Aus den Soso’schen Geheimarchiven

Katzen- & Alienfreund Blogger Irgendlink beim Planen seines nächsten Karriereschrittes:

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Siehe auch: Über das Leben diesseits und jenseits der Katzentüre I
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Bild: iDogma | Appspressionismus –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).

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Gibt’s über uns einen Himmel?

Endlich habe ich die Nuss geknackt und mit Audacity die Streams die mein Liebster am Patent Ochsner-Konzert vor zehn Tagen (heimlich als Überraschung für mich) aufgenommen hat, in einzelne Schnipsel unterteilt. Die Stücke sind erstaunlich gut (also natürlich den Verhältnissen entsprechend). Mit Bildern, die ebenfalls Irgendlink geschossen hat, habe ich nun eine Diaschau gemacht. Dies hier ist ein sehr sanftes Lied, im ziemlichen Kontrast zu all den anderen, die sie am Konzert gespielt haben. Und entsprechend liebevoll hat Büne es angesagt. 🙂

Der Text dieses Liedes ist sehr einfach. Und die Melodie erinnert an eine Hymne oder an ein Kinderlied, da die Ochsen nicht nur auf jazzigen, bluesigen und rockigen Wiesen grasen, sondern auch altes Liedgut neu aufbereiten.

# Es regnet schwarzen Honig in den Hinterhof. Eine kleine Welt geht unter. Wir hocken da auf wackeligen Stühlen in diesem windschiefen Haus. Die größten Ängste und Zweifel, die warten schon mal da. Gibt’s über uns einen Himmel, der uns nicht lässt untergehn? Gibt’s über uns einen Himmel, der uns nicht lässt untergehn?

# Leicht sind wir gewesen, wie Blütenstaub, über dunklen Wolken. Die Jahre sind gekommen und vergangen, haben Spuren hinterlassen und alles, das zerbrechen kann, ist gebrochen und nicht mehr da. Gibt’s über uns einen Himmel, der uns nicht lässt untergehn? Gibt’s über uns einen Himmel, der uns nicht lässt untergehn?

# Ich vergesse dich nicht, vergesse höchstens den Schluss. Bleib in meinem Herzen, und hier, und der Rest bleibt draußen. Gibt’s über uns einen Himmel, der uns nicht lässt untergehn? Gibt’s über uns einen Himmel, der uns nicht lässt untergehn?

Büne Huber (auf CD Johnny – Rimini Flashdown II, erschienen 2012)

(Ich weiß, das ist keine schöne, sondern eine sehr plumpe Wort-für-Wort-Übersetzung von Berndeutsch auf Deutsch, doch sie veranschaulicht, wie die schweizerische Satzstellung eben doch ziemlich unterschiedlich zur deutschen ist.)

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EDIT:
Zu schon fast nachschlafener Stunde lade ich noch einen zweiten Film, eine zweite Diaschau, zu Youtube hoch.

Guet Nacht, Elisabeth!

In diesem Song geht es um Altlasten, die eigentlich für einen allein – und für zwei zusammen sowieso – viel zu schwer sind. Die Zeit der kalten Sophie ist es. Lass mich gehn … Und zieh dich warm an!

Da und dort …

Die Ausstellung von Gastfotografinnen und -fotografen auf pixartix_dAS bilderblog geht weiter. Morgen eröffnen wir die Ausstellungspforten für Lakritze. Thema ihrer Ausstellung: Bilder von nichts. Hm, also keine Bilder? Oder? Seht selber.

Am Wochenende gibts jeweils und weiterhin Bilder aus der heimischen Küche, sprich von Irgendlink und mir.

Ach ja, und dies noch: auch weiterhin appe ich die Welt auf Sofasophia appt die Welt. Guck einfach mal vorbei. Obwohl. Die Stühle habe ich bereits hochgeklappt, es schneit nämlich bei uns …

neulich in baden

Neulich vor einer Kneipe in Baden …

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Bilder: iDogma –
Fotografiert mit der App Hipstamatic, montiert mit der App TurboCollage (iPhone-integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).

Geschenkte Gäule

Einen durfte ich selbst verschenken und einen haben wir geschenkt bekommen. Einen Gaul, meine ich. Gäule. Am gäulsten ist der, den wir zusammen bekommen haben, doch der, den ich verschenkt habe, war noch besser. Fragt den Liebsten, doch der ist jetzt unterwegs zum Auto und stellt eben kurz die Parkscheibe um. Es ist Samstagmorgen, kurz nach neun, und ich sehe älter aus als ich je sein werde.

Na ja, auf viel schlafen hatten wir uns eh nicht eingestellt, doch das Gewitter, der Sturm, der um halb sieben tobte, nach immerhin fünf Stunden Schlaf, angereichert mit dem Summen des einsetzenden Samstagmorgenstadtverkehrs, hat mich geweckt und das Kopfkino ein Wiedereinschlafen verunmöglicht. Die hohen Fenster unseres Hotelzimmers, obwohl mit dicken Vorhängen verschleiert, schützen kaum vor Lärm. Und gegen den Wind und die Zugluft ebenso schlecht. Ein altes ehrwürdiges, nicht eben billiges Hotel – doch seine besten Tage hat es wohl schon hinter sich, wenn es sich nicht neugebären lässt. Die Vorhänge bewegen sich bei geschlossenen Fenstern im Wind. Ich glaube zuerst im Morgendunkel an eine Sinnestäuschung. Doch auch bei wiederholtem Hinschauen – Augen auf, Augen zu, wieder auf – bauschen sie sich. Der Liebste schläft tief und fest. Wegen der Bar und dem Nachtleben hier unten in der Berner Altstadt, haben wir uns Taschentuchschnipsel in die Ohren gestopft. Meine habe ich längst rausgepult.

