Bewusstes Sein im Raum

Wie ich neulich bei einem abendlichen Waldspaziergang über dem einen Satz meditierte – das ’Jetzt’ ist schön –, fing eine kleine Erkenntnis in mir an zu reifen. Keine Neue, aber eine, die es bisher vom Kopf noch nicht wirklich bis ins Herz geschafft hatte: Die Dinge, die Ereignisse, die Erfahrungen wirken auf mich und in mir so, wie ich sie bewerte. Wenn ich sie grundsätzlich willkommen heiße, mit ihnen Frieden schließe, lässt es sich leichter mit ihnen leben. Natürlich ist es im schön besonnten Herbstabendwald einfacher, Schönheit zu sehen als auf der vollen Autobahn. Schönreden bringt nichts. Doch im Raum, den ich betrete, im Leben, das ich lebe, kann ich häufig selbst und bewusst entscheiden, wie die Dinge auf mich wirken dürfen. Nein, nicht immer, denn das Unbewusste ist oft stärker, die in mir abgespeicherten Muster sind nicht selten wirksamer als meine bewusste Entscheidung. Und Veränderungen geschehen langsam. Doch mein Bewusstsein schafft sich, nimmt sich Raum. Raum ermöglicht Bewusstseinsschritte.

Naturraum wirkt anders als gebauter Raum. Wald anders als Dach-überm-Kopf. Beides brauche ich dennoch, um mich wohlfühlen zu können.

Und ja, auch Kunst braucht Raum. Wie zum Beispiel hier in einer alten Lemberger Fabrikhalle, die demnächst in Lofts umgebaut werden soll.

Dazu diese kleine Galerie -> Bilder anklicken zum Vergrößern und weiterklicken <

Und weil wir nicht immer nur in Häusern sein mögen, haben wir am Samstag und gestern die Wanderschuhe geschnürt und sind in die Wälder und durch die Felder gezogen. Ja, Raum weitet das Bewusstsein, keine Frage!

Collage mit Bildern vom Wandern. Himmel, Wolken, Schuhe, Wiese, Bäume, Gras mit Regentropfen und ein Selfie mit Irgendlink und mir

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Schafft Raum Bewusstsein?

Ob Raum wirklich kann, was der Titel verspricht, lässt sich morgen Abend und in den nächsten zwei Wochen in Lemberg (Rheinland-Pfalz) herausfinden. Denn in den Räumen eines alten Fabrikgeländes stellen vier Künstler, darunter Irgendlink, ihre Werke aus, bevor die Fabrik in Lofts umgebaut wird.

Auch wenn die Fotografie auf dem Flyer fehlt: Sie wird natürlich auch vertreten sein. Denn Irgendlink zeigt dort unter dem Titel Sieben Jahre im Smartphone – eine digitale Odyssee einen breiten Querschnitt seines Schaffens.

Auch die anderen drei Künstler haben so einiges zu erzählen und ich hoffe, wir auch. Mit euch. Vielleicht kommt ja die eine oder der andere meiner Lesenden morgen Abend vorbei?

Das wäre schön.

Infos gibts hier oder wenn du auf die Grafik klickst.

Mein Minitraumhaus und was die Gehirnforschung erkannt hat

Anders zu leben hat mich immer interessiert und auch immer auszuprobieren gereizt. Vielleicht weil ich schon als junge Frau gemerkt habe, dass ich mir vom Leben mehr erhoffe als Arbeiten zu gehen um Dinge zu besitzen (auch wenn sich das durchaus gut anfühlen kann und uns eine Art Sicherheit vermittelt, die uns eben ein gutes Gefühl gibt).

Immer aber hat mich das, was hinter dem Vorhang ist, mehr interessiert als das Offensichtliche.

Das vermeintlich Offensichtliche, Vordergründige hat mich sogar oft eher verwirrt und überstimuliert als genährt. Fassaden, Maskeraden und Verkleidungen stossen mich geradezu ab. Warum das so ist, kann ich aber nicht genau sagen. Möglicherweise weil ich in meinem Leben bereits viele krasse Diskrepanzen zwischen Außen und Innen, zwischen Aussage und Handlung gesehen habe.

Nun ja, mit Diskrepanzen lebe ich ja selbst. Obwohl ich ein gewisses Maß an Comfort nicht missen, träume ich zuweilen dennoch davon, noch einfacher zu leben als ich es bereits tue. Und seit es Tiny Houses gibt – seit sich die Minimalismusbewegung auch aufs Wohnen ausgebreitet hat –, verfolge ich diese Trends aufmerksam. Obwohl ich ja wenig von Trends und Hypes halte.

