Den Dingen ihren Platz geben | #Depression #notjustsad

Seit meine Angststörung, Folge eines schweren Traumas, ihren Namen hat, ignoriere und bagatellisiere ich sie weniger als früher. Bausche ich sie auf? Ich glaube nicht. Eher höre ich ihr endlich zu, gebe ihr ihren Platz, erlaube ihr hier zu sein.

Ich behandle sie fast so wie einen anderen Menschen und ich behandle sie so, wie ich selbst auch behandelt werden möchte: Respektvoll. Ich nehme sie ernst. Früher habe ich sie so behandelt, wie ich mich selbst noch immer viel zu oft selbst behandle: abwertend, nicht ernstnehmend, abschätzig.

Auch mit dem Trauma selbst gehe ich endlich angemessener um. Kurz und gut: Ich behandle die einzelnen Teile meines komplexen Krankheitsbildes respektvoller.

Im Kontext mit Depressionen verfolgte ich vor gar nicht mal so langer Zeit eine Diskussion im Internet. Jemand behauptete, dass durch das Reden über psychische Erkrankungen alles aufgebauscht und damit größer werde – schlimmer und dramatischer – als wenn man es verschweige und es mit sich selbst ausmache. (Ich gestehe, so hatte ich frühr auch gedacht. Und still, isoliert, vor mich hingelitten. Dass manche Symptome auf diese Weise statt zu schrumpfen wachsen konnten, ist ein – wie ich inzwischen auch von andern weiß – gar nicht mal so seltener Nebeneffekt solcher Ignoranz.)
»Sag mal zu einer Krebskranken, dass sie den Krebs eher loswerde, wenn sie ihn ignoriere!«, antwortete jemand auf besagte dummdreiste Behauptung, psychische Krankheiten lösten sich durch Verschweigen von allein wieder auf.

Tatsächlich gibt es Depressionen, die vorwiegend körperlich, will heißen körperchemisch, verursacht sind – man denke an durch Sonnenlichtmangel verursachte Winterdepressionen  – und die tatsächlich durch die Einnahme von Medikamenten oder Vitamin D ‚geheilt‘ werden können. Gegen Lichtmangel hilft eine Gesprächstherapie vermutlich eher wenig, okay.

Aber.

Aber es gibt eben auch jene Depressionen und jene Folgeschäden, Folgestörungen von Traumata und Co. – insbesondere Angststörungen, Panikattacken & Co. – deren Symptome sich nicht einfach mit Tabletten ausknipsen lassen.

Denkt da bitte einfach dran, bevor ihr den nächsten Spruch raushaut … Apropos Spruch raushauen. Manchmal gibt es natürlich schon so Heilwunder. Über eins hat zum Beispiel der Postillon neulich berichtet:

„Das wird schon wieder“: Mann heilt depressiven Freund mit einem einzigen Satz
Sensationeller Durchbruch in der Psychologie! Der Bankangestellte Manuel P. hat seinen seit geraumer Zeit an Depressionen leidenden Freund geheilt. Gelungen ist ihm dies mit dem einfachen Satz „Das wird schon wieder“, nachdem der Freund ihm seine Erkrankung gebeichtet hatte. Fachleute sind sich einig, dass die Methode die gesamte Psychotherapie revolutionieren könnte … [weiterlesen]

(Ja, ich weiß, das ist Satire …)

Werbeanzeigen

Depression zwischen Buchdeckeln #5 – Sörensen hat Angst von Sven Stricker

Ich kenne nicht viele Romane – insbesondere kaum Krimis –, die glaubwürdig ProtagonistInnen mit psychischen Problemen zeigen. Betonung auf glaubwürdig. Oft werden gerade Krankheiten wie Depressionen und Zwangs- oder Angststörungen oder auch Eigenschaften wie Hochsensibilität oder Autismus in Büchern sehr klischeehaft dargestellt und überstrapaziert. Was wenig zu Aufklärung, Toleranz und mehr Verständnis beiträgt, eher Vorurteilen weiter Vorschub leistet.

