Hexen oder Heilige?

Dass es in meiner Wohnumgebung sehr schöne Ecken hat, entdecke ich je länger je öfter. Zwar bin ich hier in der Nähe ja aufgewachsen, doch meine Eltern waren – nicht zuletzt da wir kein Auto hatten – eben nicht so die Ausflügler-Eltern. Auch weil das Geld fehlte. Und die Zeit sowieso.

Im Grunde waren meine Kenntnisse meiner nächsten Umgebung sehr rudimentär, was ich viele Jahre später in der Fahrschule dann mit Erstaunen festgestellt hatte. Dazu kommt, dass ich zwar gut Karten lesen kann und mir alles, wenn ich eine Karte vor mir habe, bestens vorstellen kann, mich aber – sobald die Karte verstaut ist – weder Himmelsrichtungen noch die ganzen räumlichen Zusammenhänge wirklich in 3D vorstellen kann.

Auf der Gisliflueh zum Beispiel war ich als Kind zuletzt, dabei ist sie nur grad ein Katzensprünglein von meinem Heimatdorf und zwei Katzenhupser von meinem jetzigen Zuhause entfernt. Nun denn …

Dank Geocaching-Webseite stellte ich vor ein paar Tagen fest, dass auf der Gisliflueh ein paar Geocaches liegen. Und eigentlich wollten wir diese schon vor ein paar Tagen suchen …

Wie auch immer – wir sind erst heute los. Und zwar von der andern Bergseite als der mir bekannten.

Freundin L.-sei-Dank, die gestern nach ihrem Besuch etwas bei uns vergessen hatte, fuhren wir nämlich heute einen Umweg und näherten uns dem Berg von der Aaretalseite statt von der mir minim vertrauteren Seite, vom Schenkenbergertal. Neuland für Irgendlink und mich.

Warum also weit fahren, wenn man fast vor der Haustüre ein paar Berge hat, die ich erst dank Irgendlink entdecke?

Von Biberstein aus wanderten wir steil bergan. Dreihundertfünfzig Höhenmeter müssen es ungefähr gewesen sein, auf nur ungefähr vier Kilometer.

Steil zwar, doch die wunderbare, herrlich frühlingsgrüne Umgebung machte das längst wett. Ein erwachender Wald, magisch und bärlauchüppig.

Auf kleinen Trampelwegen stiegen wir bergan. So mag ich es, obwohl wir beide recht ins Schwitzen kamen. Und dies trotz des kühlen Windes, der uns je höher je mehr um die Ohren pfiff.

Wie währschafte Gipfelstürmer, die einen Viertausender besteigen, kamen wir schließlich oben an. Stolz und glücklich.

Dreihundertsechzig Grad-Rundsicht bis in die Ostschweizer, Innerschweizer und Berneroberländer Alpen. Ein kleiner Dunst verhinderte die perfekte Fernsicht zwar, doch auch so war es grandios.

Gisliflueh1

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panorama

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frischgeschlüpft

Hexe oder Heilige? Wem verdankt die Gisliflueh wirklich ihren Namen? Und wer war Gisela? Eine Kräuterfrau, eine Hexe, eine Weise?

Dreihundertdreissig

Verrückt ist es nicht. Oder doch? Für mich schon. Auch wenn andere größere Zahlen haben.

Ich gratulierte mir gestern zu meinem 330. gefundenen Geocache und erinnerte mich an meine Anfänge. Meine ersten drei Caches habe ich, sagt das Logbuch, am 20. Dezember 2009 gesucht und gefunden – zusammen mit Irgendlink, der mich in dieses tolle Hobby eingeführt hat. 1579 Tage bin ich nun also schon Geocacherin. Im Durchschnitt habe ich ungefähr jeden fünften Tag einen Cache gefunden. Die meisten mit Irgendlink und/oder andern Cachern und Cacherinnen zusammen, ein paar auch allein.

regen_kommSuchen, finden … ja, das ist etwas, das ich mag. Die Philosophin und das Kind in mir jubeln gleichermaßen, wenn sie ein neues Erdversteck finden, ein weiteres Logbuch öffnen und den Namen erneut hineinkritzeln dürfen.

kaputtAuch nach Antworten suche ich immer wieder von neuem. Meist nur, um sie, wenn ich sie gefunden habe, wieder zu verwerfen. Die meisten taugen nur einen Augenblick. Aber das ist nicht schlimm. Das Leben findet immer im Augenblick statt.

Gestern, nachdem ich beim Liebsten auf dem einsamen Gehöft eingetroffen war um die Ostertage bei ihm zu verbringen, beschlossen wir schon bald, das schöne Wetter, das ich mitgebracht hatte, auszunützen und die Caches-Runde  beim nahen Flughafen Pottschütt zu machen. Alle zwölf Caches, davon zwei Mysteries und einen Bonus, haben wir gefunden und dabei eine wunderbare Gegend mit einem einmaligen Weitblick entdeckt.

Geocaching ist besser als jeder Wanderführer, sagte ich neulich, da kommt man an Orte, die sonst nirgends stehen.

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Appspressionismus: Bilder auf dem iPhone kreiert und mit Gimp verkleinert und wassergezeichnet.

Sofa-Appspressionismen

Die schon fast überwunden geglaubte Erkältung ist über Nacht nochmals mit mir in den Ring gestiegen. Schnupfen und Husten. Gestern haben Irgendlink und ich trotzdem eine wunderbare Geocaching-Wanderung
unternommen und genoßen. Und jetzt gehen wir auch gleich wieder los – mit vielen Taschentüchern im Gepäck.

