Der andere Reichtum

Was sein Leben reicher macht, beantwortet Martin Lagrange hier. Eine Erfahrung, die ich ihm von Herzen gönne. Da ich vermutlich nicht 102 Jahre alt werde, wird es bei mir nie genau so sein. Aber ähnlich.

Auch mein Leben wird reicher durch mir kostbare Menschen, allen voran der Liebste, gleich danach Freundinnen und Freunde. Der herzliche, warme und offene Austausch mit ihnen allen. Ob nun persönlich, per Telefon, in Mails oder über die sozialen Medien wie Threema, Twitter und so weiter …

Quelle: ZEITmagazin
Quelle: ZEITmagazin

Mein größter Reichtum, mein größter Schatz ist es, Liebe zwischen Menschen zu erleben. Andere Menschen so zu nehmen, wie sie sind. Ach, ich Romantikerin ich, denn ich stelle ja auch immer mal wieder fest, dass ich in der Praxis nicht immer so empathisch sein kann, wie ich es eigentlich von mir erwarte. Wie ich es gerne möchte.

Gestern las ich auf Twitter diesen genialen Satz hier von 4. März

„Ich wünsche niemandem etwas Schlechtes. Ich wünsche allen nur, dass sie Menschen wie sich selbst begegnen.“ (Direkter Link zum Tweet)

HA! Was wäre wenn? Würde ich mich mit mir selbst anfreunden? Wäre ich eine meiner Freundinnen, wenn ich mir begegnen würde? Sind meine Freundinnen und Freunde eher „Gegenteile“ von mir selbst? Hm, Fragen über Fragen …

Und wie steht es mit der Liebe zu mir selbst? Ja, auch sie macht mich reich. Vermutlich bin ich nicht nur gerne alleine mit mir, weil ich mich mag, sondern auch, weil es mich manchmal auch anstrengt, mit anderen Menschen zusammenzusein. Das klingt wohl wie ein Widerspruch zu meinen Aussagen am Anfang dieses kleinen Textchen hier? Ist es aber nicht – nicht wirklich.

Reicher macht mein Leben nämlich auch die Stille. Wandern in der Natur. Sitzen an einem Fluss. Lauschen in einem Wald. Im Gras zu sitzen. Den Himmel zu betrachten. Und das geht am besten, wenn ich allein bin.

Was mein Leben auch noch reicher macht? Gefühle, Gedanken, Erfahrungen in Worte oder Bilder zu kleiden. Weiter macht mein Leben reich, dass ich mir und andern Gutes gönne.

Diese Grundhaltung war nicht immer da. Ich kenne Neid.

Es war aber nicht so, dass ich andern nichts Gutes gönnte, aber dass ich immer mal wieder dachte oder eher wohl fühlte: Das will ich auch! Warum kann die, warum darf der, und ich nicht?! Dieser Hader war ein Teufelskreis; geboren aus Minderwertigkeitsgefühlen hat er dazu geführt, da ich mich dafür schämte, dass ich mich noch kleiner machte. Es war ein langer Weg zu mir. Heute weiß ich: Mir und andern Gutes zu gönnen, tut mir gut und tut andern gut. Und mir bricht dabei kein Zacken aus der Krone.

Ironisch augenzwinkernd bringt das Twitterin @schusanne auf den Punkt.

Es lebe das Leben!

Sommersonnwende: jetzt

Ullis kleiner Wetterzauber hat gewirkt. Kaum bei mir angekommen, drückte ich ihr mein Tablet in die Hand, das ich als neues Zeichnen-Spielzeug entdeckt habe.

Da, zeichne was!, sagte ich.
Hat sie. Das da. ↓

Sommersonnwende2015_1

Keine zehn Minuten später öffnet sich die Wolkendecke und auf der Fahrt nach Winterthur bedaure ich, dass die Sonnenbrille im Kofferraum liegt.

Mit Freundin M. (1) sowie vielen anderen Freundinnen und Freunden, kleinen und großen Menschen zwischen 10 Monaten und sechs Jahrzehnten plus ein paar Jährchen mehr wandern wir zum Ritualplatz über Winterthur.

Wir bereiten ein Ritualfeuer vor, über das auch Ulli ganz wunderbar in ihrem heutigen Blogartikel schreibt.

Loslassen. Wünschen. Beten. Sich eins sein im Lied, der Stille, dem Jubel und in der Lebensfreude. Danke, liebe Freundinnen und Freunde!

Und ja, ich habe mir auch für den Liebsten etwas gewünscht: Dass er gut reisen möge. Und wohlbehalten zurückkehren, wenn er seine Reise zu Ende gereist habe.

Das gemalte Feuer erinnert mich an unser Wintersonnwendefeuer vor einem halben Jahr, das ebenso hell loderte wie das gestrige, nur höher und schmaler. Jedes Feuer ist anders, jeder Mensch ist anders.

