Von Gewohnheiten, Pflichten und anderen Dingen

Es gibt Dinge, die tun wir, weil sie uns Spaß machen. Yoga am Morgen. Tee trinken. Spazieren gehen. Beim zweiten Mal tun wir sie bereits in der Erinnerung daran, dass sie uns das erste Mal gut getan. Beim dritten Mal finden wir vielleicht sogar einen besten Zeitpunkt im Tag oder in der Woche. So werden Dinge zu Gewohnheiten. Der Körper und die Seele erinnern sich. Es ist wie ein Weg im Wald, der mit jedem Mal, den ihn jemand geht, ein bisschen breiter wird. Erinnerungen prägen sich ein.

Vernachlässigen wir Gewohnheiten, wächst der Trampelpfad wieder zu. Doch die Erinnerung geht nicht verloren, sie wird irgendwo abgespeichert. An einem unsichtbaren Platz, der sich nicht in Gigabytes beschreiben lässt. Die Kammer der Erinnerungen.

Wenn du etwas tust, das du vor zehn Jahren das letzte Mal gemacht hast, erinnert sich dein Körper. Das Gedächtnis auch, denn die beiden sind aus dem gleich Stoff gewoben – ebenso das Wissen der Zellen und die Botschaften und Erkenntnissen der Neurotransmitter. Alles drum und dran. Alles immer da. Alles immer wieder neu.

Gewohnheiten sind die Leitplanken unserer Alltagsstraßen. Gewohnheiten rahmen unser Leben ein. Sie sind das Hamsterrad, das uns in Bewegung hält und sie sind die Lügen, die wir übernehmen und glauben, um nicht selbst denken zu müssen. Gewohnheiten sind unsere Geländer, wenn wir den Boden unter den Füßen verloren haben und sie sind der rote Faden, an den wir uns klammern können, wenn sich der Sumpf öffnet und uns in die Tiefe zieht.

Es gibt zweierlei Menschen. Die einen, die selbst reflektieren können und es auch tun. Die Gewissenhaften. Und es gibt jene anderen, die alles, was sie stört, als Nachlässigkeiten oder Fehler oder Schwächen anderer verstehen.

Bist du noch auf der richtigen Seite?, fragte sein Vorgesetzter den Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler, der im Laufe der Überwachung des verdächtigen Schriftstellers Georg Dreyman angefangen hatte, Fakten zu vertuschen, die zum Fall des Künstlers geführt hätten. Ohne zu zögern sagte der Hauptmann deutlich ja. Für mich klang es wie:
Ja, endlich bin ich auf der richtigen Seite! Der Film „Das Leben der anderen“ zeigte mir einmal mehr, wie manipulierbar und zerbrechlich wir Menschen sind. Besonders, wenn es um unsere Liebsten geht. Würde ich, um meine Karriere oder gar mein Leben zu retten, andere verraten?

Wir sind immer auf der richtigen Seite, wir alle, immer. Glauben wir jedenfalls. Doch hören wir hin, wenn uns jemand kritisiert? Nehmen wir unsere eigene und die Reflektion anderer ernst oder winken wir ab? Dann zum Beispiel, wenn uns jemand auf Dinge anspricht, die wir tun, obwohl sie uns nicht gut tun.

Wie steht es mit jenen Dingen, die wir tun müssen? Wer sagt uns, was wir tun müssen? Und was ist mit jenen Dingen, die wir sein lassen, obwohl andere sie von uns erwarten? Pflichten. Verpflichtungen. Ein Wort, das für mich sehr ambivalent besetzt ist. Aus Pflichtbewusstsein erledigte Dinge sind für mich weniger wert als aus Begeisterung erledigte. Obwohl in ihnen im ersten Fall mehr Energie, besonders Energie der Selbstüberwindung, steckt. Wert und Energie haben bei mir offenbar nicht die gleiche Maßeinheit zur Grundlage.

Ja, auch über jene Dinge, die wir tun, weil wir sie für sinnvoll halten, gäbe es viel zu erzählen. Ganz nach dem Motto: Sag mir, was dir wichtig für dein Leben ist, was du für sinnvoll hältst, und ich sage dir, wer du bist. In der Tat sagt unsere Prioritätenliste viel über unsere Werte aus.

Mut zu einer Neuüberprüfung dieser innere Werte wünsche ich mir jeden Tag neu. Und die Bereitschaft, meine Werte immer wieder zu überdenken. Und die Werte hinter, über oder unter den Werten, der Boden, auf dem ich stehe.

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ausgezeichnet?

Gleich zweimal habe ich in den letzten Tagen den Versatile Blog Award erhalten. Ich bedanke mich herzlich bei den Damen Penelope & Ariadne und Sherry Iranique.

So sieht er aus:

und das sind seine Regeln:

1. Bedanke dich bei der Person, die dich mit der Auszeichnung beehrt hat und verlinke ihren Blog.
2. Teile mit deinen LeserInnen sieben Fakten über dich. Bei mehreren Awards entsprechend multiplizieren. 🙂
3. Gib die Auszeichnung an fünfzehn andere Bloggende weiter, deren Blogs du wertschätzest und benachrichtige sie, denn sie sollen ja erfahren, dass sie von dir die Auszeichnung erhalten haben.

