Alle reden über Trauer

Das Blog In stiller lauter Trauer ist ein Raum für Trauer.

Silke, die Blogbetreiberin, lädt alle dazu ein, sich über Trauer Gedanken zu machen und diese in beliebiger Form (Text, Film, Podcast) in euren Blogs zu teilen.

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Über Panikattacken und wie wir sie (vielleicht) loswerden können

Ich hörte und las mich die letzten Tage intensiv durch die Erkenntnisse Klaus Bernhardts, der mit seinen Ansätzen die Angsttherapie revolutionieren will. Was er lehrt, ist mir auf der theoretischen Sachebene nicht neu, von den ganz konkreten Übungen einmal abgesehen, auf die ich nachher noch eingehen werde. In einem früheren Leben, in einer sehr sehr suchenden Zeit, habe ich nämlich zig Selbsthilfebücher rauf und runter gelesen, esoterische ebenso wie (küchen-)psychologische. Und bereits vor zwanzig Jahren habe ich bei Luisa Francia die Kunst des positiven Formulierens gelernt und vieles anderes, das nun offenbar auch endlich in der wissenschaftlichen Welt im Allgemeinen, bei den Hirnforschenden im Speziellen, angekommen ist.

Vor zwanzig Jahren hätte Klaus Bernhardt aus all den gesammelten Erkenntnissen vielleicht einen schönen Roman geschrieben, heute aber wollen wir Rezepte. Anwendbares. Lifehackzöix. Bernhardt erfüllt uns diesen Wunsch und reichert das Gesammelte mit Erkenntnissen, Forschungsergebnissen und Erfahrungen aus seiner eigenen Praxis an. Sein ausgewiesenes Spezialgebiet ist, sagt er, die schnelle Behandlung von Angsterkrankungen. Und ehrlich, ja, ich glaube, mit seiner Rezeptur tut er vielen, auch mir, einen großen Dienst. Er hat nämlich für uns die Wirkstoffe aus all dem vielen schamanischen, esoterischen und wissenschaftlichen Wissen extrahiert, bekömmlich aufbereitet und in handliche Flaschen abgefüllt.

Den Fehler, seine Erkenntnisse als Allheilmittel mit Sofortheilversprechen zu verkaufen, begeht er nicht. Er punktet mit deutlichen, klaren Anleitungen, erklärt gut nachvollziehbar seine Theorien, die er mit Beispielen unterlegt, leitet methodisch zu konkreten Übungen an und zitiert zufriedene Ex-PatientInnen. Und seine Therapie wirkt offensichtlich. Obwohl ich auch die manipulative Kraft hinter seinen Worten und den Zahlen, die seine Heilerfolge belegen, spüre, will ich nichts mehr, als erleben, dass das Rezept funktioniert. Auch bei mir.

Ich habe mir vorgestern gleich, wie im Buch beschrieben, zehn Sätze aufgeschrieben, die mein ideales Leben beschreiben, und ab heute will ich täglich einen von ihnen durch meine fünf Kanäle geben und Kraft meiner Vorstellungskraft meine Neuronen neu verlinken. Für jeden meiner Sinne – Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Fühlen – installiere ich also in meiner Vorstellungskraft einen eigenen Kanal.

Womöglich sind ja unsere Neuronen die Schnittstellen zur spirituellen Wirklichkeit?

