Ebbe und Flut

Seit Tagen tummelt sich dieser Gedanke durch mein Leben, dass ich oft vergesse, was uns die Natur vormacht. Dass ich oft so lebe, als wäre immer so, dabei ist es oft eben auch anders.

Die Arbeit hat mich in den letzten Wochen überflutet. Schuljahrabschluss ist, das weiß ich nun, ein tammi harter Zustand. Eine Flut, deren Ende noch nicht absehbar ist. Meine Liste ist zwar gestern und heute um einiges kürzer geworden, doch noch immer warten viele Dinge, die getan werden müssen, damit wir im neuen Schuljahr gut starten können. Wie viel es rund um die Organisation einer Schule zu tun gibt, glaubt man von außen nicht.

Dazu immer wieder Alltasszenen wie diese hier: Ein Kind aus einer nicht subventionierten Gemeinde will bei uns in den Gesangsunterricht, kann es sich aber – so befürchte ich – nicht leisten. Und so weiter. Momentaufnahmen. Dazwischen die Listen, die geführt werden müssen, damit jede Lehrperson weiß, welche Kinder nach Ferien zu ihr kommen werden. Und Kontakte knüpfen kann.

Running Gag zwischen Scheff und mir: „Wenn mir mal gaaanz viel Zeit haben, machen wir dies, machen wir das …“

Flut also, wie gesagt.

Ich wäre so langsam für Ebbe, doch es wird noch ein paar Tage so weiter gehen. Nächste Woche aber erst. Unsere Arbeitsplätze werden umgezogen in einen anderen, kleineren Raum, weil der Volksschule-Schulleiter unser Büro will. Ich befürchte, dass der Tausch nicht so toll sein wird, weil vorne mehr Lärm ist, direkt neben der Aula mit Musikunterricht. Nun denn … das haben andere entschieden.

Öresund

Flut. Kisten packen. Umziehen muss ich sie nicht selbst, zum Glück, und Scheffhimself wird beim Ausmisten helfen. Nächste Woche, wie gesagt.

Ebbe. Neumond. Pause. Ruhe. Wir lernen es, wenn wir hinschauen. Würden. Lernen ist den Konjunktiv überholen. Im die Zunge rausstrecken und sagen: Würdest du nicht immer dazwischenfunken, wäre alles einfacher, du Mistkerl.

Ebbe also. Entschleunigung. Mein Tempo finden. Ich erinnere mich dieser Tage gerne an die Pilgerwanderung genau vor einem Jahr. Als wir dem Lauf der Reuss folgten, ihrer Quelle entgegen wanderten. In unserem Tempo. Immer gerade dort unser Zelt aufschlugen, wo es uns gefallen hat.

Ebbe und Flut leben – könnte heißen, mal schlemmen, mal fasten, mal schuften, mal pausieren.

In der Natur ist gleich viel Ebbezeit wie Flutzeit, gleich lang Neumond wie Vollmond.

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Gezeiten

Ich gehe. Meistens vorwärts. Manchmal rückwärts. Aufwärts. Abwärts. Und ich gehe manchmal auch im Kreis. Aber immer im Stechschritt gehe ich. Immer schnell. Einzig, als ich krank war – zwei Monate lang – da ging ich langsam. Langsam und bewusst. Weil ich nicht anders konnte. Keine Kraft für Eile. Doch jetzt, jetzt gehe ich wieder schnell.

Schließlich bin ich wieder gesund. Wie krank ist das denn?

schräge Welt

Gezeiten, dachte ich gestern beim Spazieren. Immer das eine oder andere. Eben hatte ich Flut. Die letzten zwei Wochen galt es, ein paar zeitaufwändige Aufträge für eilige Kunden (männlich) zu erledigen. Keine Zeit für Kreativität. Dafür Aufträge, die mir viel Freude gemacht haben. Inhaltlich zum einen – aber auch, weil ich weiß, dass ich gut arbeite und meine Kunden zufrieden sein werden. Das, was ich kann, können sie nicht so gut wie ich. Ich verkaufe ihnen mein Talent, mein Gespür, mein Können für Texte. Zu andern Zeiten kaufe ich bei andern das, was ich nicht gut kann. Leben ist Austausch. Ist Fließen. Nun hat mein Geschäft wieder Ebbe. Ich atme aus. Nehme mir Zeit für meinen eigenen Dinge. Für kreative Dinge. Für meine Manuskripte. Für mein Blog. Für Besuche. Für Mails.

Flut am einen Ende meines Meeres  heisst Ebbe am andern.