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Sie hat ein bisschen zu viel Phantasie, sagten die Lehrpersonen zu ihren Eltern. Und ihre Schrift! Wer soll das lesen können?!
Eine Träumerin!, sagten die Leute von ihrer Clique, als sie jung war. Doch sie träumt auch heute noch.
Du kannst aus nichts etwas machen!, sagte ihr erster Ehemann. Du guckst in den Kühlschrank und zauberst in einer Dreiviertelstunde ein geniales Essen. Und das ganz ohne Rezept!
Du machst nichts aus dem, was du könntest!,
sagten ihre Eltern. Du könntest studieren. Du könntest Karriere machen!
Wie machst du das bloß, dass Menschen dir schon nach ganz kurzer Zeit Persönliches aus ihrem Leben erzählen?,
sagte ihr Liebster.
Deine Bilder sind einfach fantastisch!, sagte Freundin L., deine Ideen sind einfach so clever umgesetzt.
Ich glaube an deine Schreibe!, sagte Freundin C. zu ihr. Und ich freue mich auf deine Bücher.
Du bist so gar nicht nachtragend!, sagte Freund M..

Und sie, was sagt Sofasophia über sich? Das Außenbild, gleicht es nicht irgendwie einer Gipsmaske, die noch während sie auf der eingefetteten Gesichtshaut erstarrte und trocknete, bereits Vergangenes abbildete?
Doch sie, sie ist die, die hinter die Maske und darunter, sie ist die, die hinter den Vorhang blicken will, selbst wenn sie weiß, dass es dort nicht immer schön ist.
Sie liebt Spaziergänge, tut es jedoch viel zu selten. Sie liebt Gedankenspiele und angeregte Gespräche. Sie denkt und fühlt und lebt. Ein Privileg, wie sie heute im Wald begriffen hat.
Was wäre, wenn ich damals, mit sechzehn immer tiefer in jene Gruppe gerutscht wäre, die mit Drogen experimentiert hatte. Wäre ich so wie heute?, denkt sie, dankbar, dass sie da ist. Noch.

Zuhause findet sie eine Mail in ihrem Postfach: Gratulation, du bist Künstlerin des Tages bei IPA, unserer iPhoneArt-Gallery. Vierundzwanzig Stunden Ruhm und Ehre. Und Komplimente. Und liebe Gratulationen. Hat die Kaiserin Kleider an?

Mit dem Liebsten hat sie dieser Tage beim Autofahren über Anerkennung philosophiert, und die Unfreiheit, die Erwartung und den Druck, die gleich mitgeliefert werden. Jede Auszeichnung ist eine Messlatte. Mehr! Besser!

Frei ist, wer über diesen Dingen steht. Eine Freiheit, die sie sich wünscht. Gepaart mit dem Wunsch, dass ihre Bilder und Texte als eigenständige Werke etwas bewegen und berühren. Kunst losgelöst von den KünstlerInnen, Kunst mit Aussage, Kunst in einen sozialen Kontext gestellt – kein Egotrip.

Wer hat mitgezählt? Hat sie inzwischen schon vierzehn Fakten – Fakten? sind das Fakten? – verraten? Hat sie ihr Soll erreicht?

Und hiermit reicht sie den Award weiter an folgende Damen und einen lieben Herrn, da sie alle diese Blogs allesamt mit Genuss und Lust liest. Und natürlich liest sie noch andere Blogs sehr gerne. Erwähnt sei hier zum Beispiel die nicht gelistete Frau Freihändig – und sie hat noch mehr Lieblingsblogs, auch solche, die zurzeit oder schon länger brachliegen … Zum Glück ist bloggen freiwillig! 😉

# aramatique
# Anhora
# Canela
# irgendlink
# Hausfrau Hanna
# Hausdrachen
# Kati
# Kirschkernzeit
# Li Ssi – Café Weltenall
# Madame Lila
# Mützenfalterin
# Quersatzein
# RAH
# Syntaxia
# Wildgans

Eigentlich müssten auch Sherry Iranique und Penelope & Ariadne von mir, ähm ihr natürlich, diesen Award erhalten, doch sie haben ihn mir, also natürlich ihr, ja überreicht! 🙂

Kunst überall

Gleich Mitternacht. Ich bin müde und mein Kopf brummt noch immer ein wenig von unserem Tag in Mainz.

In der dortigen Galerie Walpodenakademie durften Irgendlink und ich das eine der beiden Schaufenster mit einem Teil unserer iPhone-Kunstwerke von unserer Ausstellung im September bestücken.

Auf obigem Bild, das ich mit der Panorama-App-Kamera Photosynth aufgenommen habe, ist es zu witzigen Bildüberschneidungen gekommen. Das ist zwar unperfekt, jawohl, aber witzig dennoch. Wenn ich das Bild im Bildordner dieser App aufrufe, erscheint es in „elastischer Form“. Ich kann es mit Fingertippen hin und her, rauf und runter bewegen und so ein Google-Earth-artiges, dreidimensionales Betrachten erzeugen. Macht echt immer wieder Spaß, diese App!