Darum möchte ich hier zukünftig in loser Folge das eine oder andere Buch, das sich in dieser Hinsicht von der Masse abhebt, vorstellen und die eine oder andere Figur ein bisschen bekannter machen. Und vielleicht sogar über die für einmal wieder offene Kommentarfunktion einen Buchtipps-Austausch ermöglichen.

Buchcover zeigt im oberen Bildteil den Autornamen in Schwarz, darunter den Buchtitel in Weiß. Das gemalte Hintergrundbild zeigt einen regengrauen Himmel, darunter klassische Friesenhäuschen am Deich und vorne rechts, im Vordergrund, einen schwarzgekleideten Mann mit einer schwarzen Wollmütze, der mit dem rechten Zeigefiger die Haut unter seinem rechten Auge herunterzieht. Sein Blick ist melancholisch.Anfangen will ich mit Sörensen hat Angst von Sven Stricker. Zugegeben, die Geschichte selbst ist trotz ihrer Dramatik nichts wirklich Neues. Die Qualität des Buches macht für mich hier einmal mehr Schreibstil und Figurenzeichnung aus. Strickers Protagonisten und Protagonistinnen sind fühlbar, dreidimensional, ambivalent; auch mag ich die Dialoge.

Auf den ersten Blick schreibt Stricker eher locker, leicht ironisch, abgeklärt. Je näher wir Kriminalhauptkommissar Sörensen jedoch kommen und ihm beim Leben über die Schulter blicken können, desto deutlicher wird, dass seine auf den ersten Blick abgeklärte Fassade reiner Selbstschutz ist. Einzig mit seinem Vater, einem Nerd der ersten Stunde, den er im Laufe der Geschichte um ein paar Recherchen bittet, spricht er explizit über seine Angststörung.  Als Leserin bekomme ich dennoch ein anschaulisches, glaubwürdiges Bild eines Lebens mit Angststörung und Depression. Therapie und Medikation inklusive.

Sörensen hatte sich nach einem Zusammenbruch und der Trennung von seiner Frau nach Katenbüll in Nordfriesland versetzen lassen und gehofft, der kleine Ort würde ihm ein ruhigeres und stressfreieres Leben als in Hamburg bescheren. Es ist Herbst und regnet ununterbrochen in Katenbüll. Die Einheimischen verhalten sich Sörensen gegenüber so kühl wie das Wetter. Als kurz nach Sörensens Ankunft auf dem kleinen Stadtrevier die Meldung eintrifft, Bürgermeister Hinrichs liege tot im eigenen Pferdestall, bleibt Sörensen nichts anderes übrig als hinter die Kulissen der Kleinstadt zu blicken.

Mit Jenni, seiner Kollegin und Malte, dem Praktikanten, macht er sich an die Aufklärung eines Mordes, auf den die Menschen im Ort sehr unterschiedlich reagieren. So richtig traurig scheint allerdings niemand zu sein. Als am gleichen Abend Jan, der zwölfjährige Sohn des Bürgermeisters, verschwindet, am nächsten Morgen eine stadtbekannte Gammlerin tot aufgefunden und tags darauf schließlich auch noch der Hotelier erschossen wird, bekommt es Sörensen wirklich mit der Angst zu tun. Wie soll er dieses Chaos bloß aufklären?

Eben noch hatte er dank Adrenalinschub ein Verhör geführt, sich dabei souverän gefühlt und eloquent, hatte sogar seine innere Unruhe integrieren können, und ja, er hatte sogar Spaß gehabt –» und jetzt wieder das. […] Nicht lebenstauglich, das war die Diagnose, immer noch nicht lebenstauglich, egal ob in Katenbüll, Hamburg oder New York, egal, ob mit Tabletten oder ohne, ob therapiert oder nicht.« (S. 116*)

Dass er zwischendurch ziemlich in Schwung kommt, tut ihm gut. Und immer mal wieder ist die Angst auf einmal weg. Doch »… just in dem Moment, als er das dachte, war es auch schon wieder vorbei damit. So war das meistens. In dem Sekundenbruchteil, in dem er bemerkte, dass er angstfrei war, kam die Angst zurück. Die Angst davor, dass alles wieder von vorne losgehen würde. Was es dann augenblicklich tat.« (S. 159*)

