Wenn die Berge rufen | #flussnoten19

Die Aare also. Dieser Fluss, an dem ich vor vielen Jahren geboren wurde. Dieser Fluss, in dessen Nähe ich die meiste Zeit meines Leben gelebt habe. (Aufzählungen erspare ich euch. Ich bin so oft umgezogen, dass ich selbst manchmal nicht mehr weiß, in welcher Reihenfolge ich wann und wo gelebt habe.) Sie hat mich geprägt, die Aare. Auch die wenige Jahre, die ich nicht im Dunstkreis der Aare gelebt habe, wohnte ich – fast immer – in der Nähe eines Gewässers, zum Beispiel an der Limmat mit ihrem schönen Zürichsee.

Kurz und gut: Es ist höchste Zeit, endlich herauszufinden, woher mein Heimatfluss überhaupt kommt.

Es sind die Aargletscher – eine Gletschergruppe in den östlichen Berner Alpen am Finsteraarhorn –, welche die Aare gebären, auf ihre lange Reise schicken, ins Tal, in den Rhein, ins Meer. Als Hauptquell nennt Wikipedia den Unteraargletscher auf 1977m ü. M. im Grimselgebiet.

Von da aus fließt die Aare stetig abwärts, durch Berge, Schluchten, kleine und große Seen, um schließlich bei Koblenz – bei 312m ü. M. – in den Rhein zu münden. Bis dahin hat sie einen Höhenunterschied von 1665m überwunden und 291,5 km zurückgelegt.

Karte, die das Einzugsgebiet von Quelle bis Mündung in den Rhein zeigt
Karte, die das Einzugsgebiet von Quelle bis Mündung in den Rhein zeigt

Von Friedrich-Karl Mohr | CC BY-SA 3.0 de | Quelle: commons.wikimedia.org

So weit werden wir es in den zwei Wochen, die wir uns freigeschaufelt haben, allerdings nicht schaffen. Nicht im gebirgigen Auf-und-Ab, nicht mit den 15kg-schwerem Wanderrucksäcken mit Zelt-Matte-Schlafsack auf den Rücken. Auch geht es ja nicht um sportliche Leistung, es geht um Entschleunigung, um Ruhefinden, um Kraftschöpfen.

Manche Aarewege bin ich bereits früher in meinen Leben schon geradelt – allein, mit andern, mit Irgendlink. Andere Teilstücke sind uns von gemeinsamen Wanderungen bekannt. Doch jenen Abschnitt ganz oben im Berner Oberland haben wir beide bisher weder erwandert noch erradelt. Darum werden wir – wie vor drei Jahren beim Rhein – bei der Quelle anfangen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren wir auf den Grimselpass, da dort irgendwo die Aare, inmitten von Bergseen, ihr Dasein als Fluss anfängt.

>> Karte Grimsel <<<

Am Samstag werden wir Freunde am Thunersee besuchen und bei ihnen übernachten. Bei ihnen dürfen wir auch das Auto abstellen, um von dort aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Berge zu fahren.

Die ersten Wandertage sehen dann ungefähr so aus:
>>> Karte <<<

Ich freue mich total.

Ob wir bloggen oder twittern werden, wird von der Tageslaune abhängen, vom Netz, von der Befindlichkeit. Vielleicht werden wir auf Twitter sogar unseren Rheinwander- und Rheinradelhashag #Flussnoten wachküssen. Und vielleicht sogar das gleichnamige Blog?

Die Tageslaune wird es zeigen.

Flussnoten goes Buch

Endlich geht es mit dem Bau des Flussnoten-Buches voran. Wir haben die fürs Buch relevanten Kapitel aus allen im Laufe der Reise entstandenen Blogartikeln ausgewählt und nun redigieren wir die einzelnen Texte sanft. Gruslig, wie viele Tippfehler sich da über die Handytastatur in unsere täglichen Erfahrungsberichte geschlichen haben! Zuweilen schönen wir zwar die Satzstellung ein klein bisschen, was damals, am kleinen Handybildschirm, nicht so elegant ging wie jetzt, am großen Laptop-Bildschirm, doch am Text selbst wird nicht groß gefeilt, die Wander-Authentizität soll ja erhalten bleiben.

Was soll ich sagen? Es macht Spaß! Es ist schön, nochmals in unsere Reise dem Rhein entlang einzutauchen, mich zu erinnern, mich zu freuen darüber, was wir da alles erlebt, gesehen, erlitten haben, was uns gefreut und begeistert hat.

