Warum wir das Echte erkennen sollten

Gestern hat Gerda Kazakou meinen Wollknäuelball, den ich im letzten Artikel abzuwickeln angefangen habe, aufgefangen und in ihrem Blog am roten Faden weitergestrickt. Herzliche Dank! Und herzliche Leseempfehlung – inklusive Kommentarstrang.

Gerda fragt sich unter anderem, wo die Grenzen zwischen echt und nicht mehr echt verlaufen. »Wieso ist das Foto eines Wolkenbergs ’echter’ als seine elektronische Bearbeitung? Kann das künstlich Bearbeitete nicht auch den Anspruch auf Echtheit erheben?«

Die einen machen Echtheit an den Gefühlen, die ein Kunstwerk in ihnen auslöst fest, vom Grad des Berührtwerdens durch das Kunstwerk, andere denken, dass Echtheit möglichst viel mit der Realität zu tun haben muss, wieder andere werden von Dingen, die sie echt wahrnehmen an frühere Erlebnisse und Erfahrungen erinnert und erkennen darum darin deren Echtheit.

[Achtung, ab hier paddeln wir ohne Schwimmwesten in philosophischen Gewässern. Und wie es solcherlei Flüsse so an sich haben, ist eine Diskussion nie abschließend. Viele meiner nachfolgenden Gedanken sind außerdem eher metaphorisch als nur ausschließlich wörtlich zu verstehen.]

Sich Gedanken über die Echtheit von Kunst zu machen geht nicht ohne uns dem Begriff Hyperrealismus (wenigstens ein bisschen) anzunähern. Hyperrealismus zeigt die sogenannte Wirklichkeit in einer bisweilen viel zu heftigen, überzogenen, überzeichneten Echtheit. Hyperrealistische Werke – Bilder ebenso wie Skulpturen und anderes – sollen so aussehen wie echt, karikieren zuweilen das Echte sogar ein wenig und stellen damit auch die Frage nach dem Wesen der Dinge. Was durchaus in einem ironischen und/oder existentialistischen Kontext geschehen kann. In einem kommerziellen selbstverständlich auch. Ist sie damit überhaupt noch echt? Kann Überzeichnetes denn echt sein? Und Fiktion? Ist aber letztlich nicht fast jedes Kunstwerk ansatzweise fiktiv oder hinkt zumindest der Realität (zeitlich z.B.) hinterher? Und wie kann ein Werk da überhaupt den Anspruch auf Echtheit erheben?

Ron Mueck sagt in Art (Das Kunstmagazin, 5/2003):

»Ich wollte etwas machen, dem ein Foto nicht gerecht werden würde. […] Obwohl ich viel Zeit mit der Oberfläche verbringe, ist es doch das Innenleben, das ich einfangen möchte. […] Meine Arbeiten sind mein Statement.«

Ron Mueck war mir bis heute Morgen unbekannt, doch inzwischen, da ich auf Wikipedia ein wenig mehr über ihn und seine Kunst erfahren habe, teile ich Frau Mützenfalterins Faszination für seine Skulpturen. Oder vielmehr für die Idee, die ich darin ahne. (Link zum heutigen Artikel auf dem Mützenfalterin-Blog).

Wie sieht es denn nun mit dem Abbild eines Kunstwerks aus? Mit Fotografien überhaupt? Mit Bildern? Mit allem, was wir ausdrücken, egal mit welchen Mitteln? Vom Moment an, wo wir einen Ausschnitt und ein Medium gewählt haben und beginnen die Realität zu beschneiden, interpretieren wir sie ja bereits. Mit jedem Kunstwerk, mit jedem Bild – in Worten oder Bildern, aus Stein, Keramik oder was auch immer – interpretieren wir den einen ausgewählten Ausschnitt. Und ein Ausschnitt, eine Interpretation kann ja wohl nicht das Echte sein?

Nun … ich glaube ja eh nicht, dass letztlich das Kunstwerk an sich echt oder unecht ist*. Jedenfalls nicht primär und wenn, dann nur bedingt. Ich wage hier die These, dass die Frage nach der Echtheit in der Kunst einzig der oder die Kunstschaffende selbst in Bezug auf ihre/seine Werke beantworten kann. Was will sie, was will er? Was quillt aus seinem, aus ihrem Inneren? Was motiviert sie oder ihn? Wo liegt der Fokus? Auf der Arbeit, dem Prozess, dem Fluss, dem Entwickeln im Werden und im Sein? Oder geht es ihm oder ihr nur darum gesehen, gelobt, bestaunt zu werden? Es gibt für mich definitiv unterschiedliche Arten, Kunst zu erschaffen. Und es gibt sie auch heute noch, die echten KünstlerInnenseelen (dazu mein Essay von 2009).

