Von Schlössern und Schlüsseln

Mag sein, dass ich in früheren Artikeln schon darüber geschrieben habe, wie ich immer mal wieder über den Sinn von Schlüsseln nachgrüble. Nicht, dass ich nicht ihre relative Notwendigkeit einsehe; was mich nervt, ist unser Menschsein, das solche Notwendigkeiten hervorbringt.

Ein Welt ohne Schlüsselbünde, ohne PIN-Codes, ohne Passwörter & Schlüsselkarten, ohne verschlüsselte Was-auch-immers. Zuerst einmal müsste sie eine Welt ohne Diebe, ohne Hacker werden, sein, und eine ohne Neid. (Das vor allem.) Doch solange wir selbst, wir Menschen, viele, die meisten, mit einem ständigen Mangelgefühl durchs Leben gehen, wird geklaut werden.

Den Gedanken trotzdem einfach mal weiterzudenken: die Haustüre jederzeit und überall auf der Welt offen lassen zu können, das Fahrrad, das Auto unabgeschlossen abzustellen, fühlt sich ziemlich fremd und zugleich ziemlich erstrebenswert an. Für mich jedenfalls.

Wer wohl den Schlüssel erfunden hat? Keine Frage, eine schlaue Sache das. Das Geschäft mit der Sicherheit ist eh ein großes Ding. Aber. 

 

Bahnhof Falun | Schlösser für den Müll
 
Beim Zelten, auf Zeltplätzen, gibt es keine Schlösser. (Das Zelt selbst ist unser Schloss. Unser Kastell.) Wir nehmen zwar die Wertsachen immer mit, wenn wir den Zeltplatz verlassen, das schon, dennoch habe ich wohl einfach Vertrauen. Dass sich in dieser kleinen Welt keine Diebe tummeln? Eher wohl darein, dass mein kleiner Besitz niemanden zum Klauen verführt.

Was ich mit alledem sagen will? Nichts. Oder alles. Oder einfach nur, dass ich Schlüssel und Schlösser doof finde. Klauen auch. Dass ich es schöner fände, wenn wir alles offen lassen könnten, wenn wir alle den Besitz und die Grenzen aller andern von Natur aus respektieren würden. Wohl auch, dass ich immer mal wieder von einer heilen Welt träume. Und dass es in dieser heilen Welt ganz bestimmt keine Schlösser brauchen würde. Und keine Schlüssel. Codes schon gar nicht. Und Passwörter? Die kannst du dort getrost für immer und einen Tag vergessen.

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Pyrenäen-Bildspecial #1 – Ein und aus, auf und zu.

Türen & Tore

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Hinter Schloss & Riegel

Vom Warten

Warten wir nicht immer auf irgendetwas? Wir vielleicht nicht – ich aber auf jeden Fall. Als ich klein war, wartete ich darauf, groß zu werden. Und heute warte ich im Winter darauf dass es Frühling wird. Im Frühling warte ich auf den Sommer, im Büro auf den Feierabend, und am Bahnhof auf den Zug.

warten auf den zugDank der neugekauften App Polamatic (ja, sie macht süchtig, ich gestehe es), macht das Warten wenigstens ein bisschen weniger Kein-Spaß als ohne sie. Dass der Zug eine halbe Stunde verspätet eintrifft, finde ich dennoch ein bisschen lästig. Tatsächlich fällt sogar der Originalzug aus, dafür erbarmt sich der Nächste, eine halbe Stunde später, aller Wartenden – und wird noch voller als voll. Am Anfang stehe ich noch ohne Mantel in der Sonne, doch bald wird es mir dann doch zu kühl. Die letzten Sonnenstrahlen schwinden und endlich kommt unser aller Zug doch noch.

In B. angekommen spaziere ich gemütlich nach Hause, statt mit der Fahrrad möglichst schnell heimzuradeln. Am neuen Hochschul-Campus vorbei. Es ist noch nicht mild. Lauer Frühlingsabend. Kurz nach sieben Uhr. Blütendüfte. Ich knipse ein Mondbild mit Baum und schnuppere an Blüten, mich zum tausendundersten Mal fragend, warum nachts Blüten stärker duften als tags.

Zuhause finde ich meinen Schlüsselbund nicht. Nicht dort, wo ich ihn normalerweise befestige. Ich suche alle Taschen ab. Kein Schlüssel. Bestimmt habe ich ihn in aller Hast im Büro stecken lassen. In der einen Hand die Post, in der andern meine Tasche, dann auf den Zug rennend (der eine halbe Stunde zu spät gekommen ist). Bestimmt steckte er dort und mein Kollege hat ihn beim Verlassen des Hauses entdeckt und auf den Tisch gelegt.

Gut, dass ich einen Reserveschlüssel im Gärtchen versteckt habe. Bloß wo? Huch, er ist weg. Was nun? Mit dem Licht meines Telefons suche ich alles ab. Kein Schlüssel. Aber das kann doch nicht sein? Jemand muss ihn gestohlen haben. Jemand geht tagsüber in meine Wohnung und schaut sich meine Bilder an. Meine Bücher. Meinen Laptop. Ich fühle mich nackt. Sitze auf der Bank in meinem Gärtchen und überlege, was ich tun soll. Zu Freundin T. radeln und dort warten, bis der Liebste kommt? Hoffentlich hat dieser seinen Wohnungsschlüssel im Gepäck.

lieblingsthingsIch sitze und denke. Ich spüre jene Angst, die Menschen kennen müssen, bei denen eingebrochen worden ist. Ich sitze und auf einmal spüre ich den Schlüsselbund an meiner Gurtschlaufe. Ach ja, ich hatte ja gar keine Zeit, den Schlüssel woanders hinzuklemmen als an die Gurtschlaufe! Wie konnte ich das nur vergessen?! Ich hatte ja keine Jacke an und bin gerannt!

Erleichtert öffne ich die Haus- und Wohungstür, doch noch bleibt das Rätsel mit dem verschollenen Zweitschlüssel zu lösen. Später, mit mehr Ruhe und besserem Licht, finde ich auch den gut versteckten Reserveschlüssel und atme beruhigt aus.

Und wenn der Liebste nun auch bald da ist, ist für heute genug gewartet.

Und dann? Fängt dann endlich das Sein an?  🙂

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Appspressionismus: Bilder von A-Z auf dem iPhone kreiert (fotografiert & montiert mit den Apps TurboCollage und Polamatic).