Wäscheleine einmal anders

Wo soll ich bloß anfangen? Am Anfang, sagst du? Am Anfang war das Rad. Am Anfang war die Reise. Am Anfang war „Ums Meer 2012“, denn ohne diese Reise wäre der gestrige Abend so nicht möglich gewesen.

Darum für alle meine neuen Leserinnen und Leser hier gleich ein paar Sätze zum Anfang … Alle andern bitte einfach weiterscrollen bis #.

Liebe neue Lesende. (Meine Statistikzahlen machen mich glauben, es sei so, dass es euch gibt …).
„Ums Meer 2012“ heißt das multimediale Kunstprojekt, das mein Liebster, Irgendlink, dieses Jahr während vier Monaten realisiert hat. Eine Radreise von 7663 Kilometern. Doch dabei hat Irgendlink nicht nur viele Kilometer zurückgelegt, sondern auch seinen eigenen Strom erzeugt, um sein iPhone zu füttern. Dieses Teil war bei diesem Projekt die Schnittstelle für seine Kunst, die er unterwegs geschaffen und direkt ins Internet geladen hat. Meist jedoch kamen die Texte und die Bilder zuerst zu mir, die ich das Projekt redaktionell betreut habe. Ich habe die Wörterdecke gepackt, sie ausgeschüttelt wie Frau Holle und die herauspurzelnden Tippfehler kompostiert. Den Rest habe ich ins Blog Irgendlink gestellt, wo die Reise in Text und Bild noch immer nachzulesen ist. (hier klicken).

# Alle wieder da? Dass eine Ausstellung mit ganz viel Arbeit verbunden ist, weiß ist längst, habe ich doch sowohl selbst schon ausgestellt als auch Irgendlink bei Ausstellungen assistiert. Von daher weiß ich, was die PrismatInnen dieser Tage geleistet haben! Die Zweibrücker Kunstgruppe Prisma, die sich diesen Frühling formiert hat, zeigt seit August 2012 in einem zweistöckigen Lokal Kunst verschiedenster Genres. Gestern eröffnete die Gruppe bereits ihre zweite Ausstellung dieses Jahres. Die Idee ist, dass jede neue Ausstellung der neun Künstlerinnen und Künstler mit einem Event gefeiert wird … Mit großem Enthusiasmus und viel Energie legten sich alle ins Zeug, um ein gemeinsames Kunstwerk in den Räumen zu erschaffen. Es hat sich gelohnt!

Klang- & Bildreise war das Thema der gestrigen Ausstellungseröffnung. Irgendlinks Diaschau-Film „Ums Meer 2012“, den es in „klein“ auch auf Youtube gibt, kam gestern richtig groß heraus.* Die Galerie war so voll, dass sich die Leute buchstäblich auf die Füße traten und der viertelstündige Film – je in sepia und in „farbig“ – immer wieder gezeigt werden durfte. Michael Wack, ein begnadeter Klangkünstler schaffte das Wunder, die Diaschau, musikalisch so gekonnt in Szene zu setzen, dass Rhythmus und Aussage der Bilder noch verstärkt wurden. So oft ich die Schau auch in klein auf dem Laptop geguckt hatte, konnte ich mich doch gestern an ihr kaum sattsehen. Immer wieder entdecke ich neue Details in der Fülle der Bilder. In groß, auf die Wand gebeamt, war die Wirkung einfach umwerfend. Das Echo des Publikums war gewaltig. Die einen mochten lieber die auf alt getrimmte Sepia-Version, die anderen das Bunt der zweiten Schau. Es kam zu tollen Begegnungen und Gesprächen jenseits von Smalltalk.

Besonders beeindruckt waren viele KunstliebhaberInnen auch von der Hängung der neuen Bilder. Nicht nur über das Konzept der ganzen Ausstellung hörte ich rühmliches, auch Irgendlinks neue Bilderserie kam super an. Wo normalerweise Bilder in tollen Rahmen die Wände zieren, hat Irgendlink diesmal, der Not des leeren Geldbeutels gehorchend, die bekanntlich erfinderisch macht, eine unsichtbare Schnur hin- und hergespannt, an welche er achtzig auf 10×15-Papier gedruckte 9×9-Bilder von der Reise gehängt hat. Das gute alte Wäscheleine-Prinzip, edel und ästhetisch umgesetzt. Was sich kaum beschreiben lässt, sieht wirklich saugut aus.
Innovative Hängung!, befand ein befreundeter Galerist, dem es ganz besonders die handschriftlichen Texte auf den Bildern angetan haben. Irgendlink hatte auf den freien Platz unter jedem Bild feinsäuberlich Informationen über den jeweiligen Standort der Aufnahme (Ort, Land, Koordinaten) notiert.**
Sie sehen ein bisschen wie Polaroids aus!, meine eine ältere Kunstliebhaberin. Hat was.

Je später der Abend desto kleiner die Schar und desto angeregter die Stimmung. Gemeinsames Gläserspülen. Aufräumen. Lachen. Da ein bisschen Rumblödeln, dort ein wenig Philosophieren. Spaß hat’s gemacht.

