Das doppelte Rheinfelden

Kurz nach drei Uhr stehen Freundin E. und ich auf dem gleichen Bahnhof, wo ich sie vor knapp zwei Tagen abgeholt habe. Eine wunderbare Zeit mit nährenden Gesprächen und viel zu kurzen Nächten haben wir zu zweit zusammen verbracht. Mit schönen Spaziergängen, lecker Essen und Trinken. Die feine Flasche Wein.

Urban ArtWalk Brugg | © by Sofasophia
Ein großes Geschenk ist solche Offenheit. Mein Herz ist weit, weich, dankbar und tut ein bisschen weh, wenn ich an den nahen Abschied denke.

Nun fährt sie also gleich zurück, nach Hause, nordwärts. Doch warum steht auf dem Ticket nicht die gleiche Abfahrzeit wie auf der Bahnhofsanzeige? Vier Minuten Unterschied? Ein Fehler bei der Deutschen Bahn, die das Ticket ausgestellt hat? Also wirklich! Ich checke mit meiner Bahnapp, wann der Zug, den wir hier erwarten, in Basel ankommt. Auch diese Zeit stimmt nicht mit den Zeiten auf E.s Ticket überein. Seltsam das. Auf einmal, es ist schon ein paar Minuten später, begreife ich: Wir sind am falschen Bahnhof!

Rheinfelden Schweiz und Rheinfelden Deutschland sind nämlich wie Lotte und Luise, bekannt als das doppelte Lottchen. Erich Kästner lässt grüßen. Doppelte Grenzorte gibt’s noch mehr hier in der Gegend. Auch Laufenburg und Basel gibt es ja sozusagen zweimal. Und nun das!? Ich hätte es wissen müssen!

Genau jetzt fährt E.s Zug ab. Aber nicht hier, sondern drüben, auf der anderen Seite, im andern Ort, auf der anderen Seite des Rheins. Mist aber auch! Hätte ich doch! Hätten wir doch! Dass ich das nicht gemerkt habe? Dass ich nicht mal geguckt habe?! Ich ärgere mich furchtbar. Freundin E. ist nur ganz kurz konsterniert, dann sofort lösungsorientiert. Wo kann ich den Zug, oder dann den nächstbesten, denn erwischen?

Mit dem Zug, der bald kommt, könnte sie zwar nach Basel Schweiz fahren, aber sie hat ja keine gültige Fahrkarte und müsste dort eh umsteigen, den Bahnhof, das Land wechseln und so weiter …

Wir gehen zurück zum Auto. Ich bitte meine Kartenapp, mich zum badischen Bahnhof Basel zu navigieren. Sie tut es, ob gern oder nicht ist mir egal. Schließlich sind wir dort. Keine Ahnung, was das neue Ticket kosten wird. Das Superbilligticket ist nun hinfällig und irgendwie finde ich das echt doof. Solche Geldverluste tun mir, auch wenn es andere trifft, immer furchtbar weh.

Doof ist auch (und ich gestehe, dass ich weit weniger gelassen bin als Freundin E.), doof ist auch, dass es keinen einzigen freien Parkplatz in der Ein- und Aussteigebucht am Badischen Bahnhof gibt. Ich kann das Auto also hier nicht stehen lassen. Eine Buße muss heute nicht auch noch sein, wo ich doch vorhin schon bei Dunkelorange über eine Kreuzung gebrettert bin.

Schweren Herzens lasse ich also meine liebe Freundin ziehen. Sie ist unglaublich zuversichtlich. Das wird schon!, sagt sie. Irgendwann werde ich daheim ankommen. Gut ist doch auch, dass es erst beim Heimweg passiert ist, das Malheur, und dass wir doch so viel Zeit zusammen hatten! Aber verflixt ist es ja schon, sagt sie nun. Auch diesmal ist U. krank geworden und konnte nicht dabei sein. Und auch diesmal gab’s bei mir eine Zugpanne.

Später, von daheim aus, rufe ich sie an. Sie sitzt bereits im Zug und wird mit diesem sogar früher als mit der billigen Verbindung daheim sein. Und das Sahnehäubchen: Beim Aufpreis war die Bahn mal wieder kulant und hat ihr nicht den ganzen Fahrpreis verrechnet. Hut ab, Deutsche Bahn!

Gute Fahrt, liebe E.!

Berlin # 4 – Kleine Menschen in der großen Stadt

Als erstes würde ich hier ein Bild unseres Autos posten. Stell es dir einfach vor.

Von hinten. Die Köpfe der beiden Figuren als Silhouetten sichtbar. Einander zugewandt im Gespräch. Er oder sie am Steuer natürlich just in dem Moment eingefangen, wo sie oder er kurz den Kopf gedreht hat, um etwas zu sagen. Ein Bruchteil einer Sekunde lang, denn die Aufmerksamkeit gilt ansonsten der Straße, natürlich.

