Sieben Jahre

ScreenieBlogjubiläum

Heute vor sieben Jahren habe ich meine ersten WordPress-Blogartikel in die Welt entlassen. Hierlang geht’s zum ersten (hier klicken); darunter habe ich ein paar nicht am 7. Juni verfasste Texte gepostet, die ich zuvor in meinem damaligen Webtagebuch publiziert hatte. (Ja, das ich schon vor einiger Zeit vom Netz genommen.)

Sieben Jahre lang habe ich mich nun also nicht nur mit Sofasophien, Fallmaschen und Herzgespinsten, sondern auch mit der WordPress-Software auseinandergesetzt. Oft genervt, oft beglückt. Und ja, seither hat sich viel getan. Nicht nur in der virtuellen Welt, auch in der realen.

Zum Beispeil war ich damals definitiv belastbarer, oder sagen wir es mal so: Ich verhielt mich so als sei ich belastbarer. (Dabei konnte ich mich damals vielleicht nur noch besser belügen als heute, mir noch selber besser vormachen, dass …).

Je ne regrette rien.

Ich danke euch, liebe Leserinnen und Leser, die ihr hier regelmäßig oder sporadisch hinein schaut, mitlest, mitträumt, mitlacht, mitweint und hin und wieder − da ich Ende 2015 die Kommentarfunktion ausgemacht habe −, per Mail oder über andere Kanäle die eine oder andere Rückmeldung zu meinem Geschreibsel hinterlasst.

Angefangen habe ich damals bei null AbonnentInnen, heute zeigt mein Followertacho die hübsche Zahl 1098. Gut, da sind die paar fb-FreundInnen mitgerechnet, die Pappnasen von Twitter und die Handvoll Tumblr-LeserInnen. Und nein, es ist nicht diese Zahl, die es ausmacht, es ist eher die Qualität, die sich hinter dieser Zahl versteckt. Diese Menschen alle. Ihr. Du, du und ja, auch du!

Viele wunderbare Menschen habe ich dank meines Blogs kennengelernt. Einige sogar im echten Leben. Ja, sogar richtige Freundschaften sind entstanden. Nein, ich bereue nichts.

Danke euch allen.

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Ich wundere mich

Kurz vor neun Uhr betrete ich das Schulhaus, das jetzt meins ist (mein Arbeitsplatz zumindest, mein neuer) und fühle mich wohl. Vertraut. Auf die Art, die nicht klemmt und leiert.

Das Lächeln jener Raumpflegerin, der ich mich am ersten Einarbeitungstag mit Vornamen vorgestellt habe, umfängt und empfängt mich warm. Ihr eher kantiges, abgehärmtes Gesicht, wird weich und leuchtet, als sie mich sieht. Ihr Lächeln erreicht nicht nur ihre Mundwinkel, es erreicht auch meine Zehenspitzen. Auch die andern vom Schulhaus-Putzteam, das die Schulferien für einen Grundputz nutzt, grüßen mich lächelnd. Zwei jobbende Schülerinnen, der junge Schulhausabwart, ein zweiter Angestellter und zwei Raumpflegerinnen kann ich ausmachen. Sie hören laut Musik. Mir egal, denn ich kann einfach die Türe zumachen und habe Ruhe.

Wie eine Königin setze ich mich auf meinen bequemen Bürostuhl und starte den Rechner.

Ich wundere mich, wie leicht mir das frühe Aufstehen in dieser neuen Lebensphase fällt. Nun ja, halb acht ist human.
Ich wundere mich, dass ich so fit bin. Und gut schlafen kann. Und keine Panikattacken mehr habe.
Ich wundere mich, wie wohl ich mich fühle, so wohl wie bei meiner letzten Arbeitsstelle weder am Anfang, noch mittendrin noch am Schluss, und ich bin einfach nur froh, dass ich dort gekündigt habe. Kein Vergleich dazu wie gut es mir jetzt geht.

Ich öffne das Mailprogramm und stelle fest, dass ich mich erst mal wieder an Outlook gewöhnen muss, ich Opensourcerin ich. Alles auf dem Rechner, außer das Betriebssystem, ist auf dem Mist meiner Vorgängerin gewachsen. Es ist, als würde ich in ihren, als würde ich in einen fremden Kopf hineingucken. Die Dateienstruktur ist zwar im Großen und Ganzen nachvollziehbar, aber die Ablage wenig konsequent und längst nicht so logisch wie die Idee, die ich dahinter ahne. Die Herausforderung an mich besteht nun darin, dass ich parallel die einzelnen Arbeitsabläufe meiner neuen Aufgaben kennenlernen sollte, aber, bevor ich mich an die verqueren von ihr gelegten Spuren allzu sehr gewöhne, neue Strukturen einführe. Nicht altes übernehmen, sondern erneuern, ist unser erklärtes Ziel. Vom Scheff und von mir.

