Verborgene Formatierungen

Die meisten von uns wissen nichts von den verborgenen Formatierungen. Mit diesem geheimnisvollen Satz bin ich heute Morgen erwacht. Obwohl ich im Dunkel des frühen Morgen und der geschlossenen Fensterläden nicht wirklich viel sah, habe ich ihn auf meinen Block gekritzelt. So lesbar, dass ich ihn jetzt, Stunden später, noch immer entziffern kann.

Ich bin ja eine – wie man das wohl nennt? – eine, die nicht nur einen Satzzeichen- und Rechtschreibefimmel hat, ich bin auch eine, die einen währschaften Formatierungsfimmel ihr Eigen nennt. Will heißen, wenn ich einen Text fertig geschrieben habe (ob Geschäftsbrief oder Mail oder Blog oder Ello ist dabei einerlei), wird der nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch in eine Form gebracht, die meinem ästhetischen Empfinden so gut wie möglich entspricht. Da dürfen zum Beispiel keine zuviele Leerzeilen zwischen den Zeilen sein. Obwohl mir ja auch das, was zwischen den Zeilen steht, wichtig ist.

Je nach Format – Software, App oder Officeprogrammm – weiche ich zum Beispiel auf den harten Zeilenumbruch aus – CTRL plus Enter – um eine leere Zeile, resp. die Eröffnung eines neuen Absatzes, auszuschließen. Bei WordPress (wenn man im visuellen Modus arbeitet) bedeutet Enter beispielsweise immer einen neuen Absatz, was, gerade bei lyrischen Texten eine meist unerwünschte Zeile vor der nächsten Zeile bedeutet − und in meinen Augen hässlich aussieht, zerrissen, auseinandergerissen. Da hilft eben nur besagter harter Zeilenumbruch beim Vermeiden.

Bei den diversen von mir benutzen Office-Programmen arbeite ich übrigens immer im Modus namens „alle Zeichen sind sichtbar, auch Leerschläge und Zeilenschaltungen“. Weil ich damit mögliche überflüssige Leerschläge und leere Zeilen ausschließen kann. Die dafür notwenigerweise zu wählende Einstellung sieht fast überall gleich aus. Achtet auf das seitenverkehrte P mit einem Brett im Rücken (¶), wenn ihr die geheimen Zeichen sehen wollt.

(Noch da?) Ja, es gibt da eine Parallelwelt, eine Welt der verborgenen Formatierungen, von denen Normalsterbliche − nun ja, sagen wir NormalnutzerInnen − meist keine Ahnung haben. Auch mir sind noch längst nicht alles Schleichwege auf diesem gar nicht so fernen Planeten vertraut, dennoch gibt es sie, und dennoch funktionieren und wirken ihre Gesetzmäßigkeiten. Aber sie sind Geheimnisse für all jene, die ihre Naturgesetze nicht kennen und natürlich auch für alljene, denen diese Gesetzmäßigkeiten egal sind … Geheimnisse, die also nur für all jene zählen oder gar sichtbar sind, die ein bisschen mehr „sehen“, die bei einem Text auch nicht nur den eigentlichen Inhalt zu sich nehmen, sondern die, wie ich, mit dem Auge mitlesen. Mitessen hätte ich beinahe geschrieben.

Nein, natürlich ist das nicht wichtig. Von einem schön formatierten Text wird niemand satt (GrafikerInnen mal ausgenommen), und es gibt weiß Göttin wichtigere Dinge. Und ja, das hier ist natürlich nur ein Beispiel. Nennen wir es eine Metapher. Eine Metapher dafür, dass jedem von uns etwas anderes wichtig ist. Und jede von uns einen Blick für etwas hat, das andere nicht sehen, nicht sehen können. Und dass es doch schön ist, etwas zu sehen, zu verstehen und zu können, ohne sich deshalb besser als andere zu fühlen. Denn die andern sehen Dinge, die ich nicht sehen kann.

Und wenn sie mich darauf aufmerksam machen, sehe ich sie vielleicht auch.

