unterwegs

Die heutige Geschichte von unterwegs hat Susanne Popp verfasst.

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ich war unterwegs
zum größten moment
meines lebens
kurz davor
berühmt zu werden
also: quasi prominent

gerade fühlte ich mich froh
da merkte ich voller schreck:
mein fahrschein war weg
und zwei sitzreihen weiter
stand der kontrolleur
also ich ging vorsichtshalber
aufs klo

während ich
um das gesicht zu wahren
tat, was man so tut
an diesem ort,
ging der moment vorbei –
das war vor ein paar jahren
doch meine Stimmung
blieb heiter

ich bin unterwegs
zum größten moment
meines lebens
kurz davor
berühmt zu werden
also: quasi prominent

Text für die Reihe Geschichten von unterwegs auf Sofasophien, Fallmaschen & Herzgespinste

open book with letters falling into the pages

© für Bild & Text: Susanne Popp | 2013

Stadtmitte

Heute geht es weiter mit einer Geschichte von unterwegs. Ich stelle euch hier ein Gedicht aus Berlin vor, das uns Pillangó zur Verfügung stellt.

Wer fängt das Stöckchen und schreibt eine weitere Geschichte von unterwegs, die ich hier vorstellen darf?

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Stadtmitte

zurück tretende textilien
artige Schattierung
pinkes Polypropylen gepolstert
Gähnen aus dem offenen Fenster klettern
Pflanzgefäße
der Ein- und Ausstieg wartet im Druckbereich neben dir
fassen sich Paare an mit behandschuhten
Flächen

© für Text & Bild: Pillangó 2014 | Berlin

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Wie aus einem Versehen etwas Neues wird.

Eine Geschichte von unterwegs.

Am Computer hätte ich nur einmal danebentippen müssen. In der Kladde war die Hilfe der Straßenbahn notwendig.

Hinsetzen. Niederschreiben. Alles von der Seele schreien. Reinen Tisch machen.

Wie immer schrieb ich in der Tram, diesmal in einer Drei.

Über der Weiche schwankte die Bahn,
ich setzte grad zu einem Buchstaben an.
Ein Strich ward verzittert,
und ein zweiter gesetzt.
Deshalb schreibe ich jetzt,
mich über alles beschwerend,
was an Unsinn ich da sah,
zum ersten Mal eine Fabula rasa.

Der Zufall hilft manchmal im Schaffensprozeß … Aber auch wenn ich dieses Textchen zu Sofasophias “Geschichten von unterwegs” stellen mag: An wen ich das Stöckchen weiterwerfen soll, weiß ich wirklich nicht.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

© für diesen Text: Der Emil, 2014

vormittags im vor-mai

himmel kreischt. der zug hält.
eilig haben es diesmal alle.
verwundet streckt sich der tag und die sonne greift
durchlässig in fieberkranke luft und das wirr aus stimmen
lässt alles zu lässt alles zu lässt
nach.
alles steigt ein.

an diesen vor-mai vormittagen kann es sein dass es plötzlich regnet.
wirfst du, ohne atempause zu machen,
glatt an meine wange.

es gibt blinde gesichter und welche die waren es niemals
schiebt mir etwas, verschwiegen bis zur schädelnaht
den entleerten ton zu,
(als ob der sitznachbar vielleicht doch nicht taub ist
oder doch nicht blinder war als sonst).
nur gesichterlesen im rücken ist schwerer noch als immer.

und während sich alles bewegt, bewegen wir uns weniger
regnet es weit weg noch viel mehr als anderswo.
“schießen die regenbögen irgendwie aus dem boden”
mein ich
so.

so.
 im fahrendem zug und ein regenbogen auf der strecke.

© für Bild & Text: Isanaje 2014