Die Theorie, dass wir durch unsere Gedanken ständig neue Neuronenvernetzungen schaffen um damit Abläufe und Reaktionen wo immer möglich zu automatisieren, leuchtet mir ein. Dass ich mit meinen düsteren, negativen, ängstlichen, depressiven Gedanken ganze Netzwerke an schädlichen Automatismen geschaffen habe, ebenfalls. Und auch, dass es not-wendig und heilsam ist, diese Netzwerke durch neue, positive neu zu schreiben. Das geschieht zum Beispiel eben mit Übungen wie der erwähnten Zehn-Satz-Methode. Doch anders als bei der klassischer Affirmationsarbeit kommt hier die sinnliche Komponente hinzu. Wird jeder Satz nämlich auf jedem der fünf Kanäle dem jeweiligen Sinn entsprechend wahrgenommen, entstehen ungleich mehr neue Knoten im neuronalen Netz als wenn wir nur den gemeinhin üblichen auditiven Kanal mit unseren Affirmationen füttern. Das ist eine der eher langfristigen Techniken. Doch im Werkzeugset gibt es auch Sofort-Stopp-Techniken. Eine ist etwa das Verschieben negativer Bilder, Sätze und Wahrnehmungen von der einen in die andere Hirnhälfte. Oder die Slowmotion-Technik, bei welcher wir uns potentielle Gefahren statt blitzartig uns diese in Zeitlupe vorstellen. Mit der Pitching-Technik wird die Stimmlage der Stimme, die uns vor vermeintlichen Gefahren und potentiellen Ängsten warnt, verändert – wie bei einer Comicfigur redet sie also zum Beispiel gaaanz langsam oder viel zu schnell und wird so ihres Ernstes beraubt. Und damit auch ihrer destruktiven Macht. Weiter kommt Embodiment zum Einsatz, die Verkörperlichung innerer Haltungen: Wer lächelt, wer sich in eine Chef- respektive Powerpose setzt, vermittelt seinem Körper nämlich auch eine Botschaft. Ich bin hier die Chefin, zum Beispiel. In Chefpose – Beine auf dem Tisch, Hände hinterm Nacken – steigt innert weniger Minuten der Testosteronspiegel messbar, während der Cortisolspiegel sinkt. Diese Übung habe eine sehr unmittelbare Wirkung auf unsere Stimmung. Sagt Bernhardt. Und ja, ich habe diese Übung sofort getestet. Es stimmt. Selbst wenn vielleicht nur, weil ich es will. Doch vielleicht geht es ja genau darum? Diese Neuprogrammieren hat immerhin damit zu tun, sich das Leben neu zu denken, es sich anders zu denken.

Soweit so gut. Aber jetzt kommt mein persönliches Aber. Keins zur Therapie, eins zum Leben. Bei alledem geht es nämlich um Eigenverantwortung. Ich kann meine Heilung nicht delegieren. Trotz aller Rezepte bin ich es, die das hier tun muss, die die Übungen umsetzen soll um etwas zu verändern. Auch die Suche nach den Punkten, die verändert werden wollen.  Eine Panikattacke sei ein Liebesdienst des Körpers, sagt Bernhardt. Einer, der uns dringend, psychosomatisch, sagt, dass wir endlich etwas verändern müssen. Dass wir zum Beispiel endlich ernst machen sollen mit der neuen Ausbildung, eine Beziehung beenden oder aber, wie bei mir, endlich eine Perspektive entwickeln sollen. Endlich wieder große Ziele fassen. Endlich.

Niemand anders als ich ist hier, bei diesen Grundsätzen, gefragt. Ich bin die einzige Therapeutin, die mich heilen kann.

Also werde ich ausprobieren. Und hoffen. Neu anfangen. Immer wieder. Und mir endlich erlauben, große Ziele haben zu dürfen, Perspektiven zu benennen, anfangen groß zu denken.

Ursachenveränderung statt Symptombekämpfung

Da ich mich intensiv mit meiner eigenen Heilung beschäftige, habe ich mir soeben das Buch von Klaus Bernhardt bestellt: Panikattacken und andere Angststörungen loswerden. Heute Morgen habe ich bereits damit angefangen, mir Klaus Bernhardts kostenlose Podcasts zum Thema anzuhören.

Anders als alles, was ich bisher über Panikattacken und die eine oder andere Technik gelesen habe, geht es hier nicht um Symptombekämpfung, sondern um Ursachenveränderung. Um die wissenschaftlichen Zusammenhänge.

Hier ein kleines Zitat aus dem Blog auf Bernhardts Webseite:

»Wie aus vereinzelten Angstattacken eine generalisierte Angststörung wird:

Bei einer Angststörung den Serotonin und Noradrenalin-Spiegel durch Antidepressiva zu erhöhen ist in etwa so, als hätten Sie ein Auto, dass ein Leck im Kühlwassersystem hat. Doch anstatt das Leck, also die Ursache des Wasserverlustes, zu reparieren, füllen Sie Tag für Tag Kühlwasser nach, damit Ihr Motor nicht kaputt geht. Das Leck wird mit der Zeit größer und größer und Ihr Aktionsradius wird kleiner und kleiner, weil Sie ja permanent anhalten müssen, um wieder Wasser nachzufüllen.

