fertig?

FERTIG gibt es nicht. Fertig ist ein Unding. Unfassbar. Ganz besonders in der Kunst. Einerseits musst du ja irgendwann einen Punkt machen, den letzten, andererseits wird dich immer das Gefühl begleiten, dass du mehr hättest tun können, mehr über- oder bearbeiten. Zum dritten aber, und dies ist nun die Kante der Münze, zum dritten weißt du, dass es wann immer du den Schlusspunkt auch gesetzt haben magst jedes Mal solche Menschen gibt, die sagen, dass du zu viel oder zu wenig bearbeitet hast. Was die Subjektivität und Unfassbarkeit des Begriffs beweist.

Da lob ich mir doch die hohe rohe Kunst, die Art Brut. Ja, die gibt es. Und sogar ein Museum drum rum. Rohe Kunst, Kunst von Menschen geschaffen, die nicht wissen, dass sie Kunst kreieren. Oftmals von Menschen, die psychische Probleme haben, die in Kliniken gesteckt worden sind, denen als einzig mögliche Sprache Stift und Papier bleibt. Kunst, die nicht auf die Regeln der ExpertInnen hört und die eigenen Gesetzen gehorcht.

Das Gegenteil von Mainstream, dieser Autobahn der Kunst. Überall – in der Musik ebenso wie beim Schreiben oder Fotografieren – diktiert ein Mehrheitsgeschmack, was angesagt ist. Oder ein Minderheitsgeschmack hinter den Kulissen. Fäden, lange Fäden. Big Business. Aber darüber wollte ich nicht bloggen.

Dafür über die Möglichkeiten, ja, über sie wollte ich sofasophieren … Am Anfang waren die Möglichkeiten, unzählige, unendliche, grenzenlose. Durch die Verdichtung von Energie, von Idee, von Phantasie, wird Möglichkeit Wirklichkeit. Durch meine Entscheidung für einen der vielen möglichen Wege, verlasse ich das Land der Optionen, dieses Land, in dem alles möglich ist, und ich betrete die Realität. Bei der iPhoneArt, von der ich hier schreiben will, zwar nur die virtuelle Realität, aber immerhin. Ich gestalte aus einem rohen Bild ein anderes, ein neues Bild, ein gefiltertes. So wie wir alle die Welt um uns herum immer auf die eine oder andere Art filtern. Wobei hier das Wort Art durchaus mit Kunst übersetzt werden darf.

Beispiele gefällig? Vorher:

… nachher:

Bilder: iDogma-Art
Das erste ist ein ganz simpler, nicht mal sehr gut belichteter Schnappschuss aus unseren Tessin-Ferien im November 2010.
Das zweite Bild habe ich nach den Regeln des iDogma ausschließlich auf dem iPhone bearbeitet. Von A bis Y. Nur das Z, in diesem Fall hier das Hochladen, geschieht der Einfachheit halber über den Rechner …

Ob das Bild nun fertig ist? Oder vorher schon? Immer gar? So wie wir?

Unterwegs und doch ganz.
Angekommen und doch unterwegs.
Auf der Reise und doch bei mir.

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Fette Hummeln

Da wollte ich doch heute endlich meinen Arbeitsplatz einrichten. Spannend eigentlich, dass ich diesen Raum bis zuletzt aufgespart habe.

Den alten Laptop habe ich rüber in Irgendlinks Künstlerbude gestellt, dafür den neuen Laptop von dort in meine Künstlerinnenhöhle geholt. Auf den Schreibtisch unter dem Dachfenster gestellt, auf diesen neuen, wunderbar großen Tisch, wo schon fast kein Platz mehr ist.

Habe den Startknopf gedrückt um ein paar Kleinigkeiten zu erledigen. Ein paar Mails. Steuerbehörde Bern. Bankgeschäfte. Dies und das. Und später würde ich dann die restlichen Kisten ausräumen, war mein Plan.

Draußen schönstes Frühlingswetter. Es ist kurz nach sechs Uhr und ich habe exakt null Kisten ausgepackt.

Ein Tag am Laptop. Nicht mal das Telefon habe ich mit hochgenommen, habe nichts gehört, nichts außer die fetten Wespen, Bienen und Hummeln, die sich in schöner Regelmäßigkeit durchs offene Dachfenster hier herein verirren, um von mir wieder in die Freiheit gefächelt und geschubst zu werden.

Abgeschottet war ich. Allein.
Der Test ist vollbracht.
Dieser Platz taugt definitiv zum Arbeiten. Und dazu, die Zeit zu vergessen.

So erfolgreich

Heute Morgen wars, beim frühen Spätstück. Irgendlink schmierte sich Brote für die Mittagspause. Wir philosophierten mal wieder über Kunst, Künstlichkeit und die iPhoneArt-Community. Ich hatte eben ein neues Werk, das ich auf dem iPhone kreiert hatte, abgespeichert.
Sucess!, stand im Bestätigungsfeld auf dem Display. Your Image Is Sucessfully Saved.

Jippie, juble ich, ich habe Erfolg. So viel Erfolg! Jeden Tag! Mit jedem Bild ein bisschen mehr! Die hier gratulieren mir laufend zu meinen Erfolgen! Ich wackle mit dem Kleinstcomputer auf und ab, glücklich über den Erfolg.

Ich sags ja schon immer!, meint Irgendlink, iPhonographInnen sind die glücklichsten Menschen der Welt! Sie segeln sukzessive von Sucess zu Sucess!

wichtig?

Von der Wichtigkeit des Etwas-zu-tun-zu-haben-Müssens befreit, tue ich noch immer ständig irgendetwas, von dem ich glaube, dass oder zumindest so tue, als ob es wichtig sei. Doch gibt es denn tatsächlich wichtigeres als Nichtstun?

Wenn ich am Feuer sitze, ist am Feuer zu sitzen das Beste, das ich tun kann.

Und wenn ich sterbe, oder du, oder sonst wer – jetzt oder irgendwann müssen das schließlich alle – will ich es fortan nicht mehr schrecklich nennen, denn absterben ist die Komplementärfarbe von fortleben.

Nur weiß und/oder braun wäre ja nicht auszuhalten.