Hinter den Worten eine andere Welt

Da sind so viele Worte in mir, oft zu viele, um wirklich den Wörtern in der Luft um mich herum zuhören zu können. Aber wirklich sind sie deshalb nicht weniger. Und auch nicht weniger wirksam.

Englische Notiz: I wish that just for one day everyone would just say exactly what they wanted.
Ich wünschte, dass wenigstens einen Tag lang alle exakt das sagen, was sie wollen. (Fundstück)

Sie flüstern andere Bedeutungen, lesen Zwischenzeiliges, mehr schlecht als hilfreich nachträglich zwischen Gesagtes Eingepapptes; an der Decke kleben sie, hochgestiegen wie Heliumballons vom Jahrmarkt. Und manche von ihnen sind lauter als jene Worte, die vorher ausgesprochen worden sind.

So behindern sie mich zuweilen ein wenig mit ihrer Vehemenz, verhindern mein Hören auf das tatsächlich Ausgesprochene. Und sie bereichern es.

Wortebenen wie Bildebenen. Aufeinandergelegt, übereinandergefühlt. Übereinander gefüllt. Übereinander gegossen. Verschmolzen. Untrennbar nun.

Subtexten gleich hinterlassen auch viele gesprochene, viele gelesene Wörter Abdrücke in mir, sinnliche Eindrücke.

Sag Meer und ich höre Möwen, rieche Salzwasser, höre Rauschen, fühle Wind auf der Haut und sehe Sand und Fels.
Sag Wald und ich höre Amseln, rieche feuchte Erde, höre den Wind in den Blättern, fühle weichen Erdboden und sehe grün und satt und braun.
Sag Berge und ich höre Stille, rieche Freiheit, höre das Rascheln von Murmeltieren, fühle den steinigen Boden unter den Füssen und sehe Weite, Weite, Weite.

Wörter öffnen Welten.
Wörter sind Vorhänge,
sind Schutzhäute,
sind Decken.

Reichtum ist es, den Worten hinter den Worten lauschen zu können. Alles aber hat einen Preis. Diese Fülle ist Geschenk und zugleich reizüberflutende, herzundhirnberauschende Knochenarbeit.

Interpretation, ja; alles ist und bleibt letztlich Interpretation.

Resümée

Netzwerke knüpfen.
Gespräche führen.
Ideen spinnen.
Abhängen.
Die Gäste zum Col-Art-Malen und zum Pappmaché-Schleimen animieren.
Ein feiner intensiver Sonntag war das.

Hier ein paar Eindrücke vom Atelierfest-Sonntag 2014.
(Ähm,  ja, wir haben beide was verkauft. 🙂 Im Plural.)

Impressionen aus Boulogne # 3

Urban ArtWalk in Boulogne am Samstag, 18. Mai 2013

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Urban ArtWalk in Boulogne am Sonntag, 19. Mai 2013

[Das hier sind Galerien. Angeklickt werden die Bilder groß und man kann sich weiterklicken.
Weitere Impressionen in Text und Bild auch bei Irgendlink]

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Bilder:
Nikon (mit DigiKam frisiert)

Strandgut

Müsste ich wählen zwischen einem Abendessen in gemütlicher Runde oder zu zweit mit dem Liebsten, egal wo, doch mit anschließendem Strandspaziergang inklusive Sonnenuntergang, ich würde nicht zögern. Besonders nicht nach einem Tag wie heute. Nach dem gestrigen Hinreisetag an den nördlichsten Zipfel Frankreichs, an den Pas-de-Calais, waren wir nach dem offiziellen Empfang um 17 Uhr im Fussballstadion glücklich, als wir endlich unsere Hotelzimmer betreten durften.

Und heute gleich wieder früh aufstehen, denn Irgendlink musste bis 11 Uhr die Hängung seiner Ausstellung vollendet haben. Dass ich ihn dabei unterstützte, war selbstverständlich. In der Kunstschule von Boulogne-sur-Mer, ganz in der Nähe der klassischen alten Stadtmauer auf dem Hügel sind noch bis morgen Abend sowohl seine Werke – ein Querschnitt seiner Reise ums Meer 2012, die er von Boulogne-sur-Mer aus startete –, als auch jene des Zweibrücker Kunstvereins zu sehen. Wegen der etwas speziellen Hängung, die Irgendlink geplant hatte, brauchte er beschraubbare Wände und bekam dafür – völlig überraschend – einen eigenen kleinen Pavillon zugeteilt. Wir staunten nicht schlecht über die Größe dieses Kunstkubus, wie wir das kleine schwarze Häuschen nennen. Schnell war uns klar, wie wir die Hängung optimal vornehmen könnten. Schon um zehn hing und lag alles an seinem Platz. Dank Frédéric, dem Hausmeister der Schule, konnten wir sogar die Beschriftungen fehlerfrei zweisprachig formulieren. Nach den Ansprachen, die wie immer zwar spannend aber dann doch immer viel zu lang sind, waren die beiden Ausstellungen eröffnet. Das Echo war toll.

Beim Mittagessen erhielt ich eine weitere Lektion – die erste hatte ich am Vorabend bekommen – über die Schwierigkeiten als Vegetarierin (moi-même) in Frankreich zu überleben. Zum Glück hat es in der Djembe-Gruppe, mit der wir zu Tische sassen, zwei weitere Keine-Tiere-Esserinnen. So konnten wir und gegenseitig beim Anmelden unserer Bedürfnisse unterstützen. In Frankreich, dazu am Meer, ist das wirklich sehr schwierig. Dass beispielsweise viele Vegis – wir drei – auch keine Fische essen, war dem Küchenpersonal des besagten Restaurants, das ich hier namentlich nicht nennen will, jedenfalls nicht bewusst. Nach langem Hin und Her saßen wir drei vor einem Teller weißer Hörnchenpasta. Immerhin war von unsern TischgenossInnen noch ein bisschen Reibkäse übrig geblieben. Um diesem Spießrutenlauf beim Abendessen nicht schon wieder ausgesetzt zu sein, beschlossen wir – zwar auf eigene Kosten – heute das Abendesssen zu zweit in einem Restaurant unserer Wahl, die auf eine kleine Pizzeria gefallen war, zu genießen. Zugegeben, ich habe schon bessere Pizze gegessen, aber ansonsten war alles wunderbar. Auch endlich mal nur zu zweit zu sein, war erholsam.

Nach etwa acht Kilometern UrbanArtwalk (seht dazu auch Irgendlinks heutigen Beitrag) – mit unsern Kameras quer durch die Stadt –, den vielen kleinen Begegnungen da und dort, dem genialen Afro-Trommelkonzert am Nachmittag am Strand, war ich einfach nur gesättigt … und müde. Sehnsüchtig nach Stille.

So wanderten wir zwei Strandguten vorhin eine Stunde durch den wunderbaren Sandstrand. Sonnenuntergang. Stille. Rauschen. Aus solchen Momenten wird Glück gewoben.

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Bilder:
undogmatische Appspressionismen (iPhoneArt).