Mutterbilder – reblogged. Ein Aufruf.

Meine liebe Freundin Mützenfalterin sucht für ihr großangelegtes Blogprojekt tausend Mutterbilder. Auch deins hat Platz …

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Nachfolgend findest du mehr Informationen:

muetzenfalterin

Im Grunde ist das Thema nicht neu. Vor zwei Jahren habe ich mich in Form der „Mutterbilder“ damit beschäftigt, und hervorgegangen war diese Auseinandersetzung aus der wiederum ein Jahr zuvor stattgefundenen Diskussion um Kompromisslosigkeit in der Kunst.

Nicht neu und nie veraltet, ist das Mutterthema eines der unerschöpflichen Themen der Menschheit. Obwohl wir seit Jahrhunderten darüber reden, was eine Mutter ist, obwohl wir alle Mütter haben, bzw. gerade deshalb, ist dieses Thema nie beendet, ist in diesem Bereich niemals alles gesagt. Und wie zutreffend es ist, dass auch immer noch nicht alles gesagt werden darf in diesem Bereich, beweist die sehr emotional geführte Debatte unter dem Stichwort „regretting motherhood“, die letztes Jahr durch das Buch der israelischen Soziologin Orna Donath angestoßen wurde.

Es gibt so viele Aspekte des Mutterthemas. Und alle interessieren mich.

Der gesellschaftliche Druck, die Orientierungslosigkeit, weil alles zu einer individuellen Entscheidung geworden ist, ob man Mutter werden…

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Sehen und gesehen werden − aber richtig

Über Bildung nachdenken heißt
über die Menschen und die Welt von Morgen nachdenken

Frau Mützenfalterin über die Poetischen Quellen:

„Und so beginnt auch Ordine mit einer Kritik des nützlichkeitsorientierten Denkens an den Universitäten. Er bedauert, dass seine Studenten, wenn er sie zu Beginn ihres Studiums fragt, was sie denn eigentlich erwarten, was sie erreichen wollen mit ihrem Studium, mehrheitlich antworten: Na einen Abschluss machen, um eine gut bezahlte Arbeit zu finden.

Statt eines Abschlusses als Ziel des Studiums, wünscht sich Ordine, die jungen Menschen sollten lernen, „ein besserer Mensch zu werden“. Sich im wahrsten Sinne des Wortes zu bilden. Denken zu lernen, insbesondere kritisches Denken zu lernen.

Sein Büchlein verkaufte sich bereits im Jahr des Erscheinens 65.000 mal allein in Italien. Inzwischen ist es nicht nur in Italien, sondern auch in Frankreich und Spanien ein Bestseller. Resonanz bei den für die Bildung verantwortlichen Politikern habe es hingegen nicht gegeben, bedauert Ordine, die italienischen Politiker schrieben lieber selbst Bücher, als die von anderen Leuten zu lesen.

Im weiteren Verlauf erklärt Ordine, dass die Sprache der Wirtschaft im Bildungswesen fehl am Platz ist. Warum das so ist, erklärte Abraham Flexner schon 1939. Sehr verkürzt wiedergegeben, indem er die Bedingungen und vor allem die Bedeutung für Grundlagenforschung beschreibt, ohne die keine bahnbrechende Erfindung möglich wäre.

Neugier ist die Basis von Kreativität, der Möglichkeit Neues zu entdecken, Fragen zu stellen, Dinge vielleicht zufällig zu finden.

Ordine zitiert Ionesco: Nutzlosigkeit ist für uns unerlässlich. Der moderne Mensch erscheint nicht nur Ordine als Gefangener des Notwendigen. Umso wichtiger sei Kunst, predigt Ordine. Kunst befreit, fördert eigenes, kritisches Denken, indem sie das reibungslose Funktionieren verhindert, behindert.