Als es ruckelte

Mein Auto … seit Samstag fährt es seltsam. Ich hatte den Liebsten an die deutsche Grenze gefahren und am Bahnhof verabschiedet, von wo aus er mit dem Zug zum einsamen Gehöft, wo er lebt, fuhr. Auf dem Rückweg fing das Gestotter und Geruckel an. Gab ich Gas, fiel die Geschwindigkeit. Der Motor ließ sich einfach nicht mehr so beschleunigen, wie ich es gewohnt war. Im einen Augenblick schien alles wieder in Ordnung zu sein, im nächsten kroch ich nur noch mit 80km/h über die Autobahn. Am Sonntagabend schließlich, bei einer kleinen Inspektion des Motorraums, fand ich ein Plastikteilchen, das vermutlich auf der Straße gelegen hatte, von dort hochgeworfen worden war und sich dabei im Gestänge verfangen hatte. Ein blauer Klostein. Nachdem ich das Ding entfernt hatte, hoffte ich, die Lösung gefunden zu haben. Stellte mir vor, dass dieses Ding vor einer Lüftungsritze gehangen hatte.

Gestern, auf meiner Fahrt ans Schreibtreffen in der Nähe von Bern, ruckelte mein Auto jedoch noch immer. Oder immer mal wieder. Ich lernte zwar, dass es fuhr, doch unheimlich war es trotzdem ein wenig. Die Angst, dass das Auto plötzlich stehen bleiben könnte, konnte ich nicht ganz abschütteln. Sie war zwar nicht mehr so stark wie am Samstag, nach der ersten Fahrt, doch sie war da.

Nun ist es Dienstagmorgen und ich werde nachher in die Werkstatt gehen. Fragen, was das sein könnte. Ob sie mir helfen können.

Wäre das hier eine Parabel würde ihre Übersetzung vielleicht so lauten: Eile mit Weile. Rasen oder schneller als erlaubt fahren geht zurzeit nicht. Was im Grunde ja nicht schlecht ist. Für die Umwelt und für den Geldbeutel: Keine Bussen.

Das Auto, das Selbst, so die wörtliche Übersetzung und ich frage mich, was denn zurzeit in meinem Leben ruckelt. Bin ich zu schnell unterwegs? Mache ich zu viel? Will ich zu viel? Sollte ich die Spur wechseln, sollte ich eine Weile besser auf der rechten Spur fahren, damit ich näher am Pannenstreifen bin? Was spricht das Leben jetzt zu mir? Ich horche.

Ich gehorche, auch wenn ich nicht verstehe. Ich will es zumindest. Und am liebsten will ich verstehen. Denn wenn ich verstehe, ist es einfacher, etwas zu verändern. Ist mein Auto wieder einmal eine Metapher für mein Leben?

Nun ist es Abend. Mein Auto fährt wieder. Der Luftmassemesser war defekt, ein kleines elektronisches Ding, ein Sensor, der die Masse der pro Zeiteinheit hindurch strömenden Luft, den sogenannten Massenstrom, bestimmt. Der Sensor misst, wenn er kaputt ist, den Massestrom falsch, und bestimmt darum auch die Menge des einzuspritzenden Kraftstoffes verkehrt. Darum fehlt dem Motor in diesem Fall die Leistung. Beschleunigung ist auf einmal nicht mehr möglich, oder nur ruckelnd, und dass mein Auto nicht auf offener Straße stehengeblieben ist, ist ein großes Geschenk. Denn manchmal könne, erfahre ich, der Motor einfach ausschalten – allerdings geschehe das vor allem im Leerlauf.

Heute morgen, in der Werkstatt, hat der junge Mechaniker zuerst vor Ort probiert, den Schaden, der das Ruckeln verursacht, zu beheben, doch bald gingen ihm die Ideen aus. Er müsse das Auto da behalten, sagte er, und mir tat das Herz weh. Mein Auto in fremden Händen lassen, fühlt sich immer ein bisschen seltsam an.

Am Nachmittag, als ich im Büro war, klingelte mein Handy und ich erfuhr, dass der Mechaniker den Schaden gefunden und behoben hatte. Und dass ich das Auto am Abend, bis halb sechs, abholen könne. So machte ich für einmal pünktlich um fünf Uhr Feierabend, schloss mein Fahrradschloss auf und wollte losradeln. Doch weit kam ich nicht. Der Hinterreifen war platt.

Ohne lange zu zögern, spazierte ich mit dem Rad zum nahen Bahnhof. Mit dem Rad in der einen, dem Handy in der andern fand ich heraus, dass gleich ein Zug fuhr. Ich löste ein Ticket aufs Handy und lud – während die App das Ticket löste – das Rad in den Zug, der zum Glück ein paar Minuten Verspätung gehabt hatte. Der nächste wäre erst in zehn Minuten gefahren und es wäre knapp geworden mit Autoabholen.

