Schreibtagebuch #1

Vor etwas mehr als einer Woche habe ich mit meinem neuen Romanmanuskript angefangen. Aktuell bin ich bei etwa 11’000 Wörtern.

Ich habe gottgleich Figuren erschaffen, fiktive Figuren, Menschen, die ich so nicht kenne, die so und so aussehen, die so und so sprechen, die so und so fühlen. Natürlich schöpfe ich beim Schreiben auch – insbesondere da die abwesende Hauptfigur eine depressive Frau ist – aus meinen eigenen Erfahrungen.

Aber Lea ist nicht ich. Lea ist eine andere Frau mit einer anderen Geschichte als der meinen und mit anderen Erfahrungen. Ich fühle Lea sehr gut. Ich gebe ihr von mir erlittenes Leid und bürde ihr meine Schmerzen auf. So gut sich das anfühlt, so schwer fühlt es sich auch an.

Ich versuche bei den Dialogen und Erzähltexten, zwischen den einzelnen Figuren zu unterscheiden. Ob es mir gelingt? Ich weiß es nicht.

Genial ist die Arbeit mit Scrivener, einem Autorenschreibprogramm, das es mir ermöglicht, einfach zuerst die einzelnen Teile des Buches zu schreiben, um später die richtige, stimmige Reihenfolge zu finden. Zumal die Geschichte ja eh aus einzelnen Stücken besteht. Die Chronologie ist für mich – zumindest jetzt noch – zweitrangig und austauschbar. Ich werde, denke ich, wenn ich alles geschrieben habe, merken, wie ich die Teile zusammenweben soll.

Ich gestehe, dass ich daran zweifle, einen ernstzunehmenden Roman schreiben zu können. Zum einen bin ich eine NoName und alles andere als eine Kämpferin, die Schaut-her! rufen mag und sich selbst gut vermarkten kann, zum anderen ist das Thema alles andere als mainstream (nicht dass ich über coole Mainstreamthemen schreiben möchte, aber es wäre eben sicher einfacher, ein Publikum zu finden …).

Ja, ich will einen ernstzunehmenden Roman schreiben, der gelesen wird, und so einen Beitrag dazu leisten, dass wir Depressiven besser verstanden werden und dass Suizid aus der Tabuzone geholt wird. Dass Suizid besser verstanden wird. Dass sich Menschen mit diesen zwei Themen auseinandersetzen. Mit der Gesellschaft, die sie hervorbringt und füttert, wenn auch eher indirekt.

Daumendrücken erlaubt.