Gerade hatte er erfolgreich eine ziemlich merkwürdige Pressekonferenz hinter sich gebracht und war zurück ins Revier gegangen. Dynamisch hatte er zwei Steinstufen aufs Mal genommen, als alles wieder kippte: »… Malte hing schon wieder am Telefon, verzweifelt versuchend den Lärm zu übertönen. Sörensens Selbstvertrauen schwand, die Kraft verließ ihn im gleich Maße wie die Sinneseindrücke ihm schlagartig zu viel wurden. Die Umgebungsgeräusche verschmischten sich, sammelten sich, spuckten sich wieder aus, mit Nachhall und im falschen Raum. Einzelne Stimmen waren nicht zuzuorden, Gesichter verschwammen, der Pulsschlag beschleunigte sich, das Herz klopfte gegen den Brustkorb, der Blutdruck stieg in den roten Bereich, dazu dröhnte die Klimaanlage, war die auch schon vorher da gewesen, diese verdammt noch mal beschissen laute Klimaanlage?« (Seite 287*)

Zum Glück ist da wenigstens noch Cord, ein Mischlingshund vom Nachbarhof, der bei ihm Schutz vor Schlägen sucht und den er darum kurzerhand adoptiert.

Dass er im Laufe der Ermittlung auf ziemlich viel Mist stößt, den Jenni in Katenbüll so nicht erwartet hätte, muss hier natürlich auch erwähnt werden. So viel Mist, dass selbst Jenni die Kotze hoch kommt. Und »… er hatte wieder dieses asthmatische Gefühl, das man so leicht mit echten Lugenproblemen verwechseln konnte, dabei war das doch alles die Psyche. Alles war die Psyche. Sörensen war mittlerweile geneigt, so ziemlich das ganze Leben auf seine Psyche zu schieben, auf sein vegetatives Nervensystem, auf seine Angstzustände.« (S. 295*)

Ole, jener aufmerksame junge Mann, den Sörensen ganz am Anfang der Geschichte als Autostopper kennengelernt hatte, nennt schließlich am Ende des Buches Sörensens Angststörung beim Namen. Uff, durchschaut!

Wie lebt es sich an einem Ort, an dem dich die Leute durchschauen? An dem sie wissen, dass du krank bist?

Sven Stricker hat mit Sörensen eine sympathische, ambivalente Figur geschaffen wie ich sie mag. Selbstreflektierend und humorvoll; und niemals macht sich der Autor über die Krankheit und ihre Symptome lächerlich.

Ich bin schon jetzt gespannt auf die Fortsetzung, die Ende September erscheinen wird.


Sörensen hat Angst gibt es auch als Hörspiel. Es ist noch eine Weile online: hier oder auch hier (direkt).

Rowohlt Taschenbuch/eBook
ISBN: 978-3-499-27118-2
Print: 432 Seiten, *eBook: 317 Seiten
Print/eBook: je € 9,99, Fr. 14,90/12.–

Dass du nicht mehr leben willst. Ein Brief | #Depression #notjustsad

Lieber Mensch

Du sagst, dass du keine Kraft mehr hast, weiterzuleben. Dass das Leben so weh tut, dass du es kaum mehr erträgst. Ich sehe deine Tränen. Ich spüre deinen Schmerz. Ich höre dir zu, halte dich und weine mit dir. Ich versuche, zu verstehen, auch wenn ich weiß, dass das nicht wirklich geht.

Du magst nicht mehr leben. Immer wieder sagst du es.

Die Fragen, die ich mir stelle, wenn ich dich das sagen höre, sind vielleicht nicht die, die sich die meisten anderen stellen. Ich studiere zum Beispiel definitiv nicht über deine Zwangseinweisung in die Psychiatrie nach. Und nein, ich studiere auch nicht darüber nach, wie ich dich retten könnte.

Ich versuche einfach nur zu fühlen, wie du dich wohl fühlst. Ich nehme dabei wahr, was dir jetzt weh tut, aber ich nehme auch wahr, was früher war. Was du schon alles erlebt hast. All das, was dich schon als sehr junger Mensch immer wieder aufgerieben hat. (Natürlich gelingt mir das nicht ohne Vergleiche mit meinen eigenen Wunden, doch solange ich mir dessen bewusst bin und nicht von mir auf dich schließe, ist das in Ordnung. Zumal ich ja deine Wunden nicht heilen kann. Ich kann bestenfalls Salbe auftragen.)