Rechts und links des Autos sähe man zwei Sprechblasen. In seiner Blase stünde:
Ich darf nicht dran denken, dass ich – wäre ich letzten Freitag alleine unterwegs gewesen – umgedreht hätte. Weißt du, dort, im Stau vor Frankfurt. Ich wäre umgedreht und ich wäre nicht nach Berlin gefahren. Zu grässlich war der Stau. Und erst die überfüllte Raststätte! Und das verkotzte Klo … Aber das hätte ich dir und Frau Freihändig ja nicht antun können. Und nun bin ich froh, dass wir weitergefahren sind.
In ihrer Sprechblase stünde:
Boah, dann bin ich also dran schuld, dass wir dort waren. Super!

Natürlich würden noch weit geistreichere Sachen in den Blasen stehen, da wir sehr oft sehr geistreiche Gespräche führen. Oft aber auch nicht. Oft – wie am letzten Montag, unserm letzten Berlin-Tag – spinnen wir einfach drauf los und halten die Ideen manchmal als Sprach- oder Textnotizen auf den iPhones fest. Sprechblasen der etwas andern Art.

Von Anfang an
Mein kleiner Reisebericht über unsere Tage in der großen Stadt beginnt mit meiner Fahrt von der Schweiz, wo ich zuhause bin, zu meinem Liebsten, wo ich auch zuhause bin. Als ich das französische Elsass durchquerte, begriff ich:
Jedes Land, ja sogar jede Region, hat eine eigene Bildsprache in allem. Von der Sitzbank hin zur Verkehrstafel bis zum Werbedesign und der Architektur. Selbst die Natur richtet sich danach … Oder ist sie es gar, die die Menschen ihrer Gegend angestiftet und inspiriert hat?

Nach einem sommerlichen Donnerstagabend am Grillfeuer packten wir am Freitag unser Gepäck in Irgendlinks Wagen und fuhren kurz nach Mittag los.

Die Reise
Gibt es über sie etwas zu erzählen? Stau hatten wir, wie gesagt, und langten deswegen erst um halb zehn statt wie gehofft um acht Uhr in Kreuzberg an. Ach, und geregnet hat es fast immer – bis auf ein zweistündiges Teilstück mittendrin. Nein, die Reise ist nicht wirklich erwähnenswert.

Berlin
Frau Freihändigs großartiger Gastfreundinschaft ist es zu verdanken, dass wir kostenlos logieren durften. Und dazu ernst noch in einer wunderbaren Altwohnung, in die ich mich sofort verliebt habe.

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Am Samstag stromerten wir über den Kreuzberg am dortigen Denkmal vorbei (so viele Denkmäler wie in Berlin auf einem Haufen habe ich wohl noch nie gesehen!) zu Fuß Richtung Stadtmitte und nahmen unterwegs auf der Lindenstraße ein paar tolle Galerien mit. Gallery Weekend-Berlin-sei-Dank. UrbanArtWalks mag ich einfach. Was es da nicht alles zu sehen gibt.

Am Abend gutbürgerliche Küche im Tucholskys, weil überall sonst voll war. War aber okay und gemütlich, auch weil wir von unsern Freunden weitere Geschichten über Berlin und das Leben hier erfuhren. Als nicht wirklich geschichtsaffine, aus einem (pseudo-)neutralen Land stammende Person komme ich immer wieder an meine Wissensgrenzen und kann alles Gehörte nicht annähernd fassen noch verstehen.

Nach einem Verdauungsspaziergang samt letztem Bier – vorbei an der Sophienstraße und vielen mit Graffitis dekorierten Alt- und Neubauten – lassen wir uns müde ins Bett fallen.

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Sonntags standen – wie schon in einem früheren Artikel erwähnt – unter anderem das Holocaust-Denkmal (siehe folgende Bilder),

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sowie das Brandenburger Tor und die Siegessäule auf dem Programm.

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Am Abend schließlich das (bereits verbloggte) Konzert von P.A.S. in Neukölln.

Tempelhof ist am Montag dran, denn dort zieht es Irgendlink und mich geradezu magisch hin. Dieser stillgelegte Flughafen, der Westberlin, als es belagert war, das Überleben ermöglicht hatte, hängt heute irgendwo in der Warteschlange für eine Neunutzung, über die wir uns, wie bestimmt viele Berlinerinnen und Besucher, viele Gedanken machen. Die Luftbrücke hat nicht nur Leben gerettet, sondern auch viele Menschen das Leben gekostet. Was hat diese Erde unter unsern Füßen schon alles erlebt?, denke ich wie wir über das weitläufige Gelände wandern.

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Solange dieser Platz nicht anders genutzt wird, freut er sich, trotz seiner gewichtigen Geschichte, über die Besuche der vielen Spaziergänger, Radfahrerinnen, Skaterinnen, Jugger (ja, ich habe nachgeschaut, was das ist, guck hier), Geocacherinnen* (die, wie ich einige Meter ins Vogelschutzgebiet schleichen müssen, um einen Cache* zu heben) und – ja, natürlich! – auch KünstlerInnen.