Und so, wie es selbstverständlich klüger ist, das Leck zu reparieren, anstatt nur an den Folgen herumzudoktern, genau so verhält es sich auch mit einer Angststörung. Auch hier ist es klüger, das Gehirn durch bestimmte Übungen strukturell so zu verändern, dass die Angststörung da gestoppt wird, wo sie entstanden ist, nämlich in den automatisierten Denkprozessen Ihres Gehirns. Medikamente gegen Angst sind prinzipiell nichts anderes, als ein permanentes Nachfüllen von Kühlwasser. Sie zögern bestenfalls die nötige Reparatur etwas hinaus, lösen aber das Problem nicht.

Je länger man eine Reparatur jedoch hinauszögert, umso größer wird der ursprüngliche Schaden. Übertragen auf eine Angsterkrankung bedeutet das, je länger eine Angststörung nicht oder gar falsch behandelt wird, umso mehr besteht die Gefahr, dass sie sich ausweitet und immer mehr Bereiche des Leben erfasst. Dieses Übertragen der Angst auf alle Lebensbereiche nennt sich „generalisieren“, daher der Name generalisierte Angststörung.« (Zitat Ende).

Quelle: www.panikattacken-loswerden.de/generalisierte-angststoerung-loswerden

Zitiert wird auch immer wieder der Hirnforscher respektive Neurowissenschaftler Eric Kandel, der mit seinen Forschungserkenntnissen viel des früher in der Psychologie und Psychotherapie Gelehrten und Erkannten aufhebt. Jeder Gedanke, den ich jetzt denke, sei, so sagt er etwa, eine neuronale Verbindung, die genau jetzt, da ich den Gedanken denke, wachse. Und jede neuen Verbindung ist vernetzt mit unendlich vielen Verbindungen, die laufend, blitzschnell und in großen Menschen Informationen auswerten und unser Unterbewusstsein mit diesen Erkenntnissen speisen, welches unser sogenanntes Bauchgefühl mit Informationen versorgt. Anders als das Denken, das argumentiert, abwägt und oft das Bauchgefühl übergeht, weiß dieses jedoch, was eigentlich das Beste für uns ist.

Durch die Podcasts erfahre ich wie unser Arbeitsspeicher im Hirn funktioniert, wie wir Informationen abspeichern und wie wir Abläufe möglichst schnell automatisieren, damit der Kopf für Neues frei wird.

Panikattacken seien sozusagen fehlgeleitete Automatismen, eingespielte Reaktionen. und Wollen wir diese auflösen, müssen wir die Synapsen quasi neu verlöten (sag ich jetzt in meinem Brachialpsychoslang)

Ich höre in den Podcasts von möglichen Auslösern wie ignoriertem Bauchgefühl, das nie mit mir diskutiert, aber immer nur mein Bestes will und dass medizinisch verschriebene Substanzen (worunter auch Medikamente wie Antidepressiva, Neuroleptika oder Schilddrüsenmedikamente gehören können) sowie Drogen (z.B. THC, Ecstasy, Kokain, Psilocybin) zu Panikattacken führen können, aber ich höre auch, wie Grübeln und negatives Denken unsere Panikattacken- und Angstbereitschaft sehr erhöhen. Auch sekundärer Krankheitsgewinn sei eine der Türen zu Panikattacken. Kurz: Der Körper reagiert psychosomatisch auf für uns ungesunde Umstände. Zum Beispiel eben mit einer Panikattacke. Sie, respektive unser Körper, will uns so zu Veränderungen motivieren.

Bernhardt zieht laufend Beispiele aus dem Alltag herbei, vergleich etwa den Gedankenstrom mit elektrischem Strom, der immer den Weg des geringsten Widerstandes nimmt. Eine Datenautobahn der negativen Gedanken nennt er das, verglichen mit den positiven Gedanken, die in der Regel über einen schmalen Trampelpfad daherkommen.

Warum wir oft in Ruhephasen von Panikattacken heimgesucht werden? Weil dann das Hirn wenig zu tun hat. Es lässt sich dann über die Datenautobahn mit Denkfutter beliefern – mit negativen Gedanken – und schon geht’s wieder los.

Lösung bringt, so zeigen seine Praxiserfahrungen, eigentlich nur, wenn wir uns neu neuronal vernetzen. Ich bin auf die Übungen gespannt, die in Podcast und Buch vorgestellt werden und offenbar dauerhaft beim Auflösen der Angstverursachern helfen können.

Ich kann die Podcasts wirklich herzlich allen empfehlen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen wollen und sich dabei auch für die wissenschaftliche Seite von Angst in der Hirnforschung und die daraus geschlossenen Erkenntnisse interessieren.