Dankbar

Liebe Menschen

Blogbuchcover mit Blogtitel und Jahreszahl. Im Hintergrund blaue Kennzeichnungen auf dem rauh gesägten Holz eines gefälltem Baumstammes

Ja, ich schreibe auch dann, wenn ich nicht blogge.

Schreiben, schriftlicher Ausdruck, ist mir ein Grundbedürfnis. Dank euch und dank des Blogs wird es zuweilen zum Dialog. Denn obwohl ich die Kommentarfunktion nach wie vor – außer bei Ausnahmen – ausgeschaltet habe, nehme ich euch wahr. Ihr seid da. Und ihr habt mir in eurem Leben eine kleine Nische freigeräumt, in welcher ich meine Gedanken ausbreiten kann. Mal kürzer, mal länger, die runden ebenso wie die kantigen. Die halbgaren Ideen ebenso wie manche Geschichten, die mir durch den Kopf und von da aus in die Tasten gehen. Aus meinen Blogtexten des vergangenen Jahres ist erneut ein Buch geworden, ein Blogbuch.

Ich bin auch dankbar für jede und jeden einzelne*n von euch. Auch für all jene Leserinnen und Lesern, die ich weder persönlich noch virtuell kenne. Danke für all die vielen stillen Mitlesenden. Danke, dass ihr an meinem Leben teilnehmt. Danke, dass ihr da seid.

Herzliche Grüße aus meiner Wörterwebstube
Sofasophia

+++

Die Blogbücher mache ich für mich, zur Erinnerung. Als persönliches Nachschlagewerk. Und wider das Vergessen. Wenn ich sie euch hier zur Verfügung stelle, dann in der Hoffnung, dass ihr das Copyright respektiert und sie nur zum Eigengebrauch herunterladet. Und die hübschen und weniger hübschen Tippfehler gibts gratis obendrauf. Ihr könnt sie unter nachfolgenden Links downloaden.


PS: Das Passwort zum letzten Blogartikel gibts per Mail.

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Den Dingen ihren Platz geben | #Depression #notjustsad

Seit meine Angststörung, Folge eines schweren Traumas, ihren Namen hat, ignoriere und bagatellisiere ich sie weniger als früher. Bausche ich sie auf? Ich glaube nicht. Eher höre ich ihr endlich zu, gebe ihr ihren Platz, erlaube ihr hier zu sein.

Ich behandle sie fast so wie einen anderen Menschen und ich behandle sie so, wie ich selbst auch behandelt werden möchte: Respektvoll. Ich nehme sie ernst. Früher habe ich sie so behandelt, wie ich mich selbst noch immer viel zu oft selbst behandle: abwertend, nicht ernstnehmend, abschätzig.

Auch mit dem Trauma selbst gehe ich endlich angemessener um. Kurz und gut: Ich behandle die einzelnen Teile meines komplexen Krankheitsbildes respektvoller.

Im Kontext mit Depressionen verfolgte ich vor gar nicht mal so langer Zeit eine Diskussion im Internet. Jemand behauptete, dass durch das Reden über psychische Erkrankungen alles aufgebauscht und damit größer werde – schlimmer und dramatischer – als wenn man es verschweige und es mit sich selbst ausmache. (Ich gestehe, so hatte ich frühr auch gedacht. Und still, isoliert, vor mich hingelitten. Dass manche Symptome auf diese Weise statt zu schrumpfen wachsen konnten, ist ein – wie ich inzwischen auch von andern weiß – gar nicht mal so seltener Nebeneffekt solcher Ignoranz.)
»Sag mal zu einer Krebskranken, dass sie den Krebs eher loswerde, wenn sie ihn ignoriere!«, antwortete jemand auf besagte dummdreiste Behauptung, psychische Krankheiten lösten sich durch Verschweigen von allein wieder auf.

Tatsächlich gibt es Depressionen, die vorwiegend körperlich, will heißen körperchemisch, verursacht sind – man denke an durch Sonnenlichtmangel verursachte Winterdepressionen  – und die tatsächlich durch die Einnahme von Medikamenten oder Vitamin D ‚geheilt‘ werden können. Gegen Lichtmangel hilft eine Gesprächstherapie vermutlich eher wenig, okay.

Aber.

Aber es gibt eben auch jene Depressionen und jene Folgeschäden, Folgestörungen von Traumata und Co. – insbesondere Angststörungen, Panikattacken & Co. – deren Symptome sich nicht einfach mit Tabletten ausknipsen lassen.

Denkt da bitte einfach dran, bevor ihr den nächsten Spruch raushaut … Apropos Spruch raushauen. Manchmal gibt es natürlich schon so Heilwunder. Über eins hat zum Beispiel der Postillon neulich berichtet:

„Das wird schon wieder“: Mann heilt depressiven Freund mit einem einzigen Satz
Sensationeller Durchbruch in der Psychologie! Der Bankangestellte Manuel P. hat seinen seit geraumer Zeit an Depressionen leidenden Freund geheilt. Gelungen ist ihm dies mit dem einfachen Satz „Das wird schon wieder“, nachdem der Freund ihm seine Erkrankung gebeichtet hatte. Fachleute sind sich einig, dass die Methode die gesamte Psychotherapie revolutionieren könnte … [weiterlesen]

(Ja, ich weiß, das ist Satire …)

Im Klangbad

Ich bade in Musik.
Ich tauche ein in die Klänge, die von da unten auf der Bühne zu uns hinauffließen. Zu uns, die wir im zweiten Stock einen gemütlichen Platz gefunden haben.

Für einmal sind wir ganz oben, denn unten ist es schon ziemlich voll. Wir sind ein bisschen spät in der Mühle Hunziken angekommen, um dem italienischen Cantautore Mimmo Locasciulli* und dem Berner Rockmusiker Büne Huber zu lauschen. Ein bisschen spät sind wir schon in Bern losgefahren, wo wir uns mit den lieben Leuten der früheren Schreibgruppe getroffen haben.

Spät, aber nicht zu spät. Und dieser Blick von ganz oben hat echt was. Der Klang ist womöglich noch einen Tick ausgewogener als da unten. Übersichtlicher. Außerdem kann man sich hier oben freier bewegen als im Getümmel da unten. Altersweisheit. Und wir können uns hinsetzen und aufstehen ganz wie es uns beliebt. Selten habe ich ein Konzert so entspannt genießen können.

Ich schließe schon bald die Augen und lasse die Musik ein.

Sie setzt sich über die Haut, über meine Schranken aus Fleisch und Blut, hinweg, ergießt sich in meine Innenräume und tränkt mein Herz.
Sie überflutet den Tinnitus und durchdringt sogar die Denkschranken.

Ich bin
ich bin Musik
ich löse mich auf
in Farben
in Klänge
in Schwingungen
jeder Akkord entsteht genau jetzt
löst sich auf und
verbindet sich jetzt
und jetzt
verbinden sich Töne
verbünden sich Klänge
verschiedene Tonhöhen
Klänge aus verschieden Instrumenten
verschiedenen Farbschichten gleich
legen sich übereinander
mal Harmonie
mal Disharmonie
immer Gleichgewicht
fragil zwar
aber da
freundschaftliches Lachen zwischen den Menschen an den
Tasten
Saiten
Fellen
ich bin ein Teil dieses Resonanzkörpers
ich bin da
ich bin ganz
ich bin ganz da

Mimmo Locasciulli am Flügel, die Band in Action.