In den Pyrenäen #3 – Bilder von heute Nachmittag

Eine wunderbare Bergwanderung mit Fernsicht.
Auf 900 m ü. Meer sieht die Welt einfach ein klein bisschen anders aus … 🙂

Wanderung 26-12-14_Route
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screenie Waderung auf hikebike
Kartenausschnitt auf hikebike – zur Originalkarte draufklicken

Link zum heutigen Kartenausschnitt

In den Pyrenäen #2

Schon hat uns der Ferienalltag wieder, dieses Wir-Ding, das sich um und ins uns entfaltet, wenn wir zusammen unterwegs sind. Zuverlässigkeit, Verlässlichkeit, Vertrauen.

Wir gehen aus dem Haus ohne einen Plan zu haben. Oder höchstens den: Schauen, was wird. Gut, gestern war es immerhin so, dass Irgendlink – noch zuhause in der Pfalz – via Geocache-App die Umgebung ein wenig gescannt und ein paar Geocache-Infos auf sein Handy geladen hatte. Außerdem war er in der näheren und weiteren Gegend schon öfters. Genug Neues gibt es aber alleweil. Wir verlassen das Dorf Richtung Süden, was einfach ist, da wir dazu einfach unserer Straße folgen müssen. Schon bald ist uns klar, dass wir viel zu warm angezogen sind. Ich suche die Sonnenbrille, ziehe den Faserpelz unter der Winterjacke aus und schwitze, denn unser Waldweg steigt sanft hügelan. Wir folgen Irgendlinks Idee, den Cache, der da und da liegen müsste, zu finden.

Zu unserem Ferienalltag gehört das Staunen. Falls ich das eines Tages nicht mehr kann, werde ich nicht mehr verreisen. Nicht, dass wir es „machen“, das Staunen, es passiert uns einfach. Und auch wenn ich schon oft in Südfrankreich war, ist es jedes Mal neu: Dieses Ergriffensein von dieser für diese Gegend hier typischen Weite, den Bergen und Hügeln, der Vegetation, diesen wilden Wegen hier.

Ich stöhne und juble und jaule also wandernd über diese Schönheit, die fremd und vertraut zugleich ist und als uns eine Gruppe Menschen, Erwachsene und Kinder, mit zwei Eseln kurz vor dem Zielort des ersten Caches überholen, geht mein Herz noch weiter auf. Wir treffen die Gruppe, später bei ihrer Rast auf einem Hügel. Wir in der Nähe befindet sich auch unser erster Cache, doch zuerst betrachten wir die Marienkapelle – oder was immer es ist. Ich bin begeistert von den Plastikmarien, die aus PET, aus Flaschenplastik, geschaffen sind, und die ich darum Geist in der Flasche nenne. Die Marienkrönchen sehen schließlich irgendwie wie Flaschendeckel aus. Das Einzige, was ich am Katholentum mag, ist dass sie das mit der weiblichen Göttlichkeit integriert haben.

Maria in der Flasche
Maria in der Flasche

Die beiden Eselchen haben Siesta und wir plaudern mit der Esel-Halterin über Esel als Pilgergefährten. Knuddelweiche gutmütige Gesellen sind die beiden Tiere.

Vergeblich suchen wir über eine halbe Stunde nach dem Cache, ziehen weiter und finden einen Dolmen, ein aus unbehauenen Steinblöcken errichtetes Bauwerk. Manche Dolmen, erfahre ich später, dienten als Grabstätten. Ob es diese hier auch tat, weiß ich nicht. Aber mich beeindruckt das Werk sehr und ich stelle mir vor, wie es vor langer Zeit von Menschen errichtet worden ist.

Auch hier in der Nähe versteckt sich ein Cache. Wir finden ihn kurz bevor wir aufgeben wollen. Wie weiter? Nach Villefranche und von da mit einem Bus zurück, der vielleicht – weil Feiertag ist – gar nicht fährt? Oder runter nach Corneilla und von da zurück nach Vernet-les-Bains wandern? Wir steigen abwärts und finden ein herziges Bergdorf. Sonne satt. Siesta. Es ist kurz nach drei Uhr.

Ein gefundener Cache ...
Ein gefundener Cache …

Meine Wanderkarten-App zeigt einen Wanderweg zurück, doch es ist nicht ganz klar ersichtlich, wo genau sich der Einstieg befindet. Die Alternative wäre der Straße entlang zu gehen, die zwar eng, aber heute wenig befahren ist. Schließlich finden wir den Ein- und Aufstieg. Hätten wir den Weg genommen, wenn wir vorher gewusst hätten, dass es ein zweites Mal um die zwei- bis dreihundert Höhenmeter sind, wie wir zuerst hoch- und dann wieder absteigen würden? Vermutlich nicht. Gut, wenn man im Voraus nicht immer alles weiß.

Die Wanderung ist kolossal. Wir finden sogar Spuren Heiko Moorlanders, der ja eine Zeitlang in Südfrankreich gelebt hat. Mont Canigou ist zum Küssen nah.