Die und der Kunstschaffende, der echte Kunst schafft, ist gemäß meiner These nicht primär auf Wirkung bei den Betrachtenden bedacht. Ähm, nein, irgendwie anders. Hm, schwierig zu erklären. Denn natürlich wirkt und soll auch wirken, was wir kreieren. Aber wir kreieren, wenn wir echte Kunst kreieren, nicht um des Publikums willen, wir tarieren die Wirkung nicht vorsätzlich nach optimaler Wirkung aus. Verkaufbarkeit darf nie zentral sein. Wir kreieren, weil das, was da geschaffen werden will, von innen nach außen geboren werden will. Weil uns der Prozess nährt, uns befriedigt, uns begeistert. Wir erschaffen aus Leidenschaft.

Nun ja, ich weiß es ja. Das hier sind meine ganz persönlichen Maßstäbe. Ausgehend von den Dingen, die sind, wie sie sind. Ob wir sie nun benennen oder auch nicht. Auch ein ruhender Vulkan ist ein Vulkan. Er wird durch seine Beschaffenheit definiert, nicht durch den Namen, den ich ihm gebe. Auch nicht durch die Häufigkeit seiner Eruptionen. Wie eben das Wesen der Echtheit.

Ja, Echtheit hat viele Qualitäten – für mich vor allem nährende, wohltuende – und gerade in einer Zeit, wo wir nicht immer wissen und überprüfen können, was gefälscht/gefaked ist und was echt, finde ich es wichtig, dass wir nicht aufhören, nach dem Echten Ausschau zu halten. Selbst wenn sie Fiktion sein sollte, wie Kai es vermutet, den ich im letzten Artikel zitiert habe. Denn, wie gesagt, auch Fiktionen können durchaus echt sein.


* Hier ist echt oder falsch nicht so gemeint, dass dieses Bild an der Wand ein gefälschtes Picasso-Bild ist oder eben ein von ihm gemaltes.

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Erkennen wir das Echte noch?

»Das Echte ist eine Fiktion, eine idealisierte Vorstellung vor dem Hintergrund unseres Weltbildes. Es ist nur individuell erkennbar.« So twitterte Kai gestern als Beitrag zu meiner Frage nach dem Echten.

Meine Frage ausgelöst hatte eine Werbemail, die mit dem Titel Absolut echt aussehen köderte. Außerdem hatte ich am Abend zuvor auf zdf zwei unterschiedliche SOKO-Folgen gesehen, die beide von gefakten Persönlichkeiten handelten.

Erkennen wir das Echte noch und wollen wir es überhaupt?

Was denn das Echte sei, wurde nach meinem obigen Tweet gefragt. Ehrlich gesagt fand ich ja die Frage viel einfacher zu beantworten als es andere Twitternde offenbar empfanden: Echt ist absolut, nicht relativ, hatte ich denn auch irgendwo geschrieben und ja, davon bin ich im Grunde auch überzeugt.

Echt ist doch einfach, was ist, wie es ist, hatte ich zuerst antworten wollen, aber den zu erwartenden endlosen Diskussionen darüber, ob denn das, was sei, wie es sei, wirklich sei, wie es sei, mochte ich mich dann doch nicht aussetzen und den Fragen danach, was denn schon sei, wie es sei. Und ob es das überhaupt noch gebe.

Ist also wirklich, wie Kai schrieb, nur individuell erkennbar was echt ist? Und nur vor dem jeweiligen persönlichen Hintergrund? Ist es also wirklich mit der Echtheit so ähnlich wie mit der Wahrheit, die letztlich relativ ist, individuell, von unserer Wahrnehmung beeinflusst und persönlich?

Während der Begriff Wahrheit für mich eher mit Werten, mit Unmateriellem, mit Richtlinien und Lebensgrundlagen verbunden ist, assoziiere ich beim Begriff Echt eher Diesseitiges, Sichtbares, Materielles, Zwischenmenschliches. Aber natürlich gibt es für mich deutlich Schnittmengen bei diesen Begriffen. Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit als menschliche Charakterzüge zum Beispiel.

