Über-den-Schatten-Sprünge | #zBärg

Hin und wieder sollten wir Dinge tun, die wir uns nicht zutrauen. Ich jedenfalls. Als wir vor drei Jahren im Sommer an der Reuss losgelaufen und schließlich auf dem Gotthard an der Reussquelle gelandet sind – notabene bei knapp Null Grad und im Regen –, hatte ich innerlich so ein Ding vollbracht: Ich hatte etwas getan, dass ich mir nicht zugetraut hätte, wenn ich erst gewusst hätte, dass ich es je freiwillig tun würde. Mit fünfzehn Kilo bei Regen bergwandern: Ich? Ne, das schaffe ich nicht.

Vor einem Jahr, als wir vom Oberalppass zur Rheinquelle am Tomasee wandern wollten und statt des moderaten Weges um die Berge herum gleich am ersten Tag wegen eines Kartenlesfehlers eine veritable Bergtour über den über 2700 Meter hohen Pazolastock erleben durften, habe ich hinterher auch einfach nur gestaunt. Nicht nur über die wunderbare Bergwelt mit ihren immer wieder anderen Ausblicken, mehr wohl noch darüber, dass ich das geschafft habe.

Zu sagen ist, dass ich nie ein sportlicher Mensch war. Obwohl ich mich gerne bewege, gerne wandere, radfahre, schwimme, spaziere, Tischtennis oder Minigolf spiele und hin und wieder aus Lust am Laufen jogge, würde es mir nie einfallen, Sport um des Sporttreibens zu begehen. Auch mein tägliches Yoga übe ich um der inneren und äußeren Beweglichkeit und Ausgeglichenheit – nicht aus sportlichen Interessen, schon gar nicht aus Ehrgeiz oder Leistungsorientiertheit.

Vor etwa einer Woche war auf einmal dieses Reißen; und es wurde immer lauter. Dr Bärg rüeft!, wie man hierzulande so schön sagt. Es brauchte wie so oft nicht viel, den Liebsten anzfixen und ihn zu einer Tour in die Schweizer Berge zu begeistern. Und nun sitzen wir bereits in den Startlöchern.

Diesmal bin ich weder naiv noch habe ich die Karten nicht richtig angeguckt. Ich weiß also, was auf uns zukommt und worauf wir uns einlassen. Gemeinsam haben wir gestern als Start der Tour die Ortschaft und das Tal Kiental auf 960 m. ü. M. im Berner Oberland auserwählt. Ob wir morgen die angedachte Tour zum Oeschinensee und nach Kandersteg über die wirklich soo steilen und richtig hohen Berge (wieder um die 2700 m. ü. M.) machen werden oder eine der Rundwanderungen zum Beispiel zum Aabebärg, die wir angeschaut haben, werden die Tageslaunen und der Wetterbericht entscheiden.

Die Rucksäcke sind gepackt. Wieder sind es je um die zwölf oder dreizehn Kilo mit Schlafsäcken, Matten, Zelt, Wasser und Küchenkram, die mir mit uns herumtragen werden.

Die Sonne putzt bereits ihr Gefieder und blinzelt schon mal ein bisschen zur Probe, damit es heute damit klappt. Wir fahren heute noch, nachher, ins Berner Oberland, damit wir morgen gleich loslegen können.

Und ja, schon jetzt weiß ich, dass es toll wird. Aber auch schon jetzt weiß ich, dass es herausfordernd wird (und ja, ein bisschen Bammel vor dem eigenen Mut habe ich, wie immer).

Die Vorfreude überwiegt.