Zumal ich – sagen wir es offen – ein wirklich exorbitantes Chaos erben durfte (siehe auch hier). Die Entflechtung zweier Sekretariate – welche meine Vorgängerin hätte bewerkstelligen sollen, um meiner Kollegin und mir die Einarbeitung möchlichst leicht zu machen – findet erst jetzt statt. In den Schubladen, in den Schränken und auf der Festplatte ist noch alles beim Alten. Alles, was ich in die Hand nehme, um mir einen besseren Überblick zu verschaffen und Dinge zu finden, zieht einen Rattenschwanz von vorher zu lösenden Aufgaben nach sich. Wie im Märchen muss ich drei Rätsel lösen und so fange ich einfach mal irgendwo an. Ich reinige auch den Raum energetisch, mache ihn bereit für mich und für eine neue Zeit.

Für eine zweistündige Sitzung fahre ich um zehn Uhr ins Nachbardorf, wo unsere Musikschule ebenfalls Unterricht anbietet. Und wo der Scheff sein Büro hat. Wir besprechen die wichtigsten ToDos von heute und morgen und später holen wir auf der Gemeinde meinen neuen Büroschlüssel für das Schulhaus hier. Bei dieser Gelegenheit lerne ich gleich ein paar neue Ansprechpersonen kennen. Alle total nett.

Später kommt noch ein Kommissionsmitglied, der meine Ansprechperson in Bezug auf die Webseite der Schule sein wird. Ich frage ihn nach dem verwendeten Web-Programm und er sagt, dass die Seite zurzeit auf WordPress umgebaut werde. Ich bekomme große Augen.
Das kenne ich, sage ich, das unterrichte ich sogar. Nun bekommt er große Augen.
Was für ein Glück, sagt er, dann brauchst du ja kaum Einführung.

Noch so ein Zufall ist, dass meine private und meine neue geschäftliche Telefonnummer bis auf die drei Ziffern mittendrin, die für den Ort stehen, identisch sind. Das hatte ich wirklich noch nie.

Ich fahre ins Büro zurück, esse mein Picknick und räume weiter auf. Schritt für Schritt.

Auf meiner Mausmatte steht, dass wir dem Zufall vieles verdanken. Ob es wirklich Zufälle gibt? Mich dünkt fast, als hätte ich diese neue Arbeitsstelle selbst erfunden. Oder mir erzaubert? Oder erschrieben?

Wer weiß, vielleicht bin ich ja nur eine Romanfigur. Und nun endlich im richtigen Buch gelandet? In einem mit lächelnden Raumpflegerinnen und glücklichen Menschen.

Sowasaberauch oder wo ist die versteckte Kamera?

Das Telefon klingelt. Eine deutsche Nummer, die mein Adressbuch nicht kennt. Werbeanruf, denk ich und nehme mit einem knappen Hallo? ab, wie ich es eh meistens tue. Ausser, wenn ich die Nummer erkenne natürlich.

– Hallo, hier Blablub aus Baden-Baden, mein Name ist XY. Spreche ich mit Frau Sofasophia?
– Ja, richtig …
– Sie haben bei unserm Foto-Wettbewerb mitgemacht. Ich habe Ihnen eben eine Mail geschickt. Sie gehören zu den Gewinnern.
– (ich schlucke leer, der Klumpen im Hals bleibt hängen und mein Räuspern ist bis nach Baden-Baden hörbar) Das freut mich sehr, danke.
– Ihr Bild wurde mit sechs andern aus um die 12’000 Bildern ausgewählt. Davon drei erste Preise, zu welchen ihres auch gehört.
– Oh, das kann ich ja kaum glauben! Ich habe am letzten Tag mitgemacht und gedacht, dass ich doch sowieso keine Chance habe.
– Umso schöner, dass Sie mitgemacht haben. Sie werden übrigens auch ein Preisgeld erhalten und das Bild wird in der nächsten Nummer unserer Zeitschrift veröffentlicht. Wir brauchen darum von Ihnen noch einen kleinen Text über Sie selbst und wie das Bild entstanden ist.

Noch während des Anrufs lade ich die Mail aufs Fon und leite sie an Irgendlink weiter. Er hat es mir schließlich eingebrockt mit seinem Gedrängel.
Mach doch einfach mit. Was kannst du schon verlieren?, sagte er damals.

slower than his shadow_auss

Und jetzt? Okay, ja, ich freu mich sehr. Sogar sehrsehr. Gut, das Bild würde ich heute anders machen. Die Idee mit der Montage finde ich noch immer selbst ziemlich genial, doch die Ausführung … naaa ja … aber okay.

Es ist, wie es ist. Perfekt gibt es nicht. Weder im Leben noch in der Kunst. Und fertig auch nicht. Alles ist in Veränderung.

Schön finde ich, dass das Bild mit Langsamkeit zu tun hat … Zum Bild? Bitte hier klicken …