Tiny Houses? Das sind, wie der Name sagt, kleine Häuser, oftmals auch mobile, die – ähnlich wie Wohnwägen – auf kleinstem Raum alles bieten, was wir zum Leben brauchen. Das Spannende daran: Diese Bewegung fokussiert immer mehr die Entwicklung autarker Kreisläufe (Wasser- und Strom-Kreisläufe, die sich selbst erhalten) und eine immer natürlichere Bauweise (zum Beispiel hier → klicken).

Innenraum eines Minihauses

Obwohl ich also manchmal von ganz viel Platz träume, sehne ich mich manchmal auch nach Reduktion. Vielleicht auch, weil ich weiß, dass ich mit dem Luxus von sehr viel Raum nicht gut umgehen könnte. Nicht solange so viele andere Menschen zu wenig von allem zum Leben haben. Was vielleicht auch einer der Gründe ist, warum mich anders zu leben schon immer angesprochen hat. Anders leben heißt für mich unbedingt auch nachhaltiger und bewusster zu leben, den eigenen ökologischen Fußabdruck klein zu halten, innen und außen mehr in Übereinstimmung zu bringen. Zufriedener werden, im Bewusstsein, dass es eben nicht die Dinge sind, nicht der Besitz, nicht das Haben, nicht das Wollen ist, das uns glücklich macht. Im Gegenteil sei sogar das Habenwollen eine Folge von Unzufriedenheit. Sagt jedenfalls Hüther sinngemäß in einem Interview, das ich auf Utopia gefunden habe. In diesem Text erklärt Dr. Gerald Hüther – ausgehend von der Gehirnforschung, der er sich ausgiebig widmet –, wie unsere innere Haltung unser Verhalten beeinflusst. Zwar geht es in diesem Text vordergründig um Nachhaltigkeit und um unser Verhalten im ökologischen Kontext, doch letztendlich plädiert er vor allem für eine positive innere Lebenshaltung – basierend auf unserem Selbstbewusstsein von Würde. Von einem respektvollen Umgang mit uns selbst in Würde.

Weil: Wer glücklich ist, kauft nicht.

 

Mein Sommer war groß

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viele Brombeeren gegessen habe wie diesen Sommer, wilde Brombeeren meine ich, aus dem Wald. Brombeeren, die niemand gesät hat und die nicht für mich gewachsen sind, auch nicht für sonstjemanden. Sie wuchsen einfach so. Weil es in ihrer Natur liegt.

Collage mit Fotos aus Tomaten, Zucchini, Brombeeren und ApfelkuchenUnd wann habe ich je so viele Tomaten gegessen wie in den letzten Wochen? Und Zwetschgen? Und Zucchini? Und ach, die Äpfel darf ich nicht vergessen!
Und wann habe ich je so viel gebadet, in Flüssen, Seen und einmal auch in der Nordsee? Wann habe ich so oft an einem gemütlichen Feuer gesessen und die Sterne am Himmel betrachtet? Ich fühle mich von diesem Sommer reich beschenkt. Offenbar war ich oft genau dort, wo das Wetter genau so sommerlich war, wie ich es am liebsten mag (nun ja, zuweilen war es sogar mir zu heiß). Wenn andere über Regen klagten, war ich oft genau dort, wo es sonnig war.

Kurz und gut: Ich hatte einfach Glück. Und was noch besser ist als Glück zu haben: Zu merken, dass ich Glück habe. Hatte. Habe.

Vielleicht geht es mir auch einfach grad so gut, weil ich endlich akzeptieren kann, dass ich im Grunde nichts anderes als eine menschliche Buntbrache bin.

Buntbrache? Buntbrachen sind Landstriche, die nichts anderes zu tun haben als da zu sein und das, was wächst, wachsen und in sich leben zu lassen. Alle – Pflanzen, Tiere und die Erde – haben etwas davon.

Auf einer Webseite über Buntbrachen las ich soeben:

»’Weisst du, wenn ich die vielen Blumen und Insekten, besonders den Schwalbenschwanz (Schmetterling) sehe, dann sind das für mich Ferien!’ Das war die erste Buntbrache, die in unserer Region angesät wurde. Damals wurde die junge Bauernfamilie belächelt oder negativ kritisiert. Dies in der Meinung, man kann doch nicht wertvolles Ackerland so ’vergammeln’ lassen.«

Quelle: Naturregion.ch

Vielleicht sollten wir alle ein bisschen mehr von dieser Buntbrachenmentalität verinnerlichen. Um Platz für all die Dinge zu schaffen, die Raum brauchen, und vielleicht könnten wir alle so wieder ein bisschen mehr Biotope für Ideen sein.