Nützlichkeit darf nicht ausschließlich wirtschaftlich und monetär definiert werden. Nützlich ist vielmehr alles, was dem Geist Nahrung gibt; Musik, Kunst, Literatur, Philosophie.“ (Zitat Ende)

Weiterlesen: muetzenfalterin.wordpress.com

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Bildung meint den ganzen Menschen

Frau Rebis schaut zurück auf 20 Tage Radreise und gibt Einblick in ihr Leben als Lehrerin:

„Und dann stehe ich am Ziel und werde mir all dessen plötzlich bewusst. Dass ich diesen für mich schier nicht zu bewältigenden Weg tatsächlich geschafft habe. Ich fühle mich wie ein Schulkind, das statt der 4minus die 4plus geschafft hat, erstmals, und keiner merkt’s. Denn da sind immer die mit den unangestrengten 1en, um es mit einem Schulbild zu vergleichen.

Und noch etwas wird mir bewusst: Dass ich mich anstrengen kann, dass ich einen Willen auf ein Ziel zu haben kann, ohne dass es verbissen und quälend wird. Dass ich an meine Grenzen gehen kann, ohne mich selbst zu zerstören. Dass es lohnt, seine Kräfte in selbst gesuchte, selbst gesteckte Ziele hineinzugeben, weil diese die einzig wichtigen sind.

Das alles möchte ich meinen Schülern unbedingt mit auf ihre Wege geben. Nur fühle ich mich dazu manchmal kaum ermächtigt, habe ich doch von Anstrengung und Mühe genau genommen keine Ahnung. In der Schule und ähnlich kopflastigen Bereichen, bei den Dingen, die in unserer Gesellschaft permanent mit Notenbewertung versehen werden, bin ich mein Leben lang ohne Mühe in der 1,0-Region herumgehopst. Dort hatte ich keine Gelegenheit, mich in Anstrengung, Ausdauer und Durchhaltevermögen auszuprobieren. Viele meiner „Leistungen“ bekam ich ohne Investition geschenkt. Ich habe mir die 1,0 nicht verdienen, nicht erarbeiten müssen. Sie war immer einfach so da. Darum fühle ich mich – unter anderem – auf spezielle Art lebensfremd. Beneidet von außen. Nicht wirklich beneidenswert aus der Innensicht. […]

Hier, wo durch eine Leistungs- und Bewertungswelt täglich Kinder vor sich hinleiden, wo die Außenbewertung durch Noten nur mittels eines urinneren Wertesystems aufgehoben werden kann, wo junge Menschen bei genau diesem Wachsen und Reifen eine helfende Stimme brauchen – hier gehöre ich hin.

Lange musste ich suchen, um dies herauszufinden.

Hier ist so viel Bedürfnis nach Gesehenwerden. Je länger ich in der Schule arbeite, desto mehr spüre ich, dass dies vielleicht unsere wichtigste Aufgabe ist – den Kindern in die Augen sehen und sagen: Du bist gut, so wie du bist.
Im Laufe der Jahre hat sich dabei mein Fokus geweitet. Anfangs stach mir vor allem das Weh der Kinder hervor, die von unserer Schulform überfordert sind. Mehr und mehr nehme ich Kinder wahr, deren Abweichung von der als „normal“ definierten Mitte in anderer Form auftritt. Viele dieser Kinder leiden mehr oder weniger still. Alle diese brauchen verstehende Blicke, eine haltende Hand, ein Geländer, um ihren Weg weitergehen zu können. Sie alle brauchen ein Ich sehe dich. Dafür, glaube ich, bin ich in diesem Beruf gelandet. Im für mich richtigsten und schönsten Beruf der Welt. Wie gut das.

Abgeschweift bin ich. Alles hat ja immer mit allem zu tun. Darum geriet der Bogen so weit. Zurückkehrend also zu meiner „Sportleistung“. Plötzlich, in Hof auf der Straße, meldet sich das kleine Kind in mir. Mit seiner Sehnsucht, dass da jemand sagt: Das hast du gut gemacht. Ich sehe dich.

Und dieses gut, so sehnt es sich in mir, möge bitte nicht bewertend, nicht leistungsbezogen gemeint sein, nicht auf meine Höhenmeter bezogen, nicht auf meinen Mut diese anzugehen, noch nicht mal auf die Tatsache, dass ich diese „Leistung“ ohne Hadern, ohne Groll, ohne mentale Erschöpfung in Demut „vollbracht“ habe. Sondern für mein blankes, pures, nacktes Ich-Sein. Dafür, dass ich bin.
Du bist gut, so wie du bist.

Dieser Jemand muss ich mir wohl selbst sein. Das werde ich auch noch lernen, mehr und mehr.