Zum Glück ist meine Werkstatt gleich beim Bahnhof in der Nähe. Ich schob mein Rad schnell neben mir her und erreichte rechtzeitig den Schalter. Da ich aber dummerweise die Karte meines Sparkontos nicht dabei hatte und zu wenig Geld im Portemonnaie, musste ich zuerst nach Hause, um die andere Karte holen. Ich konnte, obwohl die Werkstatt schloss, nochmals kommen und die Rechnung am Kiosk, der zur Werkstatt gehörte, bezahlen. Toller Service!

Dass mein Rad einen platten Reifen hatte, fand der Werkstattleiter so richtig schlimm. Er bat zwei junge Mechaniker, das Rad aufzupumpen. Was sie auch, ohne zu Murren, obwohl es schon fast halb sechs war, machten. Sie unterstützten einander, und, mit einem Gummischläuchlein improvisierend, da sie keinen passenden Adapter hatten, füllten meinen Reifen mit Luft. So viel Freundlichkeit auf einen Haufen! Klasse war das.

Und später, als ich die Rechnung bezahlt hatte und mein Auto bestieg, sah ich, dass sie es auch gleich noch geputzt hatten.

Die Luft im Fahrrad hat zwar nicht bis nach Hause gehalten, der Reifen ist noch platt, aber – hey, es gibt Schlimmeres.

Früher haben mich solche Alltagsdramen sofort aus dem Stand gebracht. Heute dachte ich kaum etwas anderes als: Was soll ich als nächstes tun? Kein Hadern. Es ist, wie es ist.

Followerpower

Diesmal habe ich eine technische Frage an euch und hoffe, dass jemand, der oder die hier mitliest, die Antwort kennt.

Klickcounter/Blogstatistik ist das Stichwort. Als WordPresserin kann ich ja auf unzählige Plugins für die Widgetleiste zugreifen, die es manchmal ähnlich auch für selbstgehostete Blogs gibt. Leider nicht immer. Oder doch?

Ich habe neulich testweise auf diesem Blog in meiner Seiten-/Widgetleiste den Klickcounter, der bei WordPress schlicht und einfach Blogstatistik heißt, eingefügt. Geht ja ganz einfach.

Genau das möchte ich nun im selbstgehosteten Blog einer Kundin auch tun. Nach vielen Recherchen und noch mehr Herumfragen haben wir nicht wirklich eine befriedigende Lösung gefunden. Es gibt zwar diverse Counter für einzelne Artikelklicks oder Seitenklicks und das mächtige Statistik-Tool Piwik, das aber für unseren Bedarf übers Ziel hinausschießt.

Kennt jemand von euch ein leicht zu installierendes Plugin, das quasi dem WP-Widget Blogstatistik entspricht? Und ja, es sollte auch die bereits erfolgten Klicks (also von Anfang an) mitzählen, also irgendwie Jetpack-kompatibel sein.

Als Finderlohn werden wir – Irgendlink, die Kundin und ich – uns etwas ausdenken. 🙂

Bitte meldet euch direkt per Mail bei mir: Kontakt.

Danke!!!

Die Technik und ich – ein paar Parabeln

Ein bisschen ist es wie nach einem Bad in der Onsernone. Oder in der Reuss meinetwegen. Ich fühle mich wie neugeboren. Vielleicht sogar besser, denn an meine erste Geburt habe ich leider keine wirklichen Erinnerungen mehr. Egal. Hauptsache ich fühle mich so. Wie neugeboren, wie frisch getankt, wie frisch gefüttert. Und so ähnlich fühlt sich jetzt bestimmt auch mein Laptop. 🙂

Ich mag Metaphern, Gleichnisse – Bilder, die mir die Welt erklären. Schon sehr jung habe ich mir solche Bilder notiert oder aufgemalt. An eins erinnere ich mich noch genau. Es war in meiner pädagogischen Ausbildung, als ich Kindern beim Sandburgenbau zuschaute. Das Loch wurde immer tiefer, der Berg daneben wuchs im gleichen Verhältnis zum Loch. Wenn das kein Gleichnis ist! Eben.