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Eine witzige Minigolf-Anlage hat es uns – auf dem Weg zum Columbiadamm – sehr angetan. So viel Charme haben diese theoretisch spielbaren Skulpturen, dass sich ein Besuch dieser Kunst-“Ausstellung“, Mini Art Golf namens nuture, auf jeden Fall lohnt.

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Von da aus urbanartwalken wir via Duden- und Monumentenstraße nach Schöneberg. Unterwegs der Jogger, der mitten auf dem Trottoir an einer Haustreppe Liegestützen übt.

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Am der Türe des Museums der Unerhörten Dinge an der Crellestraße lesen wir, dass dieses Bijou, das wir uns anschauen wollen, nur von Mittwoch bis Freitag geöffnet hat.

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Schade. Aber Schöneberg gefällt uns trotzdem. Besonders der Bioladen dort – der sich offensichtlich höchster Beliebtheit erfreut … 🙂

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Berlin ist ein Land für sich, sage ich, wie wir zurück über die Brücke spazieren und mit den Augen den Gleisen der Ringbahn folgen.

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Ein Land, indem so vieles geschehen ist, so vieles möglich scheint, so viele Menschen träumen und schon so viele Tränen geflossen sind. Eine Stadt, so reich und so arm wie die ganze Welt. Eine Welt für sich. Ein Abbild der Welt.

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Auf dem Rückweg in die Wohnung queren wir einen Spielplatz wie ich ihn noch nie gesehen habe. Die Fläche eines Fussballplatzes voll Sand. Mit Spielgeräten, Kindern, Müttern, Vätern, Opas, Omas, Bänken … eine Stimmung, die mir gefällt. Multikulti. Friedlich. Ein Ort der Begegnung – zwischen den Generationen und zwischen den Nationen. Alles geht – geht alles?

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Jeder letzte gemütliche Abend und jede gemeinsam gebaute Pizza gehen leider irgendwann zu Ende. Eine letzte Nacht im gemütlichen Gast-Heim … Danke-danke, liebe Frau Freihändig!

Halle
Am Dienstag verlassen wir die große Stadt und fahren weiter nach Halle an der Saale. Zu Emil, einem lieben Mit-Blogger. Eine weitere tolle und sehr inspirierende Begegnung, wie ich schon in einem Artikel zuvor geschrieben habe.

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Reich beschenkt mit Büchern (leihweise zu lesen) und Halloren-Kugeln (ganz und gar einzuverleiben) fahren wir über die Landstraße Richtung Autobahn. Gut so, denn wir müssen unterwegs ja noch Brot und Käse kaufen.

Die Heimkehr
Wir fressen Kilometer um Kilometer – dazu regnet es wieder. Ich bin sehr müde, als ich in Kirchheimbolanden, wo wir noch ein paar Liter Benzin nachschütten, das Steuer wieder Irgendlink überlasse. Sehr müde bin ich, sehr sehr müde. Doch als wir zuhause auf dem einsamen Gehöft ankommen, sind wir beide so aufgekratzt, dass an Schlafen noch lange nicht zu denken ist.

Wie sagte doch Fassbinder so schön? Schlafen kann ich, wenn ich tot bin.
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Bilder:
Durch Draufklick vergrößerbar. Nikonbilder und undogmatische Appspressionismen (iPhoneArt mit Gimpunterstützung).
All pics: copyright by Sofasophia.

* Geocaching ist eine Outdoor-Schatzsuche in der realen Welt. SpielerInnen dieses Spieles versuchen, versteckte Behälter, Geocaches genannt, mithilfe eines Smartphone oder GPS-Gerätes zu finden, um anschließend ihre Erfahrungen online zu teilen. Mehr auf www.geocaching.com.

Intermezzo in Halle

Auf dem Rückweg von Berlin zum einsamen Gehöft in der Südwestpfalz fuhren wir praktisch bei Emil, unserm lieben Blogosphäre-Mitgestalter, vorbei. Ein kurzer Besuch bot sich geradezu an und hat uns gegenseitig bereichert und inspiriert.

Der Emil hat einen wunderbaren Artikel über unser Zusammensein verfasst, den ich hier einfach gerne verlinke und mit einem bei ihm geklauten Bild garniere. Zum Artikel „Meilenstein im europäischen Kunstschaffen“: bitte hier klicken!

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Pic: Copyright by Emil
Holistische Verdichtung “Geschichtete Venus” – created by Sofasophia

Weitere Bilder, Berichte und Impressionen von mir aus Berlin und Halle folgen hier in den nächsten Tagen … versprochen! Auch bei Irgendlink vorbeigucken könnte sich lohnen … 🙂