Kein Titel ist auch ein Titel

Oder soll ich ihn „Mein Wassergeist“ nennen, diesen Artikel, wegen des Bildes?

Ach, wie gerne würde ich jetzt den Film besprechen, den J. und ich gestern Abend geguckt haben … 21 Gramm. Doch dazu bin ich zu müde und überlasse dies darum Wiki …

Da meint frau, dass sie endlich mehr Zeit zum kreativen Schaffen und Artikel schreiben hat, aber nein, immer ist was los! Sei es auch nur einkaufen, im Hühnerstall Futter und Eier ausbalancieren oder die fällige Autoreparatur einfädeln. Dies und das. Kochen auch. Putzen. Alltag. Dazu der Countdown zu einem iPhone-Bilderwettbewerb zum ach so passenden Thema „schnelllebig“. Der Artikelabgabetermin, der naht. Meine Jurymitarbeit im iPhoneart-Bereich. Nein, ich jammere nicht, doch alles hat eben seine Zeit.

Und jetzt ist Zeit zum Schlafen …

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Bild: iDogma (bis auf den Upload. Denn diesen habe ich über den heimischen Rechner gemacht) –
Das Bild habe ich mit diesen Apps hier gebaut: Hipstamatic, Juxtaposer, PS Express, ProCamera, Diptic, Halftone und Pic Grunger.

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Neue Schuhe

Na, hast du dich schon eingelebt?, lautet eine der Fragen, die mir in letzter Zeit häufig gestellt werden.

Wie ich vorhin im frisch geputzten Bad, meine Zähne schrubbend, meine Gedanken belausche, begreife ich, dass das hier wirklich Wirklichkeit ist. Meine neue Gegenwart. Ich. Hier. In diesem kleinen, großen Haus wohnend. Irgendwo zwischen hier und dort und nirgendwo in der pfälzischen Landschaft. Zeit. Stille. Tun und lassen nach Bedarf.

Neue Schuhe wollen eingelaufen werden, wir wollen uns schließlich keine Blasen holen. Wir spazieren zuerst nur kurze Stücke, geben den Neuen Zeit, unsern Fuß kennenzulernen, ihn zu umschmiegen, sich an ihn zu gewöhnen. Und umgekehrt. Als Kind sind wir regelmäßig den alten Schuhen entwachsen. Die neuen Schuhe wurden ein klein bisschen zu groß gekauft, und erst nach ein paar Wochen waren wir ihnen endlich gewachsen.

Sich einleben – ein bisschen ist es wie neue Schuhe einlaufen. Noch zu große Schuhe vielleicht. Ich wachse hinein. Wachstumsschmerzen zuweilen. Sehnsucht gar nach den alten Schuhen, ich gebe es zu. Und ab und zu kann ich es kaum glauben, wie gut ich es doch habe. Die äußeren Umstände ebenso wie innerlich, was meine Bedürfnisse nach Liebe, Zufriedenheit, Stille, Autonomie und vielem mehr betrifft.

Ja, danke, ich habe mich gut eingelebt. Von ein paar Blasen abgesehen, die wohl einfach Teil des Prozesses namens Einleben sind.

Soft-Proof

Da hab ich also auf Whitewall einen Bilderladen eingerichtet. Gut und schön. Und nun? Werbung machen, sprich: weitersagen und darauf hoffen, dass jemand eins oder gar mehrere meiner Bilder toll findet und bestellt. Und aufhängt. Und weitererzählt. Und andere auch …

Ja. Nein. Nein! Ja doch, ich kreiere Bilder, ich schreibe Texte, weil ich nicht anders kann. Kunstschaffen als Selbstzweck. Primär, ja. Nein, das fertige Produkt (fertig? ähm …) ist dennoch nicht Nebensache. Ja, ich will mit meinen künstlerischen Stoffwechselprodukten berühren. Nein, ich produziere dennoch nicht in erster Linie für andere. Ambivalenzen, so weit ich schaue. Ja und nein gibt null.

Schnitt.

Die beiden zu besprechenden Bücher für „meine“ Zeitschrift befassen sich mit Hochsensibilität, jene Eigenschaft, die einen Fünftel der Menschheit betrifft. Wir sind jene Menschen, die – salopp gesagt – weniger dichte Filter haben und deshalb mehr Eindrücke als Normalsensible aufnehmen und als Folge davon – darum auch die wachsende Menge hilfreicher Fachliteratur – in unserer schnelllebigen Zeit oft genug überfordert, überstimuliert, reizüberflutet zusammenklappen. Unsere körpereigenen Systeme verarbeiten die Eindrücke erstens langsamer als jene der Normalsensiblen und zweitens bauen wir auch all die ausgeschütteten Hormone und Botenstoffe viel weniger schnell ab.

Schnitt.

Während ich meine Bilder, die ich für meinen virtuellen Bilderladen hochgeladen habe, für den Verkauf aufbereite, will das Programm von mir wissen, wie das zu verkaufende Bild aussehen soll. Soft-Proof im Fachjargon. Die Feinabstimmung, die Kalibrierung. Fünf Vorschläge. Heller, dunkler, rotstichiger, kontrastreicher und kontrastärmer. Ich klicke mich durch die verschiedenen Varianten. Es sind die winzigen Nuancen, die kleine Unterschiede, auf die es immer wieder ankommt. Im Bild. Im Text. Im Leben.

Beispiel gefällig? Die letzten drei kurzen Sätze hätten locker statt mit Punkten mit Kommas funktioniert. Nur eine Nuance, die dennoch etwas bewirkt.

Alles wirkt. Kunst will wirken. Es sind nicht die Buchstaben, nicht mal die Worte an sich, nicht die Farben, nicht Pinsel und nicht Leinwand, nicht Fotoapparat und nicht Bearbeitungsmaterialien. Es sind die Soft-Proofs, es ist die Feinabstimmung, die ankommt, die berührt. Innehalten. Hinschauen. Hinhören.

Schnitt.

Eine Übung, um mit Überstimulation besser umgehen zu können, geht so: Benenne innerlich oder äußerlich alles, was du jetzt grad siehst, hörst, spürst, wahrnimmst.

Das Flugzeug, das Rauschen der Pappeln, die Sonne auf dem linken Arm, der rechte ist im Schatten. Die nackten Füsse, angewinkelt, die Sofalehne im Rücken, Hühnerstille (ganz ungewöhnlich), Licht-Schatten-Wechsel im Takt der Wolken, volle Blase, Finger auf dem Display.

Jetzt.

pixartix‘ Geburtsstunde: 30.4.2011, 00:06

Soeben meine WhiteWall-Galerie ins Netz gestellt.

Hier klicken: www.whitewall.com/pixartix

Mit jedem Bild, das ihr hier kauft, tröpfeln ein paar Cents oder Euros in meinen Geldbeutel.
Ein kleiner Anfang …

Fortsetzung folgt …