Das Buch wird sowohl als eBook erscheinen als auch als Printbuch mit einem Bildanhang (Selbstverlag, bei epubli erhältlich). Vorbestellen könnt ihr es schon jetzt bei Irgendlink. Erscheinen wird es im Frühling dieses Jahres und ungefähr Fr. 17.-, resp. € 16.- (plus Versandspesen) kosten. Als epub um die Fr. 11.-/€ 10.-.

PS: Das Poster mit 96 Bildern unserer Reise ist noch immer zum Vorzugspreis von Fr. 43.–, resp. € 40.– erhältlich.

Das Flussnoten-Poster ist da

In den letzten Tagen haben wir unsere Flussnoten-Bilder gesichtet, Bilder, die im Sommer und Frühherbst auf unseren Reisen zu Fuß und auf dem Fahrradsattel am Rhein – von der Quelle bis zum Meer – entstanden sind.

Irgendlink hat aus den ausgewählten 96 Aufnahmen in bewährter Manier ein Poster gestaltet. Das Komponieren der Bildreihenfolge hat uns total Spaß gemacht.

Nein, die Bilder sind nicht chronologisch, aber immerhin zeigt das erste Bild oben links die Rheinquelle am Tomasee, in den Bündner Bergen. Und es gibt unsere vielen visuellen Eindrücke von der Reise wieder.

Halbtransparent darauf liegt das rot eingefasst gezeigte Flusssystem resp. Mündungsgebiet des Rheins, blau darin der Rhein vom Tomasee bis zur Rheinmündung bei Hoek van Holland.

poster-flussnoten-web1280Sichere dir dein Exemplar baldmöglichst.

Limitierte Auflage von 42 Exemplaren
Format: 40 x 60 cm, seidenmatt
Preis: Fr. 43.– resp. € 40.– (plus Versandspesen)
Nummeriert und signiert

Bestellungen bitte unter irgendlink(ät)t-online(punkt)de
(Adresse, Stückzahl, eventuell spezieller Signaturwunsch).

Mut zur Pause

Es war heiß, doch keine Geschichte hat verdient, so anzufangen. Nun ja, immer noch besser als mit „Es regnete“ anzufangen – selbst wenn es das tat (also regnen) – oder mit „Ich träumte“.

Dennoch. Dass es heiß war, spielte womöglich nur eine untergeordnete Rolle. Heiß konnte es ja immer sein und fast überall. Zudem ist ein winterlich überheizter Büroraum so unangenehm wie ein sommerlich schwüler Platz in einer großen Stadt. Und natürlich gilt das ebenso für Regen – sogar wenn du drin bist – und für Träume.

Angenehm oder unangenehm hängt nicht zwingend davon ab, wie es wirklich ist, da draußen, sondern davon, wie wir etwas wahrnehmen. Und wie wir es annehmen. Wie wir uns diesem Es, diesem Etwas, diesem Zustand, diesem Umstand hingeben können. So wie alles, was wir wahrnehmen (fast immer) in eine unserer Wahrnehmungsschubladen fällt. Wobei wir manche Dinge natürlich auch mal so mal so wahrnehmen.

Regenwandern, hitzewandern, regenradeln, hitzeradeln – vielleicht sind die Umstände, die uns das Wetter beschert, doch nicht ganz so nebensächlich, nicht ganz so leicht dem gewünschten Vorankommen unterzuordnen?

Das Wetter, so philosophierten Irgendlink und ich heute vor einer Woche, kurz bevor wir nach 20 Tagen Rheinwandern (ab Quelle in den Bergen) den Bodensee ereicht hatten, das Wetter ist das einzige, das wir Menschen nicht wirklich beeinflussen können. Da: Der Fluss im Wort, der Einfluss. Ja, den Fluss, den Rhein, haben wir beeinflusst, ihn gezähmt und ihn darum zum immer wieder Überschwemmen gezwungen, weil ihm die Mäander fehlen, die seinen Überfluss relativieren könnten. Wir haben ihn zwischen Deiche – zwischen Doppel- und Dreifachdeiche – gezwängt, aber das Wetter? Das Wetter, nein, das haben wir nicht im Griff.

