Immer jetzt

Eigentlich muss man, um morgens gut und gerne aufstehen zu können und wirklich gerne und lebendig leben zu wollen, mit mehr Vehemenz an eine gute lebenswerte Welt – innen ebenso wie außen – glauben als an eine kaputte. Oder man muss wütend genug sein, sie auf den Kopf stellen zu wollen.

rote JohnannisbeerenWie auch immer: im Moment stehe ich morgens ziemlich gerne auf.

Jetzt.

Wenn ich es schaffe, den zensurierenden und nörgelnden Stimmen mein großes Jetzt entgegenzulachen, geht es mir eigentlich ganz gut. Wenn ich den grübelnden Stimmen, die mehr Fragen stellen als ich je Antworten haben werde, ein Jetzt ins Ohr flüstere, kann ich manchmal, jetzt, einfach sein. Einfach sein ist allerdings gar nicht so einfach. Nicht für mich jedenfalls.

Dennoch: Es hat in mir drin Macht gewonnen, dieses Jetzt. Es hat sich mit der Sonne, dem Wind und dem Grün der Bäume verbündet und es tut so, manchmal jedenfalls, als wäre jetzt alles gut.

Und wenn ich es dann frage, mein Jetzt, ob es denn alles wäre, was zählt, lacht es nur. Schließlich sagt es, dass wir Menschen trotz ihm nicht ohne Verantwortung unserer Mitwelt gegenüber seien. Dass die anderen Wesen in ihren Jetzt-Blasen dennoch relevant seien, verwandt, verbunden. Es sei vielmehr so, dass nicht Jetzt alles sei, sondern alles Jetzt. Alles im Jetzt gebündelt. Viele Folien, viele Dias übereinander, oder auch viele Wollschichten, ein einziges großes Gefilze.

Wir alle unentrinnbar im Jetzt verdichtet.

Wie die Johannisbeeren, die ich jetzt zu Marmelade verkochen, verdichten werde und die mir immer Winter von der Sommersonne erzählen können.

Mein Montagskontigent

Wenn Montag, der 13. Juli Tag eins ist, ist heute Tag minus 3? Oder so. Und so ähnlich fühle ich mich auch. Also irgendwie. Ich meine: Minus.

Eigentlich hätte ich ja heute Vormittag meinen letzten Bürohalbtag vor den Schwedenferien gehabt, doch kaum erwacht, ruft schon Scheffe an und meint, ich müsse nicht kommen, weil … was gemacht werden müsse, könne ich eigentlich auch von daheim aus machen.
Ich: Aber ich muss dir doch noch die Versicherungsdokumente, die du brauchst … Außerdem muss ich noch den letzten Kram verpacken. Für den internen Büroumzug.
Er: Oh, stimmt, die Doku hab ich voll vergessen. Treffen wir uns halb elf im Büro?

Wer aber die Dokus daheim vergisst, bin ich. *grmpf* – mein Glück ist, dass Scheffe eh in meine Richtung muss. Also kurzer Schlenker bei mir vorbei. Da hast du die Dinger. Und nun: Homeoffice. Mein letzter Vor-den-Ferientag passiert ganz passend daheim.

SchaumkrönchenUnd doch: Dieser Donnerstag tut schon von Anfang an so als wäre er ein Montag. Überhaupt: Das war eine Woche voller Montage! Außer am Dienstag. Da war Dienstag und ich hatte frei. Überzeit kompensieren. Wobei: Am Dienstag habe ich erfahren, dass mein Auto unheilbar krank ist. UnTÜVabel sozusagen. Kurz und schlecht: Auch Dienstag war ein Montag!

Nun denn, mein Tisch ist voll letzter To-dos und Mitsollkram. Packen tu ich aber erst am Schluss. Davor Waschen und Putzen. Endlich mal wieder. Und hoffen.

Hoffen, dass am nächsten Montag, wenn ich nach Stockholm fliege, mein Montagskontingent für diesen Monat aufgebraucht ist.