Ja, es ist eine verdammte Scheiße, was dir da alles passiert ist, was du alles erlebt hast. Was dich alles geprägt hat. Schrecklich auch, dass damals niemand da war, der dir geholfen hat. Nein, niemandem dürfte das passieren, auch nicht Teile davon. Kein Mensch darf einem anderen Menschen solche Dinge antun! (Auch wenn man selbst kaputt ist, darf man andere Menschen nicht kaputt machen.) Es geschieht dennoch. Tagtäglich.

Ich spüre dein Leid. Manchmal ist es für mich als Zuhörerin schier unerträglich schmerzhaft. Wie viel schlimmer muss es dann für dich sein?

Ja, ich verstehe, dass du nicht mehr leben magst.

Die Fragen, die ich mir stelle, sind nicht: Wie kann ich dich retten? Wie kann ich verhindern, um jeden Preis, dass du dir etwas antust, dass dir das Leben nimmst?

Damit wäre dir nicht geholfen, nicht wirklich. Ich darf dich nicht zum Leben zwingen.

Die Fragen, die ich mir stelle, lauten: Womit kann ich dich überzeugen, dass sich ein Weiterleben lohnt, trotz all des erlebten Bullshit, trotz all der Feindseligkeiten auf dieser Welt und in deiner Umgebung, trotz all der existentiellen Ängste, die in deinem Leben sehr real sind? Wie kann ich dir erlebbar machen, dass du um deinetwillen ein liebenswerter Mensch bist, auch wenn du keine Kraft mehr hast? Wie kann ich dich unterstützen? Wie kann ich dazu beitragen, dass die Welt ein Ort ist, auf dem es sich auch für Menschen, die keine Kraft mehr haben, erträglich leben lässt.

Ich bin die Letzte, die es verurteilen oder nicht verstehen würde, wenn du eines Tages genug hast und den Tod wähltest. Du würdest eine große Lücke hinterlassen, nicht nur bei mir, bei anderen, aber ich würde es akzeptieren.

Ich wünsche mir, dass du nicht in erster Linie aus Rücksicht auf andere hier bleibst, am Leben. Ich wünsche dir, dass du in erster Linie dir zuliebe leben kannst.

Ja, das ist es, worüber ich nachdenke, während ich dir zuhöre. Während ich deine Tränen sehe. Während ich deinen Worten und deinem Schmerz lausche.

Mögest du entdecken, wie gut es sich anfühlt, dir zuliebe zu leben.
Mögest du dich lieben, von Kopf bis Fuß, immer ein bisschen bedingungsloser, immer ein bisschen befreiter vom Denken und den Rückmeldungen anderer.

Du bist es wert. Du bist liebenswert.


Ich habe diesen Brief für dich geschrieben – und für dich und dich auch. Und ja, ich habe ihn auch für mich selbst geschrieben. Für den Fall, dass ich es mal wieder vergessen sollte, dieses Liebenswertvollsein.

Inspiriert hat mich unter anderem ein Text, den ich heute im Blog Dare to be mad gelesen habe. Er heißt Ein paar Worte zu Suizid:

Ich zitiere:
»Es macht mich unendlich traurig, wenn ein Mensch so lange gekämpft hat, eine Zeit lang sogar glücklich war, therapeutisch an sich gearbeitet hat, für andere viel bedeutet hat, anderen Betroffenen helfen konnte und so viel zu geben hatte und am Ende doch unter der Last seiner seelischen Wunden zusammenbricht. Chester Bennington wurde als Kind sexuell missbraucht. DAS hat ihn umgebracht. Wenn einer schuldig ist, dann die Täter aus seiner Kindheit. Manchmal ist das, was Menschen erleben und erleiden mussten, so unendlich furchtbar, dass sie nicht mehr damit leben können. Therapie hin, liebevolle Familie her. Es zerreißt mir das Herz, wenn ein Mensch psychisch so schwer verletzt ist, dass ihn nichts Heilendes mehr erreicht.«