Von oben herab
Von oben herab

Abendglühen gibt’s nicht nur in den Alpen. Immer weiter aufwärts steigen wir. Irgendwann geht es aber dann doch wieder abwärts und ich spüre, dass ich doch seit der Gotthard-Wanderung ein wenig meiner Kondition eingebüßt habe. Macht nichts. Wir sind ja bald daheim. Quer durchs Dorf geht es und Irgendlink zeigt mir, wo er am Morgen, auf seiner ersten Erkundungstour entlang spaziert ist. Tolles Dorf, so richtig französisch eben. Ein Meer aus Dächern tut sich unter uns auf.

Dächermeer2
Dächermeer

Später, wir kochen auf zwei Herdplatten unser Abendessen, Kurzschluss. Davor haben uns die Hauswarte gewarnt. Wenn zu viele Geräte gleichzeitig laufen. Aber so viel läuft doch gar nicht? Zwei Lampen. Die beiden Handys zum Laden, Kühlschrank, Modem, Heizung und Herd. Offenbar zu viel. Die zweite Platte war der das Fass zum Überlaufen bringende Tropfen. Wir finden den Hauptsicherungskasten nicht. Im wohnungsinternen Kasten findet sich keine kaputte Sicherung. Das Hauswartspaar kommt auf einen Schwatz vorbei und zeigt, wo – im Treppenhaus draußen – sich der Hauptkasten verbirgt und wo der Hauptschalter umzulegen ist. Tja. So werden wir nun Stromtetris spielen müssen, immer nur so und so viele Geräte. Schlecht ist das eigentlich nicht. Eine kleine Bewusstseinsübung sogar. Und umso dankbarer sind wir, als der Herd wieder läuft und der Rosenkohl aus Irgendlinks Garten gar kochen kann.

Ferienalltag? Ja, diesen Alltag mag ich von allen Alltagen definitiv am liebsten.

Une randonnée à Vernet-les-Bains
Une randonnée à Vernet-les-Bains

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Mehr auf Irgendlinks Blog
Ungefähre Wanderroute auf Guuglmäps
Touristeninfos über Vernet-les-Bains

In den Pyrenäen #1 oder Weil ich Lust habe und Gratis-WLAN …

Gestern waren wir den ganzen Tag unterwegs in die Pyrenäen. Woran ich Tage zuvor nicht im Traum gedacht hätte. Beide sind wir eher knapp bei Kasse, ich noch mehr als er. Doch manchmal geschehen eben doch Wunder und Türen fallen auf, ohne dass wir den Schlüssel dazu haben.

Und auf einmal hatten wir eine winzige, herzige, saugünstige Wohnung gebucht. In den pyrenäischen Bergen, einer Gegend, die Irgendlink noch länger ins Herz geschlossen hat als ich, die mir aber in den letzten Jahren auch ein Stück Heimat geworden ist. Ich kann mein Glück kaum fassen. Ein Geschenk!

Am Abend des 23. Dezember ist fast fertig gepackt. Wir gehen spät schlafen, denn zuvor erledigen wir noch letzte Dinge im Internet in der sicheren Annahme, die nächsten zehn Tage offline zu sein.

Gestern früh ist es wirklich noch pervers früh, als wir aufstehen, das Auto laden und losfahren. Rauhreif das Land. Rauhe Weihe-Nacht. Das passt. Wunderbar halbleer sind die sonst vollen Schweizer Autobahnen und bald fahren wir bei Genf über die Grenze.

– Wieso fährst du eigentlich links, wenn es rechts Platz hat?, fragt der Liebste zwanzig Kilometer südlich von Genf.
– Warum sollte ich? Es hat ja auf beiden Spuren massenhaft Platz. Du weißt doch, ich bin keine von diesen nervenden Dauernd-die-Spur-Wechslerinnen.
– Aber du wusstest schon, dass es ein Rechtsfahrgebot gibt?
– Nö, never heard. … Was ist das denn? … Ein deutsches Gebot vermutlich? Aber wir sind ja hier nicht in Deutschland. Wir sind in Frankreich.
– Keine Ahnung, ob das in Frankreich auch greift, aber bei uns muss man immer rechts fahren, wenn die rechte Spur frei ist. Es ist strafbar, grundlos die linke Spur zu benutzen. Zumal man ja auch andere behindert, die noch schneller fahren wollen. Kurz: Man verwendet grundsätzlich den rechten Fahrstreifen.
– Wie jetzt? Du meinst, bei euch MUSS man rechts fahren?

Ich verstehe die Welt nicht mehr. Musste ich nahezu 50 werden, um von einem solchen Gebot zu erfahren, nach über fünf Jahren regelmäßigem Autofahren in Germanien? Und auf einmal verstehe ich. Alles. Alle. Alle Deutschen. Denn mitnichten betrifft das Rechtsfahrgebot auf deutschen Autobahnen nur die Straßen.

Ein Land verstehen zu wollen, umfasst viel mehr als nur die Sprache einigermaßen zu verstehen und sprechen zu können. Da sind ganze gesellschaftliche Codes, die es zu verstehen gilt.

Das Rechtsfahrgebot zum Beispiel, so deklamiere ich südwärts fahrend, das Rechtsfahrgebot macht sich in allen Lebensbereichen breit. Es prägt euer Denken.