Der Berg ist echt, keine Frage. Er ist.
Der See ist echt; und der Fluss auch.
Das Waldstück dort drüben auf dem Hügel ist echt.
Aber ist auch der Baum, den der Bauer auf die Wiese gepflanzt hat, echt? Ist er echt, obwohl er nicht von allein gewachsen, sondern bewusst gesetzt, vielleicht sogar gepfropft worden ist?
Macht ein menschlicher Eingriff in die Natur, in das Wesen anderer Wesen Echtes unecht?
Geht es nicht vielmehr um das Wesen an sich, dieses Ur-Echte in allem und gibt es dieses Ur-Echte überhaupt, wo doch alles – selbst ein kleines Kind – schon auf die eine oder andere Weise verbogen und geformt worden ist? (Man denke an die überlieferten Menschenversuche, als beabsichtigt wurde, herauszufinden, welches die Originalsprache der Menschen* sei.)
Aber – andersrum – kann denn nicht auch Geformtes, Kunstvolles, echt sein?
Ungekünstelte Kunst – ja, geht das denn überhaupt?

So gelangen wir zu Wirkung und Motivation. Wirkung zielt nach außen, Motivation kommt aus dem Innern, aus der Quelle. Denn das Innen ist für mich die Quelle der Echtheit.

Ich bin echt, wenn ich nicht darüber nachdenke, wie ich wirke und wenn ich keine Energie in meine Wirkungsabsicht verschwende. Wenn ich nicht wirken will. Wenn ich ohne Goldwaage spreche und schreibe, ohne Absicht und ohne Hintergedanken. Wenn ich einfach nur sein will, nein, noch nicht mal das: Wenn ich einfach bin. Unverstellt.

So gesehen bin ich natürlich nicht immer echt. Manchmal schütze ich mich und sage nicht immer alles und auch nicht immer genau das, was ich auf dem Herzen habe. Ich wäge ab, denn ich weiß, dass viele Menschen mit zu viel Echtheit und Offenheit nicht wirklich gut umgehen können. Darum beschneide ich mich, denke im Voraus über Sätze nach, die ich besser nicht so sagen sollte, wie ich sie denke und fühle. Weil sie missverstanden, weil sie gegen mich verwendet werden könnten.

Und natürlich bin ich auch mir selbst gegenüber nicht immer ganz echt. Ebenfalls um mich zu schützen. Weil manche Selbsterkenntnisse weh tun. Oder weil ich das, was da draußen geschieht, von mir fernhalten muss, weil es zu sehr weh tut, wenn ich mich damit auseinandersetze. Schmerzbegrenzung, Schadensbegrenzung sozusagen.

Manipulation, Irreführung, Absicht und Vorsatz sind für mich einige Synonyme für Unechtes. Gekünstelt, geschraubt, geschwollen, geziert, gezwungen, manieriert, süßlich, theatralisch, trügerisch, unnatürlich schlägt das Woxikon an Synonymen vor, und erfunden, falsch, gefälscht, getürkt, imitiert, künstlich kitschig, kopiert, nachgeahmt, nachgebildet, nachgemacht, synthetisch, unrichtig, unwahr ergänzt Ein-anderes-Wort.

So weit so gut. Hier also das Echte, dort das Unechte. Aber was tun wir nun mit jenen Dingen, die nur so aussehen, die nur so tun und die daher kommen wollen und sollen als seien sie echt, wie es mir ja die erwähnte Werbemail schmackhaft machen wollte?
Und warum bevorzugen manche Menschen eine Rolle statt der Echtheit? Was ist der Reiz des Fakes? (Warum muss ich jetzt bloß an Fasnacht/Karneval/Fasching denken?)

Jaja, ich weiß: Buisness, Schein vor Sein, Macht, Einfluss, Glitzerwelt, Konsum ankurbeln und Bedürfnisse wecken … oder ist die Antwort gar noch einfacher? → Weil es möglich ist.

Ob nun absolut oder relativ: Ich wünsche mir einfach, dass wir das Echte auch weiterhin erkennen können und vom Falschen unterscheiden. Uns zuliebe.

