, insbesondere subtile, sich im Subtext befindliche.
  • Menschenmaßen auf Plätzen und Bahnhöfen.
  • Lärm.
  • Stark parfümierte Menschen.
  • Starke Gerüche und Gestank.
  • Extreme wie Hitze oder Kälte.
  • Hektik.
  • Kassenschlangen.

Was mich dagegen Weite empfinden und mich gut atmen lässt?

  • Ein Spaziergang oder eine Wanderung in der Natur.
  • Der Wald.
  • Radfahren.
  • Weitblick und Aussicht.
  • Gewässer von außen oder schwimmend erlebt.
  • Menschen, die echt sind und echt über sich reden.
  • Menschen, bei denen ich nicht immer überlegen muss, wie sie meinen, was sie sagen und ob sie mit einer Aussage etwas bezwecken wollen.
  • Wohlwollende Menschen, die zuhören können, ohne gleich zu meinen, sie müssten Lösungen aus der Tasche ziehen.
  • Herzliche Toleranz und gegenseitiges Verstehen.
  • Herzumarmungen und achtsame Berührungen.
  • Gegenseitige Rücksichtnahme aus Empathie.

Ja, ich werte, ich bewerte, und nein, ohne Werte und Werten kann und will ich nicht und ja, ich weiß, dass beim Üben von Achtsamkeit nicht gemeint, dass ich alles dulde, hinnehme, mit mir machen lasse, was mir geschieht.

Gemeint ist dagegen ein klares und nicht-wertendes Gewahrsein dessen, was in jedem Augenblick geschieht. Jetzt. Und jetzt. Ein Beobachten: Ist, was ich jetzt erlebe, für mich angenehm, unangenehm oder neutral? So kann ich üben, beengende Situationen – denn alles Beengende lässt sich ja nicht umgehen –, in einem ersten Schritt wertfrei zu erfahren und so zu akzeptieren, wie sie sind. Erst danach kommt dann das mit dem Verändern. Denn manches geht, manches nicht.
Manches heilt, manches nicht.
Was heilen kann, heilt.
Was unheilbar ist, heilt nicht.
Das ist die Natur der Dinge.
Manche abgebrochenen Äste wachsen nach, manche nicht.
(Von nachwachsenden Beinen habe ich allerdings noch nie gehört.)

(Und nein, das ist nicht zynisch gemeint.)