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* die DVD mit den beiden Filmen (10 Euro plus Versand) sowie das Poster (35 € plus Versand) bitte bestellen bei homebase@europenner.de.

** Auch die Bilder sind käuflich. Mit handgeschnittenem Passepartout (aber ungerahmt) erhältlich für 15 € (plus Versand). Jedes Bild aus dem Irgendlink-Blog „Ums Meer 2012“ (hier klicken) kann so aufbereitet werden!

Da und dort …

Die Ausstellung von Gastfotografinnen und -fotografen auf pixartix_dAS bilderblog geht weiter. Morgen eröffnen wir die Ausstellungspforten für Lakritze. Thema ihrer Ausstellung: Bilder von nichts. Hm, also keine Bilder? Oder? Seht selber.

Am Wochenende gibts jeweils und weiterhin Bilder aus der heimischen Küche, sprich von Irgendlink und mir.

Ach ja, und dies noch: auch weiterhin appe ich die Welt auf Sofasophia appt die Welt. Guck einfach mal vorbei. Obwohl. Die Stühle habe ich bereits hochgeklappt, es schneit nämlich bei uns …

neulich in baden

Neulich vor einer Kneipe in Baden …

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Bilder: iDogma –
Fotografiert mit der App Hipstamatic, montiert mit der App TurboCollage (iPhone-integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).

Geschenkte Gäule

Einen durfte ich selbst verschenken und einen haben wir geschenkt bekommen. Einen Gaul, meine ich. Gäule. Am gäulsten ist der, den wir zusammen bekommen haben, doch der, den ich verschenkt habe, war noch besser. Fragt den Liebsten, doch der ist jetzt unterwegs zum Auto und stellt eben kurz die Parkscheibe um. Es ist Samstagmorgen, kurz nach neun, und ich sehe älter aus als ich je sein werde.

Na ja, auf viel schlafen hatten wir uns eh nicht eingestellt, doch das Gewitter, der Sturm, der um halb sieben tobte, nach immerhin fünf Stunden Schlaf, angereichert mit dem Summen des einsetzenden Samstagmorgenstadtverkehrs, hat mich geweckt und das Kopfkino ein Wiedereinschlafen verunmöglicht. Die hohen Fenster unseres Hotelzimmers, obwohl mit dicken Vorhängen verschleiert, schützen kaum vor Lärm. Und gegen den Wind und die Zugluft ebenso schlecht. Ein altes ehrwürdiges, nicht eben billiges Hotel – doch seine besten Tage hat es wohl schon hinter sich, wenn es sich nicht neugebären lässt. Die Vorhänge bewegen sich bei geschlossenen Fenstern im Wind. Ich glaube zuerst im Morgendunkel an eine Sinnestäuschung. Doch auch bei wiederholtem Hinschauen – Augen auf, Augen zu, wieder auf – bauschen sie sich. Der Liebste schläft tief und fest. Wegen der Bar und dem Nachtleben hier unten in der Berner Altstadt, haben wir uns Taschentuchschnipsel in die Ohren gestopft. Meine habe ich längst rausgepult.

Dennoch ein starker Gaul, das hier. Ich habe ihn bekommen, als ich vor anderthalb Jahren meine Berner Arbeitsstelle und die Stadt Bern lachend und weinend verlassen habe. Ein Gutschein für eine Hotelnacht mit dem Liebsten – als gutes Mittel gegen Heimweh.

Immer wieder haben wir den Gutscheinbezug auf später vertagt. Immer wieder konnten wir woanders übernachten. Gestern war es aber endlich soweit. Unweit des berühmten alten Bärengrabens und des fast schon ebenso berühmten neuen Bärenparks residieren wir im ersten Stock, mit Blick auf die Nydeggkirche, direkt über der bis halb vier geöffneten Bar. Eben fährt eine Ambulanz vorbei.

Schau dem geschenkten Gaul nicht ins Maul! Er war teuer. Bern ist teuer. Sirenengeräusch habe ich in meiner Berner Zeit täglich mehrmals gehört, solange bis ich es irgendwann nicht mehr wahrnahm. Während meines Jahres auf dem einsamen Gehöft und auch jetzt, in meinen aktuellen Alltag im Aargau, kommt dieses dringliche Heulen kaum mehr vor. Auch Trams und Stadtbusse hörte und höre ich dort keine.

Es war schon spät nachts, als wir in der Nähe geparkt haben. Mit Parkscheibe, die um neun rum neu eingestellt werden muss. Gratisparkplätze gibt’s in Bern kaum, blaue Zone dafür ab sieben Uhr ziemlich häufig: Allerdings immer nur für eine Stunde oder zwei.