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* Historische Versuche mit Menschen: Einer Geschichte[2] von Herodot (ca. 490-424 v. Chr.) zufolge, unternahm Pharao Psammetich I. (regierte 664–610 v. Chr.) in Ägypten einen Versuch, die Ursprache der Menschheit zu erfahren.[3] Er gab einem Hirten zwei neugeborene Kinder und befahl, diese so aufzuziehen, dass sie niemals ein gesprochenes Wort vernehmen sollten. Er wollte auf diese Weise herausfinden, in welcher Sprache die Kinder zuerst ein Wort sagen würden. Nach ca. zwei Jahren streckten die Kinder bittend die Hände aus und sagten „Bekos“. Dies hieß in der Sprache der Phryger „Brot“. Der Pharao schloss daraus, dass die Phryger eine noch ältere Rasse als die Ägypter wären. Herodots Geschichte ist allerdings wohl eher dem Reich der Märchen und Sagen zuzuordnen als der Wahrheit.
Das Experiment wurde im 13. Jahrhundert von dem italienischen Chronisten und Franziskaner-Mönch Salimbene von Parma verwendet, um Kaiser Friedrich II. zu verunglimpfen.[4] In dessen Darstellung allerdings starben die Säuglinge frühzeitig mangels Zuwendung.
(Quelle: Wikipedia)

 

1001. Herzgespinst

Ohne es zu merken habe ich neulich den 1000. Blogartikel des Sofasophia-Blogs geschrieben. Ein bisschen schwindlig macht mich der Gedanken ja schon, dass ich 1000 Artikel innerhalb von fünf Jahren und etwa dreieinhalb Monaten (2040 Tage um genau zu sein) geschrieben haben soll.

1000ArtikelDurchschnittlich habe ich also jeden zweiten Tag gebloggt und pro Artikel durchschnittlich 4,769 Kommentare erhalten, wenn ich meine eigenen abziehe. Wenn ich die Zeiten abziehe, in denen ich – wie jetzt – die Kommentarfunktion ausgeschaltet habe, müssten es pro Artikel mehr als 5 Kommentare sein. Ja, ein klein bisschen macht mich das froh, dankbar und … stolz (das letzte eins meiner Reizwörter).

Zahlen. Manchmal schmeicheln sie uns und unserer Eitelkeit und wir bilden uns ein, das heißt, ich bilde mir ein, dass das was ich das schreibe und schrieb, irgendwie für andere relevant sei. Nur schon irgendwie relevant zu sein klingt nach einer Wichtigkeit, die ich sowohl haben als und nicht haben will. Schrödingers Katze und Shakespeares Hamlet gleich will ich sein und nicht sein zugleich.

Wie sagen die buckligen Verwandten doch so schön, wenn Klein-Hanna den Schlüssel für ihr Eigenheim in Händen hält? Es ist „etwas“ aus ihr geworden. Eine umgangssprachliche Formel für eine erfolgreiche Karriere, die mich immer gestört hat, geschmerzt sogar. Denn so gesehen bin ich ja eigentlich nichts geworden, trotz der vielen schönen Ausbildungen. Zu wenig machte ich mir bisher aus Besitz und Titeln, aus Eigenheim und Karriere.

Wie ich vorgestern Abend mit dem Liebsten nach einem Beinah-Hitzschlag die relative Abendkühle – nur noch 29 Grad war es – genoß, sofasophierten wir wie schon so oft über die Kunst, das Menschsein, das Leben und die Fähigkeit, darin wahrhaftig zu sein. Aus den Anfangszeiten meiner Bloggerei stammt mein Text Die Echte werden, die Echte sein. Schon damals trieb mich die Sehnsucht, dass mein Tun, ob nun im Bereich von Kunst oder von Broterwerb echt, wahr, authentisch sei. In meinem Plädoyer über das Wesen der KünstlerInnenseele dachte ich vor Jahren schon über das Kunstschaffen als solches nach.

In beiden Texten erwähne ich nur am Rand, wie – respektive wovon – wir als Kunstschaffende leben können. Immer schon sah und noch immer sehe ich einen Widerspruch darin, meine Kunst auf meine Art und Weise zu schaffen, echt und wahrhaftig zu sein und das Erschaffene kommerziell zu nutzen. Ich weiß inzwischen, dass die meisten Menschen diese Art zu denken nicht nachvollziehen können.

So sprachen wir zwei also neulich über die Grenze zwischen jenen Kunsterzeugnissen − Bildern und Texten −, die unserem Innersten entspringen und jenen, die wir erschaffen, weil wir wissen, dass wir damit irgendwie erfolgreich sein und Gefallen finden werden; dass wir damit den allgemeinen Geschmack treffen und auf Resonanz stoßen werden.

