Mein farbiges Wunder

Manchmal gibt es Utopia nicht nur in den Köpfen, manchmal gibt es Utopia sogar in echt.

Mein kleiner Nachsatz unter dem letzten Blogartikel hat bewirkt, dass ich bald einen neuen Druckkopf in meinen Drucker einbauen darf. Und mein Drucker endlich wieder in allen Farben des Spektrums drucken kann.

Vorher und nachher:

Quelle: Farbenlehre nach Goethe aus Wikipedia

Danke, lieber M., für dein Angebot, dich auf einen Tausch einzulassen:
Eine Geschichte von mir gegen Bares von dir.

Die Geschichte, die ich für dich schreiben werde und in der es um Farben, Menschen und Freundschaft geht, ist bereits in meinem Kopf erwacht. Da ist es jetzt nämlich schon wieder viel bunter geworden, obwohl es draußen schneit.


Tauschgeschäfte finde ich übrigens eine richtig gute Sache! Insbesondere in Sachen Kunst.

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Kürzestgeschichten II

Sie hat schon als Kind all die wilden Wörter gezähmt, die sich in den Büchern tummelten, die sie las. Schon früh hat sie sich all der unbekannten Wörter angenommen, hat sich ihrer erbarmt und schließlich in ihren Wortschatz aufgenommen, in ihre Familie. Die der Wörter.

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Ja, auch er hatte einige Tattoos. An Orten, an denen niemand sie sehen konnte. Auf der Seele.

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Form folgt Funktion – so weit, so gut, denkt sie. Doch inzwischen ist es oft andersrum. Oft hat die Form, die Fassade, das Äußere viel zu viel Macht und verdrängt das, was zuerst da gewesen ist. Die Ideen, die Gedanken, die Inhalte. Natürlich brauchen die einen Körper, eine Hülle, überlegt sie weiter. Brauchen wir denn nicht alle Strukturen und Formen für all die Ideen in unseren Köpfen? Ja, und wir brauchen auch  Schönheit. denkt sie, wir wollen es ästethisch um uns herum. Und wir wollen diese Welt und das, was in ihr ist, formen, mitformen. Am liebsten nach unseren Vorstellungen.

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Da ist diese Schraube, schier unerreichbar. Und sie sitzt so fest, dass sie sich nicht mehr lösen lässt. Höchstens mit Gewalt. Vielleicht mit Hitze. Ja, auch er hatte solche. In sich drin. Solche Schrauben, die niemand mehr lösen konnte.

Kürzestgeschichten I

In der Stadt. Er nähert sich einer Fußgängerampel. Rot. Zwei Menschen stehen bereits dort und warten. Als nach fünf Minuten und zig vorbeigefahrenen Autos noch immer kein Grün kommt, fragt er nach. Nein, niemand hat bisher den Knopf gedrückt.

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Gedankenverloren fährt sie mit dem Auto durch die Dörfer. Die Ampel, die sonst immer rot zeigt, zeigt heute grün. Erst als der Autofahrer hinter ihr hupt, merkt sie, dass sie für grün angehalten hat.

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Blick ins Dunkel hinter einer Mauer, die große Lücken hatHätte die da im Kreisel geblinkt und angezeigt, dass sie hinauswill, hätte er nicht angehalten. Und der da, an der Kreuzung, wieso blinkt er denn erst so spät? Zu spät. Er hat ihn ausgebremst.

Wir haben vergessen, dass die anderen womöglich nicht wissen können, wohin wir unterwegs sind.

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Manchmal möchte sie ja – wie bei einem Buch – ihr Leben vorblättern um zu erfahren, wie es ausgeht. Wenn sie das Ende mag, wird sie das Buch weiterlesen. Andernfalls würde sie dieses Buch lieber zuklappen und wegwerfen.

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Dieses sinnlose Warten darauf, dass der Drucker endlich druckt, wenn man den falschen ausgewählt hat. Einen, der weit weg, in einem anderen Land, steht.

So Gedanken

Wieso macht meine Orchidee, die früher weiße Blüten getragen und danach jahrelang nicht geblüht hat, dieses Mal violette Blüten?

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Manchmal würde er liebend gerne sein Leben mit jemandem tauschen, der im Sterben liegt, aber gerne leben will. Sagt er, seufzend. Er lächelt. Die Hoffnungen sterben wie die Fliegen und dieser Kaffee hier schmeckt bitter.

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Sie wollte ihn retten. Vielleicht wollte sie aber nur sich selbst in ihm retten?

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Wenn die Staatsformen die Betriebssystene einer Gesellschaft wären, wer wäre dann für die Updates und wer für die Erkennung der Bugs zuständig?

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Eigentlich ist Bloggen wie bauen. Ein Hochhaus. Es wird immer höher und höher und hat nach und nach immer mehr Fenster, durch die von außen hineingeschaut werden kann. Und von innen heraus.

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Was sehen wir wirklich?