Das Bild mit dem Fuß? Ja, der Fuß gehört mir. Und ja, der gehört auch hier her. Denn nach dem Feuer und nach dem Essen, am frühen Abend, sind wir zurückgekehrt, zurück in Freundin M. (1)s Haus. Die drei größeren Kinder haben uns mit einem Konzert auf Djemben und anderen Rhythmusinstrumenten beglückt. Und da musste ich doch Autogramme haben, logisch!

Geniessen lernen

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Zwei Tage feiern, da, dort, am Hallwilersee, auf dem Tête de Moine und anderswo.

I lov‘ it!

Lieben Dank euch allen für all die lieben Wünsche!

Fast 50 Geburtstagsblüten und -häppchen

 

Auf der Fahrt in die Südwestpfalz gefundene Alltagskunst
 
 

 

  
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Geografische Infos zum Tête de Moine-Gebirge gibt’s hier => klicken.

Sein

Über Menschen und ihre Geschichten Erkenntnisse über das Leben zu gewinnen, Dinge zu verstehen, Zusammenhänge endlich zu sehen, ist mir die liebste Art des Lernens.

Mit Frauen am Tisch zu sitzen, zuzuhören, selbst zu erzählen, zu essen, das nahe Kloster und den wunderbaren Klosterkräuter- und Gemüsegarten zu genießen, gemeinsam durch eine Kleinstadt namens Tangermünde und an der Elbe entlang zu spazieren, ist eins. Dies mit Frauen zu tun, die ich bisher nur von ihren Blogs und aus unzähligen Mails kannte, ist etwas anders. Irgendwie surreal. Irgendwie verrückt. Die virutelle Welt ist auf einmal ganz real geworten.

Wir – die Mützenfalterin, Kerstin und ich – sitzen in Kerstins Wohnzimmer, das Kaminfeuer brennt, und trinken ein Glas Rotwein.


Ich bin ganz da. Ich höre. Ich fühle. Ich rieche. Ich spüre. Ich teile. Ich bin ganz offen. Auf einmal sehe ich uns von außen zu. Sehe dieses Wunder der Gemeinschaft. Staune. Bin einfach nur dankbar, hier so ganz und gar ich sein können zu können und zu dürfen. Als würden wir uns schon ewig kennen, kommt es mir zuweilen vor.

Nach einer Kopfwehnacht mit einer Migräneattacke am Samstagmorgen hatte ich kurz mit dem Liebsten telefoniert. Er meinte mit weisem Augenzwinkern, das ich vor mir sah ohne es zu sehen, dass mein Kopfweh um 10 Uhr vorüber sei.

Sich selbsterfüllende Prophezeiung? Voraussicht? Orakel oder Wahrsagung? Egal. Es hat gewirkt. Im Laufe des Tages haben sich schließlich auch die letzten Reste des tagelangen, wetterwechsel-hormon-aufregungsvorfreude- und vollmondbedingten Kopfwehs gänzlich verkrümmelt.

Wunderbar tief habe ich heute Nacht geschlafen, geborgen und wohlig in Kerstins Bett. Wir haben, da wir nur zu dritt waren, gestern schon das Kloster verlassen, das zwar sehr gemütlich war, für Kerstin aber natürlich ein Hin und Her zwischen Zuhause und uns bedeutet hatte. Ihr Partner hatte uns das Feld geräumt. Alles hat gepasst. Im Nachhinein muss ich sogar den gemeinsam erlittenen Kopf- und Zahnschmerzen etwas positives abgewinnen. Gemeinsames Leiden schafft eine neue Ebene des Verstehens. Nein, Schmerz adelt nicht, Leid noch weniger – so meine ich es nicht. (Ach, ihr wisst schon.)

Nur zu dritt? Das „nur“ bezieht sich auf Ulli, die mit Grippe im Bett liegt und leider nicht hierher fahren konnte. Sie war dennoch in unserer Mitte, wie es auch viele andere Menschen, unsere Partner und auch mal andere Bloggende waren.

Konkurrenzlose, liebevolle Verbundenheit.

Immer wieder sprechen wir über unsere Ideale, darüber wie die Welt sein sollte, könnte. Wie es sich besser leben ließe. Wir venetzen Vergangenes mit Gegenwärtigem, Erlebtes, Erfahrenes verorten wir in der Zeitachse und erkennen Parallelen.

Spannend ist dieses Treffen auch aus kultureller Hinsicht: Eine Ossi, eine Wessi und eine Schweizerin, alle praktisch gleich alt. Alle drei in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten groß geworden. Vieles, was ich nicht verstehen kann und es dennoch verstehe. Zumindest annähernd.

Ich freue mich nun auf einen sonnigen Sonntag und auf all das, was wir gemeinsam noch erleben werden.

Wie es wohl dann sein wird, heute Abend, wenn ich mich in mein Schweizer Bett fallen lassen werde? Das ist aber noch gaaanz weit weg. Die Zeit dehnt sich aus und fast ist es mir, als wäre ich schon ganz lange hier.

Ich wünsche uns allen hier und dort und euch allen, die das hier lesen, einen wunderbaren Sonntag, allein und/oder mit andern.

Auf das Leben!