Eine Auswahl der gerahmten Kunstwerke haben wir gleich für die Kunstausstellung „ArtShop“ – ebenfalls in der Walpodenakademie – mittransportiert. Hier mehr Infos:

Zum Programm (PDF) hier klicken >>> Artshop-Programm

Geht hin und schaut … 🙂

Sämtliche unserer ausgestellten Bilder – und ein paar mehr – könnt Ihr sowohl dort vor Ort als auch in unseren beiden Whitewall-Galerien kaufen! > Sofasophia: hier klicken & irgendlink: hier klicken.

Ich kann nur sagen: Superqualität! Und ich sag bloß Weihnachten, Weihnachtsmuffelin, ich!

Auf dem Weg zurück zum Auto dies hier aufgelesen – Graffiti und Schattenwurf wetteifern um eine Hauswand.

Auf dem Heimweg schließlich ein Abstecher auf den Donnersberg, den höchsten Punkt der Pfalz. Leider ist aus dem Bild, das mich auf dem kleinen Mark-Stein in der Yogastellung Baum hätte zeigen sollen, nichts geworden. Ich hab zu früh das Gleichgewicht verloren, jawohl, aber egal. Hauptsache, wir waren da. Und es war echt magisch, so in den Wolken zu schweben.

Kunst überall, habe ich diesen Artikel genannt. Ja, und Kunst ist auch jederzeit. Gestern, heute, morgen. Gestern Abend war Ausstellungseröffnung in H. in der Galerie B. (für mehr Infos: hier klicken, doch die Ausstellungsseite ist im Moment offenbar noch nicht aktualisiert).

Spannende Leute haben wir getroffen. Witzig, dass eine von den Künstlerinnen – Katharina Kunz (in der Bildmitte) – Schweizerin ist, wie ich. War echt schön, mal wieder Dialekt zu schwatzen 🙂

Dank eines Gesprächs mit dem Künstler Klaus Harth habe ich ein spannendes Kunstblog entdeckt. Besonders angetan haben es mir Klaus‘ Vogelbilder, von denen übrigens auch ein paar im ArtShop in Mainz hängen werden. Es lohnt sich also wirklich, im Dezember nach Mainz zu fahren!

Demnächst will und werde ich mich hier zum „Versatile Blogger“-Award, der mir verliehen worden ist, äußern. Mal sehen, was mir dazu einfällt 🙂

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Bilder: iDogma:
Bild 1: fotografiert mit Photosynth, bearbeitet und beschnitten mit PS Express
Bild 2, 4 und 6: fotografiert mit Hipstamatic, unbearbeitet
Bild 3: Flyer der Walpodenakademie
Bild 5: fotografiert und direkt bearbeitet mit Pro HDR

aus dem Netz gefischt

Heute beim Surfen dieses Blog hier gefunden:

Cambras Blog

Die Autorin kannte ich ich bisher als Kunstbuchautorin. Dass sie bloggt, war mir nicht bekannt. Sie stellt sich und ihre Vision so vor:

Ich erforsche Kunst als Fachsprache des Schamanischen, male, tanze, reise, erfinde mich manchmal neu, besuche gerne alte Feuer, um Lebenslandkarten und Geschichten zu teilen.

(Quelle: Blogsite: About me)

Was lese ich da in ihrem Artikel vom zehnten November? Über die Kultivierung des Unperfekten?!
Wooow, das muss eine noch unbekannte Cousine sein, und mir fällt auch gleich mein allzeitbereiter Satz bei allfälligen Unperfektitäten sein: Das muss eben so sein! Sie schreibt:

Nicht versuchen zu kaschieren, sondern es betonen – die Fehler, das Schiefe, Schräge, Ausgerutschte, Danebengemalte, Holprige. Es zeigen, vielleicht sogar überzeichnen. „Du schneidest immer schief,“ hat meine Mutter gesagt, „und es sieht auch verschnitten aus. Lass uns versuchen, es gleich richtig schräg zu schneiden, dann sieht es gewollt aus.“ Das hat mir gefallen. Den Strich weiterziehen, wenn ich rausgemalt habe. Ein kleines Loch betonen, umranden, farbig unterlegen.
Was mache ich mit all dem anderen Unperfekten? Im Körperlichen? Motorischen? Sonstigem? Ihm ein Lied geben oder es tanzen, reingehen, überbetonen, spüren, da sein lassen, anerkennen.

Auch folgende Artikel auf dem schön gestalteten Blog haben es mir angetan:

# Lustvoll-verrücktes Schmarrnmachen
# Blog wird Buch
# Buchbestellung, Porto und Bequemlichkeit
# Ich sammle Wörter und Augenblicke
# Die versehrten Wörter

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@ Li ssi: herzlichen Dank, für den Blogtipp!