Ein weiteres habe ich vor kurzem auf unserer Pilgerwanderung erlebt. Eines Morgens war Irgendlinks Rucksack wie vom Erdboden verschwunden. Später haben wir ihn in der zehn Meter tiefen Reussschlucht unten gefunden, ziemlich lädiert, von einem großen Tier angeknabbert. (Darüber hat Irgendlink hier (klick) gebloggt). Auch meine Überlebensdecke, die ich als Regen- und Schutzhülle nachts um meinen Rucksack gewickelt hatte, war zerrissen und als Regenschutz nicht mehr brauchbar. Am nächsten Tag, in Andermatt, konnte ich mir eine neue kaufen. Eine größere und bessere – was für eine Metapher und Verheißung für mein „neues Leben“ als Selbständige! Ich verstehe dieses Bild als Bestätigung dafür, dass ich dem Leben vertrauen kann.

Und nun dies. Seit ein paar Wochen, Monaten gar, zickte mein sechsjähriger Laptop herum. Er lud den Akku nicht mehr richtig – vor allem nicht, während ich arbeitete. Dummerweise lief er zuweilen nur noch über diesen kaum mehr richtig befüllbaren Akku und stürzte in der Folge immer mal wieder ab. Ohne Akku lief er irgendwann gar nicht mehr. Irgendlink und ich tippten auf ein Hardwareproblem und ich suchte im Netz nach ähnlichen Fällen, las dies und das und probierte aus. Die Rede war von BIOS neu installieren und von doppelten Einträgen, von denen man einen löschen müsse. Was ich nicht alles versuchte und nichts half! Schließlich bestellte ich mir einen neuen Akku und war glücklich, dass sich dieser immerhin wieder besser laden ließ und ich so länger am Laptop arbeiten konnte, bevor ich mein Uralt-Teil, einen bereits zehnjährigen Laptop, aufstarten musste. Das Uralt-Teil ist so weit okay, aber unendlich langsam und kann immer nur etwas aufs Mal laden. Dennoch war ich froh darüber und saß vor den Ferien immer öfter an diesem Kistchen.

Mein Laptop ist wie ich, sagte ich zu Irgendlink vor den Ferien, er ist überlastet, müde, der Akku ist leer. Er braucht viel Zeit um laden.

Nach der Wanderung beobachtete ich, dass sich mein Laptop auf dem einsamen Gehöft schneller und besser laden ließ als am Schweizer Stromnetz. Erstmals kam mir der Gedanke, dass womöglich etwas mit der Spannung, mit dem Netzteil nicht in Ordnung sein könnte. So suchte ich im Internet nach Hinweisen, die diese Theorie bestätigten oder verwarfen. Mein Verdacht verdichtete sich jedoch, als ich las, dass man meinen Laptop zwingend mit 90 Watt füttern sollte, damit er den Akku laden kann. Dass nämlich sonst zu wenig Spannung dafür sei um den Akku befüllen zu können. Ich bestellte also einen Original-Adapter, einen, der sogar mit Wechselstrom klarkommt und Spannung ausgleichen kann. Und siehe da: Seit gestern lädt sich mein Akku wieder auf, während ich arbeite.

Es fühlt sich wirklich an, als wären mein Laptop und ich neugeboren. Wir können nun wieder zusammenarbeiten ohne ständig Angst vor Abstürzen haben zu müssen. Mein Lappi läuft jetzt wieder sowohl mit Akku als ohne und ist – ich spüre es genau! – sehr glücklich, diesen ständigen Mangel und dieses ständig falsche Futter hinter sich zu haben!

Was habe ich ihm da bloß angetan, vor drei Jahren, als ich das neue Netzteil gekauft hatte, in der Meinung, dass es das richtige sei! Gut, so was funktioniert womöglich eine Weile ganz gut, aber irgendwann eben nicht mehr. So wie ich ja auch eine ganze Weile an meiner nicht zu mir passenden Arbeitsstelle arbeiten konnte und funktioniert hatte, bevor der berühmte Krug brach, ich krank wurde und schließlich kündigte.

Es braucht eben immer das zu uns passende Netzteil und die zu uns passende Spannung, damit unser Akku gefüllt wird und wir froh und zufrieden arbeiten können. Und leben. Und wenn sie nicht gestorben ist, schreibt sie heute noch … 😉