Ja, ich bin eine Schönwetterwanderin und -radlerin, dennoch lehrt mich das Wetter Demut. Nun ja, ich übe noch. Ich hadere schnell, weil es mir unangenehm ist, wenn ich allzu sehr schwitze, allzu sehr nass vom Regen werde.

Vielleicht ist es eine Frage der Haltung? Nein, nicht vielleicht. Es IST eine Frage der Haltung (und ja,  klar, eine gute Ausrüstung hilft, aber sie wirkt sich nur bedingt auf die Haltung aus und ersetzt diese keineswegs).

Unterwegs zu sein, fordert Mut. Und ja, es macht auch Mut, den eigenen Rhythmus zu finden und ihm entsprechend Pausen zu machen. Sich selbst zuliebe das eigene Tempo zu finden. Um der Ruhe willen, die dabei in uns wachsen kann.

Frau Rebis radelt mit ihrem Sohn von ihrem Zuhause in Süddeutschland nach Berlin. Sieben Tage sind die beiden bereits unterwegs. Frau Rebis twittert und bloggt. Und ja, auch sie macht Pausen, Denkpausen, in denen sie sich schreibend mit Fragen des Lebens auseinandersetzt, die uns alle – als Reisende ebenso wie als Alltagsmenschen – angehen und berühren.

Hier lang → geht’s zu ihrem Blog, das ich allen, die bewusst unterwegs durchs Leben sind, gerne zu lesen empfehle. Frau Rebis twittert hier.

Bank im Wald, an WaldwegZwei Räder an Straße, Lichtung, Pause - im Hintergrund HügelBeide Bilder sind von Frau Rebis, freundlich ausgeliehen.

Auch der Emil ist unterwegs – er pilgert zu Fuß auf den Spuren der Jakobspilger von Görlitz südwärts Richtung Vacha, auf der Via Regia, wie der Ökumenische Pilgerweg auch heißt. Damit erfüllt er sich zwei schon lange gehegte Wünsche: das Fernwandern zum einen, das Pilgern auf Jakobswegen zum andern. Hier → lang gehts zu seinem Blog. Und hier twittert der Emil und ich freue mich sehr, auch ihn als Leserin begleiten zu dürfen. Es ist sehr ermutigend zu sehen, wie er sich mit dem Wandern auseinandersetzt und vorankommt auf seinem inneren und äußeren Weg.

Tafel aus Stein mit dem Satz "Hör auf das, was du weißt, statt auf das, was du fürchtest." -Richard BachPause im Regen in einem Hütchen, mit Bank. Der Rucksack zum Trocknen auf der Bank, das braune Cape hängt an der Wand.Beide Bilder sind von Der Emil, freundlich ausgeliehen.

Unterwegs zu sein, fern der persönlichen Komfortzonen, ist eine Herausforderung, die ich je länger je mehr wertschätze. Es geht ums Vorankommen – innen und außen –, nicht primär um das Ziel an sich. Und ja, fast nebenbei geht es auch darum, sich selbst besser kennenzulernen, zu reifen, zu verstehen, in Kontakt mit sich und seiner Umgebung zu sein, zu bleiben, zu kommen. Dazu wechselt die Umgebung stetig, mal ist sie vertraut, fremd, lieblich, lärmig, wunderschön, garstig … vieles können wir im Voraus recherchieren, doch ein Faktor wird immer unberechenbar bleiben: das Wetter.

Für heute waren eigentlich Regenfälle angesagt gewesen, den ganzen Tag; hier jedenfalls. Doch als Irgendlink und ich heute um halb zwölf losgeradelt sind – er, um zurück zum Rhein zu gelangen und mit ihm weiter Richtung Norden zu fließen, ich, um ihm auf dem ersten Stück zu begleiten – war der Himmel zwar grau, aber trocken. Und ist es noch. Für mich definitiv die Schublade „angenehmes Radelwetter“.

Ja, ich gestehe es, ich bin froh, wenn die Menschen, die ich mag, wohlbehütet – will heißen unfallfrei und trocken, aber auch nicht allzu sonnenverbrannt – durch den Tag kommen, den sie draußen, unterwegs in der Natur, den Elementen ausgesetzt, verbringen.

Irgendlinks Reise am Rhein könnt ihr weiterhin hier (→ klicken) verfolgen.

Drei Flüsse werden einer. Im Vordergund Irgendlink mal links, mal rechts, dank Bildaufnahmetechnik als Panorama