Frühling, ich liebe dich!

Ein Tag ist einfach ein schönerer Tag, wenn ich ihn mit dem Liebsten starten kann. Darüber freuen sich sogar die Eier vom einsamen Gehöft.

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Appspressionismus: Bild und Text von A-Z auf dem iPhone kreiert (fotografiert mit ProCamera 7, montiert und bearbeitet mit Polamatic).

It’s a beautiful day …

Was hat dir im 2013 am besten gefallen?, frage ich beim Frühstück den Liebsten – denn allüberall wird Rückblick gehalten. Irgendlink zuckt die Schultern. Keine Ahnung. Alles. Vieles. Hier sein. Und du?

Damals in Berlin, dieser Spaziergang durch den Tiergarten. Oder in Dänemark auf der kleinen Insel. Natur. Stille. Wenn ichs mir so recht überlege, sind die schönsten Momente jene, wenn es rundum still ist und ich – mit dir oder allein – Schönheit wahrnehmen kann. Natur. Sonne. Luft.

Später, ich komme von der Toilette, sage ich:
Ich bin froh, dass ich dieses Jahr immer genug Toilettenpapier hatte. Ich wasche mir die Hände. Und ja, sage ich, dass ich immer genug Wasser hatte. Immer duschen konnte, wenn ich wollte. Immer genug zu essen. Immer genug warm. Immer ein Dach über dem Kopf und dass ich dich an meiner Seite habe. Das war schön dieses Jahr und ist es schon lange und ist es hoffentlich noch lange.

Heute fahren wir nach Collias. Irgendlink kennt die Gegend, denn er hat früher wiederholt hier Ferien gemacht und Radtouren hierher unternommen. Auf unsere Phones haben wir einige Geocaches geladen, die zu einer mehrere Kilometer langen Runde gehören. Einer balade, die sich eher als Wanderung oder Bergtour entpuppt denn als Spaziergang. Beginnen tut sie an der Gardon, dem Fluss, den die Römer mit einem bis heute erhaltenen Aquaedukt überspannt haben. Ein Monument übrigens, das wir vorgestern besucht und bestaunt haben.

pont du gard

Bei bestem, sonnigstem Wetter wandern wir dem Fluss entlang, machen Bilder und suchen nach den Geocaches. Gar nicht so einfach, denn es sind heute viele Muggel, viele Nicht-CacherInnen, unterwegs. Später gehts bergan. Schon bald sind wir auf halber Berghöhe und genießen es, über schmale Steinwege zu klettern und zwischen wildem Thymian und Salbei zu rasten.

Da muss irgendwo ein Durchgang sein, wo wir auf die andere Seite des Berges können, sage ich und deute auf die geladene Wanderkarte auf dem Display meines Telefons. Da drüben liegt der nächste Cache.

Schon ist es nach vier. In einer Stunde wird es dunkel. Wir haben so lange gebummelt, dass der zweite Teil der Runde, der Rückweg, in die Zeit der Dämmerung fallen könnte. Noch aber ist es hell und wir steigen weiter bergan. Haben wir uns verirrt? Aber die Karte sagt doch … Vielleicht ist der Weg nicht mehr da? Irgendlink findet einen weiteren Pfad und auf einmal sind wir eine Ebene höher. Oben auf dem Berg sozusagen. Und da, genau wie die Karte sagt, ist der Durchgang. Nur eben eine Ebene höher.
Was für eine Parabel!, keuche ist, denn es geht noch höher. Auf einmal sind wir auf einer Steinpiste, an deren Ende ein Geocache lauert. Ganz schön gefährlich. Wir lassen ihn links liegen, denn die Dunkelheit schleicht sich an. Sich für Geocaches Beine zu brechen muss ja nicht sein.

Oben auf dem Hauptweg finden wir nun auch den richtigen Übergang zum Hauptwanderweg zurück Richtung Collias. Die restlichen Caches pflücken wir bei immer schwächer werdendem Tageslicht.

Und schließlich das Finale: Meine GPS-App zeigt den letzten Cache der Tour auf einem letzten schmalen Weg an, der direkt zurück nach Collias führt. Wir finden den Weg nicht auf Anhieb, denn die Hecken und Sträucher sehen im Halbdunkel alle halb nach Weg und halb undurchläßig aus. Zurück auf den letzten breiten Weg? Also gut, vielleicht gibt es ja den Weg nicht mehr, vielleicht ist er zugewachsen? Fast sind wir wieder oben bei der letzten Verzweigung angelangt, da entdecke ich eine Art Schneise in den mannshohen Büschen.
Guck, hier!, sage ich und nun gibt es kein Halten mehr. Wir tauchen ein in eine mystische Halbwelt. Ein dunkler Gang tut sich vor uns auf. Ein Finale erster Güte. Dank der Taschenlampen an den Telefonen kommen wir gut vorwärts, doch den letzten Cache finden wir trotzdem nicht. Muss ja nicht. Der Tag war auch so perfekt.

Solche Tage betrachte ich als Geschenk. Sogar die kleine Irrfahrt auf dem Rückweg kann das Gefühl nicht trüben, das ich heute, hier und jetzt in mir trage: Dankbarkeit.

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Appspressionismus: von A-Z auf dem iPhone kreiert (fotografiert, montiert, geschrieben, hochgeladen)