Innen und außen

Es war einmal eine kleine, scharfe, würzige Zwiebel, die sich eines Tages anbot, Teil eines köstlichen Gemüseeintopfs zu werden. Halbe Zwiebel, geapptDa sie aber aktuell die letzte ihrer Art, in ihrem Zwiebel-Tontopf, war, beschloss ihre Köchin, unsere hübsche, kleine Zwiebel zu halbieren. Sie hatte vor, am nächsten Tag mit der zweiten Hälfte der dienstbereiten Zwiebel ein weiteres Gericht zu würzen. Darum also legte sie die kleine halbe Zwiebel, gut verpackt, in eine Dose.

Tage gingen übers Land in welchen die Köchin ihre Gemüsevorräte im Einkaufsladen aufstockte, neue Zwiebeln kaufte, neue Gerichte kochte und das Leben lebte, das sie eben lebte.

Als eines nicht allzu fernen Tages der Liebste unserer Köchin beim Zwiebelschälen mitanpackte, entdeckte er die kleine Dose mit der gut verpackten halben Zwiebel darin. Halbe Zwiebel, geapptStaunend wurden die beiden sogleich der halben Zwiebel gewahr, die die Zeit ihrer Ruhe dazu genutzt hatte, ihr Innerstes nach außen zu stülpen. Groß war die Freude der Köchin und des Kochs darüber, dass die vergessene Zwiebelhälfte die Zeit ihrer Vergessenheit nicht mit Faulwerden verbracht hatte, sondern geradezu über sich selbst hinausgewachsen war, sich weiterentwickelt hatte und dabei nichts von ihrer Schärfe und Würze verloren hatte. Was für eine wunderbare Sauce sich nun aus der halben Zwiebel kochen ließ!

Collage mit Zwiebelfotos

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Ohne Kleider

Eine meiner Lieblingsfiguren aus der Kunstmärchen-Literatur* ist das Kind, das sich nicht scheut, die Wahrheit zu sagen. Während alle Angst davor haben, dumm dazustehen, sagt das Kind, was es sieht:
Aber der Kaiser hat ja keine Kleider an.

Ich wünsche mir wieder diesen unverstellten Blick auf und in die Welt. Und den Mut, auszusprechen, was ist.

Hier eine kleine Hommage an dieses Kind in mir, in dir, in uns, das die Wahrheit sieht: Ein Bild ohne Bild. Ein nacktes Bild.

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Appspressionismus: von A-Z auf dem iPhone kreiert (fotografiert & montiert).

* Hans Christian Andersen: Des Kaisers neue Kleider