Hinter der Kamera

Filmen und Fotografieren an sich faszinieren mich, seit ich zurückdenken kann.  Und es ist nicht mal unbedingt der Filminhalt – der aber schon auch, klar –, mehr noch die Technik des Filmens, des Abbildens, der Möglichkeiten, des Schneidens und alles, was damit zu tun hat. Darum bin ich echt dankbar, dass ich am gestrigen Drehnachmittag in Ludwigshafen mit dabei sein konnte.

Das rheinlandpfälzische Regionalfernsehen SWR produziert anlässlich des siebzigjährigen Jubiläums des Bundeslandes eine siebenteilige Reihe über verschiedene spezifische Aspekte des Landes. Henriette von Hellborn, welche die erste Folge zum Themenbereich Heimatgefühle und Grenzen fokussiert, ist bei ihren Recherchen auf Irgendlinks Ums Land-Projekt aufmerksam geworden und hat ihn darum eingeladen, sein Projekt in diesen Film einzubringen und mit seiner Präsenz und Kunst in Text und Bild die unterschiedlichen Regionen des Bundeslandes – einfach dadurch, dass er es umradelt – zu etwas Ganzem zu machen. In dessen ganzer Heterogenität.

Die Begeisterung, die Henriette beim Drehen an den Tag legt, springt auf uns alle über, die wir vor Ort sind. ’Vor Ort’ war das Theater Hemshofschachtel, das in der Tatort-Serie Babbeldasch einen der wichtigsten Drehorte gegeben hat. Was ich bis gestern nicht so richtig begriffen hatte: Die im Film involvierten Theaterleute waren authentisch, drei von ihnen haben wir gestern live beim Dreh erlebt, darunter die wunderbare Frau Mott, die im neuen Film Irgendlink ein Wasser spendiert und mit ihm über Land und Leute, über Sprache und Dialekte fabuliert.

Dass sie uns nach dem Dreh zur gestrigen Abendvorstellung ins Theater eingeladen hat, fand ich total rührend. Nach dem ersten Dreh im Theater – Frau Mott und Irgendlink im Gespräch – sind wir raus auf die Straße, um Irgendlink in Fahrt zu sehen (da habe ich vergessen Fotos zu machen).

Der dritte und vierte Dreh spielen vor dem Eingang des Theaters. Irgendlink, wie er auf den Eingang zuradelt und die Eingangstreppe zum Kellertheater hinuntersteigt, den Helm ausziehend.

Auf Instagram habe ich gestern Abend dazu diesen kleinen Film hochgeladen: Zu Instagram ⇒ hier klicken.

Herr @irgendlink darf die Einstellung „Einparken des Rades und Abstieg zum Theater“ wiederholen. #SWR #Babbeldasch #Ludwigshafen

Ein Beitrag geteilt von Jana D. Murer (@sofasophia_auchich) am 25. Mär 2017 um 15:56 Uhr

Wie oft der Kameramann die Kamera vom Stativ runtergenommen, neu montiert und neu ausgerichtet hat, habe ich nicht gezählt. Viele viele Male. Mal halbhoch, mal am Boden, mal auf einer Schiene, mal auf der Schulter … immer war er auf Achse. Jede Szene wurde mehrmals aufgenommen, damit beim Zusammenschnitt alle Möglichkeiten offen stehen.

Als Schlussszene gibt es ein kleines Interview mit Irgendlink, sein persönliches Fazit als Schlusswort sozusagen.

Ich schaue derweil faziniert zu, mache Fotos und kleine Filmchen, denn es ist eine Freude, dem Fernsehteam bei der Arbeit zuzuschauen. Nur schon diese Ruhe und Konzentration, die der Tonmann mit seinem Fellmikrofon ausstrahlt – einfach klasse. Ein eingespieltes Team, das immer wieder lacht, gemeinsam nach optimalen Lösungen sucht und definitv viel Spaß an der Arbeit hat.