Zugegeben purer Egoismus hat mich dazu getrieben, einen Gaul zu verschenken. Der, den ich verschenkt habe, ist allerdings ein Ochse. Ein patenter sogar: ein Eintrittsticket für die Mühle Hunziken. Der Liebste hat sich über das Geschenk offensichtlich sehr gefreut. Die Mühle war, obwohl wir schon fünf Minuten nach Türöffnung dort waren, bereits fast voll. Jedenfalls die begehrtesten Plätze des ge**** Kulturhauses der Welt. Auf drei Ebenen – Parterre, Galerie erster Stock und Galerie zweiter Stock – können die Genießerinnen und Genießer edler Musik, wie es früher mal in der Werbung hieß, genau dies tun: edle Musik abrock- ähm genießen. Und das taten wir, und wie! Nachdem wir uns alle eingefunden hatten – Freundin M. und Freund M. zwar erst in vorletzter Minute – konnte es losgehen.

Mit Herzblut und Leidenschaft legten sich Büne Huber und seine Männer und Frauen von Patent Ochsner ins Zeug und verzauberten uns mit ihren Songs. Raffiniert-einfachen Texte und genial-oppulenter Sound vom feinsten. Musikalisch brillant. Wir tanzten, sangen, johlten und klatschten, und verwandelten so mit den andern sechs- oder siebenhundert Gästen das Haus in eine einzige große Sauna. So menschenscheu ich zuweilen auch sein mag, so wild und übermütig kann ich werden, wenn mich ein Konzert so richtig mitreißt.

Nach vielen Abschiedküssen und -umarmungen (und ich schon mitten in einer post-konzertalen Depression) fuhren wir nach Bern zurück. So ähnlich, meint Irgendlink, habe er sich wohl gefühlt, als seine viermonatige Radtour ums Meer zu Ende gewesen sei. Der Vergleich mag hinken, doch meine Vorfreude auf Konzert, Freundestreffen und Bernaufenthalt mit Irgendlink war so riesig und so intensiv – und in ihrer Erfüllung so beglückend!!! –, dass es sich hinterher schon sehr seltsam angefühlt hat. Nach der Wärme die Kälte. Schneeregen. Doch jetzt, hier im Hotel, geht’s mir wieder gut. Müde, aber gut. Nun Dusche und Frühstück. All included.

Später. Das Frühstück? Reden wir nicht davon. Doch von Klee können wir reden. Über das Zentrum Paul Klee, das uns immer wieder begeistert.

Paul Klee. Der Berner, der in die Welt gezogen ist, um Menschen und Kunst zusammenzubringen. Eine Doppelausstellung wie immer. Die eine über Engel bei Klee und anderen: sehenswert! Die andere über Klee als Lehrer im Bauhaus in den späten Zwanzigern des letzten Jahrhunderts: sehenswert! Und lesenswert finde ich diese Textpassage hier, die ich auf der Paul-Klee-Zentrum-Website gefunden habe:

Klees Haltung, dass nicht die endgültige Form das Wesentliche sei, sondern der dahin führende Weg, zieht sich wie ein roter Faden durch seine Lehre. Er betonte immer wieder, dass eine Form nicht ist, sondern wird. Deshalb erforschte er ihr Inneres und ihre Entstehung.
(über Paul Klee)

Ein Plädoyer nicht nur für Kunst, sondern fürs Leben überhaupt.

Belohnungen

Ein heikles Thema, zugegeben, doch Strafen als Thema wäre noch heikler.

Nachdem ich heute und gestern und am Montag schon total viel geschuftet habe, im Haushalt ebenso wie am Rechner an einem Artikel und einer spannenden Bewerbung, bin ich nun bereit für die Belohnung.

Es gab eine Zeit, da habe ich mich alle paar Stunden mit einer Zigarette belohnt – Tempi passati! Oder mit einer Reihe Schokolade (gut, das tu ich noch immer, sehe es aber nicht mehr als Belohnung, sondern gönne es mir einfach. Weil ich es mag).

Heute sehe ich Belohnungen weniger im Zusammenhang mit erbrachten Leistungen als dass ich mir einfach hin und wieder etwas gönne, was ich gerne mache und was mir gut tut. Die Kür nach der Pflicht sozusagen. Blogschreiben nach einem Bewerbungsbrief zum Beispiel. Buchlesen nach Artikelschreiben. Stopp! Artikelschreiben ist ja Kür. Und doch Arbeit. Was mich auf den Gedanken bringt, dass das Konzept Arbeit = Pflicht zum Himmel stinkt. Sehr sogar. Arbeit = Kür wäre doch eigentlich viel toller. Und das ist das Artikelschreiben ja. Na also.

Was ich mir jetzt gönne? Dreimal raten …

1.) …
2.) …
3.) …

(ja, richtig, ich besuche den Baumarkt (siehe zum Beispiel hier) – Fortsetzung folgt …)

Und übermorgen – nur noch zweimal schlafen – belohne ich mich und meinen Liebsten mit dem tollsten Highlight dieses Herbstes:

Patent Ochsner live in der Mühle Hunziken, dem ge***sten Lokal der Welt.  >>> DER Klick zum Sound!

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Und du – womit und wie belohnst du dich?