Manches schon, manches nicht – Gedanken zum Heilwerden

Bei einem Auto spricht man ja davon, ob es sich noch lohnt, es zu reparieren. Etwa dann, wenn sich die Kosten für die Reparatur denen für die Anschaffung eines neuen (Gebraucht-)Wagens annähern oder sie gar überschreiten. Selbst dann, wenn der Schaden womöglich mit großem Aufwand repariert werden könnte, wird das kaputte Auto oft lieber ersetzt. Es hängt vom Menschen ab, dem das Auto gehört, ob er in eine Reparatur oder in eine Neuanschaffung investieren will. Oder ob er ohne Auto leben will.

Metaphern wie diese lassen sich nur bedingt aufs Menschsein übersetzen. Zumal sich der Wert eines Autos nicht mit dem eines Menschenlebens messen lässt. Auch ist ein menschlicher Körper weitaus komplexer als ein Motor. Dennoch gibt es auch bei einem kranken Menschen diesen einen Moment, diesen einen Punkt, und jemand spricht die Worte ’unheilbar krank’ aus.

Doch wann gilt ein Mensch als unheilbar krank und wer trifft diese Entscheidungen und sind sie wirklich wahr? Welche Grenze muss überschritten sein, damit wir das Therapieren aufgeben und nur noch danach trachten, Schmerzen auf ein Minimum zu reduzieren?

Körperlich-physisch lässt sich vielleicht ein klein wenig besser definieren und beobachten, wann der Punkt erreicht ist, wenn – bezogen auf wissenschaftliche Forschungsergebnisse und berufliche Erfahrungen – nichts mehr gemacht werden kann. (Von Wundern mal abgesehen.)

Wie aber sieht es bei psychischen Krankheiten aus? Wann gilt jemand mit einer psychischen Einschränkung als austherapiert?

Ich frage mich, ob meine Eingeschränktheit in Sachen mentaler Belastbarkeit, die sich durchaus auch körperlich bemerkbar macht, heilbar, veränderbar ist oder ob sie zu jenen nicht mehr veränderbaren, heilbaren Dingen gehört, die ich einfach als gegeben akzeptieren muss. Einer Amputation gleich – ein Bild, das so unzutreffend gar nicht ist.

Mit ’mir mehr Mühe geben’, mit Ausdauertraining und mit ’es nur richtig wollen’, wächst zwar kein amputiertes Glied nach, aber ich kann manchmal und punktuell etwas erreichen. Dennoch gehe ich dabei immer wieder über meine Grenzen. Und es stellt sich die Frage, was damit erreicht ist.

Ist es nicht, wie gesagt, vielmehr wichtig, zu akzeptieren, dass etwas eben so ist, wie es ist?
Zu akzeptieren, dass ich das Putzen meiner kleinen Wohnung immer auf zwei Tage verteilen muss, weil ich es an einem einzigen kräftemäßig nicht schaffe.
Zu akzeptieren, dass ich nicht mehr länger als vier Stunden am Stück am PC sitzen kann, weil ich bei mehr Zeit im Sitzen Schmerzen bekomme.

Akzeptieren ist für mich so oder so die einzige Möglichkeit mit Schwierigkeiten umzugehen. Wenn ich denn nicht verbittern will. Selbst dann, wenn etwas wieder besser werden sollte. Wie bei meiner Schulter (frozen shoulder), die nach vielen Monaten Schmerzen und Unbeweglichkeit dank gezielter Physiotherapie und schmerzhaften täglichen Trainings nun langsam wieder beweglich geworden ist (zu 95% von 100% wieder hergestellt).

Manches ist heilbar, manches nicht.