All sowas fließt mir durch den Kopf, während ich durch Hof laufe, um etwas zu essen zu suchen. Und auf den Wangen fließen Tränen …“ (Zitat Ende)

Weiterlesen: gestreift-beruehrt-geteilt.blogspot.ch

Entwicklung

Ent-Wicklung ….

muetzenfalterin

Vielleicht ist es so: Wir werden geboren, und der Kern dessen, was wir sind, wer wir sind, liegt vollkommen ungeschützt da. Dann kommen die Jahre, in denen sich Schicht um Schicht um diesen Kern wickelt, und irgendwann der Punkt, wo wir beginnen, diese Verwicklungen wieder zu lösen, den Kern wieder frei zu legen. Und das nennt man dann Entwicklung.

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immer weiterschreiben

Eignet sich Schreiben als Betäubungsmittel gegen Schmerz? Eignet sich Lesen als Stimulans*?

Genau genommen gibt es im Leben doch nur zweierlei: Lebenswichtige Notwendigkeiten und Stimulantia*. Doch selbst diese zwei sind eins, denn alles hängt mit allem zusammen.

Ohne atmen, essen, trinken, schlafen und ausscheiden würden wir physisch sterben. Körperpflege klammere ich hier mal aus. Oder ein. Sie ist bereits, wie alles andere, wie alles, was wir außerdem tun, Zugabe, die einzig und allein dazu dient, uns das Leben angenehmer und erträglicher zu machen, unser Lebenszeit zu füllen und uns, dank dieser Handlungen, die Lebensnotwendigkeiten zu ermöglichen. Puffer. Stimulanzia.

Darum bewegen wir uns, darum arbeiten wir an unsern Projekten und darum pflegen wir soziale Kontakte. Diese drei Stimulanzia stehen als Beispiele für grundlegende Stimulanzia. Jegliche Form des Selbstausdrucks – Kunst und Kultur aller Art wie Literatur oder Malerei – ist ebenfalls einzig Stimulans. Um nicht nur physisch zu überleben.

Selbst eine schlichte To-Do-Liste ist bereits ein Stimulans. Und falls es sich dabei um die Einkaufsliste für die lebenswichtigen Lebensmittel handelt, mischen sich hier Notwendigkeit und Stimulans, denn alles hängt zusammen.

Gestern Nacht, vor dem Einschlafen, im Briefsteller von Schischkindie Mützenfalterin hat das Buch hier wunderbar besprochen – schier unerträgliche Kriegsbeschreibungen gelesen.

Weit weniger als die Hälfte aller Menschen auf dieser Erde leben so behaglich wie ich, dachte ich, ins Dunkel starrend. Der größte Teil der Menschen meines Landes lebt luxuriöser als ich.
Je nachdem, in welche Richtung ich schaue, bin ich also reich oder arm.
Je nachdem wie ich denke, könnte ich verzweifeln ob meiner fragilen Lebensperspektiven oder könnte ich vor lauter Freude über den geplanten Neuanfang abheben. Sich selbständig zu machen, ist zwar ein leiser, alter Traum, doch daran kleben noch immer viele Ängste. Kann ich das? Werde ich mich im Wettbewerb behaupten können? Werde ich Aufträge bekommen? Werde ich davon leben können? Vor allem letztere Frage spukt durch meinen Kopf – und dann diese: Was brauche ich zum Leben wirklich? Werde ich von dem, was ich als Selbständige verdienen werde, meine Notwendigkeiten bezahlen können. Das Dach über dem Kopf, die Krankenversicherung und die sprichwörtliche Butter auf dem Brot und werde ich mir auch weiterhin meine Lieblingsatimulantia leisten können, als da wären zum Beispiel Schokolade (weniger die Menge als die Stückgröße der bitteren schwarzen Köstlichkeit, die langsam auf der Zunge zergeht, ist entscheidend) und Bücher?

Eins werde ich hoffentlich immer können: Schreiben. Auch eine Stimulans, natürlich. Und wohl nur eine andere Form von Denken – notwendig und stimulierend.

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* Ich verwende das Wort in Ein- und Mehrzahl hier bewusst losgelöst von seiner pharmazeutischen/medizinischen Bedeutung