Einmal reparieren bitte! | #notjustsad | #Depression

Wäre es doch so einfach wie bei einem Fahrrad! A. seufzt. Reparieren. Und gut ist …
Wir haben über unsere Krankengeschichten gesprochen, letzte Woche, auf dem Weg vom Parkplatz zum Arbeitsplatz. Beide sind wir IV*-Maßnahme-Teilnehmerinnen. Ziel solcher Maßnahmen ist es, festzustellen, ob womöglich eine Berentung angebracht ist oder um – primär – wieder fit fürs Hamsterrad für den Arbeitsmarkt zu werden. Dass ich dem ganzen Prozess inzwischen skeptischer als zu Anfang gegenüberstehe, hat mit den Erfahrungen der letzten Monate zu tun.

Eine GIF-Animation, bei welcher bunte Flächen erscheinen und wieder verschwinden.
Dinge kommen, Dinge gehen. | Die Kunst besteht darin, damit klarzukommen. | Scheitern erlaubt.

Ich stellte und stelle nämlich fest, dass es mir nicht gut tut, ständig unter Beobachtung zu stehen, ’ein Fall’ zu sein. Für mich ist das kein ideales Klima, um gesund oder zumindest wieder belastbarer zu werden. Obwohl ich zum Glück sehr engagierte Bezugspersonen habe, die mich eben nicht als Fall sondern als Menschen behandeln. Das ambivalente Gefühl bleibt dennoch.

Chronisch krank zu sein ist nicht schön.Anders, als wenn man einen Unfall hatte oder eine temporäre Krankheit und dabei immer weiß, dass die Knochen wieder zusammenwachsen werden und der Körper sich wieder erholen wird. Selbstheilkräfte greifen zwar auch bei chronischen Krankheiten, aber wie Herr Bock es in einem aktuellen Blogartikel so genial beschreibt: »Er zündet nicht richtig, zumindest nimmt er das Gas nicht richtig und holpert zwischendurch.« Kann sein, dass das am Druck liegt, unter dem wir in solchen Lebensphasen stehen. Rein biochemisch gesehen, verhindern Druck und Stress nämlich, dass wir all das, was uns  an Nährstoffen zugeführt wird, weniger gut aufgenehmen können. Und ja, das darf ruhig auch metaphorisch verstanden werden. (Ich sage nur Das Gesetz des Minimums.)

Wenn unsere chronischen Erkrankungen eher seelischer, mentaler, psychischer Natur sind und somit für die Umgebung praktisch unsichtbar, ist der Umgang damit – für die Betroffenen und für die Angehörigen – oft noch schwieriger als bei einer körperlich sichtbaren Einschränkung.

Lässt sich denn wirklich alles reparieren? Auch diese Frage müssen wir uns stellen und auch darüber denkt Herr Bock im erwähnten Text nach. Ebenso über die unterschiedlichen Aspekte und Stadien des Kaputtseins, Kaputtgegangenseins, Kaputtgemachtwordenseins. Ursachen. Wirkungen.

Wer ist die Mechanikerin in meinem Leben? Ich? Meine Therapeutin? Wir zusammen als Team? Ich weiß längst, dass ich nicht alles Kaputte an und in mir selbst reparieren kann. Wie beim Auto. Mir fehlen Wissen und Können. Dennoch bin ich die Einzige, die schlussendlich sagen kann, ob eine Reparatur funktioniert hat. Und ich bin die, der bei all den unreparierbaren Stellen die Aufgabe überlassen bleibt, herauszufinden, wie sich am besten damit leben lässt.

»Alles was ich selbst brauche? Ist Zeit. Zeit, damit ich einen Weg für mich finde, die Fehler identifizieren und reparieren kann. Nach und nach. Immer mal wieder testen, probieren, schrauben, weiterlaufen. So läuft das wohl. Dieses Leben«, fasst Herr Bock sein Essay, die Metapher mit der Autowerkstatt, zusammen.

Zeit? Ja. Und Geduld. Und die Unterstützung lieber Menschen. Und Liebe, Selbstliebe. Die vor allem.


Zitate aus »Ab in die Werkstatt« von Markus Bock

*sprich: IiVau = Invalidenversicherung. Schweizer Sozialversicherung für Behinderungen aller Art.