Heute Morgen, nach dem ersten Frühstück in unserm herzigen Studio in den Pyrenänen, schneide ich das Thema erneut an. Weil ich gegoogelt habe, ob ich womöglich viele Jahre ein Gebot, das auch in der Schweiz gültig wäre, ignoriert habe. Habe ich aber nicht. Sowas gibt es echt nur im Land der unlimitierten Höchstgeschwindigkeit. Ich lese Irgendlink vor, was Wiki zum Thema meint.

– Da siehst du mal, in was für einem restrikiven Land ich lebe!, moniert er.
– Erinnerst du dich an jenen Glaubenskrieg, damals, als wir über Spielregeln diskutierten, M (1), S, du und ich?, frage ich. Und uns nicht einigen konnten, weil wir alle verschiedene Grundregeln voraussetzen?
– Genau. Weißt du was? Daran geht die Welt zugrunde, dass wir alle verschiedene Spielregeln haben.
– Noch schlimmer: jeder meint, seine sei die einzig Richtige! Ist ja wie mit der Schrift auf dem Modem!
– Genau. Wer ahnt schon, dass das französische kleine r aussieht wie eine deutsche oder eine Schweizer Zwei.

Gestern schon hätten wir ins Gratis-WLAN einsteigen können, von dem wir nicht im Traum geahnt haben, dass es uns hier erwartet und das der Grund dafür ist, dass ich nun doch blogge. Gestern habe ich meiner Interpretation der französischen Buchstaben und Zahlen nicht getraut. Deshalb mussten wir bis heute warten. Bis uns der Wohnungsvermieter das handgeschriebene Passwort auf dem Modem per Mail entschlüsselte. Nur weil ich gedacht habe, ich kann das nicht, nicht mehr. Obwohl ich ja in Frankreich gelebt habe und obwohl ich französischen Handschriften normalerweise lesen kann. Aber eben. Doch wer schreibt schon ein 10 Zeichen langes Passwort in Schreibschrift? Na ja, schlimm wars ja nicht, das Offline-sein, zumal Irgendlinks Tagespass ja noch lief, aber es zeigt mal wieder, wie ich manchmal meinem Können misstraue (und obwohl ich alle Buchstaben und Zahlen – wie sich herausstellt – richtig gelesen habe). Und es zeigt, wie sehr ich den Spielregeln anderer misstraue. Da war noch was banales: Unklar war, als wir daheim unsere Sachen packten, ob es Bettwäsche habe in der Wohnung oder nicht. Für einmal beschlossen wir, die Zeile „Bettwäsche geliefert“ wörtlich zu nehmen. Dennoch folgte ich einem Impuls, bevor ich meine Wohnung abschloß, und nahm kurzentschlossen den alten schweren wunderbar warmen Riesenschlafsack, der schon ewig zum eigentlich baldigen Verstau auf dem Dachboden herumstand, mit.

Als wir nun in der Ferienwohnung eingetroffen waren und vom Hauswartspaar in die Wohnung eingeführt wurden, erkannte ich, dass es keine Bettwäsche hatte. Für einen kleinen Aufpreis konnten wir zwar welche bekommen, kein Problem, dennoch begriff ich einmal mehr, wie unterschiedlich Ländercodes und Sätze zu interpretieren sind. „Geliefert“ bedeutete in diesem Fall nicht Standard sondern Möglichkeit. Irgendlink schläft nun also unter einem Leintuch und zwei Wolldecken und ich unter meinem zur Decke geöffneten, warmen Schlafsack. Gut also, wenn man auf seine Intuition hört.

Nun sitze ich hier, in der gemütlichen Wohnung, blicke auf das herzige Bergdorf heraus, das recht hügelig in einer hügeligen, lieblich-kargen Landschaft klebt und hacke diese Zeilen, derweil der Liebste das Dorf erkundet. Später werden wir es gemeinsam erforschen, es uns vertraut machen.

Während die einen sich Orte so vertraut machen, indem sie die kürzesten Wege zum Laden, zur Bäckerei, zur Tanke und zur Apotheke suchen, suchen andere Wege zu schönen Aussichtsorten, wieder andere suchen den kürzesten Weg aus dem Dorf in den Wald. Manche hören auf mit Weitersuchen, wenn sie die wichtigen Wege kennen und bewegen sich dann nur noch in diesen Bahnen, wieder andere versuchen, neue Wege zu finden. Immer wieder andere.

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Und du? Wie machst du dir deine Umgebung vertraut?

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Link zum Blogartikel betreffend Spielregeln: https://sofasophia.wordpress.com/2014/02/16/kleiner-glaubenskrieg-am-spieltisch/
Auch Irgendlink wird über unsere Ferientage in den Pyrenäen wieder live bloggen. Der erste Artikel findet sich hier: http://irgendlink.de/2014/12/25/strasse-je-taime/
Auch seine Tweets sind sehr lesenswert: Twitter-Account
Was Wiki zum Rechtsfahrgebot meint: http://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsfahrgebot
Unser Domizil hier: http://www.france-voyage.com/frankreich-ferienhauser/location-appartement-vernet-les-bains-79032.htm