Nach dem köstlichen Abendessen in Alt-Bundeskanzler Helmut Kohls Stammkneipe sind wir durch die Stadt flaniert und haben uns später schließlich unters Theaterpublikum gemischt. Umständehalber sind wir nur bis zur Pause des Theaterstücks ’Ä Schlitzohr zum Vererbe’ geblieben. Auf dem Rückweg haben wir uns mögliche Fortsetzungen und Enden des Stücks ausgedacht. Fortsetzungen zum Beispiel, in denen die Figuren nicht klischeehafte Männer (Machos) und Frauen (relativ dumme, schürzchentragende Kaffeekocherinnen) sondern emanzipierte Menschen gewesen wären. Geworden sind. Aber wer weiß: ob das Publikum dann noch hingehen würde?

Was ich allerdings hunderpro sagen kann: Klasse spielen tun sie! Allen voran Frau Mott mit ihrem Schalk. Applaus und Dankeschön!

Das Ding mit dem Respekt oder Mut zum Mut

Ich bin nicht unschuldig daran, dass andere zuweilen auf mir und meinen Nerven und Gefühlen herumtrampeln, denn ich lasse es ja zu. Womöglich lade ich andere sogar geradezu dazu ein, weil ich mich erst spät zur Wehr setze. Mich zu wehren kommt in meinem Repertoire natürlicherweise nicht wirklich vor, diese App funktioniert in meinem Betriebssystem nicht. Noch nicht jedenfalls. Mich für mich zu wehren habe ich nicht gelernt, nur ein bisschen bei anderen abgeschaut und ja, ich fühle mich dabei unwohl wie in fremden Schuhen.

Ich wehre mich aber auch aus einem zweiten Grund in der Regel nicht für mich: Weil ich nämlich immer sooo viel Verständnis für die Probleme der anderen habe und deshalb vor mir immer sehr schnell eine Rechtfertigung dafür finde, warum die andere gerade jetzt so böse zu mir sind (ja, das ist jetzt ein bisschen ironisch, aber nur ein bisschen …).

Ich will das nicht mehr. Was also tun? Ich beschließe hiermit, Respekt für mich einzufordern, für mich und meine Gefühle: diesen ganz normalen, ganz alltäglichen, ganz natürlichen Respekt, den ich grundsätzlich allen entgegen bringe. Ich fordere zum Beispiel einen Dank, wenn ich jemandem einen Gefallen getan habe. Ohne mich dafür zu schämen, dass ich dieses Bedürfnis nach Anerkennung habe. Danke zu sagen gehört ja eigentlich zu unserem natürlichen, normalen, respektvollen Umgang mit dazu. Ich spreche meine Bedürfnisse klar aus, ohne mit Laternen- und Zaunpfählen zu winken.

Und ich beschließe ebenfalls, dass ich rechtzeitig sage, wenn ich finde, dass jemand mich verletzt hat, ob absichtlich oder nicht. Wie soll mein Gegenüber sonst wissen, wo meine Grenzen sind? Natürlich mache ich mich damit verletzbar und angreifbar. Aber wie habe ich doch gestern getwittert?

Mit Scheitern meine ich hier alle Formen des Eingeständnisses, dass wir Fehler machen, dass wir nicht alles wissen, dass wir keine Superhelden sind, dass wir einfach ganz normale, verrückte Menschen sind.

Wenn wir alle damit anfangen, uns in unseren persönlichen Umfeldern aufrichtiger und damit eben auch verletztlicher zu verhalten, wird das den Umgang miteinander sehr nachhaltig verändern.

Und ja, dazu braucht es viel Mut. Den wünsch ich mir. Und dir auch. Dir ebenfalls.

Manchmal so

Manchmal kommt Manchmal bei mir vorbei.
Manchmal spiele ich mit Manchmal.
Draußen oder drinnen – manchmal so, manchmal so.
Manchmal Himmel und Hölle, manchmal Stille Post.

Und ja, manchmal wäre ich gerne wie Manchmal.
Und manchmal wäre ich gerne anders anders.
Manchmal wäre ich zum Beispiel gerne so wie X.
Und manchmal lieber so wie Y.

Manchmal aber bin ich gerne so wie ich bin.
Immer öfter – jedenfalls manchmal.