Meine Fähigkeit und -bereitschaft mich einer breiten Masse anzupassen, um anerkannt oder gesehen zu werden, ist allerdings rasant geschrumpft. Einen Text so und so gestylt resp. gesellschaftscodiert zu schreiben, dies und jenes Thema zu diskutieren, weil es gerade in aller Munde ist, jene Redewendung zu verwenden, weil es alle tun … ich kann es fast nicht mehr tun. Und einfach nur schreiben, damit ich mal wieder etwas geschrieben habe? Nein, auch das geht nicht mehr. Und künstliches Aufbauschen eines Themas schon gar nicht. Keine Ahnung, wo das noch hinführen wird.

Ich fühle mich zuweilen wie ein einst feingeschliefener Stein, der sich zurückverwandelt in seine kantige, ungeschliffene Urform. Obwohl ich zugleich und dennoch das Gefühl habe, nebenbei ein bisschen weiser und ein wenig reifer geworden zu sein und es noch zu werden.

Eine Brücke will ich dennoch bauen. Eine, die Kunst und Kommerz versöhnt, will heißen: Eine Brücke, die wahrhaftige Kunst nicht per se von kommerzieller Nutzung ausschließt. Ich will an meiner Denkerei arbeiten, neubewerten. Weil: es gibt sie ja wirklich, die wahrhaftige Kunst, die auch von einer großen Menge als wahrhaftig, berührend und wertvoll erkannt und anerkannt wird. Umgekehrt ist nicht alles, was laut beworben und gehyped wird, automatisch Bullshit (obwohl ich da misstrauisch bleibe).

Fazit: Nicht immer hat der Kunstkaiser auch wirklich keine Kleider an, manchmal trägt er sogar welche und manche gar aus handgesponnener Seide.

Eitelkeit – dieses Wort muss nun doch nochmals getippt werden. Fast jede Form von Eitelkeit widert mich an, wobei mir bewusst ist, dass ich vielleicht mit Eitelkeit andere Schubladen angeschrieben habe als du. Insbesondere jene Eitelkeit meine ich, wo Talent mit der Fähigkeit, sich gut und gewinnbringend verkaufen zu können, verwechselt wird, insbesondere im Literatur- und Kunstbetrieb. Oft schon bin ich auf Buchwerbung hineingefallen und habe Bücher gekauft oder ausgeliehen, die mir als Bestseller angepriesen worden sind. Nur um enttäuscht festzustellen, dass die hochgepriesene Geschichte für meinen Geschmack viel zu viel Weichspüler und viel zu wenig Knochen am Fleisch hat.

Der Anspruch, in meinen Blogs nur noch Dinge zu publizieren, die in meinem Inneren herangewachsen sind, ist ein hoher. Selbst bei Twitter werden meine Ansprüche an mich (und an das, was ich bei anderen lesen mag) immer höher. [Klar ist letztlich die Tagesform entscheidend. Manchmal finde ich nämlich fast alles doof, kindisch, kitschig, unreif, krank, was ich dort lese (fast wie bei FB) und manchmal finde ich auf Twitter viel Weisheit, Ermutigung und herzlich Humorvolles, dass es mir nachher, nach dem Lesen, tatsächlich besser geht.] Ich vermute, es liegt nicht immer nur am Gelesenen, es liegt genauso oft an mir und meiner Stimmung und an meiner Sehnsucht. Diese Sehnsucht nach wahrer, nach wirklicher Wirklichkeit, nach Wandlung, nach Schönheit und Heilwerden.

Denn das ist es, was ich will mit meinem Leben und mit meinem Schreiben. Immer weiter gehen, die Echte werden und eben auch – selbst wenn ich damit andere vor den Kopf stoße -, keine faulen Kompromisse mehr eingehen. Weder in Sachen Brotjob noch in jenen Lebensbereichen, wo es um meine Herzensanliegen geht, wo es um den Ausdruck geht, um die Kunst, ums Schreiben. Vor allem dort nicht. Und so will ich auch in meinem 1001. Blogartikel und weiterhin über jene Themen schreiben, die mir wichtig sind.

Wenns bei dir oder dir resoniert, schön.
Wenn nicht, auch gut.

Ich danke dir, dass du da bist.