Dennoch ein starker Gaul, das hier. Ich habe ihn bekommen, als ich vor anderthalb Jahren meine Berner Arbeitsstelle und die Stadt Bern lachend und weinend verlassen habe. Ein Gutschein für eine Hotelnacht mit dem Liebsten – als gutes Mittel gegen Heimweh.

Immer wieder haben wir den Gutscheinbezug auf später vertagt. Immer wieder konnten wir woanders übernachten. Gestern war es aber endlich soweit. Unweit des berühmten alten Bärengrabens und des fast schon ebenso berühmten neuen Bärenparks residieren wir im ersten Stock, mit Blick auf die Nydeggkirche, direkt über der bis halb vier geöffneten Bar. Eben fährt eine Ambulanz vorbei.

Schau dem geschenkten Gaul nicht ins Maul! Er war teuer. Bern ist teuer. Sirenengeräusch habe ich in meiner Berner Zeit täglich mehrmals gehört, solange bis ich es irgendwann nicht mehr wahrnahm. Während meines Jahres auf dem einsamen Gehöft und auch jetzt, in meinen aktuellen Alltag im Aargau, kommt dieses dringliche Heulen kaum mehr vor. Auch Trams und Stadtbusse hörte und höre ich dort keine.

Es war schon spät nachts, als wir in der Nähe geparkt haben. Mit Parkscheibe, die um neun rum neu eingestellt werden muss. Gratisparkplätze gibt’s in Bern kaum, blaue Zone dafür ab sieben Uhr ziemlich häufig: Allerdings immer nur für eine Stunde oder zwei.

Zugegeben purer Egoismus hat mich dazu getrieben, einen Gaul zu verschenken. Der, den ich verschenkt habe, ist allerdings ein Ochse. Ein patenter sogar: ein Eintrittsticket für die Mühle Hunziken. Der Liebste hat sich über das Geschenk offensichtlich sehr gefreut. Die Mühle war, obwohl wir schon fünf Minuten nach Türöffnung dort waren, bereits fast voll. Jedenfalls die begehrtesten Plätze des ge**** Kulturhauses der Welt. Auf drei Ebenen – Parterre, Galerie erster Stock und Galerie zweiter Stock – können die Genießerinnen und Genießer edler Musik, wie es früher mal in der Werbung hieß, genau dies tun: edle Musik abrock- ähm genießen. Und das taten wir, und wie! Nachdem wir uns alle eingefunden hatten – Freundin M. und Freund M. zwar erst in vorletzter Minute – konnte es losgehen.

Mit Herzblut und Leidenschaft legten sich Büne Huber und seine Männer und Frauen von Patent Ochsner ins Zeug und verzauberten uns mit ihren Songs. Raffiniert-einfachen Texte und genial-oppulenter Sound vom feinsten. Musikalisch brillant. Wir tanzten, sangen, johlten und klatschten, und verwandelten so mit den andern sechs- oder siebenhundert Gästen das Haus in eine einzige große Sauna. So menschenscheu ich zuweilen auch sein mag, so wild und übermütig kann ich werden, wenn mich ein Konzert so richtig mitreißt.

Nach vielen Abschiedküssen und -umarmungen (und ich schon mitten in einer post-konzertalen Depression) fuhren wir nach Bern zurück. So ähnlich, meint Irgendlink, habe er sich wohl gefühlt, als seine viermonatige Radtour ums Meer zu Ende gewesen sei. Der Vergleich mag hinken, doch meine Vorfreude auf Konzert, Freundestreffen und Bernaufenthalt mit Irgendlink war so riesig und so intensiv – und in ihrer Erfüllung so beglückend!!! –, dass es sich hinterher schon sehr seltsam angefühlt hat. Nach der Wärme die Kälte. Schneeregen. Doch jetzt, hier im Hotel, geht’s mir wieder gut. Müde, aber gut. Nun Dusche und Frühstück. All included.

Später. Das Frühstück? Reden wir nicht davon. Doch von Klee können wir reden. Über das Zentrum Paul Klee, das uns immer wieder begeistert.

Paul Klee. Der Berner, der in die Welt gezogen ist, um Menschen und Kunst zusammenzubringen. Eine Doppelausstellung wie immer. Die eine über Engel bei Klee und anderen: sehenswert! Die andere über Klee als Lehrer im Bauhaus in den späten Zwanzigern des letzten Jahrhunderts: sehenswert! Und lesenswert finde ich diese Textpassage hier, die ich auf der Paul-Klee-Zentrum-Website gefunden habe:

Klees Haltung, dass nicht die endgültige Form das Wesentliche sei, sondern der dahin führende Weg, zieht sich wie ein roter Faden durch seine Lehre. Er betonte immer wieder, dass eine Form nicht ist, sondern wird. Deshalb erforschte er ihr Inneres und ihre Entstehung.
(über Paul Klee)

Ein Plädoyer nicht nur für